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Spree

Bondforumswissenschaftlicher Forscher & Mitglied der QOS-Splittergruppe

  • »Spree« ist männlich

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141

Montag, 23. Januar 2017, 21:42

Danke für deine Antwort und dass du den Film in Schutz nimmst - ist sonst meistens meine Rolle. :D

Dass die Storylücken in den meisten Bondfilmen auftreten ist sicherlich wahr, aber bei QOS gilt für mich der Fluch der guten Tat: Weil ich CR für so wahnsinnig gelungen halte und auch QOS m.E. alle Zutaten für einen (nahezu) perfekten Bondfilm gehabt hätte, war v.a. das erste Kinoerlebnis (als ich noch viel mehr die Schwächen als die Stärken sah) aber auch die letzte Sichtung doch ein Stück weit ernüchternd.

Ich denke, QOS hätte das Zeug dazu gehabt, CR in allen Belangen ebenbürtig zu sein. Sehen zu müssen, wie man diese Chance dann teils durch den Autorenstreik, teils auch durch bewusste Entscheidung (das CGI beim Fallschirmsprung erinnert schon fast an DA... nein, ich sag's nicht) vergibt, ist irgendwie schlimmer als mit 0 Erwartungshaltung reinzugehen und selbst von einem m.E. insgesamt schlechteren Film (SP als Beispiel) positiv überrascht zu werden. Ist vielleicht auch ein bißchen meine ungerechte Erwartungshaltung nach CR gewesen. Beinahe so, wie wenn man beim Date mit der neuen Flamme ständig noch die Ex im Kopf hat. Liebe ist halt unfair... :love:

Ich gelobe aber Besserung bzgl. meiner zu harten Gangart!
I never left!

Martin

Felix Leiter

  • »Martin« ist männlich

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142

Samstag, 29. Dezember 2018, 23:18

Durch die freien Tage am Jahresende hab ich es mal hinbekommen, einen Beitrag zu zehn Jahre Quantum of Solace fertig zu machen, der schon ein paar Wochen als Entwurf herumgegammelt hat, und eigentlich ein bisschen eher erscheinen sollte. Würde mich über den einen oder anderen Leser freuen. :)

Django

Der Andere

  • »Django« ist männlich

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143

Mittwoch, 2. Januar 2019, 09:09

Würde mich über den einen oder anderen Leser freuen.

Aber gerne doch :D . Interessanter Beitrag, obwohl mir leider viele von Dir referenzierte Filme nur vom Hörensagen her bekannt sind. Und insgesamt kann ich Dir nur zustimmen. Bloss eines sehe ich ein bisschen anders: Sooo unausgereift finde ich das QoS-Drehbuch nun auch nicht. Die Story macht Sinn, weist keine schlimmen Logiklöcher auf, ist halbwegs geerdet und prescht rasch voran. Etwas, was man leier nicht von allen Bond-Drehbüchern behaupten kann...


Mir persönlich gefällt QoS je länger je mehr, was aber sicher auch daran liegt, dass mich die beiden nachfolgenden Beiträge leider gar nicht mehr überzeugen konnten. Von daher bleibt QoS bis auf Weiteres der letzte "gute" Bond-Film.

Baron Samedi

Our Man in a Small Town in Germany

  • »Baron Samedi« ist männlich

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144

Freitag, 4. Januar 2019, 20:00

Durch die freien Tage am Jahresende hab ich es mal hinbekommen, einen Beitrag zu zehn Jahre Quantum of Solace fertig zu machen, der schon ein paar Wochen als Entwurf herumgegammelt hat, und eigentlich ein bisschen eher erscheinen sollte. Würde mich über den einen oder anderen Leser freuen. :)

Mir als Film Noir-Fan ist nach diesem Beitrag klarer geworden, warum QOS so hoch in meiner Gunst steht - es ist der Film Noir unter den Bondfilmen :thumbup:
"Good morning Boss, it's sure going to be a beautiful day, yes a beautiful day."

Daniel Dalton

Felix Leiter

  • »Daniel Dalton« ist männlich

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145

Mittwoch, 12. Februar 2020, 18:57

195)



Nur wenige Minuten nach Casino
Royale sich zutragend (Craigs Haar zufolge aber hätten mehrere
Wochen dazwischenliegen müssen), beginnt die Geschichte des
atemlosen und dennoch viel Herz zulassenden Films „Ein Quantum
Trost“, nahtlos anknüpfend, QoS ist im Jahre 2008 haargenau der
erwünschte Dekadenabschluss der Kultreihe gewesen und nach meinem
Dafürhalten der letzte Meilenstein der Reihe, ein finaler
Donnerschlag, im O-Tone nun gesichtet legen wir den Silberling bzw.
die Blauscheibe ein, werden von einem überragenden und an frühe
Craig-Videospiele (2008 bis 2010/11, also VOR dem überwiegenden
Reinfalle „legends“) erinnernden Menü empfangen, dorten
angelangt betreten wir zunächst das Reich der Extras, um uns der
Musikvideoästhetik des hervorragenden (u.a. Alicia Keys)
Indie-Rock-Songs „another way to die“ hinzugeben (Titelsong,
nicht zu verwechseln mit „die another day“ aus dem Jahre 2002,
it‘s another song, wir sterben einmal vorn und einmal hinten),
sodann betätigen wir die Playtaste des Hauptfilms und schon beim
Columbia-Logo empfangen uns einige der genialsten Klänge des
gesamten Werkes, das erste Bild spielt mit unseren Sinnen, die Kamera
fährt über das Meereswasser und nähert sich Stück für Stück
einer rasanten Verfolgungsjagd in den Bergen Italiens, tatsächlich
halte ich die PTS (Vorsequenz ehe der Titelsong ertönet samt seiner
Bilder) neben TND 97 und TLD 87 für die Beste der gesamten Reihe
(mit leichten Abstrichen noch: FRWL 63, OHMSS 69, TMWTGG 74, TSWLM 77
sowie AVTAK 85), sogleich erreichen wir Siena (eine atemberaubende
Stadt besonderer Farbtöne, welche ich trotz schulisch unerträglicher
Hektik hohen Zeitdrucks im Jahre 2012 im Zuge einer Klassenfahrt kurz
habe erkunden können, wir saßen an Bonds Hauptplatz, aßen eine
Bruschetta und schwadronierten ein wenig – und Bond zu erwähnen
verstand sich von selbst, auch wenn mir niemand folgen konnte, ist
denen etwa auch Craig schon zu betagt?, die 2000er ein zu altes
Jahrzehnt?, eine bereits vergangene Dekade?), auch die (sich in Bälde
schon im Zuge der M-Begegnung andeutenden) „Vertrauensdialoge“
waren im Jahre 2008 noch akzeptabel, ab 2012 und insbesondere 2015
reüssierten diese dann nicht mehr ganz so überragend und erreichten
nicht nur keinen qualitativen Höhepunkt mehr, sondern wurden auch in
ihrer Anzahl unnötig auf die Spitze getrieben.




In Kürze führet uns eine
weitere Jagd über uralte Dächer (auch im Videospiel bzw. in dessen
damaliger Next-gen-Version – 360/PS3 – ist dies adäquat
eingefangen worden), visuell ereilt uns häufig ein starker
Braunstich, der er ganz klar (und doch nur gröblich konturiert und
in ungefähre Umrisse gekleidet, da die Bilder trotz alledem immer
noch in der Lage sind, äußerst hübsch auszusehen) die
Armutszustände bestimmter Länder atmosphärisch nachzubilden
gewillt ist, viele der oftmals sportiven Szenen sind von äußerster
physischer Präsenz und so erleben Sie trotz des bis dahin höchsten
Budgets von 250 Millionen einen, wie schon CR, eher handgemachten
denn technisch überdrehten Film, zugleich aber wirkt vieles aus
„damaliger“ Sicht wiederum hochmodern, eine große Fläche als
touchscreen etwa (inzwischen das Selbstverständlichste auf der
Welt), als Schauplatz erleben Sie u.a. Haiti (konkrete Örtlichkeiten:
mutig, in dem ansonsten so offenherzigen und für Dalton ebenfalls
den zweiten Bond dargestellt habenden Licence to Kill hat man das
Benennen klarerer Gegenden teils gemieden und erfand „Isthmus
City“, im Vice-Abschlusse „Letzter Auftrag“ bzw. Freefall war
es damals ebenfalls nicht anders: Im Mai 1989 befanden wir uns daher
in „Costa Morada“), der Soundtrack ist unschlecht und verbindet
uns inniglich mit den Umgebungen und Lokalitäten, besagte Welt
Haitis (in welcher teils wenigstens auch die dortige Sprache
gesprochen wird und mitnichten nur Deutsch oder Englisch mit
entsprechendem Akzent) präsentiert sich trotz ihres armutsbedingt
recht (ja gar mehr als) desolaten Zustandes in vielerlei Hinsicht
bildhübsch, das Grundphänomen hierbei erinnert ein wenig an
Havanna, nicht nur in den Farbenmeeren sandiger Art: Sie erblicken
einen Ort, welcher diverser politischer wie anderweitiger
Extremunruhen wegen in der einen oder anderen Weise zertrümmert ist,
doch selbst nach all diesen Widrigkeiten ist die ursprüngliche
Bauvision farblich und architektonisch in gewisserlei Hinsicht immer
noch erkennbar, die dortzulande sehr harte Welt harmoniert perfekt
mit dem vor Blutspuren, Leid und Anstrengung nur so triefenden
PERSÖNLICHEN Seelenbonde Craigs, Daniel porträtiert die durchaus
schwierige Rolle (auch wenn sie von vielen Personen als 0815-Part
abgetan wird) in einer Selbstverständlichkeit als habe er nie etwas
Anderes getan, ebenfalls hervorragend besetzt: Der ebenso sanfte wie
unsanfte Oberschurke Dominic Greene, sein Akteur Mr. Amalric ist
bekannt aus Polanskis „Venus im Pelz“ und gleicht (dem jungen)
Polanski tatsächlich, sein meist sehr zurückgenommenes Spiel ist
äußerst gelungen (im Original klang er etwas tiefer, doch auch hier
dominiert ein gekonntes Auf-die-Spitze-Treiben der – überwiegenden
– Zurückhaltung), besonders faszinierend auch: die visuell von
einem gewissen Sophie-Marceau-Touch profitierende Olga Kurylenko als
Camille, Perfektion und Schönheit haben in ihr einen Namen, ein
Gesicht und eine Geschichte gefunden, sie bereichert den Film
maßgeblich, obgleich 007 sie zu Beginn als etwas launisch empfand
(„galant war das nicht“).




Und abermals staunet der
Zuschauer über die darstellerische Drastik des Hauptschauspielers,
Roger Moore ist einmal gefraget worden was den seinigen Bond wohl am
Ehesten von jenem Gegenwärtigen Craigs unterscheide (wohlgemerkt in
einer Zeit noch vor dem weichgespülten Wohlfühlprojekt „Spectre“),
Roger replisierte hierauf: „I‘m a lover, he‘s a killer!“,
erneut kann Craig nun seine entschlossene Schnelligkeit und
Handlungsbereitschaft unter Beweis stellen und muss vieles parallel
bewerkstelligen, es kommet zu Bootsverfolgungen auf dem Wasser (wie
u.a. auch schon in Connery‘s – ebenfalls zweitem – Bondfilme
„Liebesgrüße aus Moskau“, dorten gegen Ende aber erst als
vorläufiges Finale, hier nun nach knapp 40 Minuten), ….und ist
Bond dieses nun gelungen, so schwände gleich danach erst einmal fast
gänzlich der Ton, kurz darauf folget die Melodie „Talamone“ mit
einem gewissen Casino-Royale-Touch im Sounde, der Film er beherrschet
trotz der extrem schnellen Schnitte und modernen Drehart definitiv
gerade auch das Anstimmen der leiseren Töne und nimmt sich Zeit für
Momentaufnahmen emotionaler Zerrissenheit, ...das sich in den
Schauplätzen und Akzenten bereits manifestiert habende Bild des
„Latino“-Films setzt sich auch in dem seit CR 06 bekannten
Darsteller des Felix Leiter fort, dieser wirkt in Verbindung mit
seinem dunkelbeigen Anzuge (die „lachende“ Szene im Flugzeuge,
eine an TWINE 99 erinnernde Ölstory mit zur Erwähnung erhoben
werdenden Ländern wie Venezuela, Bolivien und Brasilien – wenn man
das Bild aus der richtigen Perspektive betrachtet, könnte man Teile
des Films gar als sozialkritisch werten, sofern das in einem
schwelgerisch mit Verschwendung umgehenden Film wie Bond überhaupt
„möglich“ ist) ein wenig wie Ricardo Tubbs in der vierten und
ebenfalls wie Felix einen Bart tragenden Staffel von Miami Vice, in
Kürze erreichen wir unser Ziel und verlassen das elegante und auch
einem Musikvideo wie Britney Spears‘ „toxic“ zu Ehre
gereichende Privat- bzw. Geschäftsflugzeug, wir wohnen nun Bregenz
in Österreich bei, Greene wird in einem das Standesgemäße betonen
wollenden Jaguar abgeholt und mit selbiger Wildkatze zu seiner
nächsten Welt kutschiert und chauffiert, im Zuge der Abfahrt schenkt
er uns noch ein dreistes Lächeln und grinst uns einmal mehr
undurchsichtig und provokant entgegen, an einem baldigen
Sektglasabende versucht Bond selbstredend so viel wie irgend möglich
zu beobachten („bitte nehmen Sie nun Ihre Plätze ein“, der
Unserige ist wie Bonds wohl jener der Fernbetrachtung und doch sind
wir den Auflösungen gefühlt schon so nahe), es folget die an die
Werke eines John Woo („The Killer“, 1989) erinnernde Tosca-Szene
opernhaft gefärbter, stark ästhetisiert werdender Unruhen und
erneut scheinen Töne zu schwinden, um das Bild einmal ganz allein
BILDSEIN zu lassen – und selbst wenn Sie Ihre Augen schlössen,
sähen Sie dieses Bild trotzdem.




Ein gewaltiges blaues Auge
(daher höre ich während des Schreibens in einem anderen PC-Fenster
zur Beruhigung auch „...behind blue eyes“, erwähnt worden auch
in der Stirb-an-einem-anderen-Tage-Rezension) blickt uns entgegen,
kaum jemand im (siehe auch „Grand Piano“ oder Opera von Dario
Argento: alle Augen auf die Kunst fixiert, niemand realisiert was
WIRKLICH sich zutrüge und um ihn herum passiert – und falls doch:
wer möchte schon etwas gesehen haben?) Konzertsaale registriert
etwas, draußen auf dem Dache dann werden wir an „the spy who loved
me“ erinnert („ein hoffnungsloser Fall“, Rogers Ulk ist fast
zynischer als Craigs kühles Jemanden-einfach-fallen-Lassen), vorhin
schon erreichte uns die Talamone-Musik, sie erklänge erneut, nun
jedoch betreten bzw. besuchen wir alsbald auch die gleichnamige Welt,
abermals einen Ort in Italien, unser dortiger Kontaktmann Mathis
trägt wie Bond eine Sonnenbrille und weiß die Sonne zu genießen,
in wenigen Minuten vor allem aber lernen wir die breathtakingly
beautiful daherkommende Gemma Arterton („Ein Sommer mit Flaubert“,
„Byzantium“, „Prince of Persia“) in ihrer Rolle als
„Strawberry Fields“ (Initialen SF wie Skyfall) kennen, ihr
Schauspiel ist ebenfalls sehr gut, anfangs parliert sie kühl wie ein
Roboter, Bond taut sie ein wenig auf und entlockt ihr ihre lockereren
Seiten…




Erneut kommet es zu
Abendveranstaltungen künstlicher Gepflogenheiten und
Höflichkeitsvortäuschungen, reizende Ansprachen versprechen mal
wieder große Projekte (nicht ganz so größenwahnsinnig wie sechs
Jahre zuvor „Icarus“ von Gustav Graves), kurz darauf verbrächte
Mathis seine letzten Momente mit zwei unserer Hauptfiguren, „vergeben
Sie Vesper, vergeben Sie sich selbst“, diese Worte gibt er uns in
Anlehnung an Eva Green zuvor noch mit auf den Wegpfad, umso unschöner
daher dass er, so brutal muss man das sagen, gewissermaßen
„entsorgt“ wird, sein letztes Dasein fristet er buchstäblich in
einem Müllcontainer, „ihm wär‘s egal“, mehr hat Bond hierzu
nicht verlautbaren zu lassen, diese recht unwürdige Art des
Abschieds erinnerte mich ein wenig an die erste (Leuchtturm-)Mission
aus Splinter Cell Chaos Theory Anfang 2005 (wir haben doch Zeit für
ein bisschen Würde, hier diskutierte Fisher vor 15 Jahren mit seinem
Vorgesetzten, fiktiver Zeitpunkt: 2007), erneut nun wechseln wir in
QoS unsere Drehorte und so flöge das Ich in uns in ein sandiges
Wunderland der Ewigkeit, eine Art Panflöte o.ä. hieß uns
willkommen in der Atacama-Wüste, dorten fliegen wir mit einem
betagten Flugzeug einem unsanften Sprungschicksale entgegen, die
Flugzeugszenen sehen bedauerlicherweise weniger authentisch und echt
aus als die durchaus beeindruckenden restlichen Stunts, doch auch
hier sind Verbindungen zu „Stirb an einem anderen Tag“ nicht
negativ, denn der dortigen Nichtechtheit von Flugzeugszenen, nun,
dieser wird Quantum glücklicherweise nicht zu Ehre gereichen…,
Gott bewahre.




So sänge die Musik ihr mal
leises und mal deutlicheres Liedchen, die brillante Regie fand stets
selbst dort Zeit für Gefühle, wo eigentlich streng genommen keine
vorhanden sein „dürfte“, auch M ist im Detail weniger streng als
sie sich präsentiert, ihr rigoroser Tonfall steht gleichwohl im
Kontraste dazu, dass sie an ihren besten aller Agenten GLAUBT (schon
neun Jahre zuvor sprach sie es außerhalb seiner Gegenwart deutlichst
aus: Auch wenn man es ihm niemals sagen dürfte: Er ist der Beste von
allen, Elektra hingegen zauberte gerade hieraus einen zynischen Gag
und zog Bonds Existenz sprachlich in die Vergangenheitsform als
weilte er nicht mehr unter uns), ebendiese Glaubenskraft ihrerseits
scheint auch in hochgradig komplexen Zeiten (sind sie das nicht
immer?) geradezu unerschütterlich, „er ist MEIN Agent und ich
vertraue ihm“, in ihrer Gegenwart wird uns aber auch ein weiteres
schreckliches Ereignis zuteil: Fields‘ Verendung erinnert an Jill
Masterson aus Goldfinger, damals noch gegossen in Gold, vom Golde
überzogen bis („Ja!, mit Gold“) die Energien des Lebens für
immer davonflogen, diesmal ist ihr Leben in Öl getränkt worden,
Greene ist ein äußerst geschickter, außerordentlich rattengleicher
und skrupelloser Erpresser und selbst einem Erzfeinde wünschte ich
ihm nicht als „Geschäftspartner“ an den Hals („gut, dann
unterzeichnen Sie nicht, aber…..“), so erschien sein in Kürze in
ölige Kraft tretendes Ende („mit Motoröl in seinem Magen“) doch
recht ulkig inszeniert, sodass sich der bezüglich ironischer Pointen
vergleichsweise sparsame und verhaltene Film doch noch einmal ein
wenig austoben durfte, Bond kann sich ein leichtes Grinsen mitnichten
ersparen, als er seitens der den Stand der Dinge bereits konstatiert
habenden M eben hierauf angesprochen wird, etwas ernster wird der Ton
noch einmal („HIN-!!!setzen!“) in der Kettenszene gegen Ende mit
einer gewissen Corinne, Craigs ultra-intensiver Blick kann noch
einmal alle Register zu ziehen bereit sein, auswärts erleben wir
nächtliche Schneegefilde in melancholischer Stimmungslage, Bond sagt
adieu in den Worten „Ich war nie weg“, geleitet uns in einen viel
zu schnell sich präsentierenden gunbarrel und sodann in den finalen
Abspann, die 2000er Jahre waren passé und bis zur in wenigen Tagen
rezensiert werdenden Nächstvorstellung „Skyfall“ haben vier
Jahre verstreichen sollen, bis dahin eine trostvolle
Quantum-Kaufempfehlung von fünf Sternen, merci beaucoup.





Dekade vollendet,


Tragik fiel zu Boden nun,


Blatt es sich wendet,


Kette als Erinnerung wird
ruh‘n,



Bond ihr Blicke sendet,


als Abschied er kaum Worte
verschwendet,



der Neubeginn wird Großes
tun?,



Filmkunst sie uns Freude
spendet?
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi