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Felix Leitner

Witwe Bolte

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  • »Felix Leitner« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 262

Registrierungsdatum: 26. Mai 2013

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1

Montag, 21. Oktober 2013, 09:36

Tonale Schieflagen in den Bond-Filmen

http://whatculture.com/film/10-embarrass…bond-movies.php

Der Auswahl in diesem Artikel mag ich nur bedingt zustimmen, trotzdem schneidet er ein interessantes Thema an: Der ständige Sprung zwischen Witz und tödlichem Ernst, der in wohl kaum einer Franchise so präsent ist wie in den Bond-Filmen.

In DN lernen wir schon früh die amüsante Seite Bonds kennen, der ungezwungen im Cary-Grant-Screwball-Stil mit Miss Moneypenny witzelt und später den wehrlosen Dent kaltblütig ermordet. Unvergessen bleibt mir Connerys gelangweilte Reaktion auf den Tod Akis oder Brosnans melodramatische Trauerszene nach dem Abgang von Paris, die er wenige Minuten später mit seiner BMW-Fernsteuerungs-Gaudi komplett konterkariert. Diesem Grundwiderspruch der Serie versucht erst die Craig-Ära mit einer halbwegs plausiblen Charakterisierung des Pappkameraden Bond gerecht zu werden.

Aber nicht nur der Held selber, auch die Inszenierung sorgt in dieser Hinsicht schon mal für Stirnrunzeln - am ehesten wohl bei Zuschauern, die einen Abstand zur Serie haben, während sich unsereins längst an den tonalen Parforce-Ritt gewöhnt hat.

Besonders unglücklich fällt hier die Glen-Ära auf, die nicht ganz zu unrecht öfters in dem Artikel erwähnt wird: Werden wir an Tracys Grab auf einen gedämpften und ernsten Neuanfang eingestimmt, wird kurz darauf Verursacher Blofeld im Jux-Schornstein versenkt... Glens Filme sind eigentlich geradelinige Thriller ohne das Laszive, Sleazige, das vielen Bond-Filmen der 60er und 70er Jahre anhaftet. Und deswegen wirken die meisten seiner Klamauk-Einschübe unpassend kindisch und stören den Erzählfluss anstatt ihn mit jenem Element der Überraschung zu bereichern, mit dem uns etwa Guy Hamilton zum lachen bringt, wenn er einer freundlichen Oma ein Maschinengewehr in die Hand drückt. Da konnte auch der engagierte Dalton nicht immer im besten Licht glänzen.

Trotzdem gehört das Pendeln zwischen Komik und Ernst ganuso zur 007-Grundausstattung wie zum modernen Blockbuster-Kino. Man denke nur an das düstere Finale in RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER - einem Film, der ansonsten nur von grotesken Puppen und knuddeligen Teddy-Bären bevölkert wird.
"I don't like your manner." "I'm not selling it."

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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2

Montag, 21. Oktober 2013, 10:09

V.a. SF als Nr. 1 kann ich nicht ganz verstehen. Aber eine interessante Frage ist es auf jeden Fall.

Als wir am Freitag TND angeschaut haben, ist mal wieder der schnelle Sprung von Bonds vermeintlicher Trauer über Paris' Tod zur anschließenden Gaudi, die er auf dem BMW-Rücksitz im Parkhaus hat, ins Auge gestochen.
Die Szene wäre noch viel skuriler gewesen, wenn Brosnan ein guter Schauspieler gewesen wäre, der der Paris-Szene Authentizität hätte vermitteln können. Zusätzlich mildernd wirkt sich Frau Hatchers schauspielerische Beschränktheit aus, weshalb man diese Liebelei kaum als wahre Gefühle ernst nehmen kann.
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Django

Der Andere

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3

Montag, 21. Oktober 2013, 10:46

Auch ich kann das mit SF auf Platz 1 nicht ganz nachvollziehen. Auch Plätze 2 bis 9 sind grössteils nur mässig nachvollziehbar. Da gibt's definitv grössere "Embarrassing Tonals".

Rico Royale

The Man behind the GunBarrel

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4

Montag, 21. Oktober 2013, 11:13

Ach ich denke SF ist auf der 1 weil es einfach der jüngste Film ist. Die Leute finden das spannend wenn der Film von neulich jetzt Schlagzeilen macht, ist doch oft so. Und zu dem ist SF wahrscheinlich der Film, den die Macher dieser Liste, aus denselben Gründen, am besten im Kopf haben.
Agent 007030

5

Montag, 21. Oktober 2013, 12:25

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Ich möchte nachfolgend nur einen speziellen Part kurz beleuchten:

Was Bonds menschliches Reaktionsvermögen und Empfinden hinsichtlich der Opfer(figuren) aus den eigenen Reihen angeht, sollte man meines Erachtens unterscheiden zwischen den direkten Reaktionsmomenten und den anschließenden Szenen, die oftmals dann despektierlich unangebracht wirken, wenn darauf ein Action-Moment eingeleitet wird.
Der Gehalt eines innehaltenden Trauermoments wirkt einfach anders wenn innerhalb der Szene die Konzentration des Agenten auf das ermordete Opfer durch die Regie entsprechend Raum ohne Ablenkung gegeben wird. Kommt es danach gleich zu einer sprichwörtlichen Vergeltungsaktion durch unseren Staragenten wird der „Tiefpunkt“ gewöhnlich schnell ausgehebelt, da das Franchise eher selten zum Drama verkommt, sondern der Schwerpunkt der Reihe nun mal eher auf Action und als Unterhaltungsspektakel angelegt ist.

Ich nehme jetzt bewusst mal ein Beispiel aus einem polarisierenden Bond-Film heraus. „Licence to kill“ (1989) präsentiert hier zwei passende Vorgänge, die den vorangegangen Sachverhalt aus meiner Sicht treffend aufzeigen:
Bonds Entdeckung von Della und Bonds Aktionismus als Antwort auf Sharkeys Tod. Während bei ersterer Szene keine gedungenen Mörder im Hintergrund zu erwarten sind, greift Daltons Betroffenheit Übermaßen tief beim Zuschauer. Häufig wird aus dem Franchisewissen schon heraus bei zahlreichen Hardcore-Fans die Reaktion Bonds als Over the Top im Vergleich zu den Trauermomenten aus früheren Filmbeiträgen wahrgenommen. Dagegen wird Bond beim Anblick des ermordeten Sharkey kurz darauf zum rächenden Engel vor Ort, der Gleiches mit Gleichem vergeltet. Wenn Bond sich nach erfolgreicher Entführung des Drogenflugzeugs über das Geld freut, ist das Publikum auf seiner Seite.

So sind die spektralen „Trauermomente“ weitaus ergreifender wenn Bond das Opfer alleine auffindet und keine Gefahr im direkten Umfeld lauert oder ein sofortiger Dialog, den eigentlichen Moment des Innehaltens und der Stille sofort aushebelt. Dadurch brennen sich der Tod von Jill Masterson oder Vesper Lynd spektakulär in das Unterbewusstsein der Zuschauer ein, während Ermordete wie Andrea Anders oder Vijay nur zu einem abstrusen Wahrnehmungsmoment verkommen in welchem weder der Agent noch der Zuschauer den Aufmerksamkeitsschub geschenkt bekommen, den Verlust der Person vernünftig zu würdigen.
So werfe ich persönlich diese Kurzmomente der „Trauerarbeit“ durch den Agenten weniger den einzelnen Darsteller vor, sondern denke, dass es eher dem Drehbuch und vor allem der Regie geschuldet sein dürfte, wie viel Raum und Zeit diesem Moment innerhalb des einzelnen Filmbeitrags gewährt wird.


Zu „You only live twice“ (1967):
Ob die Szene zu Akis Tod in der bekannten Endfassung immer schon nur so gedreht gewesen ist oder ob doch durch den Zweit-Cut von Peter Hunt irgendetwas herausgenommen worden ist, weiß ich nicht. Jedenfalls bleibt so auch gar kein Raum für einen entsprechenden Trauermoment, wobei man sich fragen darf - ob dies von Seiten der Regie sogar bewusst gewollt war, da der Agent ja schon dazu verdammt ist als nächstes eine Schein-Ehe mit einer anderen einzugehen.


Zu „Tomorrow never dies“ (1997)
Der ganz spezielle 'Spaßmoment' während der Autoverfolgungsjagd in der Tiefgarage würde ich persönlich nicht als geschmackloses Konterkarieren hinsichtlich des Verlustes auf Paris interpretieren, sondern auf die Absurdität des Moments. Der Schauspieler lacht sich hier stellvertretend für das Publikum kaputt, da das förmlich „aufgeblasene“ Gadget auf Grund physikalischer Gesetze in sich nicht funktionieren kann und der Hauptdarsteller diesen eigentlich beim Zuschauer kopfschüttelnden Augenblick damit nur geschickt aushebelt.


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Ahab

MI6 Staff

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6

Montag, 21. Oktober 2013, 12:50

Ja gut, Listen dieser Art sind ja eh nur sehr subjektive Wahrnehmungsdokumentationen von einem einzelnen Redakteur. Wie Felix Leitner schon schreibt ist es eher die grundsätzliche Thematik die hier interessant ist. Die Szene mit Mendel in CR ist mir bspw. so explizit negativ noch gar nicht aufgefallen, aber wenn ich es hier so lese ist das schon eine harte Nummer... Andererseits: Die Szene hätte auch leicht zu übertrieben werden können, wenn es diesen Bruch bzw. diese Auflockerung nicht gegeben hätte. So gesehen hätte ich auch nichts gegen einen Mendel am Strand bei Vesper und Bond gehabt. Vielleicht hätte der diese Szene (die meiner Meinung nach genau diese Übertreibung bietet) ja gerettet... ;)

Die Szene in SF hätte ich jetzt auch nicht sooo dramatisch gesehen, allerdings ist es schon eine Szene bei der ich bei bisher jeder Sichtung ein wenig mit Zweifeln zurückbleibe ob das jetzt so unbedingt sein musste...

Django

Der Andere

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7

Montag, 21. Oktober 2013, 13:16

Die Sache mit Mendel ist mir auch nie negativ aufgefallen. Dabei habe ich den Film erst vor wenigen Tagen wieder mal angeguckt. Gefreut hat mich dabei aber, dass sich die Bank, die Mendel vertritt, "Basel Bank" nennt (obwohl Basel ja nicht die ultimative Schweizer Bankenstadt ist. Da wären wohl Zürich und Genf an erster Stelle. Gut, wie in allen grösseren Schweizer Städten spielt natürlich auch in Basel der Bankensektor eine wichtige Rolle).

Gruss aus Basel, Django

PS: Ja, die Thematik ist interessant :)

Felix Leitner

Witwe Bolte

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8

Montag, 21. Oktober 2013, 18:41

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So werfe ich persönlich diese Kurzmomente der „Trauerarbeit“ durch den Agenten weniger den einzelnen Darsteller vor, sondern denke, dass es eher dem Drehbuch und vor allem der Regie geschuldet sein dürfte, wie viel Raum und Zeit diesem Moment innerhalb des einzelnen Filmbeitrags gewährt wird.


Nach dem Tod von Vijay wird die gedämpfte Stimmung mit der Fahrt durch Berlin und dem verhaltenen Barry-Score durchaus noch ein bisschen gehalten. Der Tod von Aki, direkt neben Bond im Bett, hat auf mich aber äußerst intim und deshalb bestürzend gewirkt, weswegen ich Connerys Nullreaktion darauf immer irritierend fand.

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Zu „Tomorrow never dies“ (1997)
Der ganz spezielle 'Spaßmoment' während der Autoverfolgungsjagd in der Tiefgarage würde ich persönlich nicht als geschmackloses Konterkarieren hinsichtlich des Verlustes auf Paris interpretieren, sondern auf die Absurdität des Moments. Der Schauspieler lacht sich hier stellvertretend für das Publikum kaputt, da das förmlich „aufgeblasene“ Gadget auf Grund physikalischer Gesetze in sich nicht funktionieren kann und der Hauptdarsteller diesen eigentlich beim Zuschauer kopfschüttelnden Augenblick damit nur geschickt aushebelt.
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Das ist ja richtig und in sich stimmig. In der Handlungszeit dürften es aber nicht mehr als 2-3 Minuten sein. Und da ist der Kontrast eben groß. Der Drehbuchautor sagt sich natürlcih: Mein Gott, die Action ist so toll, wer denkt da noch an Paris Carver? Das Paris das Opferlamm wird, war mir als alten Bond-Klischee-Kenner schon damals klar und letztlich hat schon die spassige Dr-Kaufmann-Szene jedweden Ansatz einer gedämpften Stimmung verfliegen lassen (obwohl der gute Dr. dem Tod von Frau Carver eine morbide Note verleiht)
"I don't like your manner." "I'm not selling it."

Mister Bond

Felix Leiter

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9

Dienstag, 22. Oktober 2013, 10:38

Ich finde Bonds Reaktion auf Akis Tod alles andere als eine Nullreaktion. Nuancen machen das Spiel, wenn auch nur kurz.