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Scarpine

Verschlagener Korse

  • »Scarpine« ist männlich

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81

Mittwoch, 26. Juni 2019, 10:50

Tendenziell bin ja auch eher jemand, dessen Bewertungen sich nicht so stark ändern. Aber irgendwie hat sich in letzter Zeit doch einiges getan. Wie gesagt habe ich ja circa ein Drittel der Reihe auch seit dem letzten Bewertungsmarathon 2013 nicht mehr gesehen. Und problematisch wird es - so fürchte ich - hinsichtlich "Scarpine vs. allgmeine Fanwahrnehmung" wirklich ab den Achtzigern, wo dieser monotone Glen-Block auf mich wartet. Das Jahrzehnt hat einfach keinen Ausreißer, keinen Überbond zu bieten, und ich finde, dass die mangelnde Innovationsfreude der Produktion hier auch viele Probleme geschaffen hat, deren Symptome viele Fans erst in den Neunzigern erkennen und harsch kritisieren. Aber mal sehen, vielleicht wird es auch wieder versöhnlicher? Die Glen-Filme zählten früher ja mal zu meinen Lieblingen und eine paar Gute-Laune-Bonds sind ja auch dabei. ^^
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

Mister Bond

Felix Leiter

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82

Mittwoch, 26. Juni 2019, 21:14

Freilich verteidigt jeder seinen Lieblings Bondfilm, deshalb legte ich bei DAF auch kein Veto ein :D
Die 80er waren noch vor 10 Jahren nach den 60ern mein Lieblings Bondjahrzehnt, die 70er haben sich aber vorbei an den 80ern auf dem zweiten Rang geschoben.
Zwar sehe ich keinen Bondfilm der 80er so schwach/langweilig wie DAF, TLD und FYEO sind bei mir immer sehr beliebt, aber TSWLM, LALD und MR finde ich doch um einiges größer, halt mit etwas mehr besonderem. Liegt vielleicht an dem jüngeren Moore, den kräftigeren Farben, Settings.

Mister Bond

Felix Leiter

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83

Samstag, 4. Januar 2020, 13:48

LEBEN UND STERBEN LASSEN

1973, die endgültige Wachablösung. Es wurde ein waschechter Engländer aus London, bereits einem Millionenpublikum besonders durch TV Serien bekannt: Roger Moore.
Auch einer der Kandidaten in den 60ern, aber da sollte er noch die TV Landschaft prägen. Nach Serieneinsätzen als „Ivanhoe“ (1958-1959) und als Cousin Brett Mavericks Beau Maverick (Moore stieg 1960 ein), war es die Rolle des Simon Templar oder auch „The Saint“, wie es im Original heißt, die Roger Moore ab 1962 schlagartig populär machte und bis 1969 ausgestrahlt wurde. Diese Serie kann man schon als eine Art Bewerbung sehen, da Sir Roger bereits dort seinen Charme und die Eleganz zur Schau trug.
Was folgte war dann unter anderen noch „Die 2“ („The Persuaders“), Roger Moore an der Seite von Tony Curtis. Dies war auch das letzte Projekt Moores (1971/72) bevor er im Sommer 1972 die Offerte Saltzmans & Broccolis akzeptierte. Nur musste er wieder ein wenig abnehmen, zu den Persuaders Zeiten hat es sich Mr. Moore ein wenig zu gut ergehen lassen und vor allem eines musste auch runter: die Wolle auf dem Kopf war ein bisschen viel geraten. Gesagt, getan.
Roger Moore war besonders bei den Damen angesagt und publikumstechnisch war „Leben und sterben lassen“ dann auch ein voller Erfolg.


Film:
Eins vorweg: ich werde „Leben und sterben lassen“ immer lieben. Genau dieser Film machte mich 1987, als ich erst sieben Jahre alt war, endgültig zum Fan.
Vorab sah ich damals schon einen Teil von „Dr. No“, dann „Man lebt nur zweimal“, „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ und „Diamantenfieber“, aber im Oktober 1987 war es soweit als ich die VHS sah. Ich war einfach angetan und begeistert vom Titelsong, Moores Eleganz und und und. Fortan musste mein Vater alle Bondfilme im TV aufnehmen…und welcher Film war der nächste im TV? Genau, „Leben und sterben lassen“ mit der deutschen TV Premiere am 6.12.1987 in der ARD.

Mit Roger Moore sollte nun einiges anders werden. Man entledigte sich dem Blofeld/Spectre Thema, Bond durfte mal nicht Wodka Martini trinken und erstmals rauchte Bond Zigarre statt Zigaretten.
Eine Angewohnheit, die Moore zugegen kam. War es doch Tony Curtis 1970, der im beim Set von „Die 2“ dazu überredete aufhören Zigaretten zu rauchen und ihm Bilder von erkrankten Lungen zeigte. Ironischerweise war Curtis zu der Zeit gelegentlicher Marihuana Raucher.
Nun denn, Moore wechselte von Zigarette auf Zigarre, wohl mit entscheidend weshalb Bond nun auch eine Zigarre rauchen durfte. Der Bourbon Whiskey, den Bond zu sich nehmen möchte, passte wiederum zur Location.
Der Film wartete in der Vortitel-Sequenz auch erstmals wirklich ohne James Bond auf. Vielmehr sehen wir wie drei andere Agenten an drei verschiedenen Orten, der Film zeigt uns quasi wohin die Reise gehen wird, ums Leben kommen. Das ist erstmal die Grundprämisse des Films. Bond muss herausfinden was es mit den Tötungen der drei MI-6 Agenten auf sich hat.
Und da Blofeld fehlt, gibt es auch keine direkten Weltbedrohungen. Der Plot ist somit wieder geerdeter.
Auch wenn der Film mitunter skurril erscheinen mag, ich kann mich nur begeistern und er macht mir viel Spaß. Es ist die Mischung aus Location, Moores Coolness, die skurrilen Handlanger, der schönen Solitaire, den Score von George Martin und Sir Paul McCartneys Titelsong.
Überhaupt liebe ich den Lokalkolorit und die Zeit. Einige sagen, der ist etwas altbacken, weil man eben die Zeit (1972/73) zu deutlich spürt, aber GENAU das ist es, was ich daran liebe. Der Look der Leute in Harlem, die Straßen New Yorks und New Orleans‘.
Deshalb wirken die USA Bilder dieses Films für mich aus der ganzen Franchise mit Abstand am besten, stimmungsvollsten. Gerade in Symbiose mit Martins Score.
Die ganz große Actionsequenz kommt auch spät, beginnend mit Bonds Ankunft in der Krokodil/Alligatoren-Farm, aber was alles danach kommt ist doch legendär. Niemand vergisst Bonds rettenden Sprung über die Rücken der Krokodile und die Motorbootverfolgungsjagd durch die Sümpfe Louisianas.
Steven Spielberg, schon damals großer Bondfan, verneigte sich davor und baute in seinem Megahit „Der weiße Hai“ (1975) auch einen Gag ein.
Als Chief Brody (Roy Scheider) und Hooper (Richard Dreyfuss) den Magen eines Tigerhais aufschneiden um sicher zu gehen, ob es sich um besagten Menschenfresser handelt, kommt unter anderem ein Schild eines Bootes heraus. Darauf kann man deutlich lesen:
Sportsmen’s Paradise - 007 0981 - 72 Lousiana 73
Wahrlich ein toller Gag und somit ist „Leben und Sterben lassen“ auch ein großer Teil der Popkultur.
Wie ich schon schrieb, der Film war auch an den Kassen ein voller Erfolg und steht inflationsbedingt auch heute noch auf Platz 5 der Bondfilme.
Oder der Tot des Hauptantagonisten? So verrückt, aber eben bis heute noch immer im Gedächtnis oder vor Augen. Für mich strotzt der Film nur so vor verrückten Einfällen.
Da übersehe ich gerne einige Logiklöcher, zum Beispiel als sich Bond und Solitaire aufmachen und in Richtung Mohnfelder gehen. Dort treffen Sie den Flöte spielenden Samedi, nur warum warnt Solitaire Bond nicht? Sie kennt ihn ja bereits.
Aber Logiklöcher trifft man in so vielen Filmen. Für mich ist es die perfekte Stimmung des Films, welche mich jedes Mal abholt.

Bond:
Wie erwähnt, Roger Moore löst sich von Sean Connery. Er bringt seinen eigenen Stil rüber, der auf mich geschmeidiger und eleganter wirkt. Viele bemängeln, dass Moore in seinen ersten beiden Einsätzen noch zu viel der Härte Connerys interpretiert und dies nicht zu ihm passt. Nun, ich gehöre zu den wohl eher wenigen, die genau diese Art von Moores Lässigkeit, teils aber auch skrupellose Härte mag. Moore ist in seinen ersten drei Filmen wirklich noch cool, wirkte er da noch schneidig und dynamisch, obwohl er zu Drehbeginn mit 44/45 bereits um einige Jahre älter war als Connery beim Dreh zu „Diamantenfieber“ (40)!
Dazu passte sein Outfit, sein Haarschnitt, sprich er wirkte attraktiver und spritziger als Connery im Vorgängerfilm oder als Moore selbst in „Die 2“.
Für mich gibt es absolut nichts zu bemängeln, desto trauriger stimmen mich alle, die meinen, dass Moore erst mit seinem dritten Einsatz zur eigenen Form fand.
Wenn ich Moore in „Leben und sterben lassen“ sehe, ist es so, als wenn er schon immer Bond war und deshalb steht der Film seit meiner Kindheit hoch in Gunst und ist Moore mein Lieblingsdarsteller.

Bondgirl:
Forever my number 1. Ja, der Mann ihn mir ruft. Optisch ein Leckerbissen, dazu einfach süß. Man(n) möchte Sie beschützen und lieben zu gleich. Da trifft es sich, dass James wieder seinen eigenen persönlichen Beschützerinstinkt ausspielen lässt.
Solitaire ist zugleich ein mysteriöser Charakter, da Sie anscheinend eine hellseherische Gabe zu besitzen scheint, welche dem Bösewicht des Films zu Gute kommt…allerdings nur bei Ihrer Jungfräulichkeit. Da muss Mr. Bond doch irgendwie eingreifen.
Da Jane Seymour in der Tat noch jung war (21), wirkt ihre Jungfräulichkeit und Verletzlichkeit nur umso besser. Trotz des hohen Altersunterschieds zwischen ihr und Moore, wirkt die erotische Kraft zwischen beiden noch nicht weltfremd, weil Moore ja auch noch jung und agil auftrat.

Villains:
Hier gibt es einige, und gerade in dieser Ansammlung sowie deren charakterlichen Eigenschaften, sind diese für mich besonders erinnerungswürdig.
Zum einen haben wir den Hauptantagonisten, der Oberbösewicht:
Kananga, der sich in Harlem per Gesichtsmaske als Mr. Big ausgibt. Dargestellt von Yaphet Kotto. Gut, nicht der legendärste aller Bondwidersacher, aber Yaphet Kotto hat seine herausragenden Momente, welche ich nur zitieren möchte:
„Namen sind was für Grabsteine, Baby.“ – „Übrigens Mr. Bond, das ist da eine besonders tolle Uhr, die Sie da haben“ – „Wenn es an der Zeit gekommen wäre, hätte ich dir gesagt, dass ich dich liebe. Das wusstest du….wusstest du das nicht?!?!“ – „Diese kleinen Ritzer sind absolut tödlich.“
Noch besser oder kultiger sind seine beiden Hauptschergen:
Tee-Hee, dargestellt von Julius Harris. Er ist wohl die rechte Hand, kümmert sich auch um die Abwicklung des Drogengeschäfts, der Herstellung in den Laboren und ist, dank seiner Statur und Handicaps (oder doch kein Handicap?), nämlich dem Kneifzangenarm, der Mann für das Grobe.
Und dann natürlich Baron Samedi, gespielt wurde er von Geoffrey Holder. Er sorgt dafür, dass der Voodoo Kult auf San Monique lebt und die Mohnfelder nicht entdeckt werden. Seine einzigartige Präsenz verleiht ihm etwas diabolisches und sein Lachen ist legendär.
Apropos Lachen: alle Bösewichter scheinen in diesem Film absoluten Spaß zu haben. Es gibt keinen Film, in denen sie mehr am Lachen oder Grinsen sind. Spaß am Böse sein, auch etwas.
Denn Tee-Hee oder der Taxi Fahrer mit dem imposanten Afro Haarschnitt, stehen Samedi in Nichts nach und auch Kananga neigt zum übermütigen Lächeln.
Das überträgt sich dann auch auf meine Laune, so dass ich eben Spaß mit dem Film habe.
Tee-Hee darf dann, was dann in einigen Bondfilmen Tradition hatte, nämlich den Auftritt eines Schergen nach dem Tod ihres Bosses, den Schlusskampf gegen Bond bilden. Wie es sich gehört im Zugabteil, damals nach „Liebesgrüße aus Moskau“ der zweite in der Reihe. Auch dieses blieb mir schon als Kind in Erinnerung. Kneifzangenarm greift nach Bond. Nachdem Bond ordentlich Schwitzen durfte, serviert er ihn mit einem Ellenbogen in die Nierengegend und den Schwung über das Fenster endgültig lässig und elegant ab: „Der Arm von dem Armleuchter.“
Dazu gesellen sich noch Whisper, der Name spricht Bände, der anscheinend der Mann für alles zu sein scheint. So darf er Charlie „entsorgen“ und Bond später über die Schulter hieven. Respekt, bei einem 186 cm Mann wie Moore. Dazu gibt es Adam, der sich die legendäre Bootsverfolgungsjagd mit Bond leisten darf.
Größe ist auch noch etwas: Yaphet Kotto, Julius Harris und insbesondere Geoffrey Holder waren über 190 cm und somit gab es erstmals gleich drei Hauptschurken in einem Film, die größer als Bond waren.

Helfer:
Felix Leiter, wieder einmal von einem neuen Schauspieler verkörpert: David Hedison, welcher auch Felix für eine sehr lange Zeit mehr als einmal spielen durfte.
Hedison harmoniert für meine Augen perfekt mit Roger Moore. Hier merkt man wirklich, dass sich beide schon lange kennen und Hedisons Lockerheit ergänzt sich absolut zu Moores – „James, wo bleibt deine Abenteuerlust?“
Ebenfalls toll, dass Felix James ins Finale begleitet und sogar Abschied am Bahngleis nehmen darf.
Der Kerl wirkt auf mich einfach sympathisch und ist bis heute meine Nr. 1 unter den ganzen Felixen.
Dazu gibt es noch Strutter, Kollege von Leiter beim CIA und Kontaktmann für Bond.
Wirkt auch sympathisch, aber viel hat er nicht zu tun, außer James abzuholen und zu berichten. Ihn ereilt dasselbe Schicksal wie die drei Agenten des British Secret Service.
Auf San Monique, gedreht auf Jamaika, lernen wir einen Kerl namens Quarrel jr. Kennen. Der Sohn vom Dr. No Quarrel? Darsteller Roy Stewart war ja zwölf Jahre jünger als John Kitzmiller aus Dr. No. Rechnet man paar Jahre so darauf, könnte es passen.
Quarrel jr. darf James nämlich wirklich helfen, sei es das Boot ausleihen oder im Finale auf der Insel die Sprengsätze legen. Als Belohnung ereilte Quarrel jr. auch nicht das Schicksal vom Dr. No Quarrel.

MI6:
Premiere: M besucht dieses Mal Bond. Ergo sieht man auch Bonds Heim, nach Connery in Dr. No, das zweite Mal. Dieses Mal bisschen mehr, wie Schlafzimmer und Küche.
Da Q dieses Mal abwesend ist, aber namentlich erwähnt wird, überbringt ihm dieses Mal M Qs neueste Errungenschaft, die Rolex mit dem Magneten und der kleinen Kreissäge.
Bernard Lee als M harmoniert mit Moore ebenso wie mit beiden Vorgängern und hat zu Beginn auch einige Dialoge, bis er für den weiteren Verlauf des Films nicht mehr notwendig ist.
Moneypenny sehen wir in derselben Szenerie, Sie betritt nur kurze Zeit nach M Bonds Apartment und trifft auf eine weitere Dame, doch Moneypenny bleibt ein „Schatz“. Und da James ihr schmeichelt, darf Sie sich revanchieren „oder soll ich besser sagen, ciao bello?“.

weitere Bondgirls:
Eben zu der Szenerie in Bonds Apartment sehen wir Miss Caruso, von M erfahren wir, dass der italienische Geheimdienst ihre Mitarbeiterin sucht. „Ah, ich erinnere mich, Sie war sehr musikalisch“, James, der Schelm.
Darstellerin Madeline Smith war in Großbritannien recht bekannt, spielte Sie schon zuvor in zwei Hammer Produktionen mit: „Wie schmeckt das Blut von Dracula?“ an der Seite Christopher Lees, allerdings nur eine kleine Nebenrolle für Sie, kurz darauf mit einer wesentlich größeren Rolle in „Gruft der Vampire“.
Ebenfalls noch vorher spielte Sie in einer Folge „Die 2“ neben Roger Moore und Tony Curtis mit und in der damals ebenfalls populären Serie „Jason King“.
Dann gibt es noch Gloria Hendry als Rosie Carver, die hier eine größere Rolle innehat. Ist Sie nun Helferin, Agentin des CIA oder doch eine Botin, ein Lockvogel Kanangas? Nachdem James sein Beschützerinstinkt an ihr ausleben darf, durchschaut er ihr Spiel. Die Konsequenz ist, dass Sie von der eigenen Falle eliminiert wird.

Location:
Gefällt mir ungemein besser als in „Diamantenfieber“. Wie ich schon oben schrieb, die USA wird meiner Meinung nach in keinem anderen Bondfilm mit all dem Lokalkolorit dieser Ära so prachtvoll dargestellt. Ich las hier mal was von „Die Straßen von San Francisco“ oder „Kojak“, also eine US-amerikanische Krimiserie der 70er. Nun, all das wird aber mit einer wunderbaren Exotik verknüpft, mit schrägen Typen, einem waschechten Engländer in Harlem. New York, New Orleans, die Sümpfe Louisianas, die Krokodilfarm, San Monique. Ich kann mich an den Bildern Ted Moores, der hier bereits zum sechsten Mal Kameramann ist, nicht satt sehen und möchte am liebsten dort Urlaub machen.
Dazu passen die warmen Bilder, auf mich wirkt das alles andere als billig, was dem Film auch manchmal vorgeworfen wird, besonders im Vergleich zu dem Vorgängerfilm, welcher auf mich visuell wesentlich langweiliger wirkt.

Setting/Bauten/Design:
Da die Gegner wesentlich irdischeren Dingen nachgehen wollen, ohne große Weltherrschaftsfantasien, fällt dies schlussendlich auch im Production Design auf.
Denn seien wir ganz ehrlich, das Design, die Settings richteten sich häufig nach Bonds Gegenspielern. So waren Dr. No und Blofeld vor allem Kunstliebhabende Bösewichte mit dem Hang zum Übermaß.
Kronleuchter hier, Kronleuchter da (das fiel schon auf), Kunstgemälde an dieser Wand, geheimnisvolle Konferenzräume und Verstecke.
Zwar bietet Kananga/Mr. Big auch entsprechende Räume, aber nicht ganz so im Größenwahn.
Deshalb möchte ich Syd Cain keinen Vorwurf machen. Kanangas Domizil auf San Monique sieht schon prächtig aus und auch Solitaires Kostüme sind farben-und prachtvoll.

Musik:
Rockt, funkt! Einfach super. Folgt direkt auf Barrys drei beste Werke. George Martin kreiert etwas neues, weg vom Barry-Sound. Die Songs haben mal was bedrohliches „Snakes Alive“, „Whisper who dares“, was sphärisch funkiges „Bond meets Solitaire“ und erzeugen immer eine hohe Spannung:
„Trespasser Will be Eaten“, „If he Finds it, Kill him“ oder das “Boat Chase”. Oder sie sind einfach nur cool wie der ganze Film: “Bond drops in”…in besagter Szene geht es mit Zigarre gar nicht lässiger.
Außerdem interpretiert George Martin das James Bond Theme auf eine sehr dynamische Weise, zum Beispiel wenn Bond nach Harlem fährt oder direkt bei der Pistolenlauf-Sequenz. Dank dieser musikalischen Interpretation auch mein Lieblings Pistolenlauf.
Die Krönung ist dann noch Paul McCartneys Titelsong. Bis heute meine Nr. 1 und das gilt auch für fast alle meiner Freunde, Bekannten etc.
Dieser Song ist mal rockig, dann erklingen Balladentöne und auch ein wenig Reggae Feeling wird eingestreut. Insgesamt: Dynamisch, mit Verve und Drive.

Main-Title:
Neuer Darsteller, neue Wege. Neben den dunklen Silhouetten sieht man nun schon einiges mehr an nackter Haut. Die Voodoo Thematik wird auch geschickt mit Totenkopf Symbolik und Feuer, für die Gefahr, visualisiert. Die Bildabfolge, das Timing von Maurice Binders Arbeit ergänzt sich auch sehr gut zur treibenden Musik McCartneys.
Für mich gehört dieser Main Title zu den besten Werken.

Wertung des Komplettwerks:
Der Film hat den besonderen Bonus bei mir und in der Tat werde ich nicht müde den immer wieder zu gucken. Musik, lässiger Bond, skurrile Schurken, eine äußerst hübsche Bondlady, das Lokalkolorit, San Monique, New Orleans sorgen bei mir für prächtige Unterhaltung.
Und ich liebe gefährliche Tiere bei Bondfilmen. Der hier hat neben einem Hai noch Schlangen, sowie Krokodile und Alligatoren. Was will ich mehr?
9/10

Django

Der Andere

  • »Django« ist männlich

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84

Montag, 6. Januar 2020, 07:01

Moore ist in seinen ersten drei Filmen wirklich noch cool, wirkte er da noch schneidig und dynamisch, obwohl er zu Drehbeginn mit 44/45 bereits um einige Jahre älter war als Connery beim Dreh zu „Diamantenfieber“ (40)!

Das sehe ich auch so. Und obwohl nur 1 bis 2 Jahre zuvor entstanden, wirkt Connerys Bond in DAF im Vergleich zum LALD-Bond geradezu anachronistisch. Erst mit LALD ist Bond definitiv in den 1970ern angekommen, wobei LALD auch wirklich "frischen Wind" in die Franchise brachte. Einzig mit der bondlosen PTS kann ich mich nicht so richtig anfreunden :S

Mister Bond

Felix Leiter

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Mittwoch, 8. Januar 2020, 23:13

Kann man so sagen, dass Blofeld Thema war vielleicht auch schon ein wenig ausgelutscht. Insgesamt wirkt LALD in allen Punkten dynamischer als DAF.

ollistone

Consigliere

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Donnerstag, 16. Januar 2020, 10:50

Man lernt doch nie aus: Das Tarot-Deck für LALD sollte ursprünglich Salvador Dali entwerfen:

KLICK!
"You may be a lover but you ain't no dancer."

  • »Mr. Fogg« ist männlich

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Freitag, 24. Januar 2020, 20:18

LEBEN UND STERBEN LASSEN

1973, die endgültige Wachablösung. Es wurde ein waschechter Engländer aus London, bereits einem Millionenpublikum besonders durch TV Serien bekannt: Roger Moore. (...)
Meinen Respekt für diese Besprechung!
Als Hobby-Widerspruchsgeist habe ich Deine Ausführungen akribisch durchleuchtet, in der Hoffnung, IRGENDETWAS zu finden, mit dem ich nicht konform gehen kann.
Fehlanzeige!
Ja, mehr noch: Viele von Dir gelobten Einzelheiten sind mir in dieser positiven Weise erst jetzt vor Augen geführt worden!
Meinen aufrichtigen Dank!

Deine Klage "Für mich gibt es absolut nichts zu bemängeln, desto trauriger stimmen mich alle, die meinen, dass Moore erst mit seinem dritten Einsatz zur
eigenen Form fand." teile ich, muss ich seit Anbeginn teilen. Nun bin ich nicht in der Lage, so brillant zu argumentieren wie Du, aber bei mir hatten gerade Moores erste zwei Einsätze immer einen besonderen Platz in meinem Herzen. Ich weiß nicht exakt, WAS es war, ...vielleicht der Zauber des Anfangs, der frühe Enthusiasmus, oder einfach nur eine gewisse Bescheidenheit?
TMWTGG nimmt bei mir Platz 5 in der Besten-Liste ein, ein Votum, für das ich bei niemandem je Verständnis gefunden habe!
LALD liegt nicht weit dahinter!

Erlauben möchte ich mir noch eine Bemerkung zur Innenausstattung von Bonds Wohnung. Wie an anderer Stelle diskutiert, gibt es in den Filmen bis 1985 nicht allzu viele "Binnen-Ansichten" von Bonds Charakter. Wenn ich mir aber DIESE Inneneinrichtung ansehe: die Holztäfelung, die Gemälde, Wandleuchter, das Mobiliar, der Kamin, ..., so kann ich auf jene Charakter-Eigenschaften schließen, die später tiefergehend behandelt wurden. Es ist der konservative Patriotismus, die Bejahung seines Marine-Umfeldes und seine Bindung an sein Vaterland England, die hier widergespiegelt werden. All diese Hinweise begegnen uns ganz deutlich und explizit später in Skyfall wieder!
Man kann also auch in vermeintlich bedeutungslosen Nebenschauplätzen eine über Jahrzehnte hinwegführende Kontinuität entdecken.


"Noch einmal (...): Meinen zutiefst empfundenen Dank!" (Stromberg in TSWLM)
P.S.: Noch eine Anmerkung, die mir gerade erst eingefallen ist:
Wer sich an die Wohnung von John Steed in den Farb-Staffeln mit Emma Peel erinnert, wird die verblüffende Ähnlichkeit mit dem Stil der Wohnung Bonds in LALD nicht übersehen!
God save the Queen!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Mr. Fogg« (25. Januar 2020, 10:28)


Mister Bond

Felix Leiter

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Montag, 27. Januar 2020, 08:04

Nun bin ich nicht in der Lage, so brillant zu argumentieren wie Du,

Deine Bescheidenheit in aller Ehren, aber das ist ja schon wieder zu viel des Lobes :blush:

Da ich letztes Jahr ja alle Steed/Peel Folgen auf BD geschaut habe, kann ich mich zumindest noch ein wenig an Steeds Behausung erinnern, auch wenn Emmas durch die spartanische Art, eher im Gedächtnis haften blieb. Sprich, außer der Skulptur, die Sie die Farbstaffel durchgehend am bearbeiten war, musste man sich nicht an so viele Details erinnern :D