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ollistone

Consigliere

  • »ollistone« ist männlich

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101

Dienstag, 29. September 2020, 10:22

"Bleib dran, es lohnt sich" - diesen Satz hört man ja sehr häufig in Bezug auf Serien. Manche Serien nehmen erst nach ein paar Folgen Fahrt auf, manche sogar erst nach ein paar Staffeln. Ich muss auch sagen, dass mich sehr selten eine Pilotfolge rein aus sich selbst heraus, ohne das Wissen um den weiteren Verlauf oder Empfehlungen, so begeistert oder interessiert hat, dass ich die weitere Serie unbedingt sehen wollte.

Unter diesem Aspekt mal als Frage in den Raum geworfen: Was sind die besten Pilotfolgen von Serien allgemein?


Oha, das ist eine schwierige Frage - da müsste man erstmal alle Serien rekapitulieren, die man so in den letzten Jahren gesehen hat.

Gutes Gegenbeispiel ist "Sex Education", eine Serie, die eher etwas zotig beginnt und sich mit ihrem fragwürdigen Kotz-und-Wichs-Humor der ersten Folgen leicht Richtung US-Highschool-Klamauk hätte entwickeln können; gut, dennoch am Ball zu bleiben, denn die erstaunliche Tiefe und emotionale Reife der (übrigens britischen) Serie erschließt sich erst ab Folge 3 oder 4.

"Homeland" oder die israelische Serie "Fauda" haben mich dagegn sofort gepackt, da wusste ich von der ersten Sekunde an, dass das mein Ding ist. Auch "Modern Family" hat nicht lange gebraucht, um mich zu überzeugen. Auch bei "Narcos" oder "Haus des Geldes" war eigentlich gleich alles klar. Aber der stärkste Pilot ever? Schwierig... vielleicht "Stranger Things", der gleich ziemlich in die Vollen geht? "Bloodline", der wie in einer psychptherapeutischen Familienaufstellung alle Charaktere in Position bringt und mit einem mysteriösen Mord garniert?

Vielleicht ist es aber auch ein Qualitätsmerkmal, wenn sich der Sog erst nach und nach einstellt, sich die Spannung wie bei einem Sommergewitter langsam aufbaut und dann entlädt?
"You may be a lover but you ain't no dancer."

Mister Bond

Felix Leiter

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102

Dienstag, 29. September 2020, 11:35

Das muss jeder für sich selber beantworten. Gerade Serien sind so eine Frage und Geschmäcker. Da lese ich was von "so richtig hat mich das erst ab Folge 3, 4 gepackt" und mich packte es ab Folge 1. Dann lese ich wieder "genial ab Folge 1" und ich dringe nicht durch.
Bei alten Serien ist es auf jeden Fall charakterabhängig. Da waren ja Folge für Folge neue Fälle am Start, desto wichtiger, dass man Lust auf die Hauptcharaktere hat, egal ob Inspektor Columbo, die Cartwrights, Simon Templar, Cpt. Kirk & Spock, das A-Team und co.

Ansonsten, moederne Serien, die direkt ab Folge 1 in die Vollen gehen:
Prison Break (die Sache ist klar, den Bruder aus dem Knast holen, die Entwicklung wird immer spannender)
Stranger Things (direkt der 80er Spielberg/Carpenter Vibe, alleine das Intro)
The Walking Dead (legt sofort los, leider ab Staffel 6 Alexiandria ncht mehr das gelbe vom Ei)
Game of Thrones (die wichtigsten Figuren werden durch Jaimie Lannisters & Jofffrey und Cersei "Baratheons" Besuch auf Winterfell sofort etabliert und man spürt bereits die Spannungen, inklusive der Szene Jamie/Bran, welches erst alles in Rollen bringt)
Narcos (die erste Staffel deckt über eine Dekade ab, Ende der 70er bis 1990, erinnerte mich bisschen an Goodfellas)
The Boys (nach 10 Minuten ist alles klar. Krass und derb in der Gewaltdarstellung, dennoch interessante Figuren, die mit dem Superhelden Status aufräumen. Eine Art Watchmen mit zynischen Humor).
The Mandalorian (Die beiden Hauptcharaktere werden eingeführt, old school Star Wars Feeling, interessante Verquickung Sci-Fi & Western).

Bei Breaking Bad brauchte ich lange. Normalerweise hätte ich längst abgeschaltet, aber die Neugier und diese ganzen guten Kritiken hielten mich dran. Ich finde da erst tatsächlich die Staffeln 3 bis 5 am besten.
Ansonsten gab ich eine Serie bei Nichtgefallen nach knapp einer Staffel auf (früher), z.B. Daredevil (war mir zu trüb und dunkel), Jessica Jones, Lost in Space (tolle kinematografie, aber charaktertechnisch kommt man nicht voran), Dexter (da schaute ich sogar noch die Hälfte der zweiten Staffel, aber irgendwie zog sich das für mich doch.
Bis es mir mit dieser ganzen Serienflut zuviel wurde. Wenn mich jetzt eine Sere nach spätestens 4 Folgen nicht packt, ist Schluss. Zuletzt geschehen bei The Witcher.

Wichtig für mich: das Genre muss mich erstmal interessieren, dann die Charaktere (Schauspieler).

MilesM

MI6 Staff

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103

Freitag, 2. Oktober 2020, 11:56

Ich fand die erste Folge von Blacklist spektakulär. Allein die Anfangsszene, in der sich Red dem FBI stellt, oder auch Elisabeths erster Arbeitstag, da wurde doch einiges aufgefahren...
Und auch die erste Folge von WestWorld hat mich gleich gepackt, ohne mich jetzt noch genau an sie zu erinnern :whistling:
You know what's great about you English? Octopussy. Man I must have seen that movie... twice.

  • »Martin« ist männlich

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104

Sonntag, 11. Oktober 2020, 05:31

Game of Thrones (die wichtigsten Figuren werden durch Jaimie Lannisters & Jofffrey und Cersei "Baratheons" Besuch auf Winterfell sofort etabliert und man spürt bereits die Spannungen, inklusive der Szene Jamie/Bran, welches erst alles in Rollen bringt)


Stimmt, die Serie würde ich da auch nennen. Der Pilot zeigt im Prinzip gleich die Schlüsselreize der restlichen Serie auf hat bei mir auch mehr Lust gemacht als andere. Ansonsten ist mir auch noch ALIAS in guter Erinnerung. Da gibt es am Ende der ersten Folge eine Szene, wo Sidney Michael eine Skizze mit einem selbstgezeichneten Netzwerk vom SD-6 übergibt und er ihr dann einen Plan mit einem noch viel größeren Netzwerk zeigt. Das fand ich eine schöne visuelle Idee.

Auch die erste Folge von 'Twin Peaks' fand ich sehr gut gemacht und vielversprechend.

Vielleicht ist es aber auch ein Qualitätsmerkmal, wenn sich der Sog erst nach und nach einstellt, sich die Spannung wie bei einem Sommergewitter langsam aufbaut und dann entlädt?


Interessanter Gedanke. Aber eine Pilotfolge sollte ja einen ja trotzdem schon soweit ködern, dass man dranbleiben und Zeit investieren will. Ich bewundere da immer die Bondfilme, die in den ersten zehn Minuten schon klarmachen, dass man das unbedingt weitersehen sollte.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Martin« (11. Oktober 2020, 08:03)


  • »Martin« ist männlich

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105

Mittwoch, 27. Januar 2021, 00:34

Mittlerweile bin ich mit der zweiten Staffel Mindhunter durch. Die Serie ist mir mit der Zeit ans Herz gewachsen, nachdem ich bei den ersten paar Folgen noch etwas irritiert war von der sehr ruhigen, teilweise fast gemächlichen Erzählweise, die dem modernen Hecheln nach Storywendungen und Cliffhangern widerspricht. Dafür, dass es um Serienkiller geht, wird erstaunlich wenig auf Schockmomente und Zynismus gesetzt, wie sonst in Leichenfledderserien à la CSI üblich.

Vor allem der von Holt McCallany dargestellte Polizist Bill Tench hat mir mit seiner stoischen, hemdsärmeligen Art gefallen. Auch die Darsteller der auf historischen Vorbildern beruhenden Serienkiller stechen heraus, allen voran Cameron Britton als Edmond Kemper und Damon Harriman als Charles Manson. Insgesamt ist die Serie sehr nah an den realen Geschehnissen, die auf dem gleichnamigen Buch beruhen. Auch die 70er-Atmosphäre ist sehenswert nachempfunden und erinnert an bisschen an Zodiac, zumal David Fincher hier auch produzierte und teilweise Regie führte.

Danach hab ich bei Netflix Manhunt: Unabomber angefangen, der dann wie in Blick in die weitere Entwicklung des Profilings zwanzig Jahre später wirkt.


Ansonsten noch gesehen in letzter Zeit:

- Chernobyl: Eine der herausragendsten Serien, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Sehr nahe am historischen Geschehen und mit einer universalen Aussage, die weit über die erzählerischen Qualitäten hinausreicht.

- Rohwedder - Einigkeit und Mord und Freiheit: Eine deutsche Mini-Dokuserie über den Mord an Detlef Rohwedder, die in drei Folgen jeweils drei Täter-Theorien nachgeht. Sehr gut und spannend, mein persönliches Highlight des letzten Jahres. Wie jede gute historische oder Dokuserie mit erhellenden Erkenntnissen auch über die Gegenwart.

- Challenger - The Final Flight: Ebenfalls aus dem letzten Jahr, produziert von JJ Abrams, und hochspannend und gut gemacht.

- The West: Eine schon etwas ältere Dokuserie mit realen Spielszenen und sehr gut gecasteten Darstellern von Legenden wie Wyatt Earp, Crazy Horse oder Billy The Kid. Präsentiert von Robert Redford, konzentriert sich die Handlung auf den klassischen Wilden Westen zwischen 1860 und 1890. Es ist wohl trivial zu sagen, dass man diese Zeit besonders interessant findet, aber ich finde vor allem immer wieder faszinierend, wie miteinander verknüpft hier Hoffnung und Neunanfang auf der Seite der Kolonialisten und die fast vollständige kulturelle Auslöschung, man könnte auch sagen Apokalypse, auf Seite der Ureinwohner waren. Leider wurde die Serie über den Jahreswechsel von Netflix aus dem Programm genommen, wie auch einige andere.

ollistone

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  • »ollistone« ist männlich

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Mittwoch, 2. Juni 2021, 11:50

Ich bin ein großer Fan der Serie "Call My Agent". Staffel 1 bis 3 auf Prime, Staffel 4 auf dem Sony-Channel.

Komödiantische, dramatische, tragische Elemente halten sich in dieser wunderbar besetzten und beschwingt erzählten Geschichte rund um die Pariser Schauspiel-Agentur ASK in unnachahmlich französischer Art die Waage. Im Zentrum stehen die geschäftsführenden Partner der Agentur samt ihren Klienten, in jeder Folge tritt ein anderer prominenter Schauspieler auf: Sigourney Weaver, Jean Reno, Isabelle Huppert, Christopher Lambert, Isabelle Adjani, Juliette Binoche, Monica Bellucci, Charlotte Gainsbourg u.v.a. mehr spielen sich selbst, mit allen Marotten und Allüren. Wunderschön gemacht!

Keine andere Serie hat mir in den letzten zwei Jahren so viel Spaß gemacht wie diese.
"You may be a lover but you ain't no dancer."

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »ollistone« (2. Juni 2021, 14:24)