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  • »Sam Trautman« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 83

Registrierungsdatum: 29. Dezember 2014

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1

Sonntag, 27. September 2015, 01:12

Everest (2015)

Erscheinungsjahr 2015 Länge 121 Minuten

Altersfreigabe FSK 12

Stab

Regie Baltasar Kormákur
Drehbuch William Nicholson,
Simon Beaufoy

Besetzung

Jason Clarke: Rob Hall
Josh Brolin: Beck Weathers
John Hawkes: Doug Hansen
Robin Wright: Peach Weathers
Emily Watson: Helen Wilton
Keira Knightley: Jan Arnold
Sam Worthington: Guy Cotter
Jake Gyllenhaal: Scott Fischer

Sir Edmund Hillarys Augen

Was Edmund Hillary 1953 ehrfürchtig erblickte, als er den höchsten Berg der Erde bestieg und von ihm hinunter sah, bleibt dem Zuschauer verborgen. Genau wie das Gefühl, dass ihn überkommen haben muss am Fuße des Everest als er zu ihm hinauf sah. Durch seine Augen konnte freilich nur er sehen, doch wie es ausgesehen haben muss dort oben hätte kein Geheimnis bleiben müssen. Es bleibt aber eins, denn Regisseur (Baltasar Kormakur) gelingt es nur in den seltensten Fällen den Zuschauer mit zu nehmen auf das Dach der Welt. Meist bleibt die Kamera nah auf den Gesichtern seiner Bergkraxler, nur selten kann man durch ihre Augen sehen und sehen was sie sehen. Schade denn es hätte viel zu sehen gegeben dort oben wo jeder Schritt der schwerste ist.

Das Eis schmilzt, aber nur auf der Oberfläche

Kormakur verpasst es, seinem Bergsteigerausflug, denn mehr ist es auch nicht, die richtige Ausrüstung bis hinauf auf den Gipfel mit zu geben. Everest ist weder anprangernd, noch tut er weh, noch kann er das Eis an der Oberfläche seiner vielen Charaktere freilegen. Und sie bleiben weiß Everest ohne jeden Farbklecks, Die Nacherzählung realer Ereignisse, die sich 1996 am Mount Everest ereignet haben, bei denen 8 Menschen ihr Leben am Berg ließen, angeführt von Rob Hall (Jason Clarke) und Scott Fischer (Jake Gyllenhaal). Wäre der ideale Ort um den Tourismus auf dem Berg anzuprangern. Stattdessen bleibt dieser beklagenswerte Umstand, wodurch jährlich eine Handvoll Amateure ihr Leben verlieren, nur eine kurze Randnotiz im fertigen Film. Niemand hält dabei anklagend den Finger in die Wunde. Niemand bezieht Stellung oder stellt die Frage nach dem Sinn oder der Situation. Alles was unangenehm ist bleibt Ausgeklammert . Die Gelegenheit verstreicht kommentarlos.

Eisig wird´s nicht nur am Basislager sondern auch wenn es um Figurenentwicklung und deren Darstellung geht. Was unter der Eisschicht liegt interessiert den Regisseur nicht, dabei wäre dies unabdingbar um Mitgefühl zu entwickeln für seine Figuren. Richtig unsympathisch wirken sie aber auch nicht oder hassenswert. Sie wirken fast wie Omega Wesen. Glatgeschliffen, weder das eine noch das andere. Dabei bieten die Charaktere, wenn man sie enteisen würde so viel Tiefe, die man nur herausarbeiten muss. In Szenen wie dem gemeinsamen Speiß und Trank im gemütlichen Basiszelt, als der mitgereiste Journalist Krakauer (Michael Kelly) die ultimative essentielle Frage stellt verschenkt man so viel. Krakauer will wissen, warum jeder einzelne im Raum, auf den Mount Everest wolle. Der für den Film notwendige Hillary Stepp, wird gnadenlos in den Sand gefahren und man erfährt nichts weiter als ein Zitat, dass auf Wikipedia in seiner Grundform schon Edmund Hillary von sich gab.

„Man muss kein fantastischer Held sein, um bestimmte Dinge zu erreichen – um erfolgreich zu sein. Man kann ein normaler Kerl sein, der ausreichend motiviert ist, um schwierige Ziele zu meistern.“

Was zur Grundausstattung jedes guten Weltraumfilms gehört und ein einfacher Kniff ist um die Figuren besser kennen zu lernen, ``Gemeinsam am Essenstisch´´ wird hier frostig und lieblos abgearbeitet. Die Motivation jedes einzelnen, die ja Zweifellos das sein musste, wird verhüllt und nicht weiter erwähnt.

Kalte Körper und kalte Gefühle

Erfahrbar sollte der höllische Trip auf den Mount Everest für den Zuschauer sein. Erfahrbar in dem Sinne, dass er ein Gefühl für die Höhe und die Unbedeutsamkeit des Menschen in der Natur entwickelt. Bergsteiger, die auf der Höhe einer 747 auf Berge klettern, müssen sich erstmal 2 Wochen an diese Höhe gewöhnen und eine gewisse Zeit akklimatisieren. Dem Zuschauer hätte dies auch gut getan indem er visuell beindruckende Bilder geliefert bekommen hätte doch leider beschränken sich die beindruckende Bilder, die zudem noch im wie dafür geschaffenen 3D gedreht wurden, auf eine einzige Szene. Als sich eine Lawine löst. Alle 3D Effekte werden am Anfang der Besteigung gezeigt, sehen schick aus aber zu weilen hat man im Finale des Films das Gefühl, man befände sich beim Hillary Stepp im Studio oder in einem geschlossenen Raum. Zu keiner Zeit schwabbt dem Zuschauer das Gefühl von Höhe oder der unabwendbaren Gefahr ins Gemüt. Als ob Regisseur Kormakur ein persönliches Problem mit den Reglern hätte. Immer wenn man das Gefühl hat, der Film könne einen packen ist es auch schon wieder vorüber, immer wenn Kormakur von den Schicksalen der wartenden Familien erzählt und man versucht sich in jene hinein zu fühlen wird abgeblendet und zur nächsten Szene weiter geeilt.

Der Everest. Der Berg der Berge, Tour de Force. Superlativen werden einem zu ihm wohl nie ausgehen, aber wo ist der Schmerz im Film? Wo tut es beim Hinsehen weh? Wo kriegt man ein Gefühl dafür wie verrückt man sein muss um auf den höchsten Berg der Erde zu klettern? Everest ist gefühlt eher ein Sachbuch das beschreibt aber nicht fühlen lässt. Das nüchtern, Tag für Tag abarbeitet aber immer mit Sicherheitsabstand. Das nichts übertreibt oder das Gefahr läuft das Eis weißer zu machen als es ist. Dabei bietet doch gerade das Medium Film, die Möglichkeit den Zuschauer in eine Welt zu entführen, die die wenigstens mit den eigenen Augen jemals sehen werden. Dafür sind im Film so viele Charaktere vertreten durch deren Augen man einen fantastischen Blick gehabt hätte. Leider sieht man den Film über nur so gut wie mit den Augen des Schneeblinden Beck Weathers (Josh Brolin).

Menschen die leise sterben..

Am Anfang des Films werden wir gemeinsam mit der Bergsteiger Crew darauf hingewiesen, dass das eigentliche Problem am Bergsteigen nicht der Aufstieg sondern der Abstieg ist. Der Körper stirbt auf der gefährlichen Höhe von 8000 Metern, all das was hier angedeutet wird, was noch kommen soll sieht im Film dann meist so aus. Erschöpfte Körper- Unachtsamkeit beim Schlafen- Rutsch ins Nichts- Tod. Keine Musik, die einsetzt keine lange Trauer, wenn einer stirbt ist er einfach weg. Was sicherlich im wahren Leben auch so ist wirkt im Film einfach komisch und wieder seltsam nüchtern, wie in einem Sachbuch eben das nüchtern Dinge festhält und nicht wie aus einem Tagebuch eines entstellten Überlebenden, der wirklich dort war.

AnatolGogol

Supernase

Beiträge: 212

Registrierungsdatum: 20. November 2013

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2

Sonntag, 27. September 2015, 09:44

Interessant, da kann man mal wieder sehen, welch unterschiedliche Wirkung derselbe Film haben kann. Jedenfalls war ich von Everest emotional so gepackt, wie schon lange keinem Kinofilm mehr. Hier meine Eindrücke zu dem Fiilm:

Everest (2015) – Baltasar Kormakur

Das Drama am Mount Everest im Jahre 1996 ging in die Geschichte ein, da erstmals kommerzielle Expeditionen mit dem Ziel „Bergtouristen“ auf den höchsten Gipfel der Erde zu führen in einer Katastrophe endeten. Der Expeditionsteilnehmer und Journalist Jon Krakauer setzte mit seinem Buch „Into thin air“ diesem Bergdrama ein weltweit erfolgreiches literarisches Mahnmal, Contraband-Regisseur Kormakur liess diesem nun mit „Everest“ ein cineastisches Gegenstück folgen.

Die Handlung des Films lässt sich sehr knapp zusammenfassen: mehrere kommerzielle Expeditionen wollen im Frühjahr 1996 den Everest mit ihren Kunden besteigen. Erschwert wird diese Aufgabe dadurch,dass alle am gleichen Tag den Gipfelgang planen, dem einzigen, in dem die Wetterbedingungen dies erlauben. Nachdem es bereits beim Aufstieg zu diversen Problemen kommt, endet der Abstieg durch einen plötzlichen Wetterumschwung und fatale Fehleinschätzungen und –Entscheidungen in einer Katastrophe.

Kormakurs Film ist eine interessante Mischung aus Drama und Actionelementen, wobei man sich keiner Illusion hingeben sollte eine effekgeladene Katastrophenorgie a la San Andreas geboten zu bekommen, dafür steht der Dramaanteil des Film allzu präsent im Vordergrund. Dennoch: auf audiovisueller Ebene ist Everest ein absolut beeindruckender Film, dem es gelingt die unbändige Naturgewalt des höchsten Berges der Erde äußerst eindrucksvoll dem Publikum zu vermitteln. Nie zuvor hat man im Kino solch atemberaubende Bilder von Bergpanoramen geboten bekommen, nie zuvor wurde die Steilheit und die enorme Masse eines Berggiganten so plastisch vermittelt. Und selbst als 3D-Skeptiker muss ich gestehen, dass in diesem Film der Effekt endlich einmal sinnvoll eingesetzt wird, da dadurch das Gefühl für die enorme Höhe und die damit verbundene, latent lauernde Gefahr des Fallens effektiv vermittelt wird. Auch die Audioseite des Films arbeitet äußerst effektiv, vor allem die Soundeffekte beim fatalan Sturm sind noch gewaltiger als beim ebenfalls schon großartigen All is Lost, ich denke ich wage mich nicht allzu weit vor wenn ich Everest als einen der Topkandidaten für den nächsten Ton-Oscar benenne.

Strukturell ist der Film grob in vier Teile gegliedert: zunächst die Anreise und das Aklimatisieren am Berg, welches Kormakur vor allem dazu nutzt, um seine Figuren einzuführen und charakterlich zu positionieren. Es folgt der Gipfelsturm gefolgt vom Abstieg und den finalen Rettungsversuchen. Vor allem die beiden mittleren Teile, die den Großteil der Laufzeit einnehmen, sind eine regelrechte Großtat in emotionaler Inszenierung. Hier gelingt es Kormakur geradezu sensationell den Zuschauer das Drama um die Protagonisten mitfühlen zu lassen. Oftmals ist das Verfolgen der zusehends hoffnungsloseren Bemühungen schon geradezu schmerzhaft, was für mich immer der beste Beweis dafür ist, dass ein Film Emotionalität nicht nur schildert, sondern sie direkt ans Publikum weitergibt. Der Mittelteil des Films erinnert dabei oft an einen Kriegsfilm, der Vergeleich mit Spielbergs berühmter Eingangsszene in Private Ryan drängte sich mir hier mehrfach auf, da Kormakurs Inszenierung ähnlich direkt und ungefiltert ist. Ja, man kann es nicht anders sagen: der Mittelteil von Everest ist schlicht ein überwältigendes Kinoerlebnis.

Everest ist kein Film, der Stars in den Mittelpunkt stellt und dadurch quasi eine zwei-Klassen-Gesellschaft unter den Darstellern schafft. Zwar steht der von Jason Clarke gespielte Rob Hall klar im Mittelpunkt des Films und auch Josh Brolins Darstellung von Beck Weathers wird recht viel Raum zugestanden, dennoch ist der Film mehr Ensemblefilm den Starkino. Vergleichsweise große Namen wie Gyllenhaal, Knightley, Worthington oder Wright haben dabei erstaunlich kleine Nebenrollen, reihen sich damit aber perfekt in das Kollektiv der eher weniger bekannten, aber durchgängig sehr gut besetzten Darstellerriege ein. Clarke muss ich ein Riesenlob zollen, da er seine Rolle unaufdringlich, aber sehr überzeugend und charismatisch spielt. Er ist die große Identifikationsfigur des Films, wodurch sein Schicksal den Zuschauer noch intensiver mitleiden lässt.

Wenn man dem großen Kinoerlebnis Everest etwas ankreiden muss, dann dass er im letzten Filmteil etwas zu sehr nach den Hollywoodregeln spielt. Der Film tauscht hier etwas die rohe, direkte Emotionalität gegen eine glattere, kalkuliertere „Hollywood“-Emotionalität, wobei das den Film jedoch nie beschädigt und auch diese Teile für sich genommen gut sind. Als Kenner von Krakauers Tatsachenroman hatte ich keinerlei Probleme die gezeigten Geschehnisse einordnen zu können, allerdings könnte ich mir vorstellen, dass einzelne Motivationen der Charakter für ihr Handeln für jemand, der die Hintergründe nicht kennt etwas schwieriger enzuordnen sind. Hier wäre vielleicht etwas mehr an Charaktereinführung hilfreich gewesen. Wobei man aber auch klar festhalten muss, dass letztlich alle Geschehnisse gut nachvollziehbar sind, spätestens durch die Resultate im weiteren Verlauf des Films.

Mit Everest ist Kormakur ein toller Kinofilm gelungen, wobei ich bewusst Kinofilm sage, da ein solcher audiovisuell wuchtiger Film geradezu prädestiniert ist ihn im Kino zu sehen. Die direkte, unverfälschte Emotionalität des Dramas, die wuchtige Vermittlung der Naturgewalten, das virtuose stilistische Wechseln zwischen hymnenhaftem Heldenepos hin zur fatalen Tragödie: all das trägt zu einem wirklich großen Kinoerlebnis bei. Kleinere Abzüge in der B-Note verhindern den ganz ganz großen Wurf, dennoch ist hier der Gang zum nächsten Kino wirklich absolut empfehlenswert.

Wertung: 9 / 10
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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Sonntag, 27. September 2015, 11:07

Im Kino war ich noch nie oft und auch "Everest" lockte mich nicht dorthin, ich warte allerdings sehnsüchtig auf eine DVD-Premiere (04/16). Gehen die Meinungen auch auseinander, so MUSS ein Film, welcher Keira Knightley UND den wunderschönen Mount Everest in sich vereint einfach sehenswert sein! :)

PS: Schöne Texte und Analysen von euch.
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Bond '89 - Robert Davi

  • »Sam Trautman« ist der Autor dieses Themas

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Sonntag, 27. September 2015, 12:26

Frau Knightley darf im Film nur zwei mal am Telefon reden und für zehn Sekunden auf dem Sofa schmachten. Also wirkliche Glanzleistungen sind da nicht zu erwarten.

  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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Sonntag, 27. September 2015, 14:41

und für zehn Sekunden auf dem Sofa schmachten

Das genügt mir schon :D
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Erik Lehnsherr GP

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Mittwoch, 7. Oktober 2015, 23:50

Everest (2015, Baltasar Kormàkur)

Im Jahre 1996 kam es am Mount Everest, dem bekanntlich höchsten Berg der Welt, zu einer Reihe fürchterlicher Unfälle. Mehrere Bergsteigexpeditionen, einige davon in Begleitung von Kunden, die die Besteigung gebucht haben, versuchten innerhalb eines kurzen Zeitfensters bei gutem Wetter den Gipfel zu erklimmen. Der plötzliche Umschlag des Wetters, ein jäher Sturm sowie eine ganze Palette weiterer kleiner, aber folgenschwerer Zufälle warfen einen grossen Teil der Abenteurer in einen wahnsinnigen Überlebenskampf an den eisigen Felswänden des Berges. Der Isländer Baltasar Kormàkur, Regisseur des atmosphärischen Drogenkrimis Contraband, hat versucht, die Ereignisse des 10. und 11. Mai 1996 möglichst realitätsnah und authentisch in einem Spielfilm festzuhalten.

Everest ist in erster Linie als ausgewogene Mischung aus Abenteuerfilm und Drama zu beschreiben, wobei der Film die beiden Genres durchgehend Hand in Hand gehen lässt und die Symbiose immer weiter vertieft. Obwohl, oder vielleicht auch gerade weil die risikofreudigen Bergsteiger fast durchgehend mit Skimasken, Mützen und Sonnenbrille vermummt agieren gelingt es Korkàkur hier, lebendige Charaktere zu erschaffen. Er arbeitet ihre Hintergründe und Motivationen soweit heraus, wie es für den dramaturgischen Rahmen nötig ist, und schafft eine gewisse Vertrautheit, die mehr als nur ausreicht um einen bei den Erfolgserlebnissen der Figuren mitjubeln und beim sich immer unausweichlicher anbahnenden Unglück schmerzlich mitfiebern zu lassen. Das breit gefächerte Darstellerensemble glänzt mit einigen überraschend prominenten Namen, wobei man sich nicht der Illusion hingeben sollte, von Kormàkur ein Starspektakel serviert zu bekommen. Jake Gyllenhaal beispielsweise zeigt sich mal wieder von seiner besten und zugleich von einer erfrischen neuen Seite, spielt im Gesamtkontext aber keine besonders grosse Rolle. Es gibt aber trotzdem zwei Darsteller, deren Figuren dramaturgisch deutlich stärker gewichtet werden als die übrigen, und zwar Josh Brolin und Jason Clarke. Beide agieren mehr als nur solide, ohne sich innerhalb des Ensembles unangenehm aufzudrängen oder aufgedrängt zu werden. Auch die vielen kleineren Namen können sich beinahe genauso sehr profilieren, ohne dabei gross eingeführt oder akzentuiert zu werden.

Everest erzählt seine Geschichte und sein Szenario unverblümt in einer beachtlichen Bildgewalt und holt einen Grossteil seiner Spannung aus den Möglichkeiten des audiovisuellen Mediums, die teilweise bis zum Maximum ausgeschöpft werden. Die zweite Hälfte des Films wird von Kormàkur ohne Verschnaufpause als aufwühlender Höllentrip inszeniert, in dem manche der Expeditionsteilnehmer bis an ihre Grenzen, und der eine oder andere sogar weit darüber hinaus gehen muss. Kormàkur verleiht seinen Bildern zeitgleich kunstvollen und dokumentarischen Charakter und setzt unendlich scheinende Abgründe, tobenden Schneesturm und Platzmangel in schwindelerregenden Höhen beeindruckend, manchmal auch verstörend in Szene. Selten wurden in einem Film die unmittelbaren Gefahren und die urgewaltigen Kräfte von Wetter und Natur so direkt und packend vermittelt wie in Everest. Hier leisten sogar die 3D-Bilder ihren Anteil und akzentuieren die mörderischen Steilwände und peitschenden Sturmböen über die blosse Inszenierung hinaus. Ein riesiges Lob muss zudem einer technischen Kategorie gezollt werden, die dem Zuschauer ansonsten für gewöhnlich kaum auffällt, und zwar dem Ton. Die brachiale, und damit durchaus passende Soundkulisse im Schneesturm verleiht den Bildern das bestmöglichste zusätzliche Gewicht. Hier sollte dringend ein Oscar für die verantwortlichen Techniker her.

Lebendige Charaktere und eine beeindruckende Umsetzung in Bild und Ton: Everest fokussiert sich schnörkellos auf die simple Essenz und schöpft diese nahezu ideal aus, um ein hochspannendes Abenteuerdrama über den Kampf zwischen Mensch und Natur zu präsentieren. Gibt es auch etwas, was Kormàkur anders oder besser hätte machen können? Ja, nur sehr wenige Filme sind perfekt und um zu dieser erlesenen Gruppe zu gehören fehlt Everest doch noch ein kleines Bisschen. Inmitten der überwältigenden Inszenierung schleicht sich hin und wieder der platte Hollywood-Kitsch ein, um seine primitiven Mechanismen walten zu lassen. Kormàkur gelingt es souverän, den Schaden in Grenzen zu halten, dennoch hätte man die eine oder andere Szene um die in Lebensgefahr schwebenden Bergsteiger deutlich anders in Szene setzen können. Was soll man sagen? Jeder macht mal Fehler. Lasst uns ein Auge zukneifen.

Wertung: 8 / 10

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