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ollistone

Consigliere

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21

Montag, 3. September 2018, 09:43

Wobei ich in Sachen Set Design und Locations eine deutliche Steigerung in der Ära Craig im Vergleich zur Ära Brosnan erkenne. Der Meteoritenkrater von Blofeld oder die Insel Hashima als Silvas Basis fand ich schon bemerkenswert (wenn auch nicht edel in dem Sinne). Auch der viel geschmähte QoS hatte in puncto Production Design doch einiges zu bieten. Das Opernhaus in Bregenz, der Privatjet von Greene, das Grandhotel in Bolivien, das Finale in dem Wüstenhotel, das war doch alles sehr geschmackvoll und stylisch.

Außerdem fürchte ich, dass die 60er, 70er Jahre mit ihren großen Design-Ideen und der revolutionären Innenarchitektur einfach vorbei sind, dafür kann Bond auch nicht so viel.
"Morgen spreche ich endlich mit Malone."

Mister Bond

Felix Leiter

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22

Montag, 3. September 2018, 18:15



Wir liegen ja oft auf einer Wellenlänge, Mr. Bond, aber bei Ghost Protocol verstehe ich deine Abneigung nicht so ganz. Für mich hat er immer noch genug Ernsthaftigkeit, und die McQuarrie-Filme dagegen auch einen ausreichenden Spaß-Faktor. Ich sehe da nicht so die Riesenunterschiede wie etwa zwischen MR oder FYEO.

Aber insgesamt ist es schon faszinierend, wie zur Zeit die Threads zu Bond 25, der Zukunft von Bond auch Mission:Impossible thematisch fast verschmelzen.

Nein, nein, nein. Doch keine Abneigung, im Gegenteil. Den Film würde ich starke 8/10 Punkten geben, genau wie Moonraker macht der mir absolut Spaß.
Die letzten beiden und den ersten M:I Filme empfinde ich aber als noch stärker, was Spannung und Dramaturgie angeht und sie besitzen auch die stärkeren, prägenderen Bösewichte. Außerdem ist Rebecca Ferguson eine Wucht und das wertet mir die letzten beiden Filme auch nochmal zusätzlich auf ;)
Und das die Themen Bond/M:I verschmelzen liegt ja auf der Hand, beides populäre Agenten/Actionthriller, M:I - Fallout läuft aktuell in den Kinos und halt die Nachrichten um das nächste Bondprojekt um Danny Boyles Ausstieg.

Scarpine

Verschlagener Korse

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23

Montag, 3. September 2018, 22:08

Wobei ich in Sachen Set Design und Locations eine deutliche Steigerung in der Ära Craig im Vergleich zur Ära Brosnan erkenne. [...] Außerdem fürchte ich, dass die 60er, 70er Jahre mit ihren großen Design-Ideen und der revolutionären Innenarchitektur einfach vorbei sind, dafür kann Bond auch nicht so viel.

Grundsätzlich muss ich dir da zustimmen. Ja, seit den Craig-Filmen ist durchaus wieder eine Verbesserung erkennbar (nachdem die Brosnan-Ära diesbezüglich schon der Tiefpunkt war), aber man ist trotzdem noch weit von den glorreichen Zeiten entfernt. Und es mag auch stimmen, dass die 60er/70er Jahre auch in Sachen Innenarchitektur eine Klasse für sich waren. Aber es lag eben auch an Adams Genie; er hat schließlich auch für diverse Filme über die Jahrzehnte hinweg beeindruckende Sets und Dekors geschaffen. Aber ich finde man hat diesen Bereich seitens der Produktion auch ziemlich vernachlässigt. Adam war irgendwann (wie Barry) aus Sicht der Produzenten ein Selbstläufer. Nachdem die Beiden endgültig abgetreten waren, hat man sich in beiden Bereichen aber auch nicht mehr soviel Mühe gegeben; auch finanziell nicht mehr so viel investiert wie früher. Sicherlich hing das auch mit der zunehmenden "Erdung" Bonds in den 80er Jahren zusammen, deren Höhepunkt dann Licence To Kill darstellte. Diese Nüchternheit bzw. Ausgewogenheit zwischen "Over the Top" und "Down to Earth"-Mentalität wirkte ja dann noch bis in die Brosnan-Ära hinein (einzige Ausnahme: Die Another Day). So ist Trevelyans Kommandozentrale in GoldenEye zwar funktional und glaubhaft für einen Steuerkomplex unter einer riesigen Satelliten-Antenne im Regenwald, aber eben auch ungemein steril, nüchtern und langweilig. Man muss keine große Fantasie besitzen, um sich nur vage auszumalen, wie so ein Set unter Adams Ägide ausgesehen hätte... Mit dem Eispalast in Brosnans Schwanensang hat man dann ja versucht, an die goldene Zeit der großen Bond-Sets anzuschließen; aber eben nur halbherzig, weil halt hier schon viel CGI im Spiel war und die Zerstörung dieser Mega-Festung geradezu beiläufig im Vergleich zu der ausgiebigen Destruktion von Blofelds, Strombergs oder Drax`s Domizilen geschah.

Das ist vielleicht auch das allergrößte Manko in Sachen Prodution Design bei den heutigen Bondfilmen. Genau wie bei den Schauplätzen nimmt man sich nicht mehr die Zeit, diese angemessen zu porträtieren, in die Handlung einzubeziehen und auf der Leinwand wirken zu lassen. Alles geht viel zu schnell. Man nimmt sich nicht mehr die Zeit, die Dekors auch wirklich zu präsentieren. So verpfufft die Wirkung solcher Großsets wie Graves Eispalast oder Oberhausers Kraterzentrale gegenüber früheren Zeiten quasi vollständig. Bei Adam hatte die Architektur der Schurken nicht nur eine glamourös-luxuriöse, sondern eben auch eine erhaben-einschüchternde Komponente (wie etwa bei den Nazi-Protzbauten). Man denke nur an die langen, durch den Score intensivierten Kamerafahrten durch Blofelds Vulkankrater, Strombergs Liparus-Tanker oder Drax`s Raketenabschuss-Basis. Diese Momente, wo Bond mit dem Zuschauer gemeinsam von der überwältigenden Macht der Villain-Technologie erstmal erschlagen wird, fehlen mir mittlerweile in der Serie. Dieses Faszinosum, dass Infrastruktur und Schurkenplan im letzten Akt der Handlung quasi eins werden und Bond und der Zuschauer unsicher sind, ob diese Maschinerie überhaupt noch zu stoppen sein wird. Es mag zwar plakativ klingen, aber ich finde, dass man solche Momente bzw. Effekte auch mit kleineren Sets (nochmal das Paradebeispiel Diamonds Are Forever) auch heute noch erreichen könnte, wenn man sich mehr Mühe geben würde...

Mit Ken Adam und John Barry hatte man nicht nur zwei Talente, sondern zwei Genies. So etwas fehlt heute weitgehend. Dabei muss man aber auch sagen, dass Adam sieben Filme hatte, um sich auszutoben und zu entwickeln, und Barry zehn Filme. [...] Wer weiß, was Gassner noch kreiert, wenn man ihm Möglichkeiten gibt. Die Big Names bei der Regie garantieren vielleicht ein bisschen Aufmerksamkeit, aber wenn sie es nicht hinkriegen, reißen die von ihnen mitgebrachten Leute auch wenig raus, wie MK12 bei QOS, oder Thomas Newman bei Spectre.

Und doch zeigte sich bei beiden Kreativen das Genie früh. In Doctor No sind der Tarantel-Raum, Dr. Nos Kommandozentrale, die Bohrinsel und der Reaktorraum auch im "Kleinen" schon wegweisende Duftmarken und Barrys From Russia With Love-Score besitzt bereits einen enormen atmosphärischen Biss und schlägt in meiner Wahrnehmung beinahe alle Bondscores nach 1987 mühelos. Dagegen können alle Nachfolger nur verlieren; keine Frage. Bei Dennis Gassner sehe ich aber auch großes Potenzial und ich würde mir wünschen, dass er der Serie noch länger erhalten bleibt. Ich stimme auch absolut mit dir überein, dass Eon diese Positionen auch mal wieder rigoroser durchsetzen bzw. verteidigen muss. Ich verstehe auch nicht, wieso man neuerdings gute Handwerker nicht mehr für fähig erachtet, mit einem kompetenten Team einen erstklassigen Bondfilm zu drehen. Die Arthouse-Diven-Regisseure sehe ich hier auch mehr und mehr als Problem, denn als Bereicherung.

Aber insgesamt ist es schon faszinierend, wie zur Zeit die Threads zu Bond 25, der Zukunft von Bond auch Mission:Impossible thematisch fast verschmelzen.

Wie MisterBond schon meinte, sind viele Bondfans hier im Forum auch MI-Jünger oder schätzen dieses Franchise. Es gibt thematische Schnittmengen und Cruise liefert, anders als Eon, regelmäßig und auf der Höhe der Zeit ab. Insofern haben die Sehnsüchte der Bondfans, nach der Enttäuschung über einen schwächeren, letzten Film und einen einfach nicht in Produktion gelangenden Nachfolger, die Begeisterung für Mission Impossible nicht nur intensiviert, sondern auch wehmütige Blicke über die Tellerränder hinaus befeuert. Für den Traffic im Forum ist diese Thread-übergreifende Themen-Vernetzung aber augenscheinlich und gottlob ein echter Vitalisierungsschub... :thumbup:
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

Dieser Beitrag wurde bereits 4 mal editiert, zuletzt von »Scarpine« (3. September 2018, 22:21)


Mister Bond

Felix Leiter

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24

Dienstag, 4. September 2018, 22:45

Barrys From Russia With Love-Score besitzt bereits einen enormen atmosphärischen Biss und schlägt in meiner Wahrnehmung beinahe alle Bondscores nach 1987 mühelos. Dagegen können alle Nachfolger nur verlieren; keine Frage.

Genau mein Empfinden. Zwar gelang Barry dann mit dem Score zu Goldfinger das erste Bond Meisterwerk und bis inklusive The Living Daylights sehe ich auch alle noch stärker als From Russia With Love, aber eben schon in in diesem gelingt Barry doch eine besondere Atmosphäre und nicht zu vergessen zum ersten Mal das feine "007"-Thema. Alle Scores danach, selbst zu Casino Royale sehe, bzw. HÖRE ich nicht als besser an :)

Martin

Brosnans Last Line of Defense

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25

Samstag, 8. September 2018, 23:47

Wobei ich in Sachen Set Design und Locations eine deutliche Steigerung in der Ära Craig im Vergleich zur Ära Brosnan erkenne. Der Meteoritenkrater von Blofeld oder die Insel Hashima als Silvas Basis fand ich schon bemerkenswert (wenn auch nicht edel in dem Sinne). Auch der viel geschmähte QoS hatte in puncto Production Design doch einiges zu bieten. Das Opernhaus in Bregenz, der Privatjet von Greene, das Grandhotel in Bolivien, das Finale in dem Wüstenhotel, das war doch alles sehr geschmackvoll und stylisch.


Das stimme ich zu. Ich fand vor allem die ganze Day-of-the-Dead-Szenerie in SP im besten Sinne überlebensgroß. Und eine designerische Meisterleistung von Gassner in vielen sehr schönen Details. Wenn man bedenkt, dass man in Mexiko die entsprechenden Feierlichkeiten im Sinne des Film 'gepimpt' hat, dann kann man schon im buchstäblichen Sinne von 'larger than life' sprechen. Darauf sollte man unbedingt aufbauen. Leider hat man aus der Brosnan-Ära das unschöne Erbe übernommen, dass die Pretitle das Finale in den Schatten stellt. In den alten Filmen hat man die spektakulären Stunts am Anfang mit den faszinierenden Set-Pieces am Ende ausbalanciert. Seit es die am Ende nicht mehr so gibt, sind die Filme spannungskurven-technisch leider sehr kopflastig geworden.


Um mal angesichts all der eher bedenklichen Neuigkeiten in letzter Zeit eine Frage in den Raum zu werfen: Was wäre für euch die idealste und wünschenswerteste Perspektive für das Franchise auf längere Sicht?

Havanna

MI6 Staff

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26

Sonntag, 9. September 2018, 14:17

Ich bezeichne mich zwar auf jeden Fall als James-Bond-Fan, stecke aber bei weitem nicht so in der Materie wie viele hier im Forum, sowohl was das Wissen über die Filme selbst als auch den Hintergrund der Produktionen, auch aktuelle, angeht. Insofern war es für mich erhellend, aber auch ernüchternd, hier vieles über die Entwicklung hinter den Kulissen in den letzten Jahren zu erfahren. Vieles davon kann ich nachvollziehen und macht auch die immer länger werdenden Pausen zwischen den Filmen verständlich. Vielleicht ist ja auch für manche von euch der Blick von etwas weiter außerhalb des Fandoms interessant:

Ich habe immer die Abwechslung und Leichtigkeit dieser Filmreihe gemocht: Es gab Bond als Actionkomödie, Bond als Kalter-Krieg-Spionagethriller, Bond als Fantasy- oder SciFi-Film und so weiter und so fort. Jeder Film war etwas anderes als die anderen, aber doch war das übergeordnete Thema dasselbe: Die Figur James Bond als "Superheld", der auch in brenzligen und lebensbedrohlichen Situationen im Grunde trotzdem immer Herr der Lage war (notfalls mit der Hilfe des ein oder anderen Gadgets) und über den Schurken triumphierte, dabei meist locker mit einem eben solchen Spruch auf den Lippen. Insofern erwartete ich eigentlich nie besonders "tiefe" Filme im Bonduniversum, sondern eher rund zwei Stunden gepflegte Action in einer der unseren ähnlichen, aber halt doch anders tickenden Welt. Mit dieser Einstellung konnte ich auch der hier im Forum viel gescholtenen Brosnan-Ära viel abgewinnen (was einige gerne als Bestätigung ihrer Einstellung gegenüber diesen vier Filmen verstehen dürfen), sogar DAD. Anspruchsvollere Bondfilme nahm ich eher als eine weitere Variante neben den oben genannten wahr.

Den zumindest anfänglich in der Craig-Ära gewählten Ansatz, einen (ähnlich dem Nolan-Batman) geerdeteren, verletzlichen, nicht perfekten Bond zu präsentieren, der sich im Laufe der (größtenteils) zusammenhängenden Geschichte zu der uns bekannteren Figur entwickelt, fand und finde ich in dem Sinne auch sehr reizvoll. Und in der Tat erkenne ich von Film zu Film immer mehr den "traditionellen" Bond in Craig und seinen Filmen. Dazu passen dann auch Dinge, die zum Craig-Bond aus CR und auch zum Ton des Craig-Erstlings nicht passen, z.B. die emotionale Unberührtheit auf die Enthüllung, das sein Bruder Blofeld hinter dem Tod von zwei geliebten Menschen steht, oder die spurlos an Bond vorbeigegangene Folter. Ich sehe diese Entwicklung, die von vielen hier kritisiert wird (toller, weil "tiefer" und realistischer Film CR hin zu gänzlich unrealistischem und unlogischen SP) gar nicht mal so negativ, sondern zu meinem Verständnis der Craig-Ära, die Filmisches und Außerfilmisches verbindet, durchaus passend. Dass ich den Machern da mehr Plan und Absicht unterstelle als realistisch ist, war mir schon vor euren Insiderinfos über die Produktion klar.

Ich bin der Craig-Ära und dem anfangs durchgezogenen Konzept dahinter sehr dankbar, weil sie das Franchise um eine weitere Facette bereichert und vor allem am Anfang vitalisiert hat. Sie dauert jetzt aber zu lange und schadet meiner Meinung nach jetzt mehr als sie nutzt. Wenn Craig nach Bond25 aufhört, war er länger als jeder andere Darsteller vor ihm Bond (ich zähle NSNA nicht mit und nur die Jahreszahlen vom ersten bis zum letzten Film einer Ära) und in vielen Filmen dieser Ära kommt das klassisch "Bondische", das ich weiter oben versucht habe zu erklären und was viele Nichtfans mit dem Begriff "James Bond" verbinden, doch sehr kurz und ich weiß nicht, ob man nach einer so langen Ära die Zeit und den Stil wieder zurückstellen kann.

Denn um Martins Frage aus seinem letzten Post zu beantworten: Ich wünsche mir nach der Craig-Ära wieder mal einen von vorne bis hinten klassischen Bond: Eine prägende, aber nicht übertriebene PTS, eine schön gestaltete Titelsequenz (obwohl wir da seit 2006 keine Probleme hatten) mit einem ganz klassischen Bondsong, eine Story, in der Bond eine Mission bekommt, zu der er keinen persönlichen Bezug hat und in deren Verlauf er mit Unterstützung eines Bondgirls und Qs Gadgets den größenwahnsinnigen Schurken zur Strecke bringt (gerne auch mit einer Armee seine Basis einnimmt) und mit dem Girl in den Sonnenuntergang reitet, selbstverständlich nicht ohne dabei in Gefahr zu geraten, aber immer souverän.
Ich weiß nicht, ob das Publikum nach dann mindestens 15 Jahren Craig-Bonds einen solchen Film noch annehmen würde. Vielleicht, wenn die derzeitige Nostalgiewelle in TV und Kino anhält. Nach allem, was ich bisher von euch über die Hintergründe erfahren habe, erscheint ein solcher Film aber sowieso eher unwahrscheinlich, weil scheinbar nach namhaften Regisseuren gesucht werden, die ihre eigenen Ideen umsetzen wollen und meine Skizze ja eher nach einem Handwerks- als einem Künstlerjob klingt.

Scarpine

Verschlagener Korse

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27

Sonntag, 9. September 2018, 22:07

Ich wünsche mir nach der Craig-Ära wieder mal einen von vorne bis hinten klassischen Bond [...]Ich weiß nicht, ob das Publikum nach dann mindestens 15 Jahren Craig-Bonds einen solchen Film noch annehmen würde. Vielleicht, wenn die derzeitige Nostalgiewelle in TV und Kino anhält. Nach allem, was ich bisher von euch über die Hintergründe erfahren habe, erscheint ein solcher Film aber sowieso eher unwahrscheinlich, weil scheinbar nach namhaften Regisseuren gesucht werden, die ihre eigenen Ideen umsetzen wollen und meine Skizze ja eher nach einem Handwerks- als einem Künstlerjob klingt.

Naja, vor fünfzehn Jahren hielt man es noch für unmöglich, dass man Casino Royale modern verfilmen und jemand wie Daniel Craig jemals James Bond werden könnte. Ich glaube, daher nicht, dass das Publikum damit grundsätzlich ein Problem hätte. Ob man seitens Eon aber gewillt ist, die hochemotionale "This time it`s personal!"-Schiene aufzugeben, steht auf einem anderen Blatt. Ich denke, dass es am Ende auf die Frage hinausläuft, ob die Produzenten eine eigene Vision bzw. Marschrichtung für Zukunft verfolgen wollen, oder, ob sie die künstlerische Ausrichtung der Filme weiterhin verstärkt den (Autoren-)Regisseuren überlassen wollen. Ich glaube mittlerweile fest daran, dass nach Craigs Abgang Christopher Nolan die Zügel in die Hand nimmt, Bond & alle anderen Rollen neu castet und seine "Bond Begins"-Trilogie machen wird. Jedenfalls deuten die vielen Gespräche zwischen Eon & Nolan auf so ein Szenario hin. Ob das allerdings wirklich bierernste "Problem"-Bonds zur Folge hätte, wäre ich mir hingegen gar nicht so sicher. Denn Nolan ist ein Fan der Bonds der 60er Jahre und von daher könnte er auch ganz old-fashioned klassische Bondfilme mit modernem Flair machen. Ich denke, da ist auch bei den Arthouse-Filmemachern nichts in Stein gemeißelt. Dass diese aber bisweilen schwerer zu händeln sind bzw. wenig oder schlicht nicht abliefern, hat die jüngste Vergangenheit leider nachdrücklich bewiesen...

Um mal angesichts all der eher bedenklichen Neuigkeiten in letzter Zeit eine Frage in den Raum zu werfen: Was wäre für euch die idealste und wünschenswerteste Perspektive für das Franchise auf längere Sicht?

Ich glaube, dass man sich im Hause Eon in nicht allzu ferner Zukunft darüber Gedanken machen muss, was man mit Bond noch machen möchte. Wie erwähnt, wurde letzthin schon häufiger von Journalisten und Fans ein kompletter Verkauf der Bondrechte an ein großes Major Studio (ala George Lucas/Lucasfilm an DISNEY) nach dem Ende der Craig-Ära ins Spiel gebracht. Wie realistisch ein solches Szenario wäre, kann man aktuell ohne Insider-Einsichten in den internen Zirkel von Eons Productions Ltd. nur spekulieren. Aber da ist auf jeden Fall etwas ins Wanken geraten. Früher hätte ich gesagt "Never ever!", mittlerweile halte ich das für ein zumindest vorstellbares, wenn auch nicht zwansgläufig wünschenswertes Szenario. Die ideale Perspektive aus meiner Sicht sähe so aus: Barbara Broccoli konzentriert sich auf ihr eigenes Produtionsportfolio und sie und ihr Bruder Michael holen dessen Sohn Gregg Wilson als hauptverantwortlichen Co-Produzenten ins Boot. So kann Michael G. Wilson mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung aus dem Hintergrund agieren und coachen, Gregg als neuer künstlerischer Chef der Bond-Serie mit frischem Elan das Franchise voranbringen und damit seine Tante Barbara, die es zuletzt mehr in Richtung anderer Filmprojekte drängt, entlasten. Idealerweise würde dann irgendwann noch Michaels zweiter Sohn David hinzukommen und Barbara Broccoli endlgültig ablösen.

Damit wäre der nächste Generationensprung geschafft und das familiäre Franchise-Erbe für die nächsten Jahrzehnte erst einmal gesichert. Leider scheint David G. Wilson aber an der Aufgabe nicht sehr interessiert zu sein, denn seit Casino Royale tauchte er - anders als sein Bruder Gregg - in den Kredits der Bondfilme nicht mehr auf. So oder so wird das Jahr 2034 zum Schicksalsjahr für das Franchise werden, weil dann die Verfilmungsrechte an den Romanen auslaufen. Das heißt jeder Filmemacher wäre dann in der Lage, auf Basis des Romanmaterials Bondfilme zu drehen; einzige Ausnahme Thunderball mit den Rechten an Spectre & Blofeld (die erst 2076 gemeinfrei werden...). Eon hält dann nur die Rechte an dem Material, dass die Filmserie selbst hervorgebracht hat: Die 24 (+) Filme, die Gunbarrelsequenz, das 007-Symbol, das Bondthema, die berühmten One-Liner usw. Aber im grunde genommen könnten ab diesem Zeitpunkt die Konkurrenzprodukte ala Never Say Never Again nur so aus dem Boden schießen. Das sind zwar noch 16 Jahre hin, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass die Produzenten und Eons Anwälte diesem Datum mittlerweile deutlich angespannter entgegenblicken, als noch vor zehn oder fünfzehn Jahren...
Deswegen wäre es wichtig, die Serie nach der Craig-Ära mit frischem Blut neu auszurichten und fit für die Zukunft zu machen. Sodass die Marke "James Bond" sich nicht nur weiterhin am Kino-Markt behaupten kann, sondern auch dem schwierigen Umbruch ab 2034 gewachsen sein wird. Denn nur eine top aufgestellte, ständig qualitativ abliefernde Produtionsfirma mit ihrer jahrzehntelangen Erfahrung, den etablierten Trademarks und dem Nimbus der "offiziellen" Serie, wird sich auch gegen die dann kommende Flut an Nachahmern und Epigonen erfolgreich zu Wehr setzen können.

Ausgehend von Martins Frage, was ich mir persönlich langfristig von der Bond-Serie wünschen würde, so würde meine Antwort hier in Sachen Stil & Ausrichtung eigentlich sogar relativ unspezifisch und ambivalent ausfallen. Ich muss Havanna dahingehend beipflichten, dass die gute Mischung und die abwechslungsreichen Ausprägungen mit den Reiz der Reihe ausmachen. Tatsächlich glaube ich auch, dass der nächste Bonddarsteller tendenziell wieder mehr "klassischere" Missionen erleben wird. Allerdings sehe ich gar keinen so krassen Unterschied bzw. Widerspruch zwischen diesem emotional-menschlicheren Touch und einem locker-lässigen Grundausrichtung des Sujets. Schon die angeblichen Super-Bonds Sean Connery & Roger Moore waren bedingt emotional involviert (vereinzelte Reaktionen auf den Tod eines Nebenbondgirls) und auch nicht immer nur Herr der Lage. Man denke nur an Bonds Beinahe-Ohnmacht in Shrublands, den angeschossen, blutend-hinkenden 007 in den Straßen von Nassau oder seinen Bewusstseinsverlust in der Astronauten-Zentrifuge. Und auch in der Brosnan-Ära war Bond – in der Kontinuität von Licence To Kill – beständig gefühlsmäßig in den aktuellen Fall eingebunden. Es spielt eben immer nur die entscheidende Rolle, wie gut und wirkungsvoll diese Aspekte in die Handlung integriert werden und sich dann auch harmonisch in den Plot-Verlauf eingliedern; ohne vom Zuschauer als überflüssigen, pseudo-tiefgründigen Beigabe-Ballast wahrgenommen zu werden. Das ist immer eine Gratwanderung. Und ich muss Havanna dahingehend beipflichten, dass dieser seit Daltons Tagen integrale Bestandteil der Bondfigur bzw. der Franchise nicht sobald wieder aus der Serie verschwinden wird. In den Filmen mit Pierce Brosnan waren diese Elemente tatsächlich nicht immer schlüssig und gewinnbringend in die Filmhandlung eingebunden, und standen meist als lose, dem Zeitgeist auf hippe Weise Rechnung tragen wollende (Stichwort: Wandel von Männer- und Frauenbildern) Versatzstücke im Raum. Jedoch gehe ich auch hier mit Havanna konform, dass diese Ära postwendend mit dem Auge der Craig-Enthusiasten ein wenig zu hart und massiv abgeurteilt wurde und wird. Diese Filme reifen tatsächlich allmählich wie ein guter Wein und ich stehe ihnen mittlerweile (auch unter dem Aspekt des Zeitgeistes) deutlich wohlwollender gegenüber als früher; und plane nebenbei eine kleine Besprechungsreihe für die Brosnans Ära zum Ende des Jahres. Trotzdem kann man auch als größter Verfechter dieser Ära aber nicht verhehlen, dass diese Dekade doch in einigen Bereichen wie Casting, Production Design, Score, Location-Nutzung, Cinematographie, Ausleuchtung, Effekte und Action-Einlagen schon vermehrt einige Tiefpunkte der Bond-Reihe versammelt.

Und dass wäre auch mein Wunsch für die Zukunft: Dass man sich diesen personellen und praktischen Mängeln von Seiten der Produktion stellt. Vor allem in Sachen Location-Scouting, Kameraarbeit, Spezial-Effekte, handgemachter, echter Action, Soundtrack und Production Design würde ich mir beständig mehr Initiative, Pioniergeist, progressiv-dauerhafte Personalien und Detailverliebtheit wünschen. Das Gleiche gilt auch für die Drehbuchentwicklung. Was bringt es, jedes Mal – und nebenbei in letzter Zeit immer verspätet – den Prozess zu starten und mit den Hausautoren über ein halbes oder ganzes Jahr ein Script zu entwickeln, wenn dann ein Regisseur an Bord kommt, der das ganze entwickelte Material mit einem Wisch beiseite kehrt, seinen eigenen Autoren mitbringt und seine eigene Vision umsetzen möchte? Entweder man engagiert Regisseure, die bereit sind, mit dem vorhandenen Material zu arbeiten und der bisher geleisteten Arbeit Rechnung zu tragen, oder man holt den (Autoren-)Regisseur eben rechtzeitig ins Boot, sodass man mit ihm und den Autoren zusammen direkt vom Nullpunkt aus das Konzept und das Drehbuch für den kommenden Film entwickeln kann. Das ständige Lavieren in diesem essenziellen Entwicklungsprozess hat die Abläufe in der Produktion der vergangenen Filme schon mehrfach behindert, zeitlich unter Druck gesetzt oder gar torpediert. Hier müsste man eine klare Linie hereinbringen. Denn auch Eon sollte klar sein: Nicht jeder (Arthouse-)Filmemacher ist ein Christopher McQuarrie, Quentin Tarantino oder Christopher Nolan; sprich Regisseure, die eigentlich noch talentiertere Autoren sind. Die Regisseure sollten sich bei Bond endlich wieder mit voller Kraft auf das konzentrieren, was ihre eigentliche Aufgabe ist: Den Film modern, visuell beeindruckend, temporeich und auf der Höhe der filmischen Möglichkeiten zu inszenieren. Gerne können sie ihren Input geben, aber das Schreiben sollten sie denen überlassen, die etwas davon verstehen: Den Autoren. Vielleicht kommt es auch nicht von ungefähr, dass Martin Campbell, der der einzige Bond-Regisseur nach 1989 war, der keine massiven Eingriffe in die schon vorhandenen Drehvorlagen seiner Beiträge verlangte oder diese gar gänzlich verwarf, immer der Favorit des einstigen (Mit-)Autoren und Produzenten Michael G. Wilson blieb.

Wie erwähnt, wäre eine Rückbesinnung auf die eigenen, individuellen Stärken und Alleinstellungsmerkmale des Franchises wünschenswert. In Kombination mit einem wieder regelmäßigeren Beitragsrhythmus, sehe ich eigentlich keinen Grund, warum 007 sich nicht auch weiterhin auf Augenhöhe mit der Konkurrenz im kommerziellen Film behaupten sollte. Eine Anbiederung an die "Marvelisierung" bzw. "Serialisierung" (durch den stärkeren Anteil der TV- und Streaming-Serien-Formate) des Kinomarktes sollten die Macher aber unbedingt vermeiden. Es ist schon bedenklich genug, wenn eine Traditionsmarke wie Star Wars unter Disneys Führung auf diesen Zug aufspringen muss. Eine spielerische, lose Verknüpfung von Handlungssträngen darf gerne sein, aber bitte nicht so, dass es zwingend & unausweichlich wird und die Kenntnis der vorherigen Werkbeiträge unbedingt erfordert. Abgesehen von Fauxpas mit den wechselnden Blofeld-Darstellern, sehe ich die Darstellung von Bonds Kampf gegen Spectre in den 1960er Filmen bis hin zu Diamonds Are Forever eigentlich als ideale Blaupause für ein solches Unterfangen an. Es war nicht zwanghaft, jeder Film stand mehr oder minder für sich, und der aufmerksame Zuschauer konnte die losen Verknüpfungen erkennen und den Fortgang des Spectre-Subplots kontinuierlich verfolgen. Das könnte ich mir auch für die Zukunft vorstellen, beispielsweise mit einer Art Gegen-Doppel-Null-Programm, das eine feindliche Partei (Spectre, eine anderen Organisation, ein fiktiver Schurkenstaat oder eine abtrünnige, militärische Allianz) aufstellt und dessen schrittweise Demontage Bond und den MI6 dann über mehrere Filme hinweg beschäftigen würde. Wenn ich mir aber nur eines wünschen dürfte, so wäre es definitiv wieder ein regelmäßigerer Veröffentlichungsrhythmus mit kürzerer Beitragsfrequenz. Das wäre auch aus meiner Sicht unerlässlich, um nicht nur die aktuellen Fans und Konsumenten dauerhaft bei der Stange zu halten, sondern auch das Franchise wieder in der Breite für jüngere, beständig nachwachsende Zuschauerschichten im Kino attraktiver zu machen.
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Scarpine« (10. September 2018, 16:02)