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Martin

Felix Leiter

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Sonntag, 29. November 2015, 22:07

Sehr schöne Ausführung, Dr MoVe, die ich sehr gut nachvollziehen kann. Auch wenn ich OP schon früher im TV gesehen hatte (wurde er wirklich erst 1992 erstmalig gezeigt, und nicht schon früher?), hab ich regelmäßig ähnliche Probleme mit dem Film.

Nichts wäre mir lieber als würde mein Herz für OP genauso hoch schlagen. Ich bin ja schließlich Bondfan und möchte stets das sich mit JEDEM Bondfilmkonsum eine 'Erleuchtung' manifstiert. Aber leider habe ich offenbar nur begrenzten Zugang zur Magie und Brillianz die viele andere Fans in dem Film sehen. Vielleicht gehört das zu Natur des Fan seins. Offenbar ist es schwer von umfassend ALLEM in gleichem Maß verzückt zu sein.


Diese Einstellung und auch die Fähigkeit, die eigene Bestenliste immer wieder mal ernsthaft in Frage zu stellen, finde ich sehr gut. Bei mir ist die Top 4 seit Jahren quasi zementiert.

Felix Leitner

Witwe Bolte

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Dienstag, 1. Dezember 2015, 20:25

Hab' ihn letztens erst angesehen und mag ihn immer noch.

Die "unsouveränen Störfaktoren" finde ich bei fast allen Glen-Bonds - Schauspielerführung und Bildideen, die oft nicht über solides Handwerk hinauskommen, viele Action-Szenen, die (für ihre Zeit) schon etwas altmodisch umgesetzt wurden und blöde Gags, die nicht so recht ins Konzept passen.

Trotzdem macht der Indien-Teil Spaß, wenn man ihn in der Tradition altmodischer Kolonial-Abenteuerfilme genießt. Der Deutschland-Teil besticht dagegen mit der besten Bomben-Suspense, die je ein Bond zu bieten hatte: Orlovs Plan scheint durchdacht und ist von fast schon atemberaubender tagespolitischer Aktualität: Der Film zur Debatte um den Nato-Doppelbeschluss. Wenn Bond, selber der Verzweiflung nah, unter Hunderten von Zivilisten einen Nuklear-Sprengkopf entschärft, kann man sich doch nicht ernsthaft an dem Clowns-Kostüm aufhängen.

Irgendwie fügt sich hier alles zu einer charmanten Mischung zusammen, der man gelegentliche Fehltritte verzeiht.

Bei der Sichtung im O-Ton ist mit aufgefallen, dass Steven Berkoff ganz schön dick aufträgt. Seine deutsche Stimme lässt ihn doch "gesitteter" und damit glaubwürdiger erscheinen. Immer wieder erstaunlich, wie die Stimme die Wahrnehmung der Performance beeinflußt.
"I don't like your manner." "I'm not selling it."

Dr. moVe

MI6 Staff

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123

Freitag, 4. Dezember 2015, 16:14


PPS: Ein Hoch auf die Underdogs! :prost:

Dem kann ich mich nur feierlich anschließen, Prost Spree ! :party:

... die Fähigkeit, die eigene Bestenliste immer wieder mal ernsthaft in Frage zu stellen, finde ich sehr gut. Bei mir ist die Top 4 seit Jahren quasi zementiert.

Schön das Du es so siehst, Martin. :)
Man könnte allerdings auch argumentierten, das jemand wie ich einfach nur wankelmütig ist und die Entschlossenheit fehlt unsere Lieblinge endgültig und ein für alle Mal abschließend zu bewerten.
Mich beeindrucken daher stets entsprechende Zementierungen von Ranglisten. Völlig unvertraut ist mir das keineswegs, denn bei meinen genrellen 'All time'-Filmfavoriten zelebriere ich ebenfalls schon jahrelang eine festgemauerte Top-4. Bezüglich Franchise-Phänomenen fällt mir das schon viel schwerer. Als gleichzeitiger Bondiast und Trekkie könnte ich noch nicht mal klar sagen ob mir das Star Trek-Franchise oder die James Bond-Reihe mehr am Herzen liegt. Und so ist es eben auch nicht verwunderlich das die einzelnen Jahrgänge dieser beiden göttlichen Serien bei mir stetigen Wahrnehmungschwankungen unterworfen sind.

...Wenn Bond, selber der Verzweiflung nah, unter Hunderten von Zivilisten einen Nuklear-Sprengkopf entschärft, kann man sich doch nicht ernsthaft an dem Clowns-Kostüm aufhängen.
Irgendwie fügt sich hier alles zu einer charmanten Mischung zusammen, der man gelegentliche Fehltritte verzeiht.
Bei der Sichtung im O-Ton ist mit aufgefallen, dass Steven Berkoff ganz schön dick aufträgt. Seine deutsche Stimme lässt ihn doch "gesitteter" und damit glaubwürdiger erscheinen. Immer wieder erstaunlich, wie die Stimme die Wahrnehmung der Performance beeinflußt.

Das Clowns-Kostüm hat mich auch nie gestört. Ich fand das eigentlich immer ne nette Idee, zudem paßt es doch geradezu symptomatisch zu Moore's Auslegung der Bondrolle. Er ist eben der große Comedian unter den Eon-Amtsinhabern.
Bezüglich der charmanten Mischung, der man gelegenlichte Fehltritte verzeiht, funktioniert das bei mir bei den Bondwerken von Guy Hamilton oder Lewis Gilbert irgendwie besser als bei denen Glens. Vermutlich würde ein OP von den ersten beiden Moore-Bond-Regisseuren daher vielleicht bessere Karten haben.
Bezüglich: Steven Berkoff: Ich empfinde ihn im O-Ton genauso herrlich wie in der Synchrofassung. Orlov ist wirklich eine der großen kultigen Pluspunkte des Films. Als ich im September mit Forumsgenosse Cotton auf Reisen war, waren Orlov's Sprüche der kontinuierliche Zitate-Running-Gag unseres gesamten Trips. "The West is decadent and divided, it has no stomach to risk our atomic reprisals !" "Zurückschlagen ? Gegen wen ?!" "Folgen sie dem Wagen da !!!" :thumbsup: Einfach köstlich dieser Kasper !

Dieser Beitrag wurde bereits 8 mal editiert, zuletzt von »Dr. moVe« (4. Dezember 2015, 16:57)


Scarpine

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Mittwoch, 8. Januar 2020, 23:11

James Bond 007: Octopussy

Bond Marathon # 00…13; Originaltitel: Octopussy, GB 1983, Regie: John Glen, Drehbuch: George MacDonald Fraser, Richard Maibaum und Michael G. Wilson nach Ian Fleming, Darsteller: Roger Moore, Maud Adams, Louis Jourdan, Kristina Wayborn, Kabir Bedi, Steven Berkoff, Vijay Amritraj, Albert Moses, Walter Gotell, Geoffrey Keen, Robert Brown, Lois Maxwell, Desmond Llewelyn u. a., Premiere: 06. Juni 1983

Zitat von »James Bond 007: Octopussy«

Nachdem James Bond einen halsbrecherischen Einsatz auf Kuba erfolgreich abgeschlossen hat, wartet schon die nächste schwierige Mission auf ihn. In Ost-Berlin wurde sein Kollege 009 tot aufgefunden. Der einzige Hinweis auf dessen Undercovertätigkeit ist ein fast perfekt gefälschtes Fabergé-Ei und der vage Verdacht auf russische Hintermänner. Bond besucht die Auktion des echten Eis bei Sotheby’s und kann dabei das Duplikat gegen den echten Fabergé tauschen. Zugleich treibt der Doppel-Null-Mann die Gebote in die Höhe, da der Käufer offensichtlich gezwungen ist, um jeden Preis den Zuschlag zu erhalten. Für 500.000 Pfund wechselt das wertvolle Objekt schließlich den Besitzer. Höchstbietender ist der dubiose Geschäftsmann und exilierte Prinz Kamal Khan. 007 folgt ihm, seinem Leibwächter Gobinda und seiner bezaubernden Begleiterin Magda nach Neu Dehli. In Indien ist der Afgahne Khan in seinem eigenen Einflussbereich jedoch im Vorteil und kann Bond gefangennehmen. Der Agent macht auch die Bekanntschaft der verführerischen Octopussy, einer Schmugglerin, die mit vielen jungen Frauen auf einer abgeschotteten Insel eine verschworene Gemeinschaft bildet und mit Kamal hin und wieder Geschäfte tätigt. Sie und 007 verbindet ein Geheimnis. Doch Khan hintergeht Octopussy und will Bond beseitigen lassen, da dieser von seiner Verbindung zu dem sowjetischen Armeegeneral Orlov erfahren hat. Orlov befindet sich in Moskau mit seinen Ansichten auf verlorenem Posten und will seine hochfliegenden Pläne nun eigenmächtig vorantreiben. In der Nacht wird Octopussys Refugium von Khans gedungenen Männern überfallen und 007 entkommt mit knapper Not, allerdings muss einer seiner Verbündeten sein Leben lassen. Bond folgt Khan und Octopussy nach Karl Marx-Stadt in die DDR. Hier erkennt der Doppel-Null-Mann allmählich die Zusammenhänge. Khan und Orlov betrügen Octopussy und der Raub der Zarenjuwelen in einem Zirkuszug-Transport ist nur ein vorgeschobener Köder. Der Behälter mit dem Hehlergut wird heimlich gegen einen Atomsprengkopf ausgetauscht. Für James Bond beginnt ein gnadenloser Wettlauf gegen die Zeit...

Zitat von »Scarpine (2013)«

Ein Film, der die Rasanz und Frische des Vorgängerwerks nur in Teilen fortzusetzen vermag. Doch John Glens zweite Regiearbeit krankt noch an ganz anderen Stellen. Neben einem sichtlich gealterten Hauptdarsteller fallen insbesondere der wirre, überkonstruierte Plot, die kolonial-antiquierten Handlungselemente im Indienpart, das Fehlen eines bedrohlichen Oberschurken, inszenatorische Längen und ein Übermaß an platten Gags negativ ins Auge. Auf der Habenseite stehen ein spielfreudiger Cast, gute Action-Einlagen, interessante, sogar realpolitisch inspirierte Plot-Aufhänger, ein angenehmer Score und ein spannendes Finale. Unterm Strich zählt das Werk eher zu den schwächeren Moore-Streifen.

Früher war Octopussy für mich zugegebenermaßen eher ein Etappenfilm, der mit seiner umständlich verschachtelten Erzählweise, den teils drögen Slapstick-Einlagen und dem klischeebeladenen Indienstrang nur wenig punkten konnte. Der Streifen stand lange in meiner Wahrnehmung sinnbildlich als jenes Werk der Serie da, das als erstes ein reines Routineprodukt ohne große inhaltliche Ambitionen oder eigene filmische Meriten darstellte und die zunehmende stilistische Einförmigkeit der Reihe in den Achtziger Jahren erheblich weiter zementierte. Denkbar schlechte Karten folglich für ein Wiedersehen nach über sechs Jahren. Aber die Sichtung verlief anders als erwartet und offenbarte unerwartete Stärken des ‘83er Jahrgangs, während die zahlreichen kritischen Aspekte mir erstaunlicherweise deutlich gemildert erschienen. Zwar kann Octopussy die Frische, die Rasanz und die atmosphärische Dichte des Vorgängers nicht erreichen, aber der 13. Werkbeitrag fügt sich dennoch nahtlos und ohne allzu massive qualitative Abstriche in die Franchise-Kontinuität ein. Zu den Pluspunkten gehören die Spielfreude des Hauptdarstellers, die illustre Schurkenriege, der durchweg spannende und realistische Plot und die gekonnte Mischung zwischen Abenteuerfilm und Spionagethriller. Schwächen finden sich demgegenüber bei der uninspirierten Inszenierung, bei schwachbrüstigen Nebenakteuren, bei einem überzogenen Angebot an lauen Gags und kolonialen Klischees und bei einer zunehmenden Vernachlässigung der Locations und der handwerklichen Sektionen. Am Ende gerät es dem Film vor allem auch zum Nachteil, dass man viele Elemente und Situationen in der Reihe schon einmal und teils besser gesehen hat, und dass das Werk - wie eigentlich fast alle John Glen-Streifen - zu lang geraten ist, weil man sich zu lange in den Nebenhandlungssträngen verheddert. Unterm Strich bleibt ein grundsolider Bondfilm, der von Glen zwar über weite Strecken zu beliebig inszeniert wurde, aber dennoch über genug eigenständigen, bisweilen brillanten Input verfügt und ausreichend schöne, wiedererkennbare Momente kreiert, um ihm einen verdienten Platz im Herzen vieler Zuschauer und Fans zu sichern.

Das Darstellerensemble ist gut ausgewählt, agiert aber leider nicht durchweg auf Augenhöhe. Eine besondere Erwähnung verdient sich Sir Roger Moore, dessen Darstellung ich in diesem Film gar nicht so stark und engagiert in Erinnerung hatte. Besonders in der Aussprache mit Octopussy, in der Konfrontation mit Orlov und in der dramatischen Situation auf dem Militärstützpunkt beweist der Engländer eine gekonnte Mischung aus Tatkraft, Einsicht, Verzweiflung und Professionalität. Auch sein Alter fällt in diesem Einsatz nicht sonderlich störend ins Gewicht, da sowohl der Oberschurke wie das Hauptbondgirl generationsübergreifend seinem Typ deutlich entgegenkommen. Exzellent besetzt ist vor allem Maud Adams, die noch mehr als bei ihrem ersten Auftritt innerhalb der Serie überzeugen kann und auch eine größere, facettenreichere Rolle zugestanden bekommt. Ähnlich wie etwa Lois Chiles ist Adams ein Frauencharakter, der auf ideale Weise mit Moores Charme korrespondiert. Louis Jourdan ist ein versierter Film-Veteran, dessen adelig-versnobter Bösewicht regelrecht auf sein Leinwandimage des aalglatten Lebemannes zugeschnitten wurde. Prinz Kamal Khan scheint direkt den Abenteuerstreifen der 1940er/1950er Jahre entsprungen zu sein. Ihm zur Seite steht Kabir Bedi, der zwar kein genialer Schauspieler ist, aber als unverwechselbare Type doch über den ganzen Film hinweg so effektvoll eingesetzt wird, dass er fast zum Zweitschurken aufsteigt. Gobinda ist definitiv einer der bedrohlichsten und besten Handlanger der ganzen Reihe. Die Nebenrollen fallen leider sichtlich ab. Der cholerische, größenwahnsinnige Armeehardliner, wie ihn Steven Berkoff zeichnet, mag als Genre-Zitat noch einigermaßen in Ordnung gehen. Wenn man der Darstellung allerdings böse wollte, könnte man sagen: Berkoff markiert hier einen Miniatur-Klaus Kinski für Arme. Auch die verschlagene Miss Magda passt da irgendwie ins Bild, weil deren linkische Darstellerin Kristina Wayborn leider nur sehr begrenzte mimische Fähigkeiten besitzt. Eine mysteriöse Erscheinung, wie sie das Rollenbild eigentlich erfordert, gelingt ihr jedenfalls nie so richtig. Völlig blass bleiben leider auch Vijay Amritraj und Albert Moses, wobei sie sich die Screentime, die eigentlich für eine große Helferfigur gedacht war, teilen müssen. Desmond Llewelyn darf in einem seiner besseren Auftritte zum ersten Mal mit an die Front.

Wie bei For Your Eyes Only präsentiert sich die Cinematographie von Alan Hume ästhetisch abermals recht beliebig und ohne echten Esprit. Mögen die Farbpalette auch etwas breiter und die Lichtsetzung bedingt besser als beim Vorgängerwerk austariert sein, so gibt sich die Kameraarbeit bei den Stunts und Action-Höhepunkten doch merklich statischer. Hume befindet sich erkennbar eine ganz Klasse unter dem Niveau seiner Vorläufer hinter dem Objektiv aus den beiden ersten Franchise-Jahrzehnten. Der Score von John Barry gilt als einer seiner schwächsten Leistungen für die Serie, jedoch ist ein schwacher Barry kurioserweise noch immer ein sehr guter Soundtrack. Ein Beweis für den Qualitätslevel auf dem sich der Meister zeitlebens bewegte. Die Musik ist groovig und rundherum stimmig komponiert, was fehlt sind ein wenig die großen Leitthemen oder besonderen Barry-Tracks, die die meisten seiner anderen 007-Alben vorweisen können. Auch Rita Cooldige und Maurice Binder bedienen nur einen gewissen Standard, wobei es für Letzteren der Beginn des künstlerischen Niedergangs sein sollte. Über die Dekors von Peter Lamont kann man wenig Negatives sagen, aber bis auf den sowjetischen Konferenzraum ist auch kein Set eine größere Erwähnung wert. Die Scriptautoren haben ganze Arbeit geleistet und eine hochkomplexe Verschwörung mit Bezügen zur Realität ersonnen. Was dagegen missfällt, ist die äußerst schleppende Auflösung derselben. Der Film suhlt sich zu lange in platten Humoreinlagen und Indienklischees, die nicht nur häufig deplatziert sind, sondern den Plot auch an der Entwicklung hindern. Wie im Forum schon erwähnt, war dieser Streifen vermutlich der letzte Bondfilm, der vor den modernen, hochtechnisierten 007-Spektakeln versuchte, echte Exotik in voller Breite einzufangen. Trotz schöner Bilder kann der Schauplatz Indien aber nicht die gleiche atmosphärische Wirkung entfalten wie vergleichbar prominent eingesetzte Locations zuvor in der Reihe. Drehbuch und Inszenierung geben dafür einfach nicht genug Raum. Auf dem Regiestuhl kann John Glen die spritzige Dynamik seines Einstands nicht vollends herüberretten und auch seine altbekannten Schwächen wie die dünne Darstellerführung und die einförmige optische sowie inszenatorische Gestaltung bleiben bestehen. Mit gewachsener Routine gelingt ihm aber dennoch ein schnörkelloser, gefälliger Serieneintrag, der zwar nicht in Gänze brilliert, aber beinahe durchweg auf souveränem Niveau zu unterhalten weiß.

Bond im hinduistischen Kreislauf: Als Aristokrat im semi-kolonialen Indien kommt 007 einer Verschwörung auf die Spur, die er erst als Artistenclown im geteilten Deutschland des Kalten Krieges final aufdecken kann – zugleich trifft er unter dem Zeichen des Kraken eine Wiedergängerin aus seiner eigenen Vergangenheit. Und auch wenn Moores sechster Streich soviele Bondinen und Attraktionen aufbietet, wie ein Octopus und eine indische Gottheit zusammen an Armen nicht ausbreiten können, so erstarrt die Bondformel bei aller reinkarnativer Kraft doch bisweilen in rudimentärer Routine.

00 00 00 00 00 Doppel-Null-Lizenzen
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Django

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Donnerstag, 9. Januar 2020, 09:30

Schönes Review, Scarpine. Ich mag OP - für mich ist es ein Film, der immer geht. Vor allem halte ich ihm zu gute, dass er auf jegliche Art von "langatmigen" Szenen verzichtet. Da kann selbst sin von mit hochgeschätzter Vorgänger nicht ganz mithalten. Bei OP ist immer Abwechslung drin :thumbup:

Scarpine

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Donnerstag, 9. Januar 2020, 13:49

Vor allem halte ich ihm zu gute, dass er auf jegliche Art von "langatmigen" Szenen verzichtet. [...] Bei OP ist immer Abwechslung drin :thumbup:

Danke für dein positives Feedback! :) Abwechslung bietet der Film wirklich reichlich und mehr als der Vorgänger; das stimmt. Ich finde halt viele Humoreinlagen und Indienklischees überflüssig. Glen will da irgendwie wirklich alles abgrasen, was dem Zuschauer an Stereotypen zum Kulturkreis einfallen könnte. Zum Beispiel sind hier die ganzen Schlangenbeschwörer/Schwertschlucker/Nagelbrett-Geschichten auf dem Markt zu erwähnen oder auch die ganze Großwildjagd ist als Sequenz eher verzichtbar. Hier hätte man prägnanter, knackiger erzählen können. Auch finde ich, dass diese ganzen Gags und Klischees den Lokalkolorit eher schmälern als befeuern. Indien kann auch insgesamt nicht so breit und atmosphärisch wirken, wie etwa die Bahamas in Thunderball oder Thailand in The Man With The Golden Gun, obwohl ein Großteil der Handlung des Films hier spielt. Außer den Gassen Dehlis bekommt man auch nicht wirklich viel zu sehen. Ständig ist Bond in Innenräumen unterwegs. Im Casino, im Hotel, in Qs Unterschlupf, beim Pool-Dinner, in Kamals Palast, in Octopussys Residenz... Ein paar Schwenks auf indische Frauen und den Taj Mahal reichen da im Gegenzug einfach nicht aus, um ein wirkliches Indien-Flair zu transportieren. Das haben die Regisseure in den Sixties und Seventies nach meiner Einschätzung einfach weit besser hinbekommen als John Glen.
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ollistone

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Donnerstag, 9. Januar 2020, 14:41

Ich finde deine Besprechung auch (wie immer) sehr gelungen und lesenswert! Dass Indien nicht gut inszeniert wurde, würde ich allerdings nicht unterschreiben. Mit den vielen Naturaufnahmen, dem Dschungel, den Flüssen und Flussfahrten, den prunkvollen Hotels und den Palästen von Khan und Octopussy, den bunten Straßenszenen usw. sieht man doch von Indien deutlich mehr als beispielsweise in "Indiana Jones - Tempel des Todes". Da wurden schon ganz andere Schauplätze mehr verschenkt, etwa Sardinien in TSWLM.

Die Klischees stören mich allerdings auch ("Was machen fremder Mann in meinem Bett") und die Begegnungen Bonds mit allen Tieren, die der Dschungel so hergibt, finde ich auch überflüssig.
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Scarpine

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Donnerstag, 9. Januar 2020, 17:51

Ich finde deine Besprechung auch (wie immer) sehr gelungen und lesenswert! Dass Indien nicht gut inszeniert wurde, würde ich allerdings nicht unterschreiben.
Merci, ollistone. :) Ich denke, die Nutzung der Locations ist vermutlich Geschmackssache. Wenn ich an "On-Location-Feeling" denke, sind neben den genannten Beispielen auch Jamaika in Doctor No, Istanbul in From Russia With Love, Japan in You Only Live Twice oder Ägypten in The Spy Who Loved Me noch enorm präsent. Die Sichtung von Octopussy ist noch nicht lange her, aber Indien ist mir irgendwie gar nicht mehr gegenwärtig. Bond ist dreimal auf den Straßen Dehlis unterwegs und dann fast immer nur in Innenräumen. Casino, Hotel, Qs Frontlabor, Kamals Palast und Octopussys Residenz inklusive Galeere könnten auch überall anders beheimatet sein. Und die Großwildjagd gibt mir - wie erwähnt - auch nicht unbedingt ein starkes Lokalkolorit-Gefühl.

Vielleicht ist es auch einfach nur die Art und Weise, wie Glen die Handlungsorte inszeniert, die bei mir überhaupt nicht zündet. Gerade Bonds Ankunft mit den indischen Frauen in wehenden Umhängen und dem Taj Mahal, das geht mir in seiner schlichten, ambitionslosen Kameraführung zu sehr in Richtung Urlaubswerbung und Postkartenromantik. Und diese merkwürdigen Klopse wie das Tennis-Publikum, Gags wie der Nagelbrett-Inder und Gadget-Unfug wie ein tauchbarer Krokodilsrachen reißen einen ständig aus der Handlung bzw. der atmosphärischen Stimmung jener Sequenzen. Insgesamt nehme ich diese Punkte aber deutlich wenig überspitzt wahr als noch vor einigen Jahren. Ähnlich wie bei Moonraker kann ich da mittlerweile ganz gut darüber hinwegsehen, ohne jedoch alles gut zu heißen. Aber gerade der Schurkenplot und Bonds unermüdlicher Einsatz hinter feindlichen Linien bis hin zum spannenden Finale haben den Film in meiner Gunst steigen lassen.
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Django

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Freitag, 10. Januar 2020, 07:36

Zitat

Und diese merkwürdigen Klopse wie das Tennis-Publikum, Gags wie der Nagelbrett-Inder und Gadget-Unfug wie ein tauchbarer Krokodilsrachen

Ja, das stimmt schon. Diverse alberne Gags lassen den Film teilweise unharmonisch wirken und sind auch völlig überflüssig. Andererseits ist der Film doch insgesamt geerdet genug, so dass für mich doch einer der "besseren" Bond-Filme rauskommt :)

Und das mit dem U-Boot-Krokodil finde ich jetzt durchaus noch gelungen. Nicht weniger "schlimm" jedenfalls über die Gummiente auf dem Taucheranzug in GF, über die sich ja auch keiner beschwert ;)

Mister Bond

Felix Leiter

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Freitag, 10. Januar 2020, 07:58

Schöne Ansichten, da kann ich jede Seite verstehen. Bei mir ist es wohl so, dass ich entweder altersmilde geworden bin oder bei mir nochmal das Kind im Manne zum Vorschein kommt. Der Tarzanschrei, der Fakir, "du musst in den Tank" (Sit!)...ja, ist recht albern, aber OP unterhält mich auf ganzer Linie.
Bonds Clownskostümierung wiederum finde ich gar nicht albern, sondern notwendig. Und Moore legt eine tolle Performance hin, gerade in den ernsteren Szenen oder wie schon beschrieben im Zusammenspiel mit Octopussy und Orlov.
Indien finde ich aber schon toll eingefangen. Nicht so wie in den 60er und 70er Bonds, aber was das Einfangen der Location angeht, ist OP den anderen 80er Beiträgen doch ein wenig überlegen. TLD hält da noch mit.
Und wie schon ollistone schrieb, man sieht doch mehr als nur die Paläste von innen, nämlich auch von außen! Spätestens da merkt man, dass dies wirklich Indien ist. Mir gefällt auch Bonds Tour außen an Kamals Palast.
Im Gegenzug wirkt dann auch "Deutschland" auf mich, wo OP dann vom Abenteuerfilm zum reinen Agententhriller wechselt.

Scarpine

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Freitag, 10. Januar 2020, 11:42

Und das mit dem U-Boot-Krokodil finde ich jetzt durchaus noch gelungen. Nicht weniger "schlimm" jedenfalls über die Gummiente auf dem Taucheranzug in GF, über die sich ja auch keiner beschwert ;)

Das ist sicherlich auch Ansichtssache. Die Gummiente ist so ein 10 Sekunden-Gag. Das Gadget dagegen ganz anders präsent. Romantische Stimmung vor Octopussys Refugium und dann taucht da Bond im Plastikkrokodil auf. Was ein Schenkelklopfer; romantische Stimmung passé. Auch beim Todeskampf mit dem Yo-Yo-Killer: Spannung und Nervenkitzel, Octopussy hält 007 für tot. Und dann taucht der wieder locker lässig mit seinem Spielzeug auf. Tonale Schieflage für mich. Es hätte irgendwie besser gewirkt, wenn Bond sich ohne Gimmick gerettet hätte und dann ganz normal ans Ufer geschwommen wäre; zumal er dann ja auch noch Vijays Leiche findet. Das hätte intensiver, stimmiger gewirkt. Aber richtig störend ist es auch nicht; deswegen würde ich das eher neutral sehen. Das Plastikkrokodil, die Girls in ihren hautengen, knallroten Outfits, die Girl Power-Erstürmung des Monsun-Palastes, Bonds Ballonflug: Hier kann ich jene Kritiker verstehen, die monieren, dass der Film zeitweise recht hart an effekthascherischem, billigem Trash vorbeischrammt.
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Daniel Dalton

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Freitag, 10. Januar 2020, 19:45

Eine schöne Diskussion unter euch und durchweg sehr gelungene Ausführungen im Haupttexte, lieber Scarpine,
dieser (mir sehr sympathische) Film ist in ein paar Tagen mein Nächster.
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Mister Bond

Felix Leiter

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Sonntag, 12. Januar 2020, 13:41

Stimmt, Scarpine, OP spielt mit den Extremen. Die sind aber auch klar in der Location unterteilt. Fast sämtliche Punkte, die du bemängelst, finden in Indien statt. Dort ist OP der Abenteuerfilm mit einigen Klischees, Farben, Mätzchen.
Dann ist da Deutschland, andere Farben, Agententhriller. Bis auf das Gorillakostüm, weil sich mir dort eher die Frage stellt, wie Bond unbemerkt hineinschlüpfte, ist die Tonlage des Films spürbar seriöser.

Django

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Montag, 13. Januar 2020, 08:11

Zitat

weil sich mir dort eher die Frage stellt, wie Bond unbemerkt hineinschlüpfte

Und vor allem wie er unbemerkt wieder hinausschlüpfte :huh:

Daniel Dalton

Felix Leiter

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Mittwoch, 15. Januar 2020, 09:44

180)


Wir schreiben das Jahr 1983,
es lässt sich (au contraire, das schier parallele Agieren der beiden
Altherren-Sportler erhöbe das Jahr 1983 zu einem Spezialjahrgange –
obgleich ich den anderen Bondfilm selbigen Jahres nur bedingt
schätze…, fast gar nicht) nur schwerlich dementieren, dass Rogers
Bond zum ersten und einzigen Male gleichjährige Kinokassenkonkurrenz
(oder sagen wir Ergänzung) seitens seines (wenn auch jüngeren)
Vorgängers Sean Connery erlebte, kurz vor „never say never again“
trat mit OP 83 (Octop. schreibe ich bewusst nicht aus ob der Filterei
im Netze bei dem einen oder anderen P-Wörtchen sanfter und hübscher
Bedeutung, die letzten beiden Silben des Titels würden im Pechfalle
gelöschet) ein schon nach etwa 25 Minuten fast allenthalben das
Exotische zelebrierender Film herbei, welcher aber gleichwohl – und
somit von ausgeprägten Kontrasten lebend – bisweilen auch als
farbkühler und „seriöser“ Thriller zu fungieren und zu
funktionieren gedenkt, in dieser Hinsicht teilt das Werk einige
Eigenschaften mit dem von demselben Regisseur (John Glen)
verwirklichten/inszenierten „the living daylights“, welcher
ebenfalls zur Hälfte Abenteuerfilm, zur Hälfte halbwegs ernste
Handlung darstellt und den Bogen seiner Geschichte aber trotz
extremer Gegensätze nie überspannt, es ergäbe sich durchaus eine
gewisse (romantisiert werdende) Harmonie, die Kombination weiß in
ihrer in den Gegenüberstellungen recht absurden Krassheit durchaus
mehr als zu gefallen und fühlet sich kinematographisch „richtig“
an, ist geglückt, die Mixtur aus heißer Verve und trägem Ernste
mag einigen Zuschauern als unrundes und unentschlossenes
Unfugskonstrukt negativ ins Geäug stechen, ich jedoch begrüße sie
außerordentlich, zumal sie mit Moore auch noch besser funktioniert,
in the living daylights wäre mir ein kompromissloserer und
deutlicherer Gesamtton möglicherweise lieber gewesen, zugeschnitten
auf Mister Dalton, Octoheißwörtchen findet seine Balance hier
einigen peinlich anmutenden Augenblicken zum Trotze etwas souveräner,
vielleicht feingewobener (so etwa die Szene mit Roger und den
Investoren, als britischer Gentleman gibt er sich hier als
wohlhabender seigneur, Adliger oder Ähnliches aus und spielet mit
hohen Risiken, hier treten die Sinclair-Gene zutage und Roger macht
diese an und für sich reichlich absurde Szene tatsächlich zu etwas
recht Glaubhaftem), nichtsdestotrotz halte ich das Werk von 1987 für
den insgesamt vollendeteren Film mit unvergesslicheren Formen,
Farben, Personen, Bildern und Klängen.




Das Filmwerk (dessen Titel
zwei Jahre zuvor auch für Zulawskis Meisterwerk „Possession“
infrage hätte kommen können, oder was beißt und umkrakt mich da?)
es begänne, bereits im Rahmen der PTS/Vorsequenz erblickt das
erstrahlende Zuschauerauge eine liebreizende und ihren Zauber
sinnvoll nutzende Latina, die musikalischen Wunder ertönen auf
mysteriöse Weise, der Film ist – wie durchaus bereits anklang –
äußerst belustigend, bisweilen auch albern, nichtsdestoweniger
versteht er sich auch darauf, szenenweise eine Art Spionage-Thriller
sein zu wollen, die Bindung aus „easy to watch“ und stellenweise
dennoch komplizierter Grund- und Hintergrundgeschichte reüssiert,
erzielt Erfolge in der meinigen Zuschauerseele, nur wenige weitere
Bondfilme lassen sich aus derart vielen Blickwinkeln betrachten, der
Soundtrack erweist sich als epochal und genial (vom Titelliede einmal
gänzlich abgesehen), vor allen Dingen der („MOVE!“) Part „Yo
yo fight & death of Vijay“ tat es mir seit jeher an, SO
jedenfalls werden wir nur ungern von Mordinstrumenten wachgeküsst,
im Gesamtbilde halte ich Octoschönwörtchen (wohl aus diesem Grunde
in den interaktiven Liebesgrüßen aus Moskau auch die
Abschlussmission in der „Octopus-Basis“) für den, nach for your
eyes only, zweitbesten Bondfilm mit Roger Moore, wohingegen er in der
Gesamtliste ungefähr auf Platz 8 bis 10 liegen dürfte, die
absurderen Szenen wie etwa Bonds anfängliche Flucht aus einer
(Achtung!) Pferdehinterteilattrappe (offensichtlich ein favorisiertes
Wort Glens, von einem Pferdehinterteile war ja auch seitens Kara die
Rede, ebenfalls eine augenfällige Verbindung zwischen den
sonderbaren Jahrgängen 1983 und 87) sie werden weitestgehend von
einer herausragenden Besetzung (u.a. Columbo-Mörder Louis Jourdan,
dorten besonders gut und köstlich synchronisiert von Jürgen „Jason
King“ Thormann, Louis war auch der Graf von Monte Christo, außerdem
Hauptdarsteller in Max Ophüls‘ „Brief einer Unbekannten“: „Du,
der du mich nicht erkannt...“, die tragische Schneepoesie, des
Weiteren erleben wir in Octo u.a. Steven Berkoff als fanatischen
Unruhestifter mit dem Harlem-Taxifahrer Horst Sachtleben, Berkoff,
der in „sins“ ebenfalls von Herrn Thormann synchronisiert worden
ist, Sachtleben, der ebenfalls mit Columbo in Verbindung steht und
u.a. in meinem zweitliebsten Filme Élisa zu hören ist)
ausgeglichen, ich dächte da etwa an des Gegenspielers Gehilfe, den
unsanften „Freundlichen“, der er gern Würfel zerbröseln lässt
und gegen Ende durch einen „Stups“ in jenseitige Gefilde
befördert wird, auch Roger himself kann (ganz im Gegensatze zum viel
diskutierten Nachfolger „a view to a kill“ – komisch nur: 1987
im 25-Jahres-Special, das auch synchronisiert auf VHS erschien,
wirkte er wieder gesünder, hing wohl Anno 1985 auch mit einem stark
ins Auge fallenden Gewichtsverluste zusammen und womöglich mit einer
kurz zuvor erfolgten Operation, einer, passet ja zum Film OP, OP)
nach wie vor zu überzeugen vermögen, die alsbaldige „Clownsflucht“
erinnert zuweilen an jene der Dame vor den horrorartig untermalten
Dobermännern in Moonraker (1979), NOCH nimmt sich Octop ansatzweise
ernst und formt aus ersten Teilen der ersten Hälfte überwiegend ein
politisch angehauchtes Konstrukt, ein Puzzle, wohingegen ab Indien
alles Märchenhafte überwöge und mit Klischees und Mythen spielend
eine Atmosphäre wie aus 1001er Nacht erzeuget wird (reichlich „over
the top“, aber gerade hierdurch mit der Rolleninterpretation Rogers
harmonierend und immer noch geerdeter als weiland in der zweiten
Hälfte der 70er Jahre im Falle der beiden „Über-Bonds“ von
Lewis Gilbert), auch Synchronakteur Herr Clausnitzer harmoniert (was
ich auch schon in Moonraker konstatierte) diesmal besser mit Roger,
auf einen „älteren“ Roger passet er tendenziell etwas genauer
als zu der kurzhaarigen und betont sportlichen Dynamik der ersten
beiden Roger-Abenteuer, an die distinguiert durchblümte Noblesse
eines Lothar Blumhagen reicht Herr Clausnitzer aber auch in dieser
seiner späteren Darbietung mitnichten heran, hervorragend auch
Dagmar Heller (häufig besetzt in den Werken mit Roger, in der
Dalton-Ära hingegen als Moneypenny, zu hören auch in Rohmers
Frühlingserzählung) als hiesiges Organ der vergifteten Schönheit
„Magda“, welche in der indischen Tempelwelt erhabener
Bilderstürme eine atemberaubende Figur machet und uns mit ihrem
eiskalten und gleichwohl unsagbar anziehenden Blicke zu betören
vermag (und dass die Preise für Eier in jüngster Zeit merklich
anstiegen, dessen war sich Bond nach eigener Aussage vollends bewusst
und gewahr), sie gelobt nahezu perfekt harmonierend mit den
ornamentalen Umgebungen und Örtlichkeiten zu verschwimmen und zu
verschmelzen, ihre engelsgleiche Flucht vom Balkon hat Grazie und
Zeitlupenqualität und Roger schenkt ihr ein ironisches Lächeln,
hinzu kommet abermals die orgiastische Musikuntermalung nebst
Wundergewand der titelgebenden Dame Octop, Bonds Vergnügen am
Gewagten wird wahrlich kein Ende nehmen, denn nach der zuvorigen
Angelegenheit mit den gut betuchten Investoren, erwiese sich nunmehr
auch seine erste Begegnung mit Jourdan als eine Bond sehr risqué
agieren lassende Einleitung, promt zerbröselt des Widersachers als
Untertan fungierender Begleiter wie gesaget den verhexten
„Glückswürfel“, dieser Beschützer Jourdans zöge alsbald auch
à la „GTA“ jemanden unsanft aus dem Wagen und stähle das
„Dreirad“ zwecks Verfolgung, ein etwas unschnelles Gefährt, aber
passet perfekt durch die beengten Gassen Indiens, auch bei dieser
Gelegenheit treffen wir auf Bonds sympathischen Kontaktmann aus
ebendiesem Lande, dieser strahlt mit sofortiger Wirkung etwas äußerst
Kumpelhaftes aus, so als habe er Bond bereits gekannt, was ein wenig
an Kerim (20 Jahre zuvor, Liebesgrüße aus Moskau) erinnert, OP ist
ein hochgradig visueller Film und nimmt gern an von Verzierungen
umgebenen Tischen bei Nacht Platz, abermals arbeitet der Film
außerordentlich ausgewogen (und doch extrem) mit dem Spagat zwischen
besagten Easy-to-watch-Elementen und den dennoch vorhandenen
erzählerischen Strukturen eines teils durchaus gelungenen
Qualitätsfilms, welcher es mit der Logik zwar nicht in jedweder
Szene allzu genau nimmt, es aber auch nicht zu sehr auf die Spitze
triebe bezüglich der Übertreibungen, welche wohl vier Jahre zuvor
in Moonraker ihren vorläufigen Höhepunkt fanden, wahrhaftig.




Exotisch verträumt erstrahlen
die Wunder wie in anderer Form etwa auch schon in dem ähnlich
sehenswerten „you only live twice“, nur mit dem Unterschiede
versehen, dass sich die Liebe zur Übertreibung bei YOLT nahezu durch
den gesamten Film zieht, wohingegen OP wie gesaget eine klare
Trennung vornimmt und sich aus verschiedenen Hälften speist, typisch
für einen damaligen Bondfilm ist in diesem Werke (kennt man bereits
seit Dr. No) auch wieder die äußerst vornehme Art, in deren
(vermeintlich‘) Zartheit Bond im Hause der Villains in erster Linie
als GAST behandelt wird, obgleich er sich selbstredend in
Lebensgefahr befindet und dieses auch allgegenwärtig spürt und im
Bewusstseine trüge, es dominiert ein diplomatisch gefärbter
Tonfall, sich u.a. besonders schwarzhumorig widerspiegelnd in Szenen
wie „D.h. irreparable Schäden im Nervensystem“ - „Eine
unangenehme Nebenwirkung...“,



Paläste umhüllen unser
Dasein und fungieren als Festungen, Luxusresidenzen als die
Örtlichkeit der bevorstehenden Verwesung, der Score beherrscht teils
tiefe Töne und verleiht den aussagekräftigen Bildern eine besondere
Aura, die am nächsten Tage sich zutragende und ereignende Jagd
führet durch Dschungel und Natur, kein Getier bliebe abwesend, vom
(nicht gänzlich lippensynchron: Aus der einzelnen Silbe „sit“
wurde in der deutschen Fassung: „Du gehörst in den Tank“)
Tanktiger bis zur zischenden Schlängelnden, vom
Live-and-let-die-Krokodile bis zum In-80-Tagen-um-die-Welt-Elefanten,
...einigen albernen Szenen abermals zum Trotze (ich dächte da etwa
an den legendären Tarzanschrei) hält das teils selbstgefällig
spaßige, vergnügliche Werk nach wie vor die richtige Balance,
obschon einige Dialoge durchaus etwas schräg anmuten:



Sind Sie auch Tourist?“ -
„Nein, ich bin zum Vergnügen hier.“, worin ergründet sich die
Pointe?, vielleicht im Neine, weil ein Tourist ja sehr wohl zum
Vergnügen sich hier befände?, oder darin dass die Flucht vor
Krokodilen kein Vergnügen darstellt?, man weiß es nicht, aber wer
erwartet selbst von einem kühlen Kopfe wie Bond nach DER Jagd noch
eine logisch durchdachte Aussage?




Die betont elegante Miss OP
(bekannt aus dem Manne mit dem goldenen Colte, 1974, Maud Adams) ist
zweifelsohne eine charmante Erscheinung von besonderer Ausstrahlung,
höflich und angenehm empfinge sie das Ich in uns im Tempel ihrer
selbst, ihre Augen erinnern farblich stark an jene Bonds (visuell
mutet sie fast an wie sein weibliches Spiegelbild, wenn auch ein paar
Tage jünger, allerdings strahlt sie mehr Ruhe aus, ist nicht gerade
die Geschwätzigkeit in Person), einige Zeit darauf fordert Bond sie
auf etwas unsanfte Weise zum Verkehre auf, überfällt sie ein wenig,
nichtsdestotrotz entwickelt sie ihm gegenüber mit der Zeit weniger
Misstrauen als bezüglich der Strolche aus ihren eigenen Reihen,
Glen-typisch (als berühmtes Identifikationsmerkmal) werden in
besonders „spannenden“ Augenblicken Vögel aufgescheucht, die
Gefahr liefen, Bond zu verraten, die gesamte Residenz der lieben Maud
OP ist eine regelrechte Zauberinsel als das Reich sanfter Vorhänge
und fürstlichen Ambientes, zuhause in Bonds eigentlicher Stadt gibt
es u.a. einen freundlichen (neuen) M (Robert Brown, der auf den
ersten Blick weniger Autorität ausstrahlt als der legendäre Bernard
Lee, der Rolle aber dennoch rasch das richtige Profil hat verleihen
können), die in Bälde in Kraft tretenden Zirkusszenen erweisen sich
als hervorragend, speziell auch insofern als Bond WIRKLICH in Panik
geriete, zumal er in seiner Verkleidung als Clown nicht im
ausreichenden Maße ernst genommen wird, als es ihm um ein äußerst
akutes, von Dringlichkeit geprägtes Anliegen geht.




Bei den in Kürze hörbar sein
werdenden Schmerzszenen auf dem Zuge erhören wir vereinzelt Rogers
Originalstimme, später bei dem dem Flugzeuge hinterherreitenden
Pferde ohnedies („come on!, come on!“), die Action ist im
Gegensatze zum recht misslungenen Nachfolger noch nicht allzu reich
an doubles, dennoch wären mehr das Physische meidende
Thriller-Elemente einem Mitt-50er-Bonde angemessener gewesen bzw.
glaubwürdigkeitstechnisch dem Filme zuträglicher, OP ist Filmkunst
zwischen politisch brisanter Geschichte und wehenden Schleiern
zartfühlenden Bauchtanzes im schwebenden Nachtkosmos, sanftmütige
Damen in engelsgleichen Gewändern („ach, vielleicht doch“, Q)
glitten durch die Lüfte und dies mit Grazie und Würde, glanzvolle
Kulissen treffen auf unsanfte Mordversuche, der Realismusgrad ist
nicht immer weltbewegend hoch, aber durchaus so gerade ausreichend,
Resümee:



Der Film OP ist wahrlich die
einzige OP, die sich mitnichten nach einer OP anfühlet, sondern ganz
im Gegentümlichen: sehr gesündlich, sehr angenehm – und sie ist
typisch Bond in einer nahezu perfekten Überdosis Exotik und
Träumerei.




((Etwaige Rechtschreibfehler
o.ä. bitte ich zu entschuldigen, die Rezension wurde diesmal bei 40
Grad Fieber und unsanftem Halse verfasset, die Augen etwas gläsern
und somit Gefahr laufend, ein-zwei Dinge zu übersehen, der
nächstfolgende Textstreich „Die Treue der Frauen“ von Zulawski
wird dann voraussichtlich auch wieder bei „klarerem“, genesenen
Bewusstseine verfasst.))




Vorhang er weht,


Wunder der Wonne,


was ihr staunend nun seht,


ein Indien gleißender Sonne.



Filmkunst der Nächte,


Bilder des Orkans,


Seelenreise keine Schlechte,


eine Geschichte visuellen
Elans.
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Mister Bond

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Samstag, 18. Januar 2020, 01:25

Nicht zu vergessen, in Vincente Minnellis "Gigi" durfte Monsieur Jourdan sogar singen :)

Daniel Dalton

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Samstag, 18. Januar 2020, 17:40

Kenne ich nicht, aber danke :)

Klinke mich für ein Weilchen aus, kann derzeit nicht so gut sehen und scheine wohl eine entzündete Lunge zu haben, aber bin hoffentlich rechtzeitig wieder lesebereit für deine FYEO-Darbietung. LG
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Bond '89 - Robert Davi

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Gestern, 00:40

Heute kommt noch mein Resümee zu Moonraker.

Ich muss dich aber noch enttäuschen. Louis Jourdans Synchronstimme in OP war nicht Jürgen Thormann, sondern Erik Schumann. Fiel mir im Nachhinein ein.

Ps.: Gute Besserung.

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