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Mister Bond

Felix Leiter

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101

Freitag, 31. Januar 2020, 13:20

Ja, wie immer sehr gute Ansätze, Martin :thumbup:
Fan wurde ich bereits Ende 1987, aber die Zeit, als ich die meisten Bondfilme sag und auch am häufigsten, war auch zwischen 1989 und 1995.
Ich war übrigens so was von begeistert als ich hörte, dass Brosnan Bond wird. Mochte ich doch die Serie "Remington Steele" sehr.
Aber anders als bei euch, war ich nach dem Kinobesuch trotzdem sehr begeistert. GoldenEye war damals dann sogar einer meiner drei oder fünf Lieblings Bondfilme. Und Brosnan nach Moore und VOR Connery mein Lieblings Bonddarsteller.
Nach knapp 25 Jahren sehe ich vieles differenzierter. Mal schauen was meine nächste Sichtung hergibt.

Martin

Felix Leiter

  • »Martin« ist männlich

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102

Samstag, 1. Februar 2020, 23:03

Ja, wie immer sehr gute Ansätze, Martin


Danke, kann ich nur zurückgeben. :prost:

So ab Mitte/Ende 1993 muss das gewesen sein


Bei mir im Frühjahr, kurz nach der TV-Erstausstrahlung von AVTAK. Sozusagen als osterliches Erweckungserlebnis. Seitdem hatte diese Jahreszeit immer ein besonderes Bondfeeling, von daher ist der Starttermin von NTTD dieses Jahr eigentlich perfekt.

Django

Der Andere

  • »Django« ist männlich

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103

Dienstag, 4. Februar 2020, 07:32

Ich war übrigens so was von begeistert als ich hörte, dass Brosnan Bond wird. Mochte ich doch die Serie "Remington Steele" sehr.

Ich auch. Und ich finde Brosnan nach wie vor einen "passenden" Bond-Darsteller :thumbup:

Zitat

Sozusagen als osterliches Erweckungserlebnis

Meine Erweckung fand statt, als ich in der örtlichen Bibliothek zufällig über Michael Scheingrabers Buch "Die James Bond Filme" gestolpert bin. Da wurde mir bewusst, was für ein spannendes Thema das Bond-Universum doch ist. Zudem hat das Buch sehr ausführliche Inhaltsangaben aller Filme (bis MR bzw. FYEO in der Zweitauflage - danach hat Scheingraber leider nicht mehr nachgelegt), was mir bei jenen paar Filme half, die ich seit langem nicht mehr oder noch gar nicht gesehen hatte. Inspiriert dadurch habe ich dann etwas später auch meinen ersten Fleming gelesen (bis dahin wusste ich ja nicht einmal, dass James Bond ursprünglich eine Romanfigur ist). Und auch da hatte ich Glück, handelte es sich doch um DN. Hätte ich zuerst TSWLM, TMWTGG oder YOLT gelesen, wäre das Thema "Fleming" bei mir wohl damals schon zu Ende gewesen :S

Daniel Dalton

Felix Leiter

  • »Daniel Dalton« ist männlich

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104

Dienstag, 4. Februar 2020, 14:31

Meine GE-Rezension :)

--GE: Ein protziges 280-PS-Projekt, das davon aber äußerstenfalls 90 adäquat auf die Straße brachte--

Das Goldauge der 90er, 189)



Die Down-to-earth-Zeiten
(obgleich die DVDs wohlfeinst-günstig offeriert werden) scheinen
nach dem durchaus dem Realismus von „Liebesgrüße aus Moskau“ zu
Ehre gereichenden Licence to Kill mal wieder passé zu sein, wir
reisen nun 25 Jahre in die Vergangenheit und widmen uns „Goldeneye“
(fleming-technisch wären es hingegen 31: Charles Dance lässt
namentlich grüßen), leider Gottes kann ich dieses 1995er (100 Jahre
Kino, sehen Sie aus selbigem Jahre lieber Jean Beckers Élisa, die
ich mir Zeit meines Lebens zu Gemüte führe) Werk nur selten
sekundieren, denn ehedem in den 90er Jahren schien man sich darauf
besonnen zu haben, einen möglichst ballerfreudigen Bombast-Film zu
inszenieren ohne den vorherigen Bond-Charme, einen Film nun, welcher
das Begegnungsschicksal seiner Charaktere nur platt am Rande
beleuchtet (obgleich mit „Tiefgang“ prahlend) und zudem über
einen (zugegeben: in Sag niemals nie war es deutlich schlimmer)
Soundtrack verfüget, welcher meinem Gehöre nur selten ein Gefühl
von fehlendem Missvergnügen angedeihen ließ, überhaupt – und
hiermit verlöre ich endgültig Ihre Zustimmung – bin ich kein
Freund der beliebten „Gold“-Bonds, weder Goldeneye noch der
legendäre Goldfinger vermögen mich zu verzücken, doch geben wir
dem Äuglein der Vergoldung zumindest eine Chance und betrachten
dieses sogleich im Detail, der (einerseits hochmoderne, gleichwohl:
Brosnans Bond bzw. seine Sprüche sind mehr Macho selbst als die
Darbietungen der Connery- und Moore-Ära, köstlich also für welch
Übermaß der Widersprüche speziell der erste und der letzte Film
der Brosnan-Ära stehen) Film er begänne platter als platt und
flacher als flach, mit amüsanterweise nach wie vor an Perfektion
grenzender Föhnfrisur flöge da ein Pierce mit Höchsttempo durch
die Lüfte herab und spränge sodann einem Flugzeuge hinterher –
und wie es schon einstmals in einer Jimmy-Neutron-Werbung hieß:



Die Frisur sitzt, sitzt und
sitzt.




Die Bilder mittelprächtig
(nun gut, anfänglich noch überragend, ein Paradies für
Hobby-Hüpfer, Bonds Beruf führet ihn an die ungewöhnlichsten und
exotischsten Orte) und die Dialoge schlichtweg schlecht, mich
zumindest berühren sie nicht im Geringsten („Mal wieder bereit die
Welt zu retten?“, „Wenn es sein muss, Alec“ // „Sperrstunde,
James!, letzte Bestellung“, „Für mich ein Bier...“,
insiderhaft erinnert mich das an „Du eroberst das Herz der puren
Gewöhnlichkeit und Amores Pfeil schießt aus einem Pils empor“,
herrlich, aber dies ist eine andere Geschichte…., sonst
verschwämmen nur die Grenzen), mit Alec spreche ich aber gleich zu
Beginn einen, wie ich glaube, guten Bond an (seine deutsche Stimme,
Norbert Langer, übrigens sprach auch den Trailer selbigen Films),
tatsächlich ähnelt Sean Bean in vielerlei Hinsicht einem bondigen
Rollenprofil, Pierce hingegen (obgleich deutlich betagter als Connery
und Lazenby bei ihrem jeweiligen Debütiert-Haben) wirkt auf mich gar
noch zu jung, selbst mit mehr als 40 Jahren, darüber hinaus schien
er zu jenem Zeitpunkte (und auch in den 80ern sah es ja bereits mehr
als danach aus, dass er es würde und gar schon Moore beerbt, meine
Lieblings-Ära wäre somit gar nicht erst zustande gekommen) noch zu
viel Ehrfurcht vor der Rolle verspüret zu haben, des Weiteren trüge
eine „Mitschuld“ ohnedies der Film selbst, hieran lässt sich
womöglich wenig leugnen, denn selten vermochte es ein Bondfilm
innerhalb der ersten halben Stunde derart penetrant, mehr oder
weniger nach Checklisten-Verfahren sämtliche Bondklischees der
zuvorigen Jahrzehnte Stück für Stück abzuarbeiten und
einzuflechten, das Einbinden sämtlicher Überhöhungen
theatralischer Versionen von Snobismus und Casino-Charakter stehet in
recht krassem und kontrastierenden Gegensatze zu dem ansonsten
reichlich sterilen, geradezu langweiligen Erscheinungsbilde des
Films, dessen Farben, Sets und visuellen Akzente nahezu nirgends
vollends zu überzeugen imstande sind (auch übrigens nicht auf
düsterer Ebene funktioniert dies in GE, diese „Timothy-Elemente“
schlugen in Goldeneye, GE, weitestgehend fehl und fielen vielen
albernen Momenten zum Opfer, obschon ein gewisses Potential durchaus
vorhanden gewesen wäre), die Bilder wirken im negativen Sinne
künstlich und gemacht, erste Sonnenmomente böte mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit erst die ebenso ein Kopfschütteln bei
uns verursachende wie gleichwohl faszinierend auf uns wirkende
Ohne-Top-Erweiterung Xenia, eine konsequent übertriebene
Weiterführung der Fatima Blush seitens Barbara in Sag niemals nie.




Die nach wie vor Desmond
zugedachte Aufgabe des Den-Q-Spielens fiel dem sympathischen Tüftler
weniger leicht als zuvor, der beliebte und freundliche Darsteller
befand sich nicht mehr in der rosigen Situation, sich seine
Textzeilen mit wenig Aufwand merken zu können, mimte seine legendäre
Rolle aber noch bis 1999 fort und behielt bis zum Ende hin gar seine
Seit-Moonraker-Stimme von Manfred Schmidt, welcher z.B. auch noch im
Jahre 2002 in nightfire in ebenjener besagten Rolle zu hören ist
gewesen, die Q-Auftritte in GE sind („...ist mein Mittagessen“)
etwas merkwürdig geraten (sehr gut hingegen: „Auf der Jagd!“),
besonders absurd die innovative Hervorhebung des 5-Gang-Getriebes von
Bonds neuem Wagen, ein Witz wohl, denn selbst bei deutlich
günstigeren Fahrzeugen waren 5 Gänge Anno 95 bereits seit Jahren
Standard, da bekommt Bond ein Fahrzeug mit bestimmt tausend
Spezialfunktionen und ausgerechnet das einzig „Normale“ an dem
Wagen wird betont als sei es eine Sensation, bei Audi z.B. besann man
sich (allerdings eher am oberen Rande der Modellpalette) bereits im
Jahre 1991 (Modelljahr 1992) erstmals auf eine Sechsgangschaltung (im
Automatikbereich gab es so etwas dergestalt Vielgängiges natürlich
noch nicht – was auch besser ist, da eine kurze Übersetzung hier
nicht zum Charakter passt), vor allen Dingen für BMW ein im Detail
recht peinliches product placement, der eine oder andere Zuschauer
könnte fälschlicherweise irritiert gedacht haben: Bei einer
Fortschrittsmarke wie BMW erst im Jahre 1995 ein 5-Gang-Getriebe
verfügbar?, dorten kaufe ich nicht mehr ein.




In diesem seinem ersten
Bondabenteuer wirkt Brosnan definitiv weniger sicher als in seinen
späteren Auftritten, außerdem fielen die Drehbücher der Ära (eine
Ausnahme bildet hierbei „Die Welt ist nicht genug“) durch teils
stupides und hölzernes Gerede am Rande der Unerträglichkeit auf
(immerhin angenehmer als in Spectre), die wie gesaget teils
düster-melancholischen Farbenmeere besäßen an und für sich die
Möglichkeiten für einen spannenden Film, werden aber durch besagte
Störfaktoren ihres eigentlichen Zaubers beraubt und sind der
Gesamtatmosphäre somit mitnichten dienlich (ohnedies blieben die
meisten Bilder wie gesagt blass, sehen so künstlich aus wie ein
Gummiband), alsbald betraten wir dann eine dunkle Kirche (aber
beileibe nicht so spannend untermalt wie weiland in Liebesgrüße aus
Moskau die Hagia Sophia – Sophie bedeutet übrigens Weisheit auf
Griechisch), das Dunkle dominiert und doch kommt der Film nicht aus
sich heraus, oder wenn doch, dann tendenziell eher auf peinliche
Weise, ironische Momente spiegeln sich u.a. in den Szenen wider, in
welchen sich gegnerische Geschöpfe über „geschüttelt, nicht
gerührt“ lustig machen, neu im Club ist insbesondere die in
Erinnerung zu bleiben wissende und erst in den späteren Filmen
„freundschaftlicher“ mit Bond in Verbindung tretende Judi Dench
als M, ihre kühle und dennoch eine gesunde Chemie aufbauende Aura
weiß den Film ein Stück weit zu bereichern und sollte sich in den
späteren Werken wie gesagt manifestieren (auch die Synchronstimme
passt perfekt ins Bild), sie ist Verbündete und Angstmacherin
zugleich, ...der wie gesagt in vielerlei Hinsicht außerordentlich
moderne Film (wogegen ich nichts hätte, würde es sympathischer
inszeniert, was erst wieder mit Miss Harris gelang) präsentiert uns
übrigens die bislang unangenehmste Miss Moneypenny, was weniger an
der (Erzählerin der „exotic location“ parts vieler
Bonusprogramme) Darstellerin Samantha BOND liegt denn sich vielmehr
auch hier wieder in der schrägen Schreibung des Drehbuches
ergründet, dessen Dialoge unnatürlicher und absurder kaum sein
könnten (die Szene im Aufzuge beispielsweise: einfach nur
anstrengend, wie zwei ihre Worte genau abstimmende Roboter), auch die
an und für sich nicht unbedingt schlechte Politstory des Films wird
mittels missratener Dialoge überwiegend ruiniert und in die Tiefen
des Albernen gezogen, nicht jedoch auf sonderlich belustigende oder
witzige Weise, sondern viele Parts wirken schlicht und ergreifend
stumpf und – auch hier – anstrengend, tatsächlich handelt es
sich nach meinem Dafürhalten nach Spectre um das, zumindest
dialogtechnisch, schwächste Drehbüchnis, die Besetzung hingegen
kann, vom mir ansonsten in anderen Nicht-Bond-Werken zusagenden
Hauptdarsteller einmal abgesehen, zumindest partiell überzeugen,
rettet aber letztlich wenig.




Der einzige Augenblick im
Filme, der mir auf visueller Ebene wirklich extrem gut gefällt, ist
die Pool-Kulisse (Prince-of-Persia-Säulen lassen grüßen, gerade
auch in Verbindung mit dem Rauche eine durchaus bildintensive Szene)
vor einem der Onatopp-Treffen Bonds („no more foreplay“, sie nahm
ihn beim Worte…), Xenia arbeitet für zarter besaitete Geschmäcker
wohl etwas zu unsanft, härter als hart gestaltet sie das
Ihrem-Iche-freien-Lauf-Lassen, sehr gut synchronisiert von der
kraftvollen Martina Treger (häufig besetzt auf Sharon Stone, als
noch deutlich geheimnisvoller empfinde ich bei Sharon aber ihr Organ
aus Basic Instinct 1, 1992), der Score des Films GE erweist sich –
wie schon angedeutet – als gewöhnungsbedürftig und die Gewöhnung
will sich partout nicht einstellen, der Bedarf bliebe vorhanden und
ward nicht erfüllt worden, lediglich der Titelsong selbst reüssiert
bei mir über die Maßen und gehört zu den Besseren für mich, so
erklänge dieser dynamisch, frech, rhythmisch, sexy, trotz alledem
dennoch angenehm langsam, ein klares Einläuten einer neuen Ära, die
sich aber noch nicht gefestigt hatte, man munkelt dass GE
ursprünglich für Dalton geschrieben worden sei und der Ton daher
etwas schwärzer ausfiel, bei anderen Dialogen und rein den Bildern
nach zu urteilen scheint die Theorie Sinn zu ergeben, das Endprodukt
jedoch spricht eine völlig andere Sprache, sodass ich eher sagte,
der einzige Dalton-Bond innerhalb der Brosnan-Ära ist Die Welt ist
nicht genug, denn nicht nur dass Lutz Riedel in einer Nebenrolle zu
hören ist, Nein, der gesamte fast kammerspielartige Stil der
Verflechtungen zwischen den Charakteren, ja, ebendieser hätte nahezu
perfekt in die seinige Ära passen können.




Vor allen Dingen aber legt GE
einen äußerst küchenpsychologischen Grundstein für die typischen
„Vertrauensdialoge“ der gegenwärtigen Bondabenteuer, die aus
ebensolchen Gründen genau das nicht mehr allzu oft sind: Abenteuer.
Nächtens am Friedhofe nun das Vertrauensgespräch, dem ich in einem
Bondfilme nicht vertraute und welches mich nie sonderlich berührte,
ein anderer Dialog hingegen schlüge wieder die Goldbrücke und
erinnert an den Jahrgang 1964:



Soll ich mich jetzt dafür
entschuldigen?“ - „Nein, nur Sterben.“



31 (wieder diese Zahl) Jahre
zuvor klang das folgendermaßen: „Erwarten Sie von mir dass ich
rede?“ - „Nein, ich erwarte von Ihnen dass Sie sterben!“




Einmal mehr macht die
Besetzung eine hervorragende Figur, in einer Nebenrolle erleben wir
(cool, cooler, Joachim Kerzel) Tcheky Karyo (Rohmers Vollmondnächte,
Zulawskis „zuvor gedrehte Fortsetzung“ l‘amour braque, von
Mitrezensent Hank ganz hervorragend besprochen worden, „Meine
Nächte sind schöner als deine Tage 2“), dieser aber ist nur
wenige Augenblicke über mit von der Partie, erinnert hier visuell
ein wenig an Helmut Bergers Fantomas (Bunuel/Chabrol, 1979/80,
Geheimtipp mit Georges Delerue) in der Rolle des Dr. Chalek in
Episode II, tatsächlich also weckt GE viele begrüßenswerte
Assoziationen, doch wem hülfe das, wenn viele Parts seelenlose
Ballereien aneinanderreihen und diese genau deswegen wenig kunstvoll
wirken, weil sie derart in Masse serviert werden, dass kein einziger
Zuschauer an einzelnen Schicksalen und Geschehnissen partizipieren
und teilhaben kann, weil alles so willkürlich und identitätslos
geschähe?, meiner Wenigkeit jedenfalls nicht, in einem Videospiel
wäre es hingegen schon eher akzeptabel – und genau in dieser
Hinsicht ist Brosnans Ära auch die Beste und Nostalgischste, hiervon
profitiert die Haupt-Filmreihe aber nur bedingt.




In Bälde erblicken wir noch
einen 70er Jahre Schauspieler aus Fassbinders Meisterwerk „Welt am
Draht“ (ruhe in Frieden, Gottfried John, der er anfangs bei Bonds
Flucht klammheimlich grinsen musste und auch gern so wäre wie er),
weiterhin präsentiert der Film eine Haltung von wegen: Vieles, was
hier geschieht, ist EXTREM unwahrscheinlich, aber nur weniges davon
WIRKLICH UNmöglich, dieses stimmt zwar, träfe aber auf vorherige
Werke meist eher zu, sodass GE tatsächlich zu den unrealistischsten
Beiträgen der Reihe gehört, es sind schlichtweg zu viele Zufälle
zu Bonds Gunsten (ein Paradebeispiel: die Auffangmatte vor dem
Panzer, eine ähnliche Situation gab es schon am Hafen in you only
live twice, gut gelandet 007, auch bei der werten Asiatin), die
Soundeffekte im Zuge der Panzerfahrt erinnern in der Übertreibung
und Überbetonung der „Erfolge“ ein wenig an agent under fire
(2001, diese allgegenwärtige Erinnerung daran, wie „cool“ wir
doch sind – auf den ersten Blick ein niedlicher Gag, nach zehn
Minuten die Tötung unserer Nerven, deren Kostüm reißt), auch das
Inszenieren von Kleinigkeiten wird maßlos übertrieben in Brosnans
Werken und die Gestik spielt dabei eine tragende Rolle, d.h. wenn
sich Pierce beispielsweise die Krawatte richtet, so tut er dies
bewusst oder unbewusst nach All-eyes-on-this-Prinzip, bei Craig
geschieht es eher beiläufig, überhaupt wird Bond in GE sehr
übermenschlich inszeniert, selbst/gerade seine Feindin Xenia ist
geradezu vernarrt in ihn, sie ist (wie schon Scaramanga und Sanchez)
Bondfan (sogar selbst dann, wenn sie seinetwegen betroffen sein
müsste: „Er wird uns entgleisen lassen – WAHNSINN!“), Xenia
selbstverfreilich ist keinesfalls die einzige „schräge“ Person
im Werke, das Merkwürdige setzt sich u.a. fort in Boris (mit
Santiago „Spongebob“ Ziesmer), auch diese Figur trägt in ihren
Überdrehungen nur bedingt zu einer düsteren Stimmung des Films bei,
in Kürze übrigens betreten wir Cuba (atmosphärisch deutlich besser
eingefangen 007 Jahre später in Stirb an einem anderen Tage), dann
wird wieder weitergereist, wir lernen Jack Wade vom CIA kennen (einen
finsteren Bösewicht aus the living daylights), wieder wirkt Bond
etwas steif und sich seiner Rolle nicht vollends sicher und die
kumpelhaft zu sein gewillt seienden Dialoge kommen nicht in der
erwünschten Weise rüber – 1987 waren sie noch am Zanken,
inzwischen heißt‘s Gemeinsam-Sonne-Tanken.




In unweiter Zukunftsferne dann
die reichlich aufgesetzten Strandszenen mit der auf Fotos anderer
Haare wegen um Welten ansprechender als in GE aussehenden Natalya, es
sind Szenen, deren Nachdenklichkeit weder zäuberlich noch nahegehend
ist, nett finde ich sie, aber über Bonds eskapistischen Lebensstil
regt sie sich derart auf dass es mich fast aufregt, überhaupt: in
kaum einem anderen Bondfilme wirken die wirklich persönlichen
Momente künstlicher (zwei Jahre darauf gelang es, die Szenen mit
Mrs. Carver im Hotel sind sehr gut), den Wunsch nach Melancholie
(oder eher umgekehrt: Das-sie-beim-besten-Willen-nicht-Loswerden,
diese Melancholie) teile ich, die Umsetzung aber wirkt geradezu
peinlich und macht GE zur unfreiwilligen Lachnummer, auch später
wieder in anderen Momenten zündet das Werk nicht, weder soeben in
besagten stillen Momentaufnahmen des Sonnenuntergangs , noch danach
und zuvor in humoristischen Augenblicken, Dinge wie „Ja, Sir“
(schon in Licence to Kill etwas schwach) wirken abgedroschen und
gewollt, also ist Natalya so gütig und lachet für uns, da viele
Männer empfindlich reagieren, wenn über ihren Ulk nicht
geschmunzelt wird, immerhin aber etwas Positives: Die alsbaldige
Suche nach der geheimen Schüssel gliche (wäre sie visuell
kraftvoller) minimal der Geschichte mit dem Krater in you only live
twice, passend zum GE-Satelliten empfing ich den Film im TV bereits
mehrfach per Satellit und kann mich somit gänzlich auf das Werk
einstellen, ...um Alec herum entwickelt sich indessen ein
infernalisches Feuer (vier Jahre darauf hieße es wohl: „Willkommen
im Atem des Teufels“), Alecs Plan droht zu scheitern, doch ein
allzu schwacher Gegenspieler ist er mitnichten, im Übrigen
beschränkt sich diese Feststellung nicht nur auf sein Denken,
sondern wir konstatieren auch äußerliche Parallelen des anfangs
bereits angesprochenen „Bondigen“, er ist 007 physisch weitgehend
ebenbürtig und agiert nicht ausschließlich als Schreibtischtäter,
das mit dem sportiven Mitwirken gilt zwar z.B. auch für Telly‘s
Blofeld, dorten aber eher als „netter Versuch“ und ohne denselben
Schwung des jungen 007, in GE sind Alter und Physius der Darsteller
sehr ähnlich, langsam werden die Momente temperamentvoller, in einem
Moment des Schmerzes erhören wir eine nicht synchronisierte Stelle
in Brosnans Originalton (an der Leiter), in wenigen Augenblicken
heißt es zum Abschluss und Unterschreiben „endgültiger Verträge“:



Für England, James?“ -
„Nein, für mich.“



Bei Männern vermag er (Bond)
zuzugeben, dass es Bond um Bond geht, bei schönen Frauen wie Fiona
Volpe ließ sein „bescheidener“ Stolz dieses nicht zu und er
„ärgerte“ sie gern, die Stunden mit ihr waren „für England“
(ist jawohl ein Treppenwitz), doch des Mannes Auge weiß dagegen
längst: Es geht um Fiona und dem wird auch immer so sein, oder um
wessen Person auch immer…, das Land ist keine Frau und somit auch
nicht die erste Wahl des Herzens.


Mangels Platz folget der letzte Rezensionssatz in einem Folge-Beitrage.
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Daniel Dalton

Felix Leiter

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105

Dienstag, 4. Februar 2020, 14:35

GE, 1.2


Nach Vollendung des
GE-Auftrages folget noch ein äußerst breites Brosnan-Grinsen (keine
Ahnung was Bond an „Was soll jetzt noch schiefgehen“ so
weltbewegend witzig fand) und aus welchem Grunde auch immer dachte
ich noch einmal an den Beginn des Films, warum nur will mir dieser
gegensätzliche Film stets missfallen?, ist es der klanglich kaum
erträgliche gunbarrel/Gewehrlauf?, ist es die Tatsache dass nach dem
wirklich begrüßenswerten ersten Schauplatze (dem Staudamme mit
Blick in die Tiefe) viele optisch enttäuschende Passagen präsentiert
worden sind?, ist es die reichlich absurde PTS-Szene mit dem
Flugzeuge und besagter 300km/h-Föhnfrisur?, ist es die Tatsache dass
der einzige wirklich legitime Ultra-over-the-top-Bond mit Brosnan für
mich immer „Alles oder Nichts“ (27.02.04) sein wird?, ich weiß
es wirklich nicht und spüre lediglich ein dunkles Gefühl, doch
immerhin zuzugestehen ist dem Werke: Der grandiose Titelsong wird von
ungewöhnlichen Bildern unterleget (obgleich zuvor ich doch sprach,
die „Säulen am Pool“ seien GE‘s einziger visueller
Paukenschlag), diese haben Charakter und verfügen über hohen
Wiedererkennungswert, gleichwohl: Andere Passagen nerven wieder
gehörig: Der DB5 zum Bleistifte störet in den beiden
Martin-Campbell-Werken und im Jubiläumsfilm Skyfall weniger massiv
als in Spectre, zudem wir hier in GE genau dorten auch erstmals mit
der außergewöhnlichen Xenia in Kontakt treten, die eben nicht nur
„eine von den anderen“ Frauen ist, sondern den Tacho des Films
rasch zum Überdrehen brachte, doch wirklich vonnöten war der Wagen
kaum, etwas flach dagegen auch aber die darauffolgende Passage (nach
wie vor im Aston sich zutragend) mit der Psychologin, überhaupt
scheinen Psychologinnen u.ä. in Bondfilmen unter keinem besonders
spannenden Sterne zu stehen, die Szenen mit Lea in Spectre etwa muten
etwas doof an und wirken sehr gezwungen, der gesamte Film GE hat
einerseits das Potential aus gängigen Strickmustern auszubrechen und
verbal („zugkräftige Nummer“ etc., DVD uncut, VHS gekürzt) zu
übertreiben, zugleich präsentiert sich (etwa im Casino) ein Pierce
zumeist zu geglättet (zwar teils gegen seinen Willen, wie man
oftmals hörte, dennoch: schon seine Gesichtszüge wären für einen
brachialen Film zu harmonisch), derweil wie gesagt erweisen sich
andere Figuren vereinzelt als umso temperamentvoller, Xenias Beinmord
zum Bleistifte (sehr lebhaft synchronisiert wie gesaget) wäre rein
theoretisch eine etwas kontroverse Szene, präsentierte man sie nicht
so comichaft-absurd-übertrieben wie man es tat, ebenfalls für
Bondverhältnisse etwas risqué und somit ein wenig unüblich in
einem Familienfilm: In Sewernaja (einem Inselbereiche in Russland –
„sie denkt, sie tut es für Mütterchen Russland“, upps, falscher
Film, pardon, aber definitiv ein Besserer) erreget es Xenia
deutlichst (sexuell), jemanden (viele gar) zu erschießen (hier
entsann ich mich an Moonraker, die Mädchen in der
Dschungel-Lustgrotte schienen ebenfalls, wenn auch viel subtiler,
erschreckend angetan, als Bond von dem unsanften Getier in die Tiefe
der Gewässer gerissen und fast ermordet worden ist, das Sadistische
ist also nicht nur FSK-18-Werken vorbehalten und passt, wenn auch bei
Xenia immerhin „abgedreht“, nur bedingt in die ansonsten betont
albernen Filme, oder ist dies nur die kinematographische Macht des
Widerspruchs?, präsentiere einen Popcorn-Film und liefere
zwischendurch einen „Hardcore-Befehl“?), ferner böte GE gar noch
weitere, andere Assoziationen an: Die Out-of-space-Bilder erinnern an
nightfire und dessen finale Mission und geleiten uns in unendliche
Weiten – weniger unendlich sind dagegen die Weiten der
Sternewertung, hier ist der Sternenhimmel weniger reichhaltig und auf
2 beschränkt, denn mögen auch zahllose Fürsprecher aufgezählt
worden sein, so fügen sie sich selten passgenau ins Gesamtpuzzle
ein, womit GE insgesamt einen faden und uninspirierten Endeindruck
hinterließ und auch als mein damals erster Brosnan-Bond nicht zur
Höchst-Nostalgie auffuhr, Fazit dieser überdrehten
Zwei-Stunden-Farce: siehe Überschrift….




Mord auf Schienen,


Panzerfahrt extrem,


Film will „Späßen“
dienen,



Unterhaltung dennoch unbequem.



Die Rückkehr zwar zurück zum
Bond,



eine Paus‘ sie währte schon
seit Jahren,



doch auch die Wiederkehr wenig
hat gekonnt,



sechs Jahre warten für solch
ein Gebaren…?
"Loyalität bedeutet mir wesentlich mehr als Geld." - Aus des Problembeseitigers Spiegelbilde sprach die Stimme sanften Verwesens!
Bond '89 - Robert Davi

Scarpine

Verschlagener Korse

  • »Scarpine« ist männlich

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106

Mittwoch, 19. Februar 2020, 23:18

James Bond 007: GoldenEye

Bond Marathon # 00…18; Originaltitel: GoldenEye, GB 1995, Regie: Martin Campbell, Drehbuch: Michael France, Jeffrey Caine und Bruce Feirstein nach Ian Fleming, Darsteller: Pierce Brosnan, Izabella Scorupco, Sean Bean, Famke Janssen, Joe Don Baker, Judi Dench, Robbie Coltrane, Tchéky Karyo, Gottfried John, Alan Cumming, Serena Gordon, Michael Kitchen, Samantha Bond, Desmond Llewelyn u. a., Premiere: 13. November 1995

Zitat von »James Bond 007: GoldenEye«

Noch zur Zeit des Kalten Krieges soll James Bond im sibirischen Archangelsk eine geheime sowjetische Nervengasfabrik infiltrieren und sprengen. Innerhalb der Anlage trifft 007 auf seinen Kollegen 006 – Alec Trevelyan. Gemeinsam arbeiten sie sich bis zu den Kampfstofftanks vor. Während Bond die Sprengladungen anbringt wird der Alarm ausgelöst. Die Agenten werden von den Wachmannschaften aufgespürt und Alec vom Kommandanten Ourumov erschossen. Nullnullsieben verkürzt die Laufzeit des Zünders und entkommt auf spektakuläre Weise aus der Fabrik. Auf der Flucht wirft sich der Doppel-Null-Mann in ein Flugzeug, das in den Abgrund stürzt. Im letzten Moment kann Bond die Maschine hochziehen und sich in Sicherheit bringen, bevor die geheime Basis explodiert. Neun Jahre später sieht sich der Agent mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Der Kalte Krieg ist vorbei, Modernisten, Bürokraten und Analysten geben nun den Ton im MI6 an und Nullnullsiebens neuer Vorgesetzter ist jetzt eine Frau. In Monaco macht James mit der Psychologin Caroline, die ihn begutachten soll, eine Spritztour in seinem Aston Martin DB5. Plötzlich taucht eine schwarzhaarige Schönheit in einem roten Ferrari auf und sie liefern sich ein halsbrecherisches Wettrennen. Am Abend trifft der Doppel-Null-Mann die heißblütige Raserin im Casino von Monte Carlo wieder. In der Nacht kann er sie per Datenbankabfrage identifizieren. Es handelt sich um die Georgierin Xenia Onatopp, die früher sowjetische Kampfpilotin war und jetzt für das russische Mafiasyndikat "Janus" arbeitet. Bonds Argwohn ist geweckt. Noch in derselben Nacht ermordet die Killerin einen kanadischen Admiral beim Liebesspiel, um an dessen Sicherheitsausweis für einen NATO-Jungfernflug zu kommen. Als 007 am nächsten Morgen die Yacht untersucht, findet er die Leiche des Admirals. Doch der Agent kommt zu spät: Xenia tötet die Piloten und entführt den brandneuen Prototyp eines Kampfhelikopters, der gegen elektromagnetische Schwingungen immun ist. Im tiefsibirischen Severnaya arbeitet die junge Natalya Simonova mit ihrem Kollegen Boris Grishenko in einem streng geheimen Forschungszentrum. Doch Boris ist ein Verräter und setzt sich ab. Der Helikopter landet und Xenia und ihr Komplize General Ourumov verschaffen sich Zutritt. Nachdem man ihnen die Aktivierungsschlüssel für die beiden Killersatelliten des "GoldenEye"-Programms überlassen hat, erschießt Xenia alle Militärs und Mitarbeiter mit einer Maschinenpistole. Natalya versteckt sich in der Küche. Ourumov und Xenia zünden einen der beiden Sprengköpfe im Weltraum über Severnaya und entkommen mit dem EMP-resistenten Helikopter. Natalya findet die Leichen ihrer Kollegen und bemerkt entsetzt, dass "GoldenEye" aktiviert wurde. Mit dem Mut der Verzweiflung entgeht sie dem zerstörerischen Blackout auf die Satellitenanlage, der alle Spuren des Diebstahls vertuschen soll. Die Kampfjets, die den Helikopter abfangen wollen, stürzen infolge des elektromagnetischen Impulses ab. In London ist man besorgt, da man über "GoldenEye" und den wahren Zweck der Radarstation gute Kenntnisse besitzt und nun den Einsatz dieser Waffe fürchtet. Im Auftrag seiner Chefin M reist Bond nach St. Petersburg, um der Sache auf den Grund zu gehen. Mithilfe des lokalen CIA-Mannes Jack Wade und des Mafiosi Valentin Zukovsky kann er ein Treffen mit dem Kopf von "Janus" vereinbaren. Der Agent entgeht einem Attentat Xenias und lässt sich von der gefangenen Killerin zu ihrem Boss bringen. James ist von dessen wahrer Identität geschockt und wird überwältigt. Derweil schlägt sich Natalya allein nach St. Petersburg durch, wird jedoch von Ourumov und Grishenko aufgespürt und entführt. Bond und Natalya sollen nun in dem gestohlenen Helikopter gemeinsam den Tod finden. Werden sie mit vereinten Kräften entkommen und die todbringende Zündung des zweiten Satelliten noch stoppen können...?

Zitat von »Scarpine (2013)«

Nach sechs Jahren Pause etablierte dieser ambitionierte Streifen 007 wieder erfolgreich in der Filmwelt. Dennoch weist der Film insgesamt zu viele Schwächen auf, um ihn als Highlight durchgehen zu lassen. Das Drehbuch besitzt zu viele schleppende Passagen, zu viele überflüssige Dialoge und zu wenig Tiefe. Die Inszenierung hat eine zielgerichtete, aber zugleich ungewöhnlich hektische Note. Score, Production Design und Cinematographie bewegen sich auf einem bestenfalls mittelklassigen Niveau, während allein das wunderbare Darstellerensemble vollkommen glänzen kann. Mag "GoldenEye" zwar qualitativ nicht in voller Breite überzeugen können, so muss man dennoch anerkennen, dass dieser Streifen innerhalb der Reihe zu den stilbildendsten und wichtigsten Bondfilmen im Hinblick auf die Serienkontinuität gehört.

GoldenEye ist in mehrfacher Hinsicht ein Ausnahmestreifen innerhalb der Reihe. Nach dem großen Bruch und der sechsjährigen bondlosen Zeit sollte dieser Film die Serie konsolidieren und einen ganz neuen, modernen Abschnitt für das Franchise begründen. Obgleich Brosnans Erstling sicherlich zurecht als der große Retter des cineastischen 007 gefeiert wird, erscheint aus heutiger Sicht die unsichere Nervösität der Macher offenkundig. GoldenEye musste einfach einschlagen, ansonsten wäre der Doppel-Null-Mann wie seine neue Chefin on screen konstatiert "Ein Dinosaurier […] ein Relikt des Kalten Krieges" geblieben. Diese verkrampfte Herangehensweise und allgemeine Unsicherheit hinter den Kulissen hat sich dem Werk sprichwörtlich eingeschrieben. Nach einem Vierteljahrhundert drängt sich dieser Eindruck dem Rezipienten erkennbar deutlicher als noch im Premierenjahr 1995 auf. Aufgrund der langen Leinwandpause musste der Mann mit der Lizenz zum Töten einfach auf so viele Entwicklungen im Kino reagieren. Die Action-Thriller-Reihen Lethal Weapon, Jack Ryan und Die Hard und Streifen wie Terminator 2: Judgment Day, Cliffhanger, True Lies und Speed hatten das Action-Kino in punkto Aufwand, Tempo, Effektfokussierung und Stil maßgeblich verändert. Von daher ist es auch nicht verwunderlich, dass der erste Bondfilm der Neunziger den Geist dieser neuen Genrefilm-Epoche regelrecht aufgesogen hat. Und schließlich habe ich noch eine ganz persönliche Verbindung zum Einstand des fünften Amtsinhabers, da es dieser Streifen war, der mich zum Franchise-Fan machte. Mit den Jahren hat sich das Verhältnis zu dieser "ersten Liebe" aber spürbar abgekühlt und ist einer ausgesprochen ambivalenten Sichtweise gewichen. Aus diesem Grund ist GoldenEye nach Moonraker und For Your Eyes Only mein dritter Neurotik-Bond. Es ist fast der einzige Beitrag, den ich mir sowohl als Spitzenreiter als auch als Schlusslicht einer 007-Rangliste gleichermaßen vorstellen kann, weil es vielleicht der Bondfilm ist, der innerhalb seiner Laufzeit am nachhaltigsten unter konstanten Qualitätsschwankungen leidet. Und darin liegt meines Erachtens auch das Geheimnis der ungemein janusköpfigen Bewertung dieses Debüts. Kann man über die Schwächen gut hinwegsehen, sieht man einen unterhaltsamen überdurschnittlichen Serieneintrag, überwiegen jedoch die Schwachpunkte rangiert der Streifen folgerichtig ganz unten. Nach der neuerlichen Sichtung bin ich abermals zwiegespalten. Anders als bei den beiden anderen Problemjahrgängen war das Wiedersehen kein triumphaler Siegesszug. Trotzdem hat der Film durchaus seine Momente, die tonalen Schieflagen erscheinen erträglicher und seinen Entstehungszeitpunkt sowie seine Bedeutung sollte man dem Werk auch noch gediegen zugute halten. Loben muss man vor allem die modernere Bildführung, das breit aufgestellte Ensemble, die zupackende, wenngleich nicht fehlerfreie Regie und die durchweg gute Gesamtanlage der Mission. Schwächeln tut GoldenEye demgegenüber vor allem in den handwerklichen Details und in der erstmals in voller Breite erkennbaren Zurschaustellung der Tradition, dem leidigen Ausruhen auf alten Trademarks und Klischees. Zudem ist die Achillesferse dieses neuen 007 die ausgesprochen fahrige, unausgegorene Story, die das Werk in seiner Entfaltung sichtlich beeinträchtigt. Unterm Strich bleibt ein solider Wiedereinstieg für James Bond in eine neue Dekade. GoldenEye ist sowohl ein waschechter Vertreter des flirrenden, schnelllebigen Neunziger Jahre Action-Kinos, als auch der Prototyp für eine ganz neue Art von Bondfilm, dessen Modelcharakter die zweite Produzenten-Generation bis heute variiert.

Die Besetzung macht rundherum einen ganz stimmigen und spielfreudigen Eindruck. Ein wenig verhalten ist hingegen der Einstand des Mannes mit der Dienstnummer 005 geraten. Pierce Brosnan bewältigt seine erste Mission ansprechend, vermag es aber nicht vollends zu begeistern. War Brosnan seinerzeit für die große Masse der ideale James Bond, scheiden sich eine Dekade später an dessen Darstellung gewissermaßen die Geister. Der Ire galt als jemand, der die vielen Facetten des kinetischen 007 einwandfrei vereinte und damit als "jedermanns Bond" die Vergangenheit der Ikone in Perfektion synthetisierte. Im Rückblick wird das zumeist als Beliebigkeit kritisiert. Wie seine ganze Ära gilt Brosnans Interpretation der Rolle mittlerweile als eine unentschlossene Melange vergangener Großtaten. Sein Bond setzt keine eigenständigen Trends, sondern beschwört großflächig einfach alle Varianten und Ausprägungen der Figur aus den letzten Jahrzehnten. Dabei ist der fünfte Nullnullsieben – nach der Meinung seiner Kritiker – jedoch nie so zynisch wie Connery, so emotional wie Lazenby, so charmant wie Moore und so glaubhaft grimmig wie Dalton. Sein 007 ist ein wandelndes Retorten-Klischee – ein Ausdruck der Mutlosigkeit seitens der Macher, den Charakter in eine bestimmte Richtung zu entwickeln. Ferner wird dem Beau Brosnan gerne vorgeworfen, dass er als gelackter Dressman wie ein Fremdkörper in seinen Filmen wirke und seine aufgesetzte Coolness ihn häufig lächerlich erscheinen lasse, da es ihm an der nötigen Selbstironie mangele. Der Tenor: Brosnan ist nicht Bond, er spielt ihn nur. Von meiner Warte aus haben alle diese Sichtweisen ihre Berechtigung. Dabei muss ich vorausschicken, dass ich Brosnan als Bond sehr mag. Er war in der Rolle auf dem Papier eine Idealbesetzung. Das seine Filme am Ende dieses große Versprechen nicht immer einlösen konnten, macht den Filmkonsum stets etwas leidlich. Die ausgeprägte Beliebigkeit seines 007 stört mich nicht, weil ich sie, sowohl nach Daltons dominantem Ausscheren aus der Spur, als auch im Kontext der Neunziger Action-Heros, als dringend notwendig empfand. Mit einer Craig-Interpretation hätte die Serie 1995 vielleicht endgültig Schiffbruch erlitten. Und der Bond von Brosnan hat durchaus seine Prinzipien und eine recht glaubwürdige Präsenz. Die große Schwäche seines Typs sehe ich auch eher in der Gewolltheit vieler Momente. 007 ist ein abgeklärter Agent, während der Ire häufig wie ein posender Renommist wirkt. Die anderen Darsteller hatten sparsame Augenblicke, in denen sie sich ganz zurücknahmen, während Brosnan durchweg eine gewisse theatralische Coolness-Note krampfhaft aufrecht erhält. In seinem Debüt kommt zudem noch eine gewisse Unsicherheit hinzu, die man dem Schauspieler anmerkt. Daher gerät seine Performance zwar akzeptabel, aber die drei anderen Auftritte des Iren gefallen mir mehr. An Famke Janssens Part entzünden sich bekanntlich die Gemüter. Mir macht die aufgedrehte Interpretation der Holländerin, die sonst in Hollywood mehr auf die Rolle der biederen (Ehe-)Frau abonniert ist, sehr viel Spaß. Xenia wirkt fast so als habe Quentin Tarantino eine seiner Kill Bill-Vipern an das Franchise abgetreten. Immer noch unterschätzt finde ich Izabella Scorupco, die als gebeutelte Zivilistin glaubhaft über sich hinauswächst. Auch wenn sie mit ein paar richtig dürftigen Zeilen gestraft ist, empfinde ich ihre Natalya mit Abstand als die beste Leading Lady der Brosnan-Ära. Ein wenig auf der Strecke bleibt leider Sean Bean, dessen Figur letztlich mit zu vielen Problemen behaftet ist, um als überdurschnittlicher Villain auftrumpfen zu können. Die Nebenrollen sind mit Judi Dench, Joe Don Baker, Robbie Coltrane, Tchéky Karyo und Gottfried John hochklassig besetzt. Das Secret Service-Gespann kommt unterm Strich nicht über standardmäßige Auftritte hinaus.

Gut erkennbar ist der enorme Bruch zwischen der klassischen 007-Ära und dem postmodernen Bond der Junior-Produzenten in dem optischen Look des Streifens. Die Kameraführung ist sichtlich abwechslungsreicher, dynamischer und experimenteller als in den vergangenen Jahren. Das machen auch schon die viel frischeren, geschmeidigeren Übergänge von Gunbarrelsequenz und Vorspann deutlich. Es war ja auch das erklärte Ziel von Regisseur Martin Campbell den formelhaften Muff der Achtziger Jahre zu überwinden. Die letzten drei Glen-Bondfilme empfand der Neuseeländer als "fürchterlich altmodisch". So ermöglicht die Cinematographie von Phil Meheux dem Bond-Enthusiasten in der Tat ein völlig neues Seherlebnis innerhalb der Reihe. Viele Einstellungen wirken ungewohnt, virtuos und belebend. In der Tradition der Die Hard-Streifen dominieren Grau- und Brauntöne das Geschehen, um Erde, Schweiß, Blut und Feuer als die kontrastierenden Schattenseiten einer sterilen Urbanität und eines kaum beherrschbaren technischen Overkills in den Mittelpunkt zu rücken. Einige Szenenübergänge wirken allerdings willkürlich, sprunghaft und disharmonisch, bei manchen Bildmotiven erscheinen die Lichtverhältnisse nicht optimal. Gewöhnungsbedürftig sind auch die vielen Großaufnahmen vor allem von Brosnan, die so ausgiebig zelebriert werden, dass sie sich schnell reizlos ausnehmen. Insgesamt leistet Meheux aber sehr gute Arbeit. Wahrhaft goldwürdig sind der exzellente Leadsong von Tina Turner und Daniel Kleinmans brillante Titelsequenz. Éric Serras Score zählt sicherlich zu den größten Zankäpfeln des Fandoms. Überragend ist der Soundtrack in voller Länge sicherlich nicht, aber er bietet schon einige stimmungsvolle Tracks und die kalten klaren Klänge passen schon zu den Russland-Szenen und einigen dramatischen Situationen. Als Schwäche kristallisiert sich heraus, dass das Album zu wenig variabel ist und kaum feierliche oder romantische Momente zulässt. Das Zwischenspiel von John Altman war daher folgerichtig. Trotz solch abwechslungsreicher Locations wie England, Frankreich, Monaco, Russland, der Schweiz und Puerto Rico ist es bedauerlich, dass GoldenEye zu 60 % im Studio realisiert wurde. Viele Modelle und Set-Erweiterungen sind als solche leider überdeutlich zu erkennen. Die Dekors von Peter Lamont sind solide ausgefallen, wobei allerdings Trevelyans Basis schon etwas enttäuschend geriet. Als echter Coup erwies es sich jedoch, das Arecibo-Observatorium als Schauplatz des Finales zu wählen. Der größte Fallstrick des Streifens ist die dürftige Drehvorlage. Auch hier ist der große Paradigmenwechsel offenkundig. Das ständige Umschreiben und die Anbiederung an Hollywood-Standards haben das Script enorm verwässert. Michael France hatte eigentlich eine gute Geschichte ersonnen, die nur noch etwas Feinschliff benötigt hätte. Die Überarbeitungen der anderen Autoren haben mehr Probleme verursacht als gelöst. Die Handlung weist zu viele Sprünge auf, zugleich folgen die Höhepunkte des Films in zu weiten Abständen aufeinander. Dazwischen entsteht sehr viel Leerlauf. Es dauert über 30 Minuten bis Bonds Mission so richtig losgeht. Vieles wirkt zu gewollt und an den Haaren herbeigezogen: Der Schurkenplan, die Genese von "Janus", die platten Dialoge, die ständigen Verweise auf die Gewohnheiten und den Lebensstil von 007. Insgesamt eines der schwächsten Drehbücher der ganzen Serie. Die Regie von Campbell ist zumeist spannungsgeladen und kraftvoll, bleibt aber in den Dialogszenen meist nur an der Oberfläche und jagt bisweilen zu nervös den fortwährenden Knalleffekten hinterher. Überhaupt beeinträchtigen zu viele überflüssige Schießereien und zu ausgiebige Destruktionssequenzen den Filmgenuss. Rundherum bleibt zwar ein ganz ordentlicher Serien-Reboot, der aber in der Rückschau bedauerlicherweise zu oft Ingredienzien und Materialität über Stil und Substanz stellt.

Relaunch, Reflection and Resurrection – Bond is back! Allerdings hat sich die Welt verändert. Neunziger-Spirit, Emanzipationsschübe und der Siegeszug der Computertechnik machen 007 das Leben schwer. Der antwortet mit seinen altbewährten Stärken Instinkt und Selbstvertrauen und mit einem erheblich höheren Bodycount. GoldenEye gibt sich als schneidiger Mitläufer des hektischen Kinozeitgeistes seiner Epoche. Auch wenn es das erklärte Ziel der Macher war, "einen neuen Standard" im Actionfach zu setzen, verharrt Brosnans Erstling überwiegend in einem reagierenden Muster. Alles andere wäre von einer Marke, die als out galt und sich für eine junge Generation komplett neu beweisen musste, vielleicht auch etwas zuviel verlangt gewesen. Demnach weist das Werk auch viele Brüche, Tiefpunkte und Durststrecken auf und präsentiert sich aus heutiger Sicht als ein ausgesprochen mittelprächtiger Bondfilm. Doch jenseits der Frage nach dem Ausbleiben hochklassiger Meriten, kommt GoldenEye das Verdienst zu, der Reihe ein frisch bewährtes Erfolgsmodell und eine sichere Zukunft erschlossen zu haben.

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Django

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Donnerstag, 20. Februar 2020, 07:16

Alles andere wäre von einer Marke, die als out galt und sich für eine junge Generation komplett neu beweisen musste

Ich frage mich einfach - und da bin ich ganz "ergebnisoffen" - ob dem wirklich so war oder ob es nicht vielmehr einfach die unbegründete Angst der Macher war, dass es so ist. Also wenn ich so 25, 30 Jahre zurückdenke (also an die Prä-GE-Zeit), dann war Bond bei uns "Junge Generation" extrem populär und jeder (neue) Bond, der am TV kam, war ein Highlight. Was einem bis 1995 einfach verwehrt blieb, war es, mal einen neuen Bond-Film im Kino zu sehen - jetzt wo man endlich "alt genug" dazu gewesen wäre. Von daher denke ich, dass die Macher von GE diesen Aspekt einfach überbewertet hatten, was sich dann in der von Dir schön beschriebenen "verkrampften Herangehensweise und allgemeinen Unsicherheit" widerspiegelte. Meine hohen Erwartungen konnte GE damals jedenfalls - wohl aus genau diesem Grund - nicht erfüllen.

Mister Bond

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Donnerstag, 20. Februar 2020, 09:04

Ich bin wohl der Einzige hier im Forum, der damals, anno 1995, vollständig zufrieden war :)
Natürlich liegt es auch daran, dass ich von 1986/87 an alle Bonds auf VHS und im TV sah und nach einem Bond im Kino dürstete, aber eben weil Pierce mir gefiel und ich die kleine Rückbesinnung auf die großen Bondfilme der 60er und 70er gut fand, wurde ich nicht enttäuscht.
Nach 25 Jahren rutschte GE in meiner Gunst nach unten, beim letzten Sichten gefiel er mir aber wieder.
Für mich wirkte GE von allen Brosnan Bonds auch am wenigsten steril. Die Farbgebung gefällt mir auch mehr als danach.

Django

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Donnerstag, 20. Februar 2020, 09:23

Also wirklich enttäuscht war ich damals nicht. Obwohl ich mir mehr erwartet hätte. Und ich finde GE auch (heute noch) durchaus "okay" und unterhaltsam :) . Die richtigen Bond-Enttäuschungen gab's dann erst später. Und zwar leider mehr als einmal :(

Scarpine

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Donnerstag, 20. Februar 2020, 15:11

Für mich wirkte GE von allen Brosnan Bonds auch am wenigsten steril. Die Farbgebung gefällt mir auch mehr als danach.
Mit dem Ausdruck "sterile Urbanität" meinte ich eher die generelle Herangehensweise des Films, die tief im 90er Action-Kino wurzelt, das dahingehend stark von den Die Hard-Filmen beeinflusst wurde. Hochtechnisierte Einrichtungen und digitale Errungenschaften, die als so sicher gelten, erweisen sich als Todesfallen. Bei Die Hard ein Firmenhochhaus und ein Flughafen, in GoldenEye eine moderne Radarstation, die von den Schurken infiltriert und zerstört wird. Natalya hat einen Bürojob und will nur mal kurz einen Kaffee holen; urplötzlich muss sie sich durch Leichenberge, Explosionen, Schutt, Dreck und Feuer kämpfen und ist in der Einöde komplett auf sich allein gestellt. Oder der hypermoderne Helikopter, der sich als Sarg für die Gefangenen erweist - das kann man sogar als direkte Die Hard 2-Hommage sehen. Oder auch der entgleisende Darth Train und die Vernichtung der finalen Radarstation. Steril finde ich den Film eigentlich nicht abgelichtet, aber es gibt auch keine knalligen Farben. Außerdem wirkt der Streifen durch die vielen Winter- und Militäranlagen-Aufnahmen recht dunkel. Im Review habe ich vermerkt, dass die Lichtverhältnisse bei manche Szenen auch nicht gerade ideal waren. Was das Werk im Gesamteindruck vielleicht auch etwas artifiziell erscheinen lässt, ist die Filmmusik. Serras Klänge sind schon recht düster, technokratisch und kalt.

Ich frage mich einfach - und da bin ich ganz "ergebnisoffen" - ob dem wirklich so war oder ob es nicht vielmehr einfach die unbegründete Angst der Macher war, dass es so ist.
Ich glaube, dass die lange Wartezeit schon an den Nerven der Verantwortlichen gezehrt hat. Das ist eben das altbekannte Dilemma von Selbst- und Fremdwahrnehmung. Das generelle Probleme sehe ich wirklich darin, dass die Kontinuität unterbrochen wurde. Im letzten Review habe ich die verpassten Jahrgänge '91 und '93 erwähnt. Man hat dann versucht in GoldenEye alles reinzupacken, was Bond ausmacht, und wollte darüberhinaus die gesellschaftlichen und kinetischen Entwicklungen der letzten sechs Jahre auf einmal aufholen. Das war zuviel. Brosnans Bond ist in der ersten Hälfte nur damit beschäftigt seine Beziehungen zu klären: Bond und Alec, Bond und Caroline, Bond und Xenia, Bond und Moneypenny, Bond und Tanner, Bond und M, Bond und Q. Dann wird 007 nach all dem "Zahlenhexen"- und "Dinosaurier"-Geplapper endlich auf Mission geschickt und lernt in St. Petersburg erstmal ausgiebig Wade und Zukovsky kennen... Dazwischen passiert nicht viel. Die Pretitle ist ein toller Auftakt, aber danach kommt der Film einfach nicht in die Gänge. Es gibt zu viele verzichtbare Passagen, zu viele überflüssige Dialoge. Wie ich schon schrieb, wurde der Paradigmenwechsel besonders durch das Autoren-Chaos deutlich. Zuvor fand die Arbeit am Script in der Regel gesittet und nach Plan statt.

GoldenEye ist der erste Film, wo man das Drehbuch in hektischer Nervösität fast zu Tode entwickelt hat. France' Drafts waren eine sehr gut Basis, aber die Produzenten waren noch nicht völlig überzeugt und dann kamen Simon L. Aturif, Kevin Wade, Bruce Feirstein und Jeffrey Caine, die France dann nacheinander durch den Wolf gedreht haben. So schlimm, dass man dem fertigen Film die Unfertigkeit der Story, die ständigen Kürzungen und Beifügungen, noch anmerkt. Hier hätte ich mir gewünscht, dass Michael G. Wilson mit seinen Fähigkeiten einfach die Endfassung selbst übernommen hätte, wie er es bei Licence To Kill - als Maibaum wegen dem Autorenstreik komplett raus war - ja auch erfolgreich getan hat. Aber scheinbar wollte man endlich loslegen und nicht noch mehr Zeit verlieren. Am Ende auf Kosten einer ausgefeilten Handlung. Am schlimmsten sehe ich hier wirklich Trevelyan und seinen bösen Plan. Sean Beans leidliches Overacting resultiert wohl letztlich aus der vollkommen gewollten Schablonenhaftigkeit seines Parts. Er hat überhaupt nichts Dramatisches zu spielen, sondern muss pausenlos den arroganten Sprücheklopfer geben. Das hatte France alles ursprünglich sehr viel besser gelöst.
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Scarpine« (20. Februar 2020, 23:02)