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Daniel Dalton

Felix Leiter

  • »Daniel Dalton« ist männlich

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61

Donnerstag, 6. Februar 2020, 14:00

"Ich hatte schon befürchtet, dass ich eine Abmahnung kriege, wegen Unsachlichkeit!",
keine Bange, Mr. Fogg, in der Hinsicht bin ich immer noch der Erste, der sich die Ohrfeigen einfinge :D , ich mache das ja praktisch am laufenden Bande, das Leben ist ein durchgeknallter Film, ein endloser Vers und eine Leidenschaft, die Leiden schafft, bei Bond ist es nicht anders, tatsächlich sind das für mich in erster Linie Filme mit GEFÜHL, das Geballer und die Action nehme ich nur am Rande wahr, das Äuglein richtet sich einzig und allein auf die Frauen und auf die Höhepunkte der Bilderflut, schön auch:
Die Trauertristesse mit 2 von 5 Sternen ist nun passé, Goldeneye war nun mein letzter Verriss, die noch fehlenden Beiträge von TND bis einschließlich Skyfall haben allesamt 3 bis 5, mein Genörgel hat fortan Sendepause und die Empfindungen werden wieder wärmer ;-)
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Mister Bond

Felix Leiter

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62

Samstag, 8. Februar 2020, 11:57

IM ANGESICHT DES TODES

1985, das Jahrzehnt erbrachte einige neue Konkurrenten im Actiongenre, wie „Indiana Jones“, „Rambo“ und weitere Blockbuster wie die „Star Wars“-Filme. Da war es für die Marke James Bond besonders schwierig, stand man nicht mehr alleine auf dem Action Podest. Zudem wurden einige Bond-Müde und Roger Moores Zenit war auch überschritten. Ob er sich mit 57 Jahren noch ein Gefallen getan hat?

Film:
Im Grunde kann ich mich wirklich Scarpine anschließen (oder auch Martin). Der Film hat gute Zutaten, aber er kommt nicht richtig in die Gänge. Das ist wohl der einzige Bondfilm, bei dem man besonders die Stuntmen für Roger Moore (z.B. Martin Grace) zu deutlich erkennen kann. Da hat man einfach zu sehr geschlampt und ich frage mich, wieso dies bei all den Vorgänger Filmen besser gelungen ist?
Die Ausnahme bildet hier noch die Pre-Title-Sequence, da steckte man Bond klugerweise unter einer Kapuze. Am schlimmsten ist es wiederum bei der Verfolgung in Paris, Martin Grace hier und da.
Zurück zum Pre-Title, ich schrieb ja schon mal, dass ich Fan der Pre-Title Ära 1977-1987 bin, selbst „California Girls“, einen Song, welchen ich halt sehr mag, ändert nichts daran. Dies trübt mir den Spaß nicht, die Actionsequenz ist sehr gelungen und die Tatsache, dass Bond in Winterbekleidung und mit Kapuze agiert, kommt dem Stuntman, bzw. Moore, zu Gute.
Danach kommt der Main Title mit Duran Durans Smashhit, dazu noch mehr, das ist noch alles flott und macht Lust auf den Film.
Allerdings wirken so ziemlich alle Szenen danach, die keine Actionszenen beinhalten, zu behäbig.
Das ist bei dem tollen Ensemble, die ihre Sachen gut machen, dazu später auch noch mehr, erst Recht Schade. Die Dialoge sind überwiegend gelungen.
Nein, es ist viel mehr die Art der Führung der einzelnen Szenen. Die Kameraarbeit hat keine Dynamik, für mich auch unverständlich, wenn man die beiden Vorgängerfilme betrachtet. Die Handlung an sich kommt schwer in die Gänge. Von Doping und Pferderennen zu Silicon Valley. Man möchte „Goldfinger“ kopieren, hat aber nicht die Raffinesse, das Freche fehlt hier und da. Irgendwelche epische Szenen fehlen ebenso. Leider wird es noch behäbiger als Bond in San Francisco eintrifft. Hatte Bond vorher noch toll mit Godfrey Tibbett interagieren und Zorin langsam aus der Reserve locken können, so vergehen nun Minuten an der Werft, bei Stacey und im Rathaus, bis wieder was tolles passiert. „Leben und sterben lassen“ hat die US-Locations auch dynamischer und schwungvoller rübergebracht. Und ja, „Im Angesicht des Todes“ wirkt dadurch wie ein typischer amerikanischer Thriller dieser Zeit und weniger wie ein Bondfilm.
Ich frage mich gleich in mehreren Szenen, wieso Alan Hume mit seiner Kamera so lange auf bestimmte Bilder/Locations verharrt? Die Golden Gate Bridge, ja, das ist natürlich toll, aber gefühlt eine halbe Minute auf die schnöde Fisherman’s Wharf draufhalten, ohne das im Bild wirklich was interessantes, gar Essenzielles passiert? Oder als Bond zu Stacey fährt. Schönes Haus, dennoch wieder eine zu lange Aufnahme davon. Wie ich oben im Text verfasste, zu wenig Dynamik in der Kameraarbeit.
Hier kann ich wirklich wieder Scarpine zustimmen, der Film wirkt dadurch zu lang geraten. Etwas was ich bei „In tödlicher Mission“ und „Octopussy“ noch nicht so sehe.
Die Verfolgungsjagd in San Francisco hat mich dieses Mal nicht so begeistert, wie früher. Zu sehr nervten mich die US-Cops, zu aufgesetzt wirkte der Humor. Dagegen halte ich Sheriff Pepper und seine Leute für Comedy Asse in diesem Sinne.
Am meisten begeistert mich, wenn ich an die Actionsequenzen denke, nach den Pre-Titles doch wieder die Verfolgung am Eiffelturm und das Finale mit Bond am Seil und dem Fight auf der Golden Gate Bridge. Hier gibt es auch endlich wieder schöne Aufnahmen von San Francisco zu sehen und dank der tollen Musik, von der Zeppelin Fahrt bis zum Kampf, kommt auch Bondfeeling rüber.

Bond:
Als großer Roger Moore Fan gebe ich zu: er sieht hier einfach zu alt aus. Zwei Jahre zuvor wirkte Moore wesentlich fitter. Moore hat für „Im Angesicht des Todes“ abgenommen, ob freiwillig oder durch eine Krankheit, welche im Fandom auch eine Runde macht, spielt nun keine Rolle, aber dadurch wirkt Moore besonders im Gesicht nicht mehr so frisch und teilweise übermüdet. Der Glanz in seinen Augen fehlt. Vielleicht lag es auch daran, dass er zu dieser Zeit privat immer eine Brille brauchte. Und natürlich fehlte sein Merkmal, der Schönheitsfleck, dies wirkt auf manche Zuschauer zusätzlich fremd.
Darstellerisch möchte ich Sir Roger allerdings nochmal loben. Zu keiner Zeit ist da ein Verdruss, eine Lustlosigkeit zu verspüren. Seine Dialoge überliefert er immer noch hervorragend, gerade im Spiel mit seinen beiden männlichen Hauptstars. Mit Patrick Macnee agiert er humorvoll und in bester freundschaftlicher Manier. Natürlich amüsiert es, wenn er den arroganten Engländer St. John Smythe geben darf und der arme Tibbett den unterwürfigen Diener und Chauffeur spielen muss.
Besonders für Fans der beiden britischen Kultserien „Simon Templar“ und „Mit Schirm, Charme und Melone“ ist es eine Freude: Simon und John Steed raufen sich zusammen.
In den Szenen mit Max Zorin agiert Moore wesentlich seriöser, wohlwissend, dass er es mit einen Psychopathen zu tun hat. Selbst die typischen „aus der Reserve locken“-Szenen, wirken ein wenig ernster und ohne das übliche Augenzwinkern vorgetragen.
Dieser Film ist ein Paradebeispiel dafür, dass Moore eben NICHT der alberne Bonddarsteller war. Besonders gefällt mir seine Mimik und Reaktion auf Tibbetts Tod.
Moore hätte allerdings eine reifere Bondlady besser zu Gesicht gestanden, wie eben in „Octopussy“ zwei Jahre zuvor. Aber sei’s drum. Auch wenn optisch nicht mehr so frisch, verabschiedet sich Moore zumindest darstellerisch würdevoll von seiner liebgewonnenen Rolle. Eine Rolle, für die er immer dankbar war und schon dafür verdient Moore meiner Meinung nach noch viel mehr Respekt.

Bondgirl:
Tanya Roberts, welche ihre optischen Vorzüge bereits als eine der drei Engel Charlies preisen durfte, wenn auch erst in der finalen fünften Staffel 1980/81 und diese optischen Vorzüge im Fantasystreifen „Beastmaster“ (1982) und Abenteuerfilm „Sheena“, die weibliche Antwort auf Tarzan, manifestierte, ist als Stacey Sutton zu sehen. Charakterlich interessiert mich diese Stacey Sutton jedoch weniger. Das Zusammenspiel Roger Moore und Maud Adams war harmonischer, das Zusammenspiel Roger Moore und Barbara Bach/Lois Chiles machte mehr Spaß, Carole Bouquets Melina war interessanter, Jane Seymour „zauberhafter“ im Wesen. Darum streitet sich Tanya Roberts mit Britt Ekland eher um die hinteren Plätze, zumindest in der Ägide Moores. Beide äußerst hübsch anzusehen, ansonsten ein wenig flach von der Charakterisierung her. Das Drehbuch war da nicht so gnädig.
Schön sind die Szenen mit ihr und Bond beim Abendessen mit Rotwein. Die ganze Szenerie wirkt warmherzig und vertraut, aber Sie wirkte für Moores letzten Auftritt doch zu jung, obwohl Sie sogar älter als Carole Bouquet ist. Leider lag das aber auch an Rogers Alter, wie ich schon schrieb, zuvor wirkte er noch wesentlich frischer als in seinem Schwanengesang.
Bei Tanya Roberts von damals, da denke ich mal ganz chauvinistisch, reizt mich nur ihr Äußeres.

Villains:
Hier trumpft der Film auf. Ich finde nicht nur, dass Christopher Walken generell ein toller Schauspieler ist, nein, auch sein Max Zorin gehört für mich schlicht zu den vier besten Bondbösewichten. Interessant, dass die beiden Moore-Bonds, welche ich eher am schwächsten finde, dafür die zwei besten Hauptgegenspieler haben: nämlich die beiden Christopher, Lee und Walken.
Sein Max Zorin hat einfach Spaß am psychopatischen Dasein. Vielbedeutend ist sein Lächeln, nicht nur als er zig von Menschen eiskalt erschießt und ertrinken lässt. Diese diebische Freude dabei, sah man dann nur noch bei einer Xenia Onatopp. Auch bei einigen Wortduellen mit Bond, als Bond ihn fragt wie es mit dem Angeln aussieht oder Bond auf Zorins „Sie machen mir Spaß, Mr. Bond“ mit „Sie mir nicht unbedingt“ antwortet und Zorins Lächeln einen Dämpfer erhält, erkennt man Zorins gefährliches Gemüt. Und er hinterfragt dies nicht, er macht kein psychisches Dilemma daraus.
Zudem durfte Zorin dann auch im Finale zum physischen Schlagabtausch mit Bond auf der Golden Gate Bridge antreten.
An seine Seite haben wir 80er Popikone Grace Jones als May Day, schon dieser Name spricht Bände, Wild und exotisch, da denke ich gerne an die Synchro aus „Diamantenfieber“: äthiopische Pantherkatze. Und der Slogan hieß 1985: “Has James Bond finally met his match?” mit Roger Moore Rücken an Rücken zu Grace Jones auf einigen Postermotiven.
Ganz so weit würde ich nicht gehen, mit Grant, Gobinda, Beißer, Oddjob und auch Fiona Volpe hatte man schon sehr gefährliche Henchmen/Henchwomen. Aber bis zum Endspiel in der Mine ist May Day durchaus eine gefährliche Frau. Die Attentäterin in Paris, Sir Godfrey Tibbetts Killerin, der arme Russe, welcher in der Turbine landete, wurde von Sie zumindest auf frischer Tat ertappt.
Der plötzliche Seitenwechsel kam wohl eher aus der Ernüchterung und Schock, dass Max Sie und ihre beiden Weggefährtinnen Jenny Flex und Pan Ho so hinterging, ihren Tod einfach in Kauf nahm.
Mit Scarpine, nicht unser werter Forumsgenosse, haben wir eine weitere zwielichtige Figur. Gut dargestellt von Patric Bauchau. Scarpine hält sich allerdings mehr zurück, scheint wie ein Security Chef von Zorin. Im Finale sehen wir, dass lediglich Scarpine und Dr. Carl Mortner die einzigen Verbündeten und Vertrauten Zorins waren.

Helfer:
Wieder mal eine sehr charmante Besetzung. Der altehrwürdige Patrick Macnee, in den 60ern populär geworden, durch eine Serie, die parallel zu Moores „Simon Templar“ quasi Tür an Tür bei den Elstree Studios gedreht wurde. Hier tun sich beide zusammen. In der Tat ein Simon Templar/John Steed Revival. Moore und Macnee kannten sich seit den 60ern und waren freundschaftlich auch recht angenehm verbunden. Ich finde, dass man das in den Szenen auch merkt, schließlich ist Tibbett ja Bonds „alter Knabe“.
Besonders ist es dann in der deutschen Synchro, sprach doch Gert Günther Hoffmann wieder mal auf Patrick Macnee, wie eben für Macnees Rolle als John Steed. Und der zweite amüsante Punkt war/ist ja, dass man nun Clausnitzer & Hoffmann hört. Zwei langjährige Bondsprecher, Moore und Connery, in einem Film.
Auch wenn sich doch viele wünschten, dass Dalton eventuell schon für diesen Bondfilm besser geeignet wäre, ich möchte keine Szene zwischen Moore und Macnee missen. Das alles hätte mit Dalton überhaupt nicht funktioniert.
Und dann gibt es noch Chuck Lee von der CIA. Die Frage weshalb man nicht Felix Leiter zurückholte, kann ich nur damit beantworten, dass man Chuck Lee sterben lassen konnte.
Chuck Lee kommt sympathisch rüber, ist aber mehr Stichwortgeber. Wenn man ihn komplett weggelassen hätte, wäre es auch nicht aufgefallen. Die paar Informationen hätte Bond auch anders auftreiben können.

MI6:
Das Team ist über die Jahre und Jahrzehnte einfach gut eingespielt. Neue Facetten bringen sie nicht mehr ans Tage, aber alle harmonieren wie eh und je.
M und Moneypenny dürfen auch mal raus aus dem Büromief, bei M trat es häufiger auf, aber Moneypenny diente auch außerhalb Londons meistens als Sekretärin im Vorzimmer. Hier durfte Sie tatsächlich mal zum Pferderennen mit. Und Lois Maxwell, die einzig wahre Moneypenny, nahm mit Sir Roger ihren Hut. Eine Ära ging somit zu Ende, auch wenn Desmond Llewelyn, Robert Brown und Geoffrey Keen weiter ihre Parts spielen durften.
„Im Angesicht des Todes“ bildet aber für mich den Schlusspunkt einer einzigen Ära, deren Hauptakteure Connery, Lazenby (den wollen wir nicht vergessen) und Roger Moore waren. Bond nimmt seine Moneypenny quasi mit in den Ruhestand.
Die letzten Szenen des Films, mit der weinenden Penny, dem spionierenden Q und James unter der Dusche haben immer was Sentimentales an sich. Goodbye Roger, goodbye Lois.

weitere Bondgirls:
Im Pre-Title sehen wir Mary Stavin als Bonds Verbündete und Zeitvertreib im U-Boot. Stavin war schon zwei Jahre früher eine von Octopussys Mädchen und dort sogar häufiger im Bild zu sehen, als man denkt. Ein wenig erinnert mich Mary Stavin, wohl wegen der blonden Mähne und den blauen Augen, an die junge Farrah Fawcett. Wie soll James sich da auf engstem Raum zurückhalten?
Alison Doody durfte sogar in vielen Werbefotos für den Film Seite an Seite mit Moore, Roberts und Grace Jones fotografiert werden, ihre Rolle ist aber doch kleiner. Sie hat dennoch Textzeilen mit Bond zusammen. Im Original darf James, der Schelm, sich bei ihr als „early riser“ outen.
Den großen Leinwandauftritt hatte Alison Doody aber 1989 an der Seite Harrison Fords und Sean Connerys, als verführerische Femme Fatale Elsa in „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“. Es wäre dann aber auch wirklich zu viel des Guten hätten James und Jenny hier sexuell angebandelt: Jahrgang 1927 zu 1966.
Und dann gibt es noch Pola Ivanova. Fiona Fullerton heißt die gute Dame im wahren Leben. Das kuriose, Sie wirkt im Film auf mich wesentlich reifer als Stacey Sutton, obwohl Fullerton ein Jahr jünger als Roberts ist. Ihre Szenen mit Bond (Moore) beim japanischen Bad gefallen mir auf jeden Fall ganz ordentlich und bieten einige Amüsements. Und ja, wieder mal sorgte Dagmar Heller für den deutschen Ohrenschmaus. Ich vergaß letztes Mal tatsächlich das Drax Mädchen aus dem venezianischen Museum, ansonsten fehlte Dagmar Heller wirklich nur in „In tödlicher Mission“.

Location:
Paris und San Francisco sind hier die zwei Hauptorte. Persönlich finde ich schon, dass man beide Drehorte sehr gut nutzte.
Natürlich kommen wir um den Eiffelturm nicht herum. Das Besondere ist, dass nun eine ganze Actionsequenz um den Eiffelturm aufgebaut wurde. Hier leistet Alan Humes Kamera mal ganze Arbeit, insbesondere wenn May Day dann abspringt. Die Seine darf natürlich auch nicht fehlen, wenn man schon in Paris filmt. Für manche mag das klischeehaft sein, ich wäre aber sehr enttäuscht, wenn ein Bondfilm in Paris spielt und man nicht den Eiffelturm und die Seine sehen würde.
San Francisco wird mit der Bucht, der Golden Gate Bridge und dem berühmten Rathaus ebenfalls gebührend präsentiert. Gerade die Aufnahmen als Zorin und May Day im Zeppelin über der Bucht kreisen oder als Bond im Finale am Seil über die Stadt gezogen wird, finde ich sehr schön.
Das Problem ist, bis auf diese Ausnahmen, wirkt die Kameraarbeit statisch, wenig impulsiv. So präsentiert sich Zorins Anwesen einfach atemberaubend und luxuriös, aber gerade während der Party sieht es ein wenig nach einer amerikanischen Soap Opera aus.
Auch die Fisherman’s Wharf finde ich für einen Bondstreifen langweilig. Ja, diese gehören zu San Francisco und klar, Bond kann sich dort aufhalten. Aber seine Ankunft dort, die Unterredung mit Chuck Lee und O’Rourke finde ich visuell schon sehr schnöde. Und wenn es nicht zu diesem Aspekt gehört: Aber Bond in dieser stinklangweiligen grauen Jacke, das spricht auch schon Bände.
Punkten kann man eben bei den großen Wahrzeichen dieser Städte.

Setting/Bauten/Design:
Man bleibt dem Stil der 80er zugunsten realistischer Handlungen treu und verzichtet auf technischen Schnickschnack. Zorins Anwesen bei Paris ist todschick, es sieht elegant aus. So residiert ein Bond-Bösewicht. Die üblichen Gemälde, Kronleuchter, alles ist da.
Tracys Haus gehört auch zu der edlen Sorte, ebenfalls mit Gemälde und Kronleuchter ausgestattet. Wie ich schon mal schrieb: Ikea und Osram sind tabu.
Dann gibt es noch die Mine bei San Francisco. Nicht gerade der eleganteste Ort, aber es ist eine Mine und keine Bösewicht Residenz oder Unterschlupf. Da soll man schon realistisch bleiben. Minen sind halt nicht die glamourösen Orte dieser Welt. Und da muss ich auch eine Lanze brechen, das Innere der Mine wurde sehr gut ausgeleuchtet.

Musik:
Der Höhepunkt, wohl das beste am ganzen Film. John Barry komponierte nochmal einen seiner besten Scores. Und mit Duran Durans Titelsong haute man noch einen richtigen Hit und Ohrwurm heraus. Durch diesen Song (und „Wild Boys“) wurde ich damals auch zum Duran Duran Fan.
Für mich ist es auch wohltuend nach mehreren Balladen endlich wieder mal einen Song mit Wumms zu hören. Nebenbei konnte Duran Duran mit „A View To A Kill“ sogar die US-Billboard Charts toppen. Kein anderer Bondsong schaffte es dort auf die 1. Was ich an Duran Duran auch mag, dass ihre Musik nicht aus dem Computer stammt oder lediglich per Keyboard erzeugt wird, sondern Sie klassische Rockinstrumente spielen. Nach „Live And Let Die“ mein absoluter Lieblingssong.
Barry kreierte dazu wieder mal ein schönes Actionthema, zu hören im Pre-Title „Snow Job“, welches aber langsam im Stile eines Thrillers beginnt und dann in Action kulminiert, oder halt in „He’s Dangerous“. Klassische Instrumente, dazu immer wieder eine verzerrte E-Gitarre im Hintergrund. So kombiniert man Klassik mit Rock, das konnte Barry.
„May Day Jumpers“ ist auch ein faszinierendes Stück, welches eher langsam und bedrohlich anfängt und zum berühmten James Bond Thema übergeht.
„Airship To Silicon Valley“, eines meiner beiden Lieblingsstücke im Film. Einfach die Augen schließen und schon sieht man die Golden Gate Bridge samt Bucht. Ein Traum.
Und ebenfalls famos, wie John Barry den Titelsong instrumental im Score einbettet, was ja besonders bei ihm Tradition war: „Bond Meets Stacey“ und „Wine With Stacey“. Für mich die musikalischen Highlights. Genau wie bei den Instrumentalstücken von „All Time High“ in „Octopussy“ benutzte er auch hier wieder Flötenklänge, dass das Ganze noch zauberhafter gestaltete.
Der Soundtrack verdient eine 1+ und erkämpft sich einen Platz ganz vorne mit den anderen Highlights. Top 5 ist gesichert.

Main-Title:
Viel besser als zu „Octopussy“. Ich mag das Spiel mit dem dunklen Bereichen und den neonfarben. Das ergibt einen tollen Kontrast. Die neonfarbene Schminke, der neonfarbene Nagellack,die neonfarbene Schminke der Damen, die beiden schmelzenden Eisskulpturen, passend zum Refrain „Dance Into The Fire“. Zusammen mit dem flotten Titellied empfinde ich dieses Werk von Maurice Binder stimmig und als sein letztes Highlight für die Bondreihe. Noch vor „For Your Eyes Only“ mein Lieblings Main-Title der 80er. Gelinde gesagt, ich liebe es.
Und last but not least, Roger Moore wird wieder mal im Intro eingebunden, auch wenn es ganz klar der „The Spy“ Roger ist. Es sollte aber eine sehr lange Zeit dauern, bis ein Bonddarsteller wieder sichtlich und nicht nur als Schatten im Main-Title eingearbeitet wird (2012 Skyfall).

Wertung des Komplettwerks:
Schade, leider vermag diese Abschiedsvorstellung Rogers nicht mehr ganz so mitzureißen und zu unterhalten. Der Film wirkt manchmal ein wenig zu behäbig, zu beliebig, weder innovativ, noch dynamisch in der Kameraführung und den Actionszenen.
Demgegenüber steht aber ein starker Cast um Roger Moore, Christopher Walken und Patrick Macnee, aber auch Grace Jones auf ihrer exotischen, wilden Art und ein hervorragender Soundtrack, der den Film tatsächlich veredelt.
Die Szenen um den Eiffelturm und der Golden Gate Bridge möchte ich auch um keinen Fall missen.
Eine Wertung fiel mir schwer, auch wenn es für mich Moores schwächster Bondfilm ist, hat der Film durch seinen und Lois Maxwells Abschied eine sentimentale Note.
6/10