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Maibaum

00-Agent

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161

Donnerstag, 24. Dezember 2015, 14:52

In TB sehe ich noch keine Müdigkeit, in YOLT dagegen wirkt er gelangweilt. In DAF und NSNA spielt er mit viel ironischer Distanz, so mit einem ginsenden "ist doch alles Käse" Augenzwinkerblick. Das funktioniert ganz gut.

Don-Corleone

009 - Killed in East Berlin - Dressed as a clown with a fake Faberge egg in my hand

  • »Don-Corleone« ist männlich

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162

Donnerstag, 24. Dezember 2015, 15:20

In TB erkenne ich auch überhaupt keine Müdigkeit, das ist für mich der Zenit seiner Bondkarriere. Vor allem ist seine Interpretation in GF und TB identisch, ich sehe da keinen Unterschied. Und zum Thema "befreundet" sein. Ich finde Connerys Rolleninterpretation in DN und FRWL auch klasse, aber wenn ein Bond wirklich wie ein eiskalter gnadenloser Killer rüberkommt, dann ist es für mich der Bond in DN. Für mich wirkt er in dem Film nicht wirklich sympathisch (was er auch nicht sein will und sein muss).


Zum Thema YOLT: Gelangweilt finde ich ihn dort auch nicht, aber einen Tick zu routiniert. In DAF wiederum ist er herrlich selbstironisch und zynisch. Das ist eine völlig andere Art der Rollenauslegung.
Schönes Gewehr, passt eigentlich mehr zu einer Frau. - Verstehen Sie etwas von Waffen Mr.Bond ? - Nein, aber etwas von Frauen.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Don-Corleone« (24. Dezember 2015, 15:37)


  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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163

Donnerstag, 24. Dezember 2015, 16:50

In meinen Augen beginnt die Lustlosigkeit bereits in GF - um Himmels Willen, das gibt aber Ärger... :D
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

  • »Mr. Fogg« ist männlich

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164

Freitag, 25. Dezember 2015, 00:55

(...) Und zum Thema "befreundet" sein. Ich finde Connerys Rolleninterpretation in DN und FRWL auch klasse, aber wenn ein Bond wirklich wie ein eiskalter gnadenloser Killer rüberkommt, dann ist es für mich der Bond in DN. Für mich wirkt er in dem Film nicht wirklich sympathisch (was er auch nicht sein will und sein muss). (...)
Wer sagt, dass Freunde sympathisch sein müssen? Sie sollten einem auf Augenhöhe begegnen - und genau das ist mein Eindruck in Connerys ersten drei Bonds!
Der Bond aus Thunderball ist für keinen Mitmenschen erreichbar. (Vielleicht noch in der grandiosen Tanz-Szene mit Fione Volpe.) Neben so einem Typen würde man sich immer zu klein vorkommen. Nein, aus den Romanen entnehme ich da ganz andere Eigenschaften Bonds: Da ist durchaus Mitgefühl, Zuneigung und Freundschaft zu finden.
Und auch die Art, wie er sich seinem Chef, Q oder Moneypenny gegenüber verhält, spricht Bände. In TB ist unterschwellig stets diese angenervte Haltung präsent.
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chrimarx

James Bond Club Deutschland - 007010

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165

Freitag, 25. Dezember 2015, 15:11

Obwohl ich ja den Film sehr mag, kann ich die Sichtweise, die Connery in YOLT eine leidliche Dienst-nach-Vorschrift-Arbeitseinstellung unterstellt, durchaus nachvollziehen.

Ich denke dabei auch weniger an einzelne Szenen, als vielmehr allgemein an seine schlechte physische Verfassung. Er war ja offensichtlich recht füllig geworden und vermittelte auch wirklich wenig Mühe, dieses im Spiel zu kaschieren. Allein dass er sich so gehen ließ ( Man stelle sich vor, Craig würde nicht Wochen vor Drehbeginn in die Gymn gehen, da würde er auch anders aussehen - doch unvorstellbar) und Connery zu der Zeit ja gerade öffentlich auch Narrenfreiheit hatte (Sean Connery is James Bond), ist für mich ein Zeichen, dass er seinen Hass auf die Figur auch nach außen hin nicht mehr verbergen wollte und konnte. Und man ließ ihm ja auch alles durchgehen.
"Darf ich mal meine Freundin hierhersetzen? Sie belästigt sie nicht, sie ist nämlich tot."

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »chrimarx« (25. Dezember 2015, 15:34)


  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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166

Freitag, 25. Dezember 2015, 15:42

Dem stimme ich vollkommen zu. Zwar mag ich den Film ebenfalls sehr gern (bin zwar kein Over-the-top-fan, aber die märchenhafte Asia-Atmosphäre ließ es um mich geschehen), doch Connery wirkt hier äußerst amtsmüde. Hier meine Top/Flop-7 bezüglich Connery's Einsatzmotivation - gemessen am Gesamtwerk, nicht an einzelnen Szenen (Platz 1 = am wenigsten Lust, Platz 7 = volle Leistung):

1. YOLT
2. TB
3. GF
4. DAF
5. NSNA
6. FRWL
7. DN
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Martin

Felix Leiter

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167

Freitag, 25. Dezember 2015, 22:45


Und auch die Art, wie er sich seinem Chef, Q oder Moneypenny gegenüber verhält, spricht Bände. In TB ist unterschwellig stets diese angenervte Haltung präsent.


Da fällt mir vor allem die Szene mit Q ein, von allen Q-Szenen die, die ich am wenigsten mag. In GF hatte die von Guy Hamilton etablierte gegenseitige Genervtheit etwas amüsantes und kultiges. Bei Young dagegen stehen sich die beiden Männer offen feindselig gegenüber und man spürt eine echte gegenseitige Antipathie. Das Spielerische und Witzige fehlt hier. Ich denke, wenn Young auch GF inszeniert hätte, würden wir nie dieses 'Oh grow up, 007!' erlebt haben. Diese Art von Humor ging ihm scheinbar völlig ab. Und Connery hatte offenbar auch keine großen Ambitionen, der Inszenierung hier entgegenzusteuern.

Dass Connery Bond-müse war, ist ja bekannt, aber glaubt Ihr dennoch, dass er so unprofessionell war, dass man ihm das in den Szenen vor der Kamera anmerkt?
In welchen einzelnen Szenen macht Ihr das denn fest - sei es TB, YOLT oder DAF (ich denke, dass dies die hauptverdächtigen Filme sind)?


Man spürt sowas ja leider auch, wenn sich Schauspieler bemühen, es gerade nicht zu zeigen. Ich würde da bei YOLT beispielsweise das erste Zusammentreffen mit Aki beim Sumoringen nennen. Connery wirkt hier angepisst. Aber da sein Bond eh immer eine unterschwellige Aggression ausstrahle, funktioniert es für viele Zuschauer wahrscheinlich trotzdem.

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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Samstag, 26. Dezember 2015, 11:17

Die Szene mit Aki ist sicher keine Sternstunde, aber für mich ist das eher die Neuausrichtung der Figur durch Connery als demonstratives Zurschaustellen von Unlust. Oder meinst Du wirklich, dass man in einer 20-Sekunden-Schauspiel-Szene erkennen kann, ob jemand allgemein noch Bock hat? Wäre es bei Connery dann Vorsatz oder Unprofessionalität? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass jemand nicht sein Bestes gibt, wenn er vor der Kamera steht...
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Martin

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169

Samstag, 26. Dezember 2015, 22:09

Die Szene mit Aki ist sicher keine Sternstunde, aber für mich ist das eher die Neuausrichtung der Figur durch Connery als demonstratives Zurschaustellen von Unlust. Oder meinst Du wirklich, dass man in einer 20-Sekunden-Schauspiel-Szene erkennen kann, ob jemand allgemein noch Bock hat? Wäre es bei Connery dann Vorsatz oder Unprofessionalität? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass jemand nicht sein Bestes gibt, wenn er vor der Kamera steht...


Auf mich wirkt er hier genervt. Mehr kann ich dazu nicht sagen. Das ist auch nur ein Beispiel, eigentlich wirkt er auf mich den ganzen Film so. Ich schrieb ja nicht, dass er es demonstrativ zur Schau stellt, sondern dass es so rüberkommt. Wahrscheinlich hat er sich schon bemüht, aber es nicht ganz verbergen können.

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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Sonntag, 27. Dezember 2015, 12:16

Mag ich es Connery auch nicht direkt vorwerfen wollen, so ist es dennoch eine recht unpassende Antihaltung. Nicht dass das nun allzu verwerflich sei, aber diese arrogant anmutende Gleichgültigkeit wird einer derart physisch ausgelegten Rolle nicht gänzlich gerecht, es war Zeit für Lazenby.
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Feirefiz

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Sonntag, 27. Dezember 2015, 15:22

Die Legende von einem demonstrativ seine Unlust zur Schau stellenden Connery kann ich auch nicht (mehr) mit meiner eigenen Wahrnehmung in Einklang bringen. Wie es schon so ungefähr gesagt wurde: Die ersten drei Filme zeigen Connery unbestreitbar in bester Spiellaune, gerade das darstellerische Duell mit Fröbe ist doch wegen beider Akteure ein absolutes Fest. Bei TB entdeckt man fraglos Routine, aber Unlust? Und der Eindruck eines scheinbaren Durchhängers in YOLT ist wohl wirklich vor allem der mangelnden Austrainiertheit des einstigen Vorzeige-Athleten geschuldet. Connerys Bond-Darstellung entspricht doch genau dem, was ein derartig absurd-abgehobener Film braucht. Starke emotionale Involviertheit à la Dalton und Craig wäre hier doch absolut fehl am Platze gewesen. In DAF ist das noch eindeutiger, nur dass Connery hier die dem Film innewohnende Selbstironie noch stärker mitspielt, ohne allerdings Bond selbst lächerlich zu machen. Wie er z. B. mit und später als Klaus Hergesheimer agiert – das hätte Moore nicht besser machen können. Connerys Spiel ist nicht immer gleich mitreißend, aber seine Bond-Interpretation passt eigentlich immer perfekt zum entsprechenden Film; ob das manchmal nun glücklicher Zufall war bzw. was Ursache und was Wirkung - who cares? Und wer Connerys faktisch omnipräsente Spielfreude in NSNA nicht entdecken kann, dem empfehle ich dringend einen Besuch bei Dracos Augenarzt.
We are not now that strength which in old days
Moved earth and heaven, that which we are, we are —
One equal temper of heroic hearts,
Made weak by time and fate, but strong in will
To strive, to seek, to find, and not to yield.

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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Mittwoch, 23. August 2017, 18:36

Der 1965er Jahrgang, ganz nebenbei der
Letzte von all jenen, die ohne den Hauch einer zeitlichen Lücke
direkt aufeinanderfolgend entstanden, ehe erstmals der Abstand
zwischen Vorgänger und Nachfolger gewisser Produktionsumstände
wegen ausgedehnt wurde, ist auch nach sage und schreibe 52 Jahren als
ein wahrlich sehr hübscher und unterwasserabenteuertechnisch
wegweisender Augenschmaus zu bezeichnen, erfahret im Rahmen der
Rezension nunmehr im Detail, worin sich die zahlreich vorhandenen
Stärken, gleichwohl aber durchaus auch Schwächen, dieses
urlaubsnahen Klassikers zu ergründen vermögen …


Ein „gunbarrel“ der musikalisch
eindrucksvollen Art gelobet uns feierlich zu empfangen und erinnert
in Teilen seiner Klänge an das auch sonst einige Thunderball-Ansätze
in sich tragende „everything or nothing“ von 2003/2004, man
beachte beispielsweise die neunte Mission, kehre jedoch sogleich zu
Feuerball zurück, denn dieser werde nunmehr rezensiert und geehrt ob
der Fülle an verspielten Details, die sie ihn durchzögen.

Der Film er begänne bereits angenehm
makaber und bediene sich damit jener Stärken, wie sie auch zwei
Jahre darauf den Nachfolger beglückten, nicht zuletzt aber auch die
Bond-Jahrgänge 1971 und 1973, somit die ersten beiden Werke einer
neuen Dekade, Feuerball setzt zu Beginn auf den rabenschwarzen Zauber
pechfarbener Pointen und lässt einen aber bereits kurz vor der
Einleitung des Titelliedes erahnen, dass dieser Unterwasser-Bond
Bonds Überlegenheit und über den Dingen stehende Gelassenheit
völlig auf die Spitze wird treiben dürfen, zum Vergleiche:

In dem meiner Meinung nach (oh, man
möge mich steinigen) missglückten 64er Jahrgang , war Fröbe
freilich der eigentliche Star des Werkes, hier kehret nun Connery aus
der passiven Zurückhaltung ins Hauptfeuer zurück und dies in einer
gnadenlosen und doch irgendwo belustigenden Übertreibungskunst, wie
sie wahrlich ihresgleichen sucht, sodass ein jeder Gegenspieler
pausenlos flucht.

Tom Jones' Lied erweist sich dabei als
ein Klangbild des Wiedererkennungswertes und auch der Liedtext selbst
weist unmissverständlich darauf hin, dass diesmal wieder gänzlich
zu den Bond-Bezügen gegriffen wird und ebendieser im Vordergrunde
stünde, allerdings auch ein Bond, der trotz solch übermenschlicher
Darstellungen dennoch abermals in Gefangenschaft gerät, zudem
angeschossen wird und gelegentlich auf den (Meeres-)Boden der
Tatsachen zurückgeholt werden kann, diese Eigenschaft weiß ich zu
schätzen, da sie dem sonst so sehr schwebenden Film zumindest
minimal seine Glaubwürdigkeit angedeihen lässt und dies trotzdem
ohne den Verzicht auf absurdes Fiktionspotential.

„Phantom ist eine pflichtbewusste
Gemeinschaft“, so köstlich diplomatisch läutet und leitet der
unsichtbare Hauptverdächtige eine etwas unsanfte Tötung ein, die
den Beobachter Adolfo Celi nicht gerade zu beeindrucken oder gar zu
schockieren scheint, seine herrlich gaunerhaft „sympathische“
deutsche Schurkenstimme (siehe u.a. auch Blofeld in OHMSS '69, oder
aber Brahms in der Koffer-Episode von „Die 2“), verlieh schon
vielen Figuren dieser Art etwas unvergleichlich Freches und
Vorwitziges, nicht erbost im eigentlichen Sinne, sondern eher einem
sein erstes Verbrechen planenden Kinde gleichend, welches voller
Ehrfurcht vor seinem durchtriebenen Vorhaben zu lustvollen Taten
schreitet und sich vor Vorfreude die Hände reibet, all dies trüge
vergnüglich zur nostalgischen und kultig anmutenden Gesamtstimmung
bei und lässt Feuerball in einem Lichte der Herzlichkeit erstrahlen.

Obgleich thunderball weniger abgehobene
Gestalt annähme als etwa der noch phantasievollere Nachfolger von
vor 50 Jahren, erscheinen die bildgewaltigen und im Größenwahne
recht kreativen Einfälle doch recht stimmig und so handelt es sich
durchaus um einen der verträumten und auch „sanfteren“
Bondfilme, die Reihe wird einen derart entspannten Ausflug nie wieder
erleben dürfen, Spectre hat uns schließlich gezeigt, wie sehr ein
über den Dingen schwebender „Relaxe-Bond“ heutzutage als
Gesamtwerk einem Fehlschlage unterläge.

Es dürfte darüber hinaus mit der
ERSTE Over-the-top-Bond sein, unklar bliebe lediglich, ob wir
Goldfinger in diesen Bereich bereits einordnen sollen, oder aber
tatsächlich erst eine Zeitrechnung ab 1965 ins Leben riefen, nicht
betroffen sind von diesem Übertreibungscharakter entgegen der
allgemeinen Klischees eigentlich einige Werke der Reihe, doch Filme
wie Moonraker, dürften dafür Sorge getragen haben, dass die
Weltvernichtungsannahmen von der Allgemeinheit gerne mal auf die
Gesamtreihe bezogen werden.

Wie dem auch sei, schuf man aus
thunderball zahllose Ideen für die Zukunft, so sollte der unterhalb
der Wasseroberfläche stattfindende „Schwimmspaß“ neben den ab
'68/69 entstandenen Ski-Späßen zu einem der 007-Markenzeichen
werden, auch der „Raketenrucksack“ half u.a. den Schöpfern von
From Russia With Love '05, eine Rückkehr in die 60er Jahre zu
ermöglichen.

Luciana Paluzzi, ein teuflisches und
ungemein anmutiges Geschöpf und eine der ganz und gar Großen des
Bonduniversums, vermag als atemberaubendes Wesen der nicht
vorhandenen Unschuld Eindruck zu hinterlassen und trieft förmlich
vor innerer Gewalt in ihrer Rolle, so fungiert sie praktisch als das
womöglich erste abgrundtief erboste Bondgirl überhaupt und ist der
Hauptfigur des Films geradezu ebenbürtig, lange vor Sophie Marceau
gelang es EON productions demnach, eine Frau als „heimlichen“
Hauptvillain zu engagieren und das Resultat verblüfft und
funktioniert mit regelrechter Bravour.

Sie ist nichts Geringeres als eine
starke Gegenspielerin von fehlendem inneren Gleichgewicht, was der
Rolle perfekt zugute käme und ihr umso mehr bedrohliches Potential
der Furcht und verführerischen Gefahr verleiht, eine recht extreme
Persönlichkeit, ihre Fiona Volpe, und dass Bond den „Freudenverkehr“
mit ihr nur „für England“ betrieb und dass es somit nur aus
politischen Gründen zur körperlichen Annäherung käme..., nun ,
das glaubet Bond doch wohl selbst nicht und spätestens hier macht er
sich zunehmend lächerlich, gleichwohl war sein bissiger Kommentar
unter Umständen vonnöten, um die Dame der Tötungsdelikte von ihrem
hohen Ross zu befreien, ...auf welchem, - dies ist sowohl seine
Stärke als auch Schwäche - aber auch er selbst säße und dies in
einer Süffisanz , wie sie wahrlich ihresgleichen sucht.

Viele im Soundtrack verankerte Details
und zahlreich vorhandene und erschienene Einzelheiten im Rahmen der
visuellen Einfälle und Eindrücke, stellen die Gewissheit her, dass
dem Gesamtwerk eine uns innewohnende Liebe zum
Verspielt-Geheimnisvollen nachzusagen ist, ich denke da etwa an die
entzückende Treppe ins Meer, oder aber auch an den in ähnlichen
Zusammenhängen von Relevanz seienden „Geheimgang“ zwischen der
gefährlichen Raumtrennung zweier swimming pools...

Die Hintergrundgeschichte, in
Verbindung stehend u.a. mit der NATO (die hier noch lange nicht als
„obsolet“ erklärt worden ist...räusper), ist zwar nicht völlig
aus der Luft gegriffen, gleichwohl aber als etwas unspannend und
wenig prickelnd zu bezeichnen, da die Bedrohung im eigentlichen
Sinne, somit die, der der MI6 ausgesetzt ist, vergleichsweise eher
„gering“ ausfiele, d.h. zwar vorhanden ist, aber für
Bond-Verhältnisse nur spärlich, je nach Interpretation zumindest.

Alles was sich unterhalb der
Wasseroberfläche abspielt, kam aus damaliger Perspektive und unter
Berücksichtigung einstmaliger Sehgewohnheiten einem regelrechten
Feuerwerk eines Wunders gleich, wenngleich einige Kampfsequenzen aus
logischen und geschwindigkeitstechnischen Gründen naturgemäß etwas
verlangsamt und selbstredend auch etwas ermüdet werden...

Das erste Filmdrittel beinhaltet
fürwahr recht viel Leerlauf, entraubt dem Gesamtwerke aber noch
lange nicht den fünften Stern, denn spätestens ab Anbeginn des
Unterwasserzaubers, stünde der Liebe zur See nichts mehr im Wege.

Ähnlich wie auch vier Jahre darauf in
OHMSS (min39, Ankunft in Mürren, Special Edition), beginnt erst mit
der Entstehung des zweiten Filmdrittels die Vollendung des die
vollständige Gestalt anzunehmen beginnenden Films sowie die von
dessen Qualität.

Bond wagt sich äußerst weit vor,
schon im Zuge der ersten Begegnung mit Largo, verlässt gleich
dreimal das Wort „Phantom“ seine Lippen, ein Hinweis, der ihm der
Vorsicht wegen lieber erst später hätte herausrutschen sollen,
andererseits erwähnt er es, da sein Angriffskurs je nach Sichtweise
durchaus auch vonnöten ist.

Eindrucksvoll sind darüber hinaus auch
wieder einmal die Sets von Production-design-Legende Ken Adam, die
mir persönlich aber am Besten in dem recht knapp budgetiert
gewesenen Doctor No von 1962 gefielen.

Nachdem Bond den 'kleinen Fisch',
bildlich gesprochen, wieder zu Wasser ließ und in sein
ursprüngliches Umfeld zurückwarf , ließ Largo es sich mitnichten
nehmen, erstmals sein wahres Gesicht zu zeigen, zumindest in voller
Breite der Boshaftigkeit , das Wasser färbt sich fortan rot...

Weniger sympathisch als sonst, wirkt
auf mich das Treffen mit Q, Q's
„Ihre-Überheblichkeit-hängt-mir-langsam-zum-Halse-heraus,007“-Satz,
ist wie ich finde diesmal angemessener als jemals zuvor und
eigentlich auch danach, manch anderes Werk der Reihe findet hier eine
passendere Balance zwischen Sympathie und Arroganz, hier ist es
erstmals, eigentlich gar einmalig, missglückt.

Vor ungefähr zehn Jahren betrachtete
ich thunderball als meinen nahezu unangefochtenen Lieblingsfilm der
Reihe, dem ist nun schon seit wahrlich nicht wenigen Jahren nicht
mehr so, doch zwischen Platz 10 und 15, darf sich thunderball
weiterhin genüsslich ausbreiten und aufhalten, somit ist er aus
heutiger und gegenwärtiger Sicht tendenziell eher in der Mitte
einzuordnen – und damit aber nach wie vor ein überwiegend als sehr
sehenswert anzusehender Film!

Die erste Begegnung zwischen Fiona und
Bond, den beiden bereits beschriebenen Bengeln des Films sozusagen,
führt zu ein paar hübschen Wortspielen und augenzwinkernden
Kleinigkeiten, doch die Gesamtlage wird zunehmend
gefahrendurchtränkter und der orangefarben bedeckte Todesengel
kündigt in Bälde an, Bond höchstpersönlich zu beseitigen zu
gedenken …, im selben Atemzug muss bedauerlicherweise auch ein
Flugwesen dran glauben …

Abgesehen von späteren Szenen auf der
„Disco Volante“, ist der Film auch auf handwerklicher Ebene ein
gut gemachter Augenschmaus der für damalige Verhältnisse ganz
besonderen Art und dies sei hiermit wohlwollend erwähnt und werde
bitte anerkannt.

Herrlich alsbald, wie Bond „Kommen
Sie rein“ sagt, als er nicht mehr zu flüchten imstande ist oder
sich gar zu wehren wüsste, oh wie köstlich gar, denn er reagiert
nach wie vor, als ob er stets eine Wahl hätte...

Ebenso amüsant erscheint die Szene, in
welcher er Fionas (Spoiler!) leblose irdische Hülle auf einem
Sitzplatz unterbringt und den Tischgästen eine Entwarnung
ausspricht, sie stelle doch schließlich keine Belästigung dar ob
des Dahingeschlichenseins ihrer selbst...

Die baldigen Szenen des sich
andeutenden Finales , werden gern als langatmig und unnötig
ausgedehnt empfunden und tatsächlich haben sie aufgrund der
Sauerstofftanks auch einen ebensolchen langen Atem und lassen sich
Zeit, dennoch erweisen sie sich zumindest bei der Erstsichtung als
durchaus spannend, sind auch aufwendig inszeniert und werden stilvoll
präsentiert.

Gegen Ende, nachdem alles ist
vollbracht..., geht es noch einmal „hoch hinaus“ und das
vollendete, vervollständigte und vollends überzeugende, obgleich
bisweilen etwas ermüdete, Bild der Schönheit, findet seinen Weg in
den wohlverdienten Abspann der Nacht...


Der Weg nach Nassau durch den Tunnel er
führe,

ja dieser gräbt sich durch die Welten
unter dem Meere,

die Menschheit sie stets eine Bedrohung
verspüre,

und Fiona Volpe sie sei ihm künftig
eine Lehre …


Ein Werk oh von Anmut verlöre sich im
Sommer nun,

die Bilder wissen ihre Schönheit zu
unterstreichen,

ein Wunder geschah und der Zuschauer
dürfe ruh'n,

die Urlaubsreise darf dem Alltage nicht
mehr weichen...
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Bond '89 - Robert Davi

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Donnerstag, 24. August 2017, 06:34

Die größte Schwäche Feuerballs besteht m. E. darin, dass zu der Arroganz in Bonds Charakter, die in DN fast nicht, in FRWL anfanghaft, in GF gereift dargestellt wird, hier eine Missachtung und Geringschätzung aller Mitmenschen wie der gesamten Umwelt gezeigt wird.
Q sagt es sogar wörtlich:
Bond: "Alles, was sie mir geben, Q ..."
Q: "...wird mit der üblichen Geringschätzung behandelt - ich weiß!"
Wahres Selbstbewusstsein zieht seine Kraft jedoch weniger aus dieser Mangelbewertung der Umwelt, als vielmehr aus der Freude an ihr und daraus, ein Teil davon zu sein! Genau dieses Gefühl des (nicht ganz unschuldigen) Genusses vermittelt mir Connery in GF! In TB ist Bond ein Zyniker, dem alles und alle "auf die Nerven" gehen!
God save the Queen!

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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Donnerstag, 24. August 2017, 17:45

Fürwahr,
ich entsinne mich, so glaubt es aus mir, vermutlich recht, wenn ich mich daran erinnere, dass du ähnliche Worte bezüglich TB schon einmal verloren hast und wir uns, auch wenn ich es nicht ganz so drastisch sehe, durchaus einig waren.
TB-Bond ist eine Fantasiefigur, aber in gewisser Weise so unangenehm wie ein echter Mensch :D
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Bond '89 - Robert Davi

Scarpine

Verschlagener Korse

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Samstag, 1. Juni 2019, 22:10

James Bond 007: Feuerball

Bond Marathon # 00…4; Originaltitel: Thunderball, GB 1965, Regie: Terence Young, Drehbuch: Richard Maibaum und John Hopkins nach einer Story von Kevin McClory, Jack Whittingham und Ian Fleming, Darsteller: Sean Connery, Claudine Auger, Adolfo Celi, Luciana Paluzzi, Rik van Nutter, Bernard Lee, Lois Maxwell, Guy Doleman, Martine Beswick, Molly Peters, Philip Locke, Desmond Llewelyn u. a., Premiere: 09. Dezember 1965

Zitat von »James Bond 007: Feuerball«

Nachdem 007 den SPECTRE-Mann Bouvar ausgeschaltet hat, wird er von M zur Erholung ins Shrublands-Sanatorium geschickt. Hier begegnet Bond durch Zufall dem Agenten Graf Lippe, der für die Terrororganisation vor Ort logistisch tätig ist. Noch während Bond in Shrublands mit den Frauen und der Fitness ringt, gelingt es SPECTRE auf einem Übungsflug einen NATO-Bomber zu entführen. Die Crew, der Verräter und eine Zielperson werden ermordet. Das Flugzeug kann nicht mehr geortet werden und die Terroristen befinden sich nun im Besitz von zwei Atombomben. Wenig später geht eine erpresserische Forderung in der Downing Street ein. Lösegeld: Diamanten im Wert von 100 Millionen Pfund. Sieben Tage Frist. Bond, der die Zielperson Derval tot in Shrublands aufgefunden hat, reist auf die Bahamas, um sich dessen Schwester Domino zu nähern. Von besonderem Interesse ist für 007 deren Liebhaber Emilio Largo, der als SPECTREs Nummer 2 den Diebstahl durchgeführt hat. Alsbald gerät Bond von einer tödlichen Situation in die andere. Jetzt weiß er sicher: Die Bomben sind irgendwo auf der Inselgruppe versteckt. Allmählich läuft dem Doppel-Null-Agenten allerdings die Zeit davon...

Zitat von »Scarpine (2013)«

Mit Youngs Rückkehr auf den Regiestuhl nehmen Härte, Zynismus und optischer Realismus wieder eine stärke Rolle ein, ohne dass man die Abgehobenheit und Größendimensionierung des Vorgängers hinten an stellt. 007 mutiert mit diesem Werk endgültig zu einer Überfigur. Und doch fallen gewisse Störelemente ins Auge, die das Bild trüben. Leichte Schwächen im Plot und in den filmischen Mitteln paaren sich mit einem unleugbar eintönigem Schauplatz und dem Fehlen eines dem Vorgänger ebenbürtigen Überschurken. Doch diese leichten Defizite können den Filmgenuss nur unerheblich schmälern. Denn von der Mischung her, darf man diesen Film guten Gewissens als die Quintessenz aller Sean Connery-Bondstreifen bezeichnen.

Thunderball ist ein Film, der die Elemente seiner drei Vorläuferstreifen geschickt aufgreift, verbindet und steigert. Von daher ist es vollkommen berechtigt, diesen Beitrag als die Quintessenz der Connery-Ära, ja sogar der ganzen Golden Sixties, zu bezeichnen. Rundherum ist das Werk gelungen; ein Bondepos, das die Verträumtheit eines Doctor No, die Ernsthaftigkeit eines From Russia With Love und den Eskapismus eines Goldfinger in Vollendung synthetisiert. Sicherlich kann man kleine Kritikpunkte finden, aber sie sind so marginial, dass sie den Filmgenuss nicht im geringsten trüben können. Ich wüsste jetzt nicht einmal zu sagen, wo der Streifen groß Schwächen aufweist. Die 130 Minuten Screentime vergehen fast wie im Flug, so eine Sogwirkung hat die - im edlen, feinsten Breitwandformat - gedrehte Atombombenhatz. Wo viele andere Zuseher Längen entdecken, sehe ich die Stärken des Films. Die Militär-, Vulkan-, Hai-, Tauch- und Unterwasseraktionen bedienen inszenatorisch fast eine Art "semi-documentary-Style". Für mich sind diese Sequenzen atmosphärische Leckerbissen, die die Ernsthaftigkeit des Plots und der Bedrohung sehr wirksam unterstreichen. Für viele andere Zuschauer sind sie natürlich a-typisch. Zur Entstehungszeit stand wegen dieses Pseudo-Realismus vielfach der Vorwurf der unnötigen Angstmacherei im Raum, aus der Sicht heutiger Beobachter mangelt es diesen Passagen dagegen an Zielgerichtetheit und Bondfeeling. Für mich jedoch sind die Sequenzen ausgesprochen harmonisch und wirksam in das Szenario eingebettet.

Über Sean Connerys Leistung in diesem Film wird immer gerne gestritten. Ich muss gestehen, dass er mir in seinen drei ersten Einsätzen besser gefällt, aber dennoch hier weit davon entfernt ist, Lustlosigkeit zur Schau zu tragen. Ich glaube, als 007 hat Connery sogar nie mehr physischen Einsatz gezeigt als in Thunderball. Charakterklich ist er vollauf mit der Figur verwachsen und der größere Ernst seines Spiels scheint – meines Erachtens – der von der Regie gewollten Dringlichkeit der Bedrohung Rechnung zu tragen. Zugegebenermaßen fehlen auch auf dem Papier ein wenig die großen Momente, die Connery schauspielerisch glänzen lassen könnten. In der weiblichen Hauptrolle erleben wir eine taufrische Claudine Auger, die zwar nicht ganz an Daniela Bianchis Performance herankommt, aber ihre Heroine sehr gut und glaubhaft verkörpert. Dominos Dreiecksverhältnis mit den beiden Protagonisten stellt immer noch eine der reizvollsten Figurenkonstellationen der Reihe dar. Einen Prachtkerl von einem Schurken gibt Adolfo Celi. Zwar fehlen ihm denkwürdige Momente, wie sie seinem Vorgänger fast am Fließband vom Drehbuch als Steilvorlagen geliefert wurden, aber der Italiener meistert die ihm zugedachte Rolle in exzellenter Manier. Vielleicht ist Emilio Largo sogar der Fiesling, der klassisches Villain-Charisma und tatkräftige Physis am besten vereint. Für mich neben Goldfinger der beste Bondschurke der Sechziger Jahre. Die restlichen Darsteller fügen sich gut in das Ensemble ein, ohne besonders positive oder negative Akzente zu setzen. Nur die feuerrote Luciana Paluzzi sticht als wortwörtliche Femme Fatale heraus, die mit ihrer Mischung aus heißblütiger Erotik und eiskalter Berechnung in der Serie viele Nachfolgerinnen finden sollte. Das Secret Service-Gespann hat ordentliche, aber keine sonderlich prägnanten Auftritte.

Dank des Cinemascope-Verfahrens gelingen Ted Moore prächtige Bilder. Man spürt die Weite der Inselgruppen, der Lagunen, der Meeresflora und Ozeanfauna. In der Vortitelsequenz und den Action-Höhepunkten merkt man, wie die Kameraführung immer dynamischer agiert und Filmbeitrag für Filmbeitrag rasanter geschnitten wird. Die Farbpalette präsentiert sich angenehm zurückhaltend, bietet keinen knalligen Technicolor-Zuckerguß, bleibt aber warm genug, um das mediterrane Klima der karibischen See angenehm abzubilden. Maurice Binder glückt sein wohlmöglich bester Vorspann und Komponist John Barry gelangt mit diesem Film in jene phänomenale Phase, die in den beiden folgenden Werken akustisch ihren Höhepunkt finden sollte. Der Score beginnt einen solchen atmosphärischen Biss zu entwicklen, dass der Zuschauer sich stets inmitten des Geschehens wähnt. Hier verdichtet die Musik die filmische Erzählung auf faszinierende Art und Weise. Titelinterpret Tom Jones gibt sich als weiterer Kultklassiker die Ehre. Mit England, Frankreich, Miami und den Bahamas hat man großartige Schauplätze gefunden und Ken Adams vielleicht funktionalstes Production Design fügt sich nahtlos in das Sujet und den Schurkenplot ein. Wie erwartet, setzt Rückkehrer Terence Young den Weg des augenzwinkernden Nonsens seines Vorgängers Hamilton nur in Teilen fort. Was andere bisweilen als Rückfall in biedere Nüchternheit schmähen, empfinde ich hingegen als angebrachte Korrektur. Mit sinnbefreiter Ironie hätte man das durchaus reale Bedrohungsszenario nicht so effektiv zum Leben erwecken können. Und obwohl die Inszenierung gelingt, merkt man, dass die zunehmende Over-the-Top-Schiene sich von Youngs bodenständigeren Stil immer mehr löst. Der Regisseur erkannte die Zeichen der Zeit und nahm mit einem hochklassigen Werk zum richtigen Zeitpunkt Abschied von der Bondreihe.

Mit Fug und Recht als "Biggest Bond of all" beworben – ein zeitlos schöner, stilvoller Top-Thriller, der auf einmalige Weise exotische, maritime Stimmungen mit der Allgegenwart atomarer Angst kontrastiert. Auch wenn der Vorgänger kultiger sein mag, hier erreicht Connery seinen Zenith als 007.

00 00 00 00 00 Doppel-Null-Lizenzen
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

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Mister Bond

Felix Leiter

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Dienstag, 4. Juni 2019, 00:16

Tat wohl gut, die etwas längere Bond Abstinenz? ;)
Für mich bilden aber auch FRWL, GF und TB das non plus ultra in Connerys Bondschaffen und es sind für mich auch mitunter die essentiellen Bondfilme.
Nicht nur das, in diesen drei finde ich Connery auch am besten. Keine Ahnung was manche haben, aber in TB ist Connery genau so viel Bond wie in GF. Ich sehe da keine Ermüdung, im Gegenteil, ich sehe viel Spielfreude und eine absolute Coolness, wie sie danach wohl kaum erreicht wurde.
Und Luciana Paluzzi, Claudine Auger...heidewitzka, der Film enttäuscht optisch wahrlich nicht :)

Scarpine

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Dienstag, 4. Juni 2019, 10:38

Tat wohl gut, die etwas längere Bond Abstinenz? ;)
Für mich bilden aber auch FRWL, GF und TB das non plus ultra in Connerys Bondschaffen und es sind für mich auch mitunter die essentiellen Bondfilme.

Oh, sag das nicht. Keine Vorschuss-Lorbeeren, bitte. ;)

Aber ja, die lange Abstinenz tat wirklich gut und der Marathon ist bislang ein Genuss. Aber ich denke, dass es mit der Herrlichkeit/Höchstwertung jetzt auch wieder vorbei sein wird. Wie du schreibst, handelt es sich hier quasi um die "Goldene Trilogie" und mein Lieblingsbondjahrzehnt waren schon immer die Sechziger Jahre. Ich denke, dass es sehr bald ordentlich kontrovers werden könnte, falls die Trends der letzten Jahre anhalten: Die Siebziger Jahre sind stets von schwankender Qualität und die Achtziger Bonds (die viele Fans vergöttern) sind bei mir zuletzt stark in der Wertschätzung gefallen. Von daher bin ich mir nicht so sicher, wie oft es in der klassischen Ära noch heißen wird: Volle Doppel-Null-Lizenzen. :P
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Daniel Dalton

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Freitag, 16. August 2019, 15:08

So, 2 Jahre nach meiner TB-Rezension habe ich die Rezension ein wenig umbearbeitet, LG

Der legendäre,
eskapistische, befreiende, hochgradig faszinierende 1965er Jahrgang,
ganz nebenbei der Letzte unter all jenen Vieren, die ohne den Hauch
einer zeitlichen Lücke direkt jährlich aufeinanderfolgend
entstanden, ehe erstmals der Abstand zwischen Vorgänger und
Nachfolger gewisser Produktionsumstände wegen ausgedehnt wurde, ist
auch nach sage und schreibe 52 Jahren (54) als ein wahrlich sehr
hübscher und unterwasserabenteuertechnisch geradezu wegweisender
Augenschmaus erhabenster Extraklasse zu bezeichnen, man erführe im
Rahmen der Rezension nunmehr im Detail, worin sich die zahlreich
vorhandenen Stärken, gleichwohl aber durchaus auch Schwächen,
dieses urlaubsnahen Klassikers zu ergründen scheinen, erlebet
wässrig schwimmfreudige und tauchdurchtränkte Filmkunst anmutigen
Soundtracks und glanzvoller Besetzung.



Ein „gunbarrel“ der
musikalisch eindrucksvollen Art gelobet uns feierlich zu empfangen
und erinnert in Teilen seiner Klänge an das auch 'sonsten einige
Thunderball-Ansätze in sich tragende „everything or nothing“ von
2003/2004, man beachte beispielsweise die neunte Mission, kehre
jedoch sogleich zu Feuerball zurück, denn dieser werde nunmehr
rezensieret und geehrt ob der Fülle an verspielten, köstlich
selbstverliebten Details, die sie ihn durchzögen in einem Kosmos, in
welchem gewissen Bedrohungen zum Trotze unbeschwerte, über den
Dingen stehende Elemente überwögen, der Film er begänne bereits
angenehm makaber und bediene sich damit jener Stärken, wie sie auch
zwei Jahre darauf den erdentrückten, sphärischen, himmlischen
Nachfolger beglückten, nicht zuletzt aber auch die Bond-Jahrgänge
1971 und 1973 verwandten schwarzhumorige Techniken sehr gekonnt,
somit die ersten beiden Werke einer neuen Dekade, ferner gelang
selbiges auch Licence revoked im Jahre 1989 mit Bravour, Feuerball
setzt zu Beginn auf den rabenschwarzen Zauber pechfarbener Pointen
wie gesaget und lässt einen aber bereits kurz vor der Einleitung des
Titelliedes erahnen, dass dieser Unterwasser-Bond Bonds mitnichten
eines unsanften Todes stürbe, sondern pure Überlegenheit und über
dem Leben stehende Gelassenheit völlig auf die Spitze wird treiben
dürfen, zum Vergleiche:


In dem meiner Meinung nach
(oh, man möge mich steinigen, dessen bin ich mir gewahr)
missglückten 64er Jahrgang „Goldfinger“, war Fröbe freilich der
eigentliche Star des Werkes, hier kehret nun Connery („Die
Strohpuppe“, „Jagd auf roter Oktober“) aus der passiven
Zurückhaltung ins Hauptfeuer zurück und dies in einer gnadenlosen
und doch irgendwo belustigenden Übertreibungskunst, wie sie wahrlich
ihresgleichen sucht, sodass ein jeder Gegenspieler pausenlos fluchet
und sich nirgends zu helfen weiß, der 'Realismus' der Filme Doctor
No und insbesondere Liebesgrüße aus Moskau (nun gut, bei den
Liebesgrüßen durchaus, bei Doctor No bezöge sich das eher NUR auf
die Darstellung Bonds, weniger auf die eigentliche Geschichte, welche
Teile der Moore-Ära bereits heraufbeschwor) musste somit zwar
bedauerlicherweise weichen, doch auch diesmal schuf T. Young einen
einmaligen Film, kredenzte einen atemberaubenden Agenten-Cocktail
gesündlichen Gemischs, genau die angenehme Balance findend zwischen
Urlaub und Aufgabenbewältigungspflichtprogramm.


Tom Jones' Liedchen
erweist sich dabei als ein Klangbild des fast ausgeprägtesten
Wiedererkennungswertes und auch der Liedtext selbst weist
unmissverständlich darauf hin, dass diesmal wieder gänzlich zu den
Bond-Bezügen gegriffen wird und ebendieser Mensch im ebenso
ursprünglichen wie gleichwohl hoffentlich auch fürderhin wieder
Gestalt annehmenden Vordergrunde stünde, allerdings (entkräftend
das Klischee, TB sei IMMER der Über-Bond und unnahbar) auch ein
Bond, der trotz solch übermenschlicher Darstellungen dennoch
abermals in Gefangenschaft geriete, zudem unsanft angeschossen wird
und gelegentlich auf den allgemeinen (Meeres-)Boden der Tatsachen
zurückgeholt werden kann (nicht muss...), diese Eigenschaft weiß
ich zu schätzen, zu würdigen, da sie dem sönstlicherseits so sehr
schwebenden Film zumindest minimal seine Glaubwürdigkeit angedeihen
lässt und dies trotzdem ohne den Verzicht auf absurd verspieltes,
viele Fantasien bedienendes Fiktionspotential, mich dünkt: der
Spagat misslang mitnichten.


Phantom ist eine
pflichtbewusste Gemeinschaft“, so köstlich diplomatisch läutet
und leitet der unsichtbare Hauptverdächtige eine etwas unerfreulich
zu vollführende Tötung ein, die den Beobachter Adolfo Celi nicht
gerade zu beeindrucken oder gar zu schockieren, ja auch nur zu
tangieren scheint, seine herrlich gaunerhaft „sympathische“
deutsche Schurkenstimme (siehe u.a. auch Blofeld in OHMSS '69, oder
aber Brams in der Koffer-Episode von „Die 2“, Martin Hirte),
verlieh schon vielen Figuren dieser Art etwas unvergleichlich Freches
und Vorwitziges, nicht erbost im eigentlichen Sinne, sondern eher
einem sein erstes Verbrechen planenden Kinde gleichend, welches
voller Ehrfurcht vor seinem durchtriebenen Vorhaben zu lustvollen,
beschwingten Taten schreitet und sich vor Vorfreude die Hände
reibet, all dies trüge vergnüglich zur nostalgischen und kultig
anmutenden Gesamtstimmung bei und lässt Feuerball in einem
lieblichen Lichte der Herzlichkeit erstrahlen, Puls er schösse hoch
und Leben es schlüge Kapriolen – und obgleich Thunderball weniger
abgehobene Gestalt annähme als etwa der noch phantasievollere
Nachfolger von vor 50 Jahren (52), erscheinen die bildgewaltigen und
im sympathischen Größenwahne recht kreativen Einfälle doch recht
stimmig und so handelt es sich durchaus um einen der verträumten und
auch „sanfteren“ Bondfilme, die Reihe wird einen derart
anti-unentspannten Ausflug nie wieder erleben dürfen, Spectre hat
uns schließlich gezeigt, wie sehr ein über den Dingen schwebender
„Relaxe-Bond“ heutzutage als Gesamtwerk einem Fehlschlage
unterläge und dass ein bemühter, gezwungener Versuch zur
Nonchalance nicht notwendigerweise zu reüssieren vermag, erst recht
nicht, wenn er stümperhaft, unkreativ und zeitschriftenpsychologisch
in einen künstlichen Kelch angeblichen Tiefgangs getränkt wird und
sich somit eigentlich eher mit dem Gegenteil dessen paart, was
angemessen erschiene.


TB '65 war weiland zu
seiner Zeit ein visueller Orkan. Es dürfte darüber hinaus mit der
ERSTE Over-the-top-Bond sein, unklar bliebe lediglich, ob wir
Goldfinger in diesen Bereich bereits einordnen sollen, oder aber
tatsächlich erst eine Zeitrechnung ab 1965 ins Leben riefen (und
schrieb ich dergleichen nicht einige Zeilen zuvor auch über Dr. No,
oder was biss mich da?), nicht allzu sehr betroffen sind von diesem
Übertreibungscharakter entgegen der allgemeinen Klischees eigentlich
einige (!) Werke der Reihe, was dem Ottonormal-Bonde unter den
Zuschauern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht
allzu klar und geläufig ist, doch Filme wie Moonraker, Macht habend
über unser Bewusstsein, dürften dafür Sorge getragen haben, dass
die Weltvernichtungsannahmen von der Allgemeinheit gerne mal auf die
Gesamtreihe bezogen, man könnte auch sagen projiziert werden, ...wie
dem auch sei, schuf man aus Thunderball zweifelsohne zahllose Ideen
für die Zukunft, so sollte der unterhalb der Wasseroberfläche
stattfindende „Schwimmspaß“ neben den ab '68/69 entstandenen
Ski-Späßen zu einem der 007-Markenzeichen werden, auch der
„Raketenrucksack“ half u.a. den Schöpfern von From Russia With
Love '05 (NGC, Xbox, PS2), eine Rückkehr in die 60er Jahre
weitestgehend zu ermöglichen – dass dieses VISUELL in vollendeter
Brillanz gelang, offenbart schon ein bloßer Blick auf die opulenten
Konzeptgrafiken, welche sie mit zunehmender Dauer des Spiels Stück
für Stück werden freischalten können.


Zurück im Jahre 1965
angelangt, es erstrahlt erstmals eine der unvergesslichsten
Femme-fatale-Königinnen der gesamten Reihe:



Luciana Paluzzi (bekannt
aus Fritz Langs poetischen Indien-Werken), ein teuflisches und
ungemein anmutiges Geschöpf und eine der ganz und gar Großen des
Bonduniversums, vermag als atemberaubendes Wesen der nicht
vorhandenen Unschuld erheblichen Eindruck zu hinterlassen und trieft
förmlich vor innerer Gewalt in ihrer Rolle, so fungiert sie
praktisch als das womöglich erste abgrundtief erboste Bondgirl
überhaupt und ist der Hauptfigur des Films geradezu ebenbürtig,
lange vor Sophie Marceau gelang es EON productions demnach, eine Frau
als „heimlichen“ Hauptvillain zu engagieren und das Resultat
verblüffet und funktioniert mit regelrechter Bravour so unendlich
hart und pur, sie ist in der Form ihrer Darstellungsweise niemand
Geringeres als eine hintersinnige, starke Gegenspielerin von, sagen
wir teils, fehlendem inneren Gleichgewichte, was der Rolle perfekt
zugute käme und ihr umso mehr bedrohliches Potential der Furcht und
verführerischen Gefahr verleiht, eine recht extreme Persönlichkeit,
ihre Fiona Volpe (aber ohne dass der Zuschauer zu sehr ins Schmunzeln
geriete – eine Gefahr, die bei ihrem '83er Pendant, gespielt von
der hinreißenden Barbara Carrera, bisweilen durchaus bestünde...),
und dass Bond den „Freudenverkehr“ mit ihr nur „für England“
betrieben habe und dass es somit nur aus politischen Gründen zur
körperlichen Annäherung käme..., nun , das glaubet Bond doch wohl
selbst nicht und spätestens hier macht er sich zunehmend lächerlich,
gleichwohl war sein sich etwas erdreistender, bissiger Kommentar
unter Umständen vonnöten, um die Dame der alsbaldigen
Tötungsdelikte vorerst von ihrem hohen Rosse zu befreien, ...auf
welchem, - dies ist sowohl seine Stärke als auch Schwäche - aber
auch er selbst säße und dies in einer fast unerträglichen
Süffisanz , wie sie wahrlich ihresgleichen sucht, an DIESEM Bonde
hätte Gustav Graves noch mehr „Spaß“ gehabt als an Brosnans
(ebenfalls viertem) Einsatz, hätte sich eine Maskerade zu Eigen
gemacht, welche Graves noch überzeichneter, aber auch faszinierender
hätte wirken lassen.


Viele im Soundtrack
verankerte Details und zahlreich vorhanden und erschienen seiend'
Einzelheiten im Rahmen der visuellen Einfälle und Eindrücke,
stellen die Gewissheit her, dass dem Gesamtwerke eine uns
innewohnende, inhärente Liebe zum Verspielt-Geheimnisvollen
nachzusagen ist, ich denke da etwa an die entzückende Treppe ins
Meer (unvergesslich, hat etwas Märchenhaftes an sich), oder aber
auch an den in ähnlichen Zusammenhängen von Relevanz seienden
„Geheimgang“ zwischen der gefährlichen Raumtrennung zweier
swimming pools...,


auch die
Hintergrundgeschichte der Handlung überzeugt teilweise (!), in
Verbindung stehend u.a. mit der NATO (die hier noch lange nicht als
„obsolet“ erklärt worden ist...räusper, Trump lässt sich aber
auch immer wieder die obskursten Geschichten einfallen), doch zu
ihren Mängeln – sie ist zwar nicht völlig aus der Luft gegriffen,
gleichwohl aber als etwas unspannend und wenig prickelnd zu
bezeichnen, wie mir schien, da die Bedrohung im eigentlichen Sinne,
somit genau die, der der MI6 ausgesetzt ist, vergleichsweise eher
„gering“ ausfiele, d.h. zwar vorhanden ist, aber für
Bond-Verhältnisse nur spärlich, je nach Interpretation zumindest
ergibt sich daraus natürlich eher eine Entspannungshaltung, gemessen
an den Folgen und der Drastik, welche in einigen der anderen Filme im
Falle fehlender Errettung denkbar gewesen wären, in dieser einen
Hinsicht daher genösse Feuerball einen kleinen Minuspunkt.


Doch Logik darf zuweilen
als annähernd ignorabel gelten, alles was sich unterhalb der
Wasseroberfläche abspielt, kam aus damaliger Perspektive und unter
Berücksichtigung einstmaliger Sehgewohnheiten einem regelrechten
Feuerwerke eines wonnetrunkenen Wunders gleich, wenngleich einige
Kampfsequenzen aus logischen und geschwindigkeitstechnischen Gründen
naturgemäß etwas verlangsamt und selbstredend auch etwas ermüdet
werden...,


schon das erste
Filmdrittel beinhaltet fürwahr recht viel Leerlauf zwar, entraubt
dem Gesamtwerke aber noch lange nicht den fünften Stern, denn
spätestens ab Anbeginn des hinreichend angekündigten
Unterwasserzaubers, stünde der Liebe zur See nichts mehr im Wege,
ähnlich wie auch vier Jahre darauf in OHMSS es sich verhielt (min39,
Ankunft in Mürren, Special Edition), begänne erst mit der
Entstehung des zweiten Filmdrittels die Vollendung des die
vollständige Gestalt anzunehmen beginnenden Films aufzublühen sowie
die von dessen Qualität profitierende Schwebezartheit.


Bond wagt sich äußerst
weit vor, schon im Zuge der ersten Begegnung mit Largo, verlässt
gleich dreimal das risqué seiend' Wort „Phantom“ seine Lippen,
ein Hinweis, der ihm der Vorsicht wegen lieber erst später hätte
herausrutschen sollen, andererseits erwähnt er es, da sein
verwegener Angriffskurs je nach Sichtweise durchaus auch vonnöten
ist, eindrucksvoll sind darüber hinaus, wenn nicht schon erwähnt
worden, auch wieder einmal die Sets von Production-design-Legende Ken
Adam, die mir persönlich aber am Besten in dem recht knapp
budgetiert gewesenen Doctor No von 1962 gefielen.


Nachdem Bond den 'kleinen
Fisch', bildlich gesprochen, wieder zu Wasser ließ und in sein
ursprüngliches Umfeld zurückwarf , ließ Largo es sich mitnichten
nehmen, erstmals vollends sein wahres Gesicht zu zeigen, zumindest in
voller Breite der bissigen, haifischartig anmutenden Boshaftigkeit
nämlich gedachte er sich mal recht dreist zu präsentieren und auf
diplomatischere Tode zu verzichten, das Wasser färbt sich fortan
rot...,


weniger sympathisch als
sonst, wirkt auf mich ferner das Treffen mit Q (dieser Vorwurf
wiederum gilt jedoch Bond), Q's
„Ihre-Überheblichkeit-hängt-mir-langsam-zum-Halse-heraus,007“-Satz,
ist, wie ich finde, diesmal angemessener als jemals zuvor und
eigentlich auch danach, manch anderes Werk der Reihe findet hier eine
passendere Balance zwischen Sympathie und Arroganz, hier ist es
erstmals, eigentlich gar einmalig, missglückt, eine erfrischende,
erheiternde Kommunikation zwischen Technik-Erzeuger und
Technik-Vernichter herzustellen, auch mein generelles Meinungsbild
verschöbe sich hier und da ein wenig, vor ungefähr zehn (zwölf)
Jahren betrachtete ich Thunderball als meinen nahezu unangefochtenen
Lieblingsfilm der Reihe, dem ist nun schon seit wahrlich nicht
wenigen Jahren nicht mehr so, doch zwischen Platz 10 und 15 (12 und
16), darf sich Thunderball weiterhin genüsslich ausbreiten und
aufhalten, sozusagen auf dem Altar der goldenen Mitte, somit ist er
aus heutiger und gegenwärtiger Sicht tendenziell eher in der
schwierigen Region einzuordnen – und damit aber nach wie vor ein
überwiegend als außerordentlich sehenswert anzusehender Film!


Die erste Begegnung
zwischen Fiona und Bond, den beiden bereits beschriebenen Bengeln des
Films sozusagen, führt zu ein paar hübschen, mit Bedacht
auserwählten Wortspielen und augenzwinkernden Kleinigkeiten, doch
die Gesamtlage wird zunehmend gefahrendurchtränkter dunkel uns
ereilen und der orangefarbenen Haares bedeckte Todesengel Fiona
kündigt in Bälde an, Bond höchstpersönlich zu beseitigen zu
gedenken …, im selben Atemzuge muss bedauerlicherweise auch ein
Flugwesen dran glauben … , Mangel an Temperament scheint in dieser
Dame nicht gerade zu herrschen und einer jeden Szene verleiht sie das
gewisse Etwas, abgesehen von späteren Szenen auf der „Disco
Volante“ zudem, ist der sich teils wie aus einem Gusse
präsentierende Film auch auf handwerklicher Ebene ein gut gemachter
Augenschmaus der für damalige Verhältnisse ganz besonderen Art und
dies sei hiermit wohlwollend erwähnt und werde bitte anerkannt, denn
bei aller Nimmersatt-Haltung der in den Filmeffekten verwöhnten
Gegenwart meiner Generation, darf wie gesagt klar bedacht werden,
dass unter Berücksichtigung des Entstehungsjahres ein
atemberaubender Abenteuerfilm entstand, ganz und gar herrlich auch
alsbald nun, wie Bond „Kommen Sie rein“ sagt, als er nicht mehr
zu flüchten imstande ist oder sich gar zu wehren wüsste, oh wie
köstlich über alle Maßen, denn er reagiert nach wie vor so, als ob
er stets eine Wahl hätte..., drum freilich freilich: „Kommen Sie
rein“ ist meine Lieblingsstelle des gesamten Films, GG Hoffmann wie
er leibt und lebt.


Ebenso amüsant erscheint
die Szene, in welcher er Fionas (Spoiler!) leblose, irdische Hülle
auf einem Sitzplatze unterbrächte und den Tischgästen eine
Entwarnung ausspricht, sie stelle doch schließlich keine Belästigung
dar ob des Dahingeschlichenseins, „sie ist nämlich tot...“


Die baldigen, in Kürze in
Kraft tretenden Szenen des sich andeutenden Finales , werden gern als
langatmig und unnötig ausgedehnt, gestreckt empfunden – und
tatsächlich haben sie aufgrund der Sauerstofftanks auch einen
ebensolchen (langen) Atem und lassen sich Zeit, dennoch erweisen sie
sich zumindest bei der Erstsichtung als durchaus nicht völlig
unspannend, sind auch aufwendig inszeniert und werden stilvoll
präsentiert, zudem gegen Ende, nachdem alles ist vollbracht..., geht
es noch einmal „hoch hinaus“ und das vollendete, vervollständigte
und vollends überzeugende, obgleich bisweilen etwas ermüdete, Bild
der Schönheit, fände seinen Weg in den wohlverdienten Abspann der
Nacht..., damals auch noch in der anti-unfrohen Botschaft, dass auf
den Nachfolger nicht vier bis sechs Jahre wird gewartet werden
müssen...



Der Weg nach Nassau durch
den Tunnel er führe,


ja dieser gar grüb' sich
durch die Welten unter dem Meere,


die Menschheit sie stets
latent' Bedrohung verspüre,


Fiona Volpe sie sei dem
Bonde eine Lehre …



Ein Werk oh von Anmut sich
im Sommer nun verlöre,


Bilder sie wissen ihre
Schönheit zu unterstreichen,


Wunder geschah und der
Zuschauer sang zart wie die Chöre,


die Urlaubsreise darf dem
Alltage nicht mehr weichen...
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi