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Feirefiz

The Other Fellow

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Sonntag, 30. August 2015, 19:07

Die Spectre-Einstimmung beginnt langsam, und so habe ich mir die Tage mal wieder Craigs Einstand angesehen – sicher einer der wichtigsten Bond-Filme, ein qualitativer Quantensprung gegenüber seinem Vorgänger, dazu eine Topvorstellung von Craig bis zur fast ikonographisch zu nennenden Schlussszene. Der Film rangierte und rangiert seit der Erstsichtung stets sicher in meinen 007-Top-10. Doch an einem absoluten Spitzenplatz kratzte er nie. Warum? Vielleicht, so jedenfalls mein Eindruck beim Wiedersehen nach anderthalb Jahren, liegt es daran, dass die Konzeption von CR wohl ähnlich mit dem Holzhammer vermittelt wird wie schon bei Brosnans Einstieg das krasse Gegenteil – Martin Campbell macht in beiden so unterschiedlichen Fällen durchgehend und ausdrücklich klar, was er liefern möchte: War es bei Brosnan die Versicherung, dass Bond auch in einer neuen Zeit ganz der Alte ist, was zum vielbeschriebenen Abklappern der Bondstandards und zu einem Bond führte, der aus den Ingredienzien seiner Vorgänger möglichst konsensfähig zusammengerührt wurde und entsprechend konturlos blieb, kommt es bei CR bekanntlich zum Bruch mit all dem, was GE feierte, um es eben variiert neu etablieren zu können. So plakativ, wie Brosnan alles erfüllen musste, was der Durchschnittskinogänger mit Bond verbindet, so plakativ muss Craig darauf verzichten. Nur ein Beispiel: „Sehe ich so aus, als ob mich das interessiert?“ – Das ist das andere Ende des Extrems von Brosnans „Achtung, Klassiker!“-Attitüde beim Aufsagen der gängigen Formeln, und hier wäre ein Verzicht auf den Gag bzw. ein knapp-desinteressiertes „Geschüttelt“ sicher eleganter gewesen. So wirkt CR gerade in seinem ersten Drittel bei aller Brillanz etwas verbissen auf mich, und es dauert meist bis ungefähr zur Zugfahrt, bis sich das Bond-Feeling wirklich einstellt. Vielleicht war das der „Preis“ des ausdrücklichen Reboots, und er ist angesichts der Qualität und Bedeutung des Films gewiss nicht zu hoch - es klappt ja alles, was bei GE - für mich - nicht funktionieren will. CR bleibt ein Spitzen-Bond – doch einer, den ich eher verehre als „liebe“
We are not now that strength which in old days
Moved earth and heaven, that which we are, we are —
One equal temper of heroic hearts,
Made weak by time and fate, but strong in will
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Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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122

Dienstag, 1. September 2015, 12:50

Nur ein Beispiel: „Sehe ich so aus, als ob mich das interessiert?“ – Das ist das andere Ende des Extrems von Brosnans „Achtung, Klassiker!“-Attitüde beim Aufsagen der gängigen Formeln, und hier wäre ein Verzicht auf den Gag bzw. ein knapp-desinteressiertes „Geschüttelt“ sicher eleganter gewesen.

Dass CR sich demonstrativ vom Klischee der Brosnan-Filme abwendet habe ich auch immer so empfunden. Das war für mich aber nie negativ. Gerade dieser Lacher mit dem Satz „Sehe ich so aus, als ob mich das interessiert?“ ist an sich ja schon wieder bondig.
Die Verbissenheit ist meiner Meinung nach weder zufällig noch beabsichtigt, sondern unvermeidlich, wenn man alles etwas nüchterner ansetzt. Dasselbe Phänomen hatten wir bei Dalton ja auch schon. Craigs Bond wird als der etwas unglückliche und getriebene in die Geschichte eingehen - es sei denn, SPECTRE bringt uns etwas von der Lockerheit der früheren Filme zurück. Und daran glaube ich schon, wenn auch natürlich kein Moore-Maß an Komik erreicht werden wird.
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

123

Dienstag, 1. September 2015, 14:03

Das ist der Punkt. Die Craig Filme haben alle klassischen Bondlemente drin, es wird nur nicht mit der Faust in die Fresse Methode darauf hin gedeutet.
Genau wegen dieser Machart sticht CR ja so extrem raus, ohne dabei seine Bondwurzeln zu verleugnen. Besser hätte man es wirklich nicht machen können!
"That's one hell of a Pilot!"

Feirefiz

The Other Fellow

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124

Mittwoch, 2. September 2015, 19:09

Der Punkt ist, dass die Brechstange, die Martin Campbell ja schon in GE bemühte, in CR gar nicht so stark nötig gewesen wäre, dass man die Bond-Klischees nicht ausdrücklich der Lächerlichkeit hätte preisgeben müssen, sondern einfach von Ihrer „Zitathaftigkeit“ hätte befreien können. Auch diesen Weg geht CR ja durchaus.

Nehmen wir mal die berühmte Formel „Bond, James Bond“: In GE spricht Brosnan Floskel – am denkbar zitathaftesten Ort, dem Casino – derart bedeutungsschwanger, als würde er einem Mittelsmann ein Codewort nennen; und in gewisser Weise tut er es ja auch, er brüllt dem Publikum entgegen: „Jawoll, das ist ein richtiger Bond-Film!“ Und deswegen ist es hier auch nur eine Floskel, die den häufigen Spott befeuert: „Jaja, James Bond: immer dassselbe.“ Dalton wiederum spricht die Worte in TLD mit so einer natürlichen Beiläufigkeit, dass sie nicht mehr formelhaft, sondern endlich wieder lässig wirken (etwas, womit man seine Bonddarstellung eher selten spontan charakterisieren würde, aber siehe da!). Am Schluss von CR endlich wird die Vorstellung zwar zelebriert wie nie zuvor, aber hier ist die Bedeutungsschwere nicht aufgesetzt wie bei Brosnan, sondern vermittelt tatsächlich Bedeutung – einen wesentlichen Schritt der „Bond-Werdung“, die 007 in CR durchläuft (nicht umsonst ist er zuvor buchstäblich eine Treppe raufgestiegen) und die es ihm als „fertigem“ Agenten eben erlaubt, sich so selbstverständlich vorzustellen, wie es Dalton tut (aber nicht Brosnan bei seiner Einführung).

Am Ende ist das natürlich wie stets Geschmacksache, und möglicherweise musste man für das Reboot tatsächlich den Holzhammer bemühen, damit wirklich jeder mitkriegt, was hier glücklich versucht wurde: Das meinte ich ja auch schon mit dem vielleicht notwendigen „Preis“ für die erfolgreiche Neuausrichtung. Nur „bondig“ finde ich das eben nicht immer: Man kann Craigs Reaktion auf die Frage „geschüttelt oder gerührt“ lustig finden – sie ist es ja durchaus –, aber subtiler als Brosnans Hindernislauf durch die Bond-Klischees ist sie nicht.
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  • »Daniel Schweikert 1996« ist männlich

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Mittwoch, 2. September 2015, 22:10

Der Punkt ist, dass die Brechstange, die Martin Campbell ja schon in GE bemühte, in CR gar nicht so stark nötig gewesen wäre, dass man die Bond-Klischees nicht ausdrücklich der Lächerlichkeit hätte preisgeben müssen, sondern einfach von Ihrer „Zitathaftigkeit“ hätte befreien können. Auch diesen Weg geht CR ja durchaus.

Nehmen wir mal die berühmte Formel „Bond, James Bond“: In GE spricht Brosnan Floskel – am denkbar zitathaftesten Ort, dem Casino – derart bedeutungsschwanger, als würde er einem Mittelsmann ein Codewort nennen; und in gewisser Weise tut er es ja auch, er brüllt dem Publikum entgegen: „Jawoll, das ist ein richtiger Bond-Film!“ Und deswegen ist es hier auch nur eine Floskel, die den häufigen Spott befeuert: „Jaja, James Bond: immer dassselbe.“ Dalton wiederum spricht die Worte in TLD mit so einer natürlichen Beiläufigkeit, dass sie nicht mehr formelhaft, sondern endlich wieder lässig wirken (etwas, womit man seine Bonddarstellung eher selten spontan charakterisieren würde, aber siehe da!). Am Schluss von CR endlich wird die Vorstellung zwar zelebriert wie nie zuvor, aber hier ist die Bedeutungsschwere nicht aufgesetzt wie bei Brosnan, sondern vermittelt tatsächlich Bedeutung – einen wesentlichen Schritt der „Bond-Werdung“, die 007 in CR durchläuft (nicht umsonst ist er zuvor buchstäblich eine Treppe raufgestiegen) und die es ihm als „fertigem“ Agenten eben erlaubt, sich so selbstverständlich vorzustellen, wie es Dalton tut (aber nicht Brosnan bei seiner Einführung).

Am Ende ist das natürlich wie stets Geschmacksache, und möglicherweise musste man für das Reboot tatsächlich den Holzhammer bemühen, damit wirklich jeder mitkriegt, was hier glücklich versucht wurde: Das meinte ich ja auch schon mit dem vielleicht notwendigen „Preis“ für die erfolgreiche Neuausrichtung. Nur „bondig“ finde ich das eben nicht immer: Man kann Craigs Reaktion auf die Frage „geschüttelt oder gerührt“ lustig finden – sie ist es ja durchaus –, aber subtiler als Brosnans Hindernislauf durch die Bond-Klischees ist sie nicht.

Schlicht und ergreifend faszinierend finde ich es, dass eben derselbe Regisseur, der Brosnan von einem Klischee ins darauffolgende stürzen ließ, bei CR mit auffälliger Vehemenz dagegen ankämpft. Vergessen wir mal den Schluss, sah der Kinogänger des Jahres 2006 einen unaufgesetzten Film mit einem noch unaufgesetzteren Darsteller, elf Jahre zuvor entstand quasi unter der Federführung desselben Mannes ein aufgesetzter Film mit einem noch aufgesetzteren Darsteller. Faszinierend deswegen, weil GE meiner Ansicht nach der klischeehafteste und CR dagegen der klischeeentfernteste Bondfilm ist, Martin musste wohl einfach den Kontrast bilden. Dies liegt natürlich auch an den kinematographischen Vorfahren: Nach der bitteren Pille von LTK musste leichtere Kost geschluckt werden (GE), nach der leichteren Kost vor CR (DAD), musste eine bittere Pille heruntergeschluckt und von den Ernährten als vorläufige Unterhaltungsnahrung akzeptiert werden. Aus Brosnans Letztem hätte man meiner Meinung nach deutlich mehr herausholen können, wenn Michael Apted erneut Regie geführt hätte, da dessen Hang zur Dramatik perfekt in die erste Hälfte des Films gepasst hätte - und die zweite Hälfte hätte es in dieser Form glücklicherweise nicht gegeben, gleichwohl gerade diese eines Tages Kult sein wird, allein schon aufgrund absurder Einfälle, welche von unsichtbaren Autos bis hin zu Surfmanövern in Eiswelten reichen...
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Daniel Schweikert 1996« (2. September 2015, 22:15)


Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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Dienstag, 10. November 2015, 10:59

Gestern habe ich CR angeschaut. Mich hat es einfach interessiert, wie der Film wirkt, wenn man die Zusammenhänge aus SPECTRE einbezieht.
Und es wirkt VORZÜGLICH.
Wenn Mr. White von "unserer Organisation" spricht und damit "Spectre" meint, dann verleiht dies den Szenen nochmals eine ganz andere Note.
Ich fand "Quantum" als Organisation schon immer zu mickrig, um in diesen Passagen gemeint zu sein. Nun haben sie auch die Größe, die sie ausstrahlen.

CR bleibt natürlich bester Craig-Bond! WAS FÜR EIN FILM!!!

Etwas irritierend ist aber noch immer, dass Vesper sich umbringt. Ich finde ihre Reaktion überzogen. Dass sie nicht mit ihrer "Schuld" leben kann, obwohl diese Schuld an sich ja ar keine ist, und Bond ihr ja auch vergeben hätte, ist schon sehr viel Drama. Aber es schadet dem Film nicht.

Wenn ich es schaffe, soll heute QOS folgen. Mal sehen, wie der nun mit dem Wissen aus SPECTRE wirkt.
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

ollistone

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Dienstag, 10. November 2015, 11:23

Mich hat es einfach interessiert, wie der Film wirkt, wenn man die Zusammenhänge aus SPECTRE einbezieht.


Legst du damit nicht eine Prämisse zugrunde, die damals gar nicht intendiert war? Anders gefragt, muss man CR, QOS und SF nun im Lichte von Spectre betrachten oder darf / soll / muss man sie so sehen, wie sie entstanden sind?
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Kronsteen

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Dienstag, 10. November 2015, 11:30

Mich hat es einfach interessiert, wie der Film wirkt, wenn man die Zusammenhänge aus SPECTRE einbezieht.


Legst du damit nicht eine Prämisse zugrunde, die damals gar nicht intendiert war? Anders gefragt, muss man CR, QOS und SF nun im Lichte von Spectre betrachten oder darf / soll / muss man sie so sehen, wie sie entstanden sind?


Das steht jedem frei.
Ich sehe ihn nach wie vor unabhängig und lasse mir einzelne Filme nicht von späteren Gegebenheiten beeinflussen.
Wenn ich ihn mir aber mit dem "Wissen" (absichtlich in Gänsefüßchen gesetzt) aus SPECTRE anschauen MÖCHTE, so funktioniert das zumindest bei mir prima. :)
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Spree

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Dienstag, 10. November 2015, 12:17

Vesper möchte einfach nicht, dass Bond durch sie auch erpressbar wird und in Quantum/Spectre hineingezogen wird (White sagt es in QOS selbst), das hat nicht nur etwas mit Schuldgefühlen zu tun. Mittlerweile hat sie wohl auch begriffen, dass ihr früherer "Freund" keiner war.
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macon

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Dienstag, 10. November 2015, 12:32

Ach was... Im nächsten Film erfahren wir das Vesper doch noch lebt (totes Double) und sich jetzt aber nach dem Mädchenname ihrer Mütter - Bunt - nennt... :P

Kronsteen

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Dienstag, 10. November 2015, 12:45

Ach was... Im nächsten Film erfahren wir das Vesper doch noch lebt (totes Double) und sich jetzt aber nach dem Mädchenname ihrer Mütter - Bunt - nennt... :P


Und wenn schon?! Solche Wendungen gabs in den Bondjahrzehnten doch zuhauf. DAS IST BOND!
Ich verstehe diesbezüglich den Wirbel um SPECTRE nicht.

Wie zerstörerisch müsste 1971 ein Blofeld in Frauenklamotten in Bezug auf den Vorgänger aus OHMSS gewirkt haben. Hat er aber nicht. ;)
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macon

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Dienstag, 10. November 2015, 13:07

Nicht aufregen, war nur ein Spaß... Und ich hoffe doch das man sich in einem Bondforum negativ über Spectre äußern darf... Vielleicht gefällt mir der nächste Film wieder besser... Und zurück nach CR... Ich glaub man hatte bei Vespers Tod schon ein wenig QOS im Blick und der hätte ohne ihren Tod nicht so richtig funktioniert.

Kronsteen

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133

Dienstag, 10. November 2015, 14:35

Nicht aufregen, war nur ein Spaß... Und ich hoffe doch das man sich in einem Bondforum negativ über Spectre äußern darf...

Na logo darf man das. Ist ja auch keine Exklusivmeinung. ;)
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chrimarx

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Samstag, 6. August 2016, 11:37

Mein Senf zu 10 Jahre Casino Royale - der Film, der Bond wieder relevant machte

http://www.marx-bloggt.de/10-jahre-casin…elevant-machte/
"Darf ich mal meine Freundin hierhersetzen? Sie belästigt sie nicht, sie ist nämlich tot."

135

Sonntag, 7. August 2016, 11:53

Für mich nach wie vor der beste Bond mit Daniel Craig.
Viele Grüße
Benno-Imn

=> Benno-Imn: Meine James Bond 007 Collection

Herr Mendel

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136

Mittwoch, 8. Januar 2020, 18:08

Meine Gedanken zum Restart der Bond Reihe schreibe ich zu diesem Film weil sie ja auch mit diesem Film begann was dachte ich also als ich mich zwar gerne mit James Bond besch�ftigt habe aber noch nicht wirklich �ber alles bescheid wusste.
Erstmal war ich traurig das mein All-Time Favourite Pierce Brosnan nicht mehr den James Bond spielen sollte als dann auch noch ein mir v�llig unbekannter sein Nachfolger werden sollte und dazu auch noch Blond war ich absolut bedient.
So die Zeit verging zwischen der bekanntgabe von Daniel Craig und der ersten m�glichkeit f�r mich seinen Erstlings Bond Film zu sehen eigentlich sollte es mein erster Kino Bond werden das wurde dann aber QOS.
Als ich also CR 06 das erste mal sah waren meine schlimmsten bef�rchtungen best�tigt und eigentlich noch �bertroffen NICHTS hatte mehr mit meinen geliebten Brosnan Filmen gemein und dann noch diese langweilige Kartenspielerei.
Ich wusste das Q und Moneypenny fehlen werden das war aber f�r mich nicht das schlimmste das schlimmste war das man mit einer anst�ndigen Gunbarrel nicht wenigstens EINE konstante bewahren konnte.
VIELES hat sich ge�ndert in der Zeit was mich nach all der Zeit und vorallem nach den Nachfolge Filmen ge�ndert.
Was ich kritisiere ist das man M nicht auch ausgetauscht hat wenn schon Restart dann wirklich KOMPLETT was mich auch noch st�rt ist die inkonsequenz was die Waffe angeht OK von mir aus war die PPK nicht mehr zeitgem�� sodass die Bond eben die P99 behalten liessen ABER dann bitte nicht ab QOS wieder die PPK geben.
Alles in allem finde ich f�llt denen nichts mehr ein alles sieht nach einem abklatsch der alten Filme aus CR ist der Start genauso wie DN darauf baut dann der zweite Filme auf damals FRWL heute QOS dann eine Film der nichts mit der Verbrecherorganisation zu tun hat GF bzw SF dann kommt zum ersten mal Blofeld ins Spiel TB bzw SP so wird es weitergehen auch das die Storylines sich so �hneln eigentlich von seit GE wird Bond von irgendeinem verraten und seit SF hat er sich das zweite mal zuruhe gesetzt gut in SF nicht wirklich freiwillig.
SF war f�r mich ein absolut Klassefilm einer der besten das hat sich mittlerweile relativiert weil mir der M Abschiedspathos doch mit der Zeit zuviel war und mich beim immer und immer wieder schauen st�rt auch fand ich Raoul Silva nicht wirklich gut eher tuntig das war vielleicht absicht aber ich mag sowas nicht.
Irgendwie hat James Bond im Moment auch nicht mehr den Stellenwert als fr�her alles in allem fand ich die Craig Filme nicht besonders toll was aber ausdr�cklich nicht an Daniel Craig liegt der mittlerweile in der Hitlist meiner Lieblingsbond Darsteller Platz zwei eingenommen hat Spectre hab ich nur im Kino gesehen die DVD liegt noch unge�ffnet hier irgendwo rum.
Ich bin mal auf NTTD gespannt trotzallem ich erwarte nicht viel nach MeToo Debatte und einem weiblichen Doppelnull Agent nicht alles MUSS in Jahr 2020 transportiert werden.

Daniel Dalton

Felix Leiter

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Montag, 10. Februar 2020, 14:45

1.1

Wir schreiben und
tagebüchifizieren das Jahr 2003: Pierce Brosnan dreht „After the
sunset“ mit Salma Hayek und erhält, drastischerweise nur als Anruf
(!), die Botschaft, er werde (die Enttäuschung äußerte sich sogar
dichterischen Soundes: „One call – that was all“, so Brosnans
Worte) mitnichten mehr Bond spielen (im selben Jahre tat er es noch
einmal auf interaktiver Ebene: Alles oder Nichts, im Kino zuletzt
geschah es im Jahre 2002), Mitte der 2000er Jahre waren seine
Amtstage längst gezählt (selbst interaktiv spiegelte sich das
Ungewisse wider, in GE Rogue Agent im Jahre 2004 kann man in einer
Flugszene nur erahnen ob der – ohnedies nicht von einem selbst
gespielte – Bond Brosnan sei oder nicht und auch die
Phoenix-fire-Geschichte wurde für ein weiteres eigenständiges Spiel
gänzlich verworfen und dies vielleicht zugunsten der perfekten
Liebesgrüße aus Moskau), 2005 ist sein Nachfolger vorgestellt
worden: Daniel Craig, weiland als James Blond verspottet (mein Onkel
Helmut, ruhe in Frieden, großer Bondfan, war anfangs ebenfalls
irritiert ob der ungewöhnlichen Wahl, die getroffen wurde), doch die
Nachwirkungen seines Debüts sorgten für Furore, denn nicht nur der
Darstellerwechsel schien recht drastisch (hatte Brosnan doch fast
noch weichere Züge als der 70er Jahre Playboy Roger Moore, ist Craig
hingegen visuell deutlich kantiger als Connery, Lazenby und Dalton in
zusammenaddierter Form), sondern auch die gesamte Grundidee trug neue
Früchte, ein Reboot wurde ins Leben gerufen, der Neustart umfasste
Bonds Gelangen zur zuvor längst Standard gewesenen Lizenz zum Töten
(sie ward Anno 89 auch zum Titel, wir erleben sie seit 1962), der
Doppelnullstatus ist ihm noch fremd, wir haben es erstmals mit
„Ausbildungsfilmen“ zu tun, der altbekannte Charakter formt sich
noch (hierzu passt es so gesehen auch, dass Dietmar Wunder in diesem
seinem ersten Craig noch etwas zu sehr „wie früher“ klang, ein
wenig jugendlich angehaucht, inzwischen nehme ich ihn etwas tiefer
wahr und er kann, sein Timbre ist je nach Schauspieler auch gut
dehnbar, gemeinsam mit Craig im Sprachalter fortschreiten, obgleich
sich Craig stimmlich nur sehr unwesentlich verändert mit der Zeit),
als Vesper (erhaben: Eva Green) erhören wir die elegante Stimme von
Agentin Pearce und Lucy, jeweils aus der empfehlenswerten
Agentenserie „burn notice“ (Miami), welche ich am vorvorgestrigen
Tage bereits in meiner Stirb-an-einem-anderen-Tage-Rezension
aufgriff, der Regisseur nun wiederum ist ebenfalls kein Unbekannter
und inszenierte elf Jahre zuvor bereits ein anderes Bonddebüt,
nämlich Goldeneye, einen Film, welcher mich jedoch nicht maßgeblich
hat bewegen können, auch wenn er nach langem Pausieren sehr wichtig
gewesen sein dürfte wohl.




Der anfängliche
Einleitungsschuss er begänne auf uns zu zielen, ein Löwe brüllet
in Schwarzweiß (auch eine indirekte farbliche Anspielung auf die
Casino-Royale-TV-Version von 1954?), die Reise sie führet uns
zunächst ins kalte Prag, die unsanfte Einführung in Verbindung mit
dem kopfzerschmetterten Waschbecken erinnert an ein späteres
Agentenwerk: Splinter Cell Conviction (zehn Jahre altes
Seelenabenteuer, zu viel Action und zu wenig Nachtsichtgerät,
Retina-Scanner, Kameras zerschießen etc., kurzum: für mich war das
nicht mehr Splinter Cell, die story rundum Sarah hingegen war recht
gut), die alsbaldige Titelsequenz ist durchaus malerisch angehaucht
und stellt nach der gröblich erhärtlichten Ur- und Ersteinleitung
bereits erste versöhnliche Töne bereit, leider Gottes mangelt es
ihrer Visualisierung diesmal an Geheimnisumwobenem und fast „nur“
das (wenn auch interessante) Kartenspiel scheint hervorgehoben zu
werden, auch das Weibliche wird nicht faszinierend genug in den
Vordergrund gestellt (Titelsequenzen mit göttlichen Ladys: am
Eindrucksvollsten wohl im musikalischen Anfangstanze von Liebesgrüße
aus Moskau, gleichwohl: Das Weibliche nun 2006 ein wenig
zurückzuschrauben und vorerst nüchtern zu bleiben, das missfällt
mir zwar, aber es will durchaus zum Tone des Films passen und so
ergäbe diese Titelsequenz dann doch irgendwo einen Hauch von Sinn,
ein HAUCH ist im Bonduniversum ohnedies IMMER ein gutes Zeichen, das
Jahr 1987 stellte es eindrucksvollst unter Beweis, oder auch Shannon
im Menü von Alles oder Nichts haucht uns geheimnisvoll entgegen),
nach nunmehr 14 Jahren ist selbst mit diesem Erstling der (noch)
gegenwärtigen Bondära bereits fast ein HAUCH von Nostalgie zu
verbinden, zumindest die meinige Generation empfände es so, ich
kenne seitens des Films noch die damalige (selbst auf dem winzigsten
Bildschirme vermochte Eva mysteriös zu erstrahlen) UMD von der PSP,
sah die erste DVD-Ausgabe nach der Schule beim Stadtbummel bzw.
Heimwege, erinnere mich noch an die hohen Kaufpreise und die Tatsache
ihn ob der 12er FSK-Einstufung zum VÖ-Erstzeitpunkte nicht gekauft
haben zu können (die von meinem verfrühten Bondgrinsen genervte
Dame an der Kasse: „Zwölf simma schon?!“, das Lächeln schwand
und betrüblich wanderte der Silberling ins Regal zurück), im späten
Jahre 2006 zum Kinozeitpunkte unterhielt ich mich, gerade die fünfte
Klasse betreten habend, an einer Bushaltestelle mit einem
Grundschulfreunde über Bond, er kannte sogar Dalton, Lazenby war uns
nur peripher geläufig, einig waren wir uns bezüglich der
Faszination von „nightfire“, zwei Fans vereinigten sich, ein
anderer Bekannter hingegen äußerte sich kritisch und sprach
bezüglich Bond von „zu viel Action, zu wenig Humor“, ich dachte
mir nur: Das kann bestätigen nicht ich, mitnichten sag‘ ich, die
Werke haben ALLES inne: Frauen, Faszinosen, sprachliche Rosen, Autos
die lebhaften Soundes durch fremde Länder tosen, Exotik, Humor und
vieles mehr, die Vielfalt bliebe gewahrt: So viele interpretatorische
Möglichkeiten ergeben sich, das Bonduniversum kommt sehr
unterschiedlich an, 20 offizielle Werke über breitete man sich auf
jedwedem Modealtar aus und folgte jeweils mehr oder weniger dem
Zeitgeiste, was einige Frühwerke umso kultiger und ulkiger
erscheinen lässt, diesmal lautet dieser Zeitgeist für die Nr. 21
nun NEUSTART, das Werk baut viele zu legende Grundsteine auf, meißelt
sie, formt und knetet sie zu einer großen Masse und Skulptur der
Popkultur, in Quantum gelang dieses mit noch mehr Bravour, mit
leichten Abstrichen ist in diesem Seelenlande auch Skyfall noch
zuhause, Spectre hingegen spannte den Bogen zu weit und entraubte den
zuvorigen Craigs nachträglich ein Stück ihrer Glaubwürdigkeit, die
Reise ins Lächerliche tat mir weh, drei durchaus schlüssige
Erstprojekte dieser Bewegung schlossen einen Ursprung halbwegs
adäquat ab und doch konnte man es im Jahre 2015 nicht unterlassen,
auf teils ideenlose Weise an diesem Konzepte festzuhalten und es
damit indirekt oder direkt niederzureißen, die Verbindungen und
Verflechtungen wurden lächerlich, ein Pseudo-Quark 3 Milliarden
Meilen von einem Geheimdienst-Thriller entfernt, aber ruhig Blut, zum
Glücke variieren die Geschmäcker – Daniel, beruhige dich, sage
ich mir so beschwichtigend nun.




Was Spectre (ein Film, der von
Sam Mendes als „totally driven by Bond“ bezeichnet wird, für
mich aber nichts Neues böte und „nur“ ein wirres und überladenes
Chaos aus Anspielungen auf vorherige Werke der Reihe darstellt –
obzwar ich ob meines Schreibstils zugebe, dem Chaos in anderen
Hinsichten nicht abgeneigt zu sein) storytechnisch in den
Verflechtungen der Figuren zunichte machte (viele eigentlich
faszinierende Details wirken daher in der After-Spectre-Retrospektive
erschreckend überflüssig und der
Was-hätte-man-nur-alles-daraus-machen-und-kreieren-können-Punkt
betrübt mich ernsthaft, da es mir nicht gelang, Spectre
auszublenden), wurde zuvor mühsam Steinchen für Steinchen
zusammengetragen und zum Puzzlebildchen erhoben, was die Filme bis
einschließlich Skyfall zu einer Art Trilogie macht (abgesehen davon,
dass die beiden „Ausbildungsfilme“ sehr jung und frisch wirken
und Skyfall mit dem
Man-kann-ruhig-zugeben-dass-man-altersbedingt-nachgelassen-hat-Gehabe
eher die andere Richtung der Karriere aufgriff, hierzwischen hätte
es mehrere Filme geben müssen, ihrer bedurft), Craig arbeitet
speziell in seinen ersten beiden Filmen mit einem zunehmend abhanden
gekommenen bzw. dem lockereren Stil der neuen Filme zum Opfer
gefallenen Blick intensiver Art, der Killerinstinkt ist fast
Dalton-gleich erkennbar gewesen, so vieles schwände ab Skyfall, das
neue Jahrzehnt wirkte ohne Ultra-Ansätze zu gefällig (2012, 2015),
doch zurückkommend zu CR 06: Die anfänglichen Zweifel bezüglich
Craig wurden äußerst schnell beseitigt und unwiederbringlich aus
dem Wege geräumt, schon nach wenigen Minuten auf der Leinwand hat
sich dieser Mensch bewährt, James Blond IST James Bond (Zitat eines
Onkels: „Die Type ist schon ein ziemlich durchtrainierter Vogel“),
für mich sich befindend nach Dalton, Connery und Lazenby auf dem
vierten Platze im Bondranking und damit noch vor Moore und Brosnan,
unaufhaltsam nimmt der (gleichwohl fast zweieinhalb Stunden in
Anspruch nehmende und bis damalig‘ dato längste) Bondfilm an Fahrt
auf, die physische Präsenz Craigs etwa in den Parcours-Szenen ist
beeindruckend, der recht brutale Film scheint trotz teils klarer
Kante zu den „gemütlichen“ Publikumslieblingen zu gehören, ist
im TV ein gern gesehener Gast und gehört neben dem meinerseits für
überschätzt gehaltenen Goldfinger zu den meistgelobten Werken der
Reihe, nicht mehr so beeindruckend sind die Filme nunmehr allerdings
fahrzeugtechnisch: Nach den großen Würfen in der Dalton- und
Brosnan-Ära (Audi 200, BMW 750iL) begnügen wir uns diesmal mit
aufdringlichem product placement eines verhältnismäßig braven
Mama-Papa-wie-lang-fahren-wir-noch-Ford-Mondeo, die kurzen
Limousinen-Zeiten Bonds scheinen schon wieder passé zu sein, ein
exquisiter Lexus LS 400 hätte meinem ungewöhnlichen Geschmacke
schon eher zu Ehre gereichen können und tauget dennoch als
Familienkutsche UND kostet in der Anschaffung ein Bruchteil vom
Forde, doch sei‘s drum, Craig benötigt weder Gadgets noch betagte
Hightech-Limousinen und besann sich lieber auf coole
Sonnenbrillenauftritte, harte Faustkämpfe und sichtbare emotionale
Rissstellen in Sachen Seelenleben, der recht persönliche Film greift
in seiner Formel in gewisser Weise Dalton-Elemente auf und zeigt Bond
von einer verletzlichen, zutiefst menschlichen Seite, in der Coolness
arbeitet Craig in seinen besten Momenten dagegen fast auf
Connery-Niveau.




In einer Szene hantiert Bond
bereits mit einer Blu-ray (eine frühe Werbung für ein damals
hochmodernes Medium), in Spectre geschah es gewissermaßen umgekehrt
und Bond nahm eine VHS zur Hand, immer wieder spielen die Filme mit
den Verhältnissen zwischen Alt und Neu (oder wie Moneypenny 2012
sprach: alter Hase, neue Tricks) und changieren hin und her, auch M
heget Sympathie für Bond und hat zu dessen Craig ein fast noch
intensiveres Verhältnis als zu Brosnan, nichtsdestoweniger bleibt
sie im Tone stets eine Autoritätsperson und vermag Härte
auszustrahlen, umso wichtiger dafür für uns nun, uns nicht zu lange
von ihr ausschimpfen zu lassen und sogleich fluchtartig nach Nassau
in M-freie Zonen zu reisen, mit besagtem Nassau betreten wir
„Feuerball“-Gefilde (Sag niemals Nie zum Wasser, sag immer Ja zum
Meere), der hier noch etwas jung und draufgängerisch porträtiert
werdende 007 (umso komischer daher das bereits thematisierte
Präsentieren eines „Auslaufmodells“ bereits in Skyfall, als
seien unzählige Jahre vergangen) hat in anderen Augenblicken
hingegen bereits sehr charmante, vereinzelt gar subtile Augenblicke,
der kleine Halbflirt mit der bezaubernden blondiösen Dame an der
Rezeption z.B. ist hierfür ein Paradebeispiel und erzeugt einen von
beiden Seiten sehr gut zu wirken wissenden Draht zum Publikum, doch
apropos Szenen an Rezeptionen: Etwas merkwürdig erscheinen mir in
der Synchronisation oft Szenen, in welchen Bond einfach nur „Danke“
sagt, sie klingen in genau dem Moment etwas künstlich, doch weiter
im Texte, denn schon sogleich erblicket unser Wunderauge eine
atemberaubende Exotik in Person, eine (eine bildhübsche Latina,
deren Lache aber nur sehr schwer erträglich ist) Dame, deren Kleid
mit den Schauplätzen und den Augen des Zuschauers verschmölze, der
Film entwickelt kurzweiligen Sekundenzauber, Minutenduft,
Stundenpoesie und Nachtphilosophie, spätere Parts hingegen erweisen
sich nicht mehr als abwechslungszeitlich begrenzt und schnell
weiterhüpfend, da die Casino-Szenen titelgebenderweise sehr lang
sind und eine bedeutsame bis fast zeitlupenhaft bedacht daherkommende
Rolle einnehmen, visuell sind diese dank der langjährigen
Ahnunghabensgestalt Peter Lamont mehr als ansehnlich, die Mixtur aus
sehr gestreckten und anderswo wiederum sehr flinken und flott
inszenierten Szenen wirkt nur selten unausgewogen, die Passagen am
Flughafen jedoch waren mir in der Tat zu hektisch und zu unsanft bzw.
trugen nur bedingt zur wie aus einem Gusse daherkommen wollenden
Gesamtdarbietung des Films bei, obgleich dennoch wieder passend in
einem Bonde der Kanten, so ward selbige Kante nur bedingt geglättet
worden und dies ist gut so, ein ehrlicher Film.




Wie gesaget handelt es sich um
den bis dahin meistgestreckten Bondfilm in Minuten gerechnet, lange
Zeit war dieser Titel OHMSS (1969) vorbehalten, beiden Werken gemein
ist das Vorhandensein des Melancholischen (so etwas braucht
Entschleunigung), die emotionalen Bindungsfragen lassen sich Zeit und
sind nicht von Hetze geprägt, merkwürdigerweise funktioniert
selbige Formel aber auch in Quantum (2008 ), dieser schnell
geschnittene und kaum Zeit in Anspruch des Zuschauers nehmende Film
funktioniert in langsameren Dialogen ebenfalls und wir fragen uns
wahrlich in welcher Zeit der Film all dieses überhaupt hat schaffen
können, in CR begegnen wir nun endlich der schicksalsintensiven
Vesper (QoS: „Vergeben Sie ihr, vergeben Sie sich selbst“), ihr
Blick erfasst uns sofort, dies ist ein segensreicher Fluch und ein
verfluchter Segen, positiv und negativ zugleich, zumal sie uns
ähnlich einer gespenstischen Lichtgestalt Isabelle Adjani in
„Possession“ einerseits fasziniert, andererseits auch etwas Angst
macht (ein weit hergeholter Vergleich, denn Miss Possessions Figur
stand teils außerhalb ihrer Welt, Vespers Bewusstseinszustände sind
dagegen weniger verschachtelt, geordneter, „normaler“,
„gesünder“, logischer, greifbarer), der erste Dialog mit Vesper
ist äußerst geschliffen, gut geschrieben zwar, aber fast ZU perfekt
gespielt und kaum natürlich wirkend in der letztendlichen
Präsentation, beide Figuren arbeiten, passend zum Casino-Titel, mit
einem undurchsichtigen Pokerface und manipulieren bis sticheln sich
anfangs noch ein wenig zurecht, ehe mit der Zeit die Brücke der
gemeinsamen Verbindungen überwöge und doch noch partnerschaftlich
als Team gearbeitet wird, das Unnatürliche im Dialoge wirkt so, als
dächten oder witterten die beiden (was ja rein kinematographisch
gesprochen durchaus auch stimmt und gar auf ein Millionenpublikum
zuträfe) dass ihnen jemand zuhören könnte, in gewisser Weise sind
sie paranoid, also müssen bestimmte Botschaften zwecks
Seelenschutzpanzer verschlüsselt bleiben, hieroglyphiziert bzw.
codiert und dechiffriert werden (war hier etwa eine Beziehungs-Lektor
am Werke, gebastelt worden von Rosa Klebb und Grant?), beide Figuren
sind sich sonnenklar gegenseitig zu signalisieren gewillt: Ich weiß
genau wer du bist, was du bist und was du hier willst, das
Als-würde-uns-jemand-Gehör-schenken-Phänomen erinnert ein wenig an
den Film „cruel intentions“, an die abgehobenen Dialoge zwischen
SM (nicht Sophie Marceau, deren Vorname übrigens Weisheit auf
Griechisch bedeutet) Gellar und Sebastian, dorten wurde dieser „Spaß“
aber fast noch extremer auf die Spitze getrieben.




Vespers Aura fasziniert dich
als zöge einen ein neuer Kosmos in seinen Bann, das wusste auch
Altmeister Polanski und arbeitete mit ihr an und nach einer wahren
Geschichte, doch mein Bild sie betreffend bliebe gespalten bis
multipel, meine auf sie bezogenen Ansichten sind sehr verschieden,
vielleicht auch von ihrer und meiner Tagesverfassung abhängig, in
gewisser Weise macht sie uns Angst, in anderen Momenten wiederum wird
uns durch die ihrigen Worte genau diese aber auch wieder genommen,
ihr Blick einerseits kann einem mehr Bange einflößen als etwa eine
Fiona Volpe aus dem Jahre 1965 es vermochte, im Endeffekt aber hinkt
der Vergleich gewaltig und Fiona ist neben Elektra bis zum heutigen
Tage die faszinierendste Gestalt unter allen „bad girls“ der
gesamten Reihe, ...wobei das Geheimnisumwobene und Beängstigende bei
Vesper je nach Sichtweise weniger sinnvoll ist als bei den anderen
Figuren, da sie (nun gut, okay, anfangs stellen sich Anderswelche ja
in gewisser Weise ebenfalls so dar, insofern ist meine Argumentation
bezüglich Vesper völlig absurd) ja scheinbar eine Verbündete, mehr
noch, ein amouröses Gefühl darstellt, also eigentlich „wärmer“
sein sollte, insgesamt erreichen meine Gedanken jedenfalls
wiederkehrend das unschöne Resultat, dass CR auf
zwischenmenschlichen Ebenen nicht annähernd die herzergreifende
Wärme eines OHMSS erklomm und erreichte (denken Sie nur an die
Szene, in welcher Tracy mit Schlittschuhen in Mürren angeglitten
kommt, „Wintersport?“, „...nein, für jemanden, der Wintersport
treibt...“, Bonds zuvoriger Junggesellenabschied mit Miss von
Schell und Ruby war dagegen aber ein ganz klein wenig dreist….), in
nicht allzu ferner Bälde begeben wir uns (einerseits hätte ich fast
„endlich“ gesagt, gleichwohl nehme ich dies sofort zurück, denn
ebenjene Poker-Szenen werden nach meinem Dafürhalten wie gesaget zu
viel Zeit für sich beanspruchen) ins Casino Royale (im Filme
komischerweise in Montenegró, war das im Buche auch so?, ich meine
nicht, ich weiß es echt nicht mehr, ab und an haben auch
photographische Birnen ihre mitnichten eidetischen, vielmehr
siebreichen Momente, geleert werden sie rein seelisch betrachtet
leider trotzdem nicht), durch die vielen vermeintlich actionlosen
Pokerspielszenen böten sich uns viele Gelegenheiten, sehr genau die
Gesichter und deren Ausdrücke zu beobachten, auch ein neuer Felix
Leiter spricht in betont geheimnisvollem Flüsterjargon und wirkt
zumindest auf den allerersten Blick nur bedingt kumpelhaft, hilfreich
ist er dafür aber durchaus (in Sag niemals nie z.B. 23 Jahre zuvor –
apropos 23: Ich kenne zwei Herren namens Daniel, die werden für
immer 23 sein – war es genau umgekehrt, ein herrlich beschwingter
und witziger Felix der frohsinnigen Sprünge war das, aber noch nicht
einmal kurz vor Bonds Barbara-Tode greift der Bursche ein…), Felix‘
vergleichsweise ernster Tonfall passt sich recht gut dem Filme an,
Bond himself entwickelt ein sehr menschliches und an vielen Dingen
zweifellos auch zweifelndes Profil und ähnelt stellenweise seinem
Roman-Pendant, diese Eigenschaft gelänge Craig zwar in meinen Augen
weniger als Dalton und überhaupt macht sich Craig dank eines recht
vergesslichen oder schlichtweg neuen Publikums bestimmte
Dalton-Lorbeeren bewusst oder unbewusst zu eigen, doch in jedwedem
Falle schien die Back-to-Fleming-Formel gewissermaßen aufzugehen,
denn so sehr wir auch loben können dass Dalton in vielerlei Hinsicht
die Vorarbeit leistete, so scheint Craig eben den direkteren Draht
zum Publikum gefunden zu haben, sodass dieser Stil ab Mitte der
2000er Jahre tatsächlich für ein paar Jahre akzeptiert worden ist,
in den 2010ern hat man sich nach meinem Ermessen nämlich wieder zu
sehr von dieser Herangehensweise distanziert.
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
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Daniel Dalton

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Montag, 10. Februar 2020, 14:48

1.2



Abermals betrachten wir
Vesper, die Verbindungen zu Miss Adjani waren bereits hergestellt
worden, indessen korrigiere ich die Aussage und sehe eher eine
KOMBINATION aus Adjani und Charlotte Rampling, in ihren Augen jeweils
wohlgemerkt, doch genau hier wird es für mich verwirrend: Gerade das
Mysteriöse in der uns andererseits aber sofort (!) und nicht erst
morgen gefangennehmenden Vesper wäre prädestiniert für eine sich
extrem langsam aufbauende Bindung, die Stück für Stück die
Geheimnisse lüftet (und anfangs deutete sich ja auch genau das an:
ein von Spitzen geprägtes Kennenlernen, welches eine tatsächliche
bis gar positive emotionale Nähe nur ganz allmählich sprießen
lässt), stattdessen aber wechselt der Film zwischenzeitlich sehr
seltsam seinen Tempogang und dessen Spuren, sodass es mir (ähnlich
etwa wie in der Staffel-4-Hurricane-Episode aus Miami Vice, weiland
mit Caitlin und Sonny) zu schnell ging mit der Harmonie
(selbstverfreilich: lebe für den Moment, lass die Leidenschaft frei
als gäbe es kein Morgen, nie weißt du ob es sich um die letzte
Momentaufnahme handelt und so ist ein wankelmütiges Verhältnis
zwischen langsamem und schnellem Filmtempo psychologisch durchaus
logisch, dennoch überspränge der Film damit verschiedene Kapitel,
daher auch die Verbindung zu Miami Vice: zwei Figuren, die sich
zunächst nur necken und anschließend urplötzlich auf volle Passion
umschalten, bei CR fast wie aus dem Nichtse heraus, in Vice zumindest
durch die Caitlin-Rettungsaktion am Boote immerhin teils logisch
motiviert, AUCH deswegen ist die 1988 gedrehte Lizenz zum Töten
übrigens der Vice-Bond: Einigkeit in der Liebe wird erst dann
erzeugt, wenn eine nächtliche Fahrt mit dem Boote ins Leben gerufen
wird, ist die älteste Formel der Welt: Aus Beleidigung wird
Beblumigung, zwei „gegnerische“ Figuren, welche urplötzlich doch
noch zu einer gemeinsamen Sprengkraft und Symbiose fanden, in
Insider-Sprache: das „K“-Syndrom, in diesem Momente nur
zwistendes Theater, in jenem wiederum das Gegenteil – funktioniert
auf der Leinwand perfekt, im „echten“ Leben ist es eine Farce von
Absurdum).




Der auf Hochglanz polierte
Film (dessen Kanten somit eher emotionaler Natur sind, visuell aber
nur selten hervorstechen, vom Antlitz des Hauptprotagonisten einmal
abgesehen) lässt die Gewässer von Venedig etwas sauberer und klarer
erscheinen als sie es in Wahrheit wohl sein dürften, die sich über
etwa 145 (nicht atemlose, aber recht gute) Minuten erstreckende
Dramaturgie lebt von einer gewissen Vielfalt, hinsteuernd auf ein
relativ geniales Ende (je schöner das Anwesen, desto unschöner der
Schuss, ...das offene Endresultat gelobt ein gewisses Maß an –
auch musikalischer – Spannung aufrechtzuerhalten, sodass Quantum
vor allen Dingen dann besonders wirksam zündet, wenn man den
energetischen Film relativ schnell nach CR einleget, dorten im
Trostlande quantieren wir in wenigen Tagen und sehen uns hoffentlich
wieder, vier Sterne nun im CR-Sinne und eine nicht überlebensgroße,
aber doch recht klar hörbare KAUFEMPFEHLUNG.




Wir überschlugen uns vor
Faszinosen,



wir erblickten Beginn und
Rückkehr zugleich,



wir sandten Eva die
elegantesten Rosen,



wir betraten des Agenten
Ursprungsreich.




In Verbindung mit Quantum
intensiver gar,



ein Werk der neugewonnenen
Welten,



ein Licht am Ende zuvorigen
Tunnels fürwahr,



Filmkunst als annähernd
vollendet kann gelten.




Ob sie uns betrog?,


ob sie es tat mitnichten?,


ob sie uns belog?,


doch warum immer richten statt
zu schlichten?,




zunächst das viersternig‘
Filmchen sichten,



am Ende des Tages die Wahrheit
überwog,



Auftrag hin oder her, auf Bond
sie flog.
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Mittwoch, 12. Februar 2020, 13:17

Korrektur in 1.2, die letzte Klammer vergaß ich zu schließen.
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