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Django

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Donnerstag, 6. Januar 2022, 14:34

Alleine wie er es wegsteckt, was M ihn in GE vorwirft oder wie er auf Elektra reagiert, dass er sich in Schönheit und Anmut labt, dass er ein Profi ist (TND), DAS ist alles Bond. Er reagiert immer souverän.


Genau - an der Charakterisierung Bonds bei/durch Brosnan gibt's insgesamt wenig auszusetzen. Jedenfalls nicht mehr als insgesamt bei den DArstellern davor (da gab's ja durchaus auch mal den einen oder anderen "Ausrutscher"). Brosnans Bond ist immer souverän, cool - hat die Lage in Griff. So muss es (für mich) sein :thumbup: !

Feirefiz

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Samstag, 8. Januar 2022, 17:55

Auch ich freue mich im Übrigen, dass nun eine weniger emotionale, vernünftige Diskussion über den Film stattfinden kann, an der ich mich gerne beteiligen will.



Ich bin den Thread noch einmal durchgegangen, und um der Legendenbildung entgegenzuwirken: Die Diskussion war von Anfang an bemerkenswert sachlich – abgesehen von den früh einsetzenden Versuchen, Kritik an NTTD generell zu diskreditieren.

Dank der Leihgabe eines Freundes habe ich NTTD nun ein zweites Mal gesehen.

Positiv hervorzuheben ist, dass der Film sehr gut aussieht. Das Titellied ist nicht besonders, doch besser als das Geschrei/Gewinsel von QOS und v. a. SP, allerdings weit weg von den Highlights Cornell und Adele. Hans Zimmer hat den Song zudem sehr schön in den Score integriert. Seine Musik ist der sicher größte Pluspunkt, funktioniert aber – wie mir eine weitere Leihgabe bestätigt hat – ohne Bilder und insbesondere Dialoge besser als mit diesen Filmverweisen. Wer nur die CD hört, wird an der Musik mehr Freude haben. Schlechtes Omen? Schlechtes Omen!

Denn es nutzt nix. Der Film ist von der auffallend hüftsteifen Gunbarrel-Szene an missraten. Man kann Bond zum Familienmenschen machen, man kann ihn in Rente gehen lassen, man kann ihn töten. Aber wenn man das macht, sollte es sich logisch aus dem Charakter und der Handlung ergeben und vor allem den Preis auch wert sein. Nichts davon ist der Fall.

Bei NTTD haben wir einen selbst für 007-Verhältnisse extrem schlichten "Plot" mit vielen nicht nachvollziehbaren Motivationen (was angesichts des Anspruchsdenkens der Craig-Ära einfach bitterer aufstößt als bei allen anderen Bonds, zumal die nicht Shakespeare sein wollen und dennoch weniger Logiklöcher aufweisen). Der Nicht-Plot wird auch nicht durch die versuchte, aber nicht überzeugende Menschwerdung des Protagonisten "gerettet". Erzählt mal jemandem die Handlung von NTTD und fragt ihn/sie, ob das eine gute Geschichte ist – oder überhaupt eine Geschichte.

Nie war Bond - als "Charakter" wie als Zeremonienmeister einer Actionsause - unglaubwürdiger. Und nie weniger unterhaltsam. Leiters Tod? Dramaturgisch unnötig und wirkungslos. SPECTRE und Franz? Für die Handlung komplett überflüssig (Franzens Abgang in der Tat ein absoluter Tiefpunkt - liest denn vor der ersten Klappe niemand mehr das Drehbuch?). Bonds unsterbliche Liebe zu Maddie? Darstellerisch und vom Buch her maximal unglaubwürdig, erst recht angesichts des behaupteten Vesper-Fetischs – womit allein der Film schon fast in sich zusammenfällt. Nomi? Ein allzu deutlicher, weil dramaturgisch abermals völlig überflüssiger Tribut an den Zeitgeist – dafür schlägt sich die Darstellerin noch ziemlich gut. Safin? Der vielleicht schwächste Bösewicht überhaupt. Grottig geschrieben, ohne Bedrohlichkeit (liegt alles nicht am armen Malek), dummschwätzend bis zuletzt und durchgehend unfassbar dämlich: Die Bond-kriecht-Szene ist nicht wegen Bonds Manöver unerträglich, sondern wegen Safins absurder Leichtgläubigkeit. Seine anderen Entscheidungen lassen sich mit dem Schlagwort „Hybris“ ebenfalls nur mühsam etikettieren und kaum rechtfertigen. Dramaturgie? Gilt auch hier augenscheinlich als überflüssig.

In den letzten Minuten spürt man besonders schmerzhaft, wie verzweifelt Regie und Darsteller dem offensichtlich diktierten Ende die Größe verleihen wollen, die diesem Finale nicht innewohnt. NTTD müht sich von Minute 1 an, ein „großer Bond-Film“ zu sein, doch weil man ihm seine Mühen jederzeit anmerkt - und ebenso seine "Taktik", sich mangels eigener Substanz auf Kosten der verdienten Vorgänger zu profilieren -, ist seine Mission tödlich: für ihn selbst.

Wie schön hätte Maddies Schlusswort „Ich erzähle dir von einem Mann …“ vielleicht sein können – noch dazu ergänzt um das übersehene, dabei doch so naheliegende, auch Moore ehrende Zitat „von einem Spion, der mich liebte“! Wenn die ca. 160 Minuten davor einen einzigen Grund geliefert hätten, dem Verstorbenen auch nur eine Träne nachzuweinen …

Am Ende des Abspanns heißt es: James Bond will return!

Ich freu mich drauf! Er wird gebraucht.
"How do you make a hero logical? You don't, and you must accept that.
The illogic is what makes something like Superman. The more rational a
story you try to write about Superman, the more you kill him."
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Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Feirefiz« (8. Januar 2022, 18:45)


Spree

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Samstag, 8. Januar 2022, 23:52

Größtenteils stimme ich dir zu, verehrter Feirefiz, allerdings sind einige Szenen schon ganz gut geraten, allen voran Matera und stellenweise auch "Kuba" (für das ja Jamaika bzw. Pinewood doubelte).
Und: M.E. kommt Malek aus der Safin-Nummer auch nicht ganz ungeschoren raus. Zumindest erkenne ich bei ihm kein besonderes Bemühen, aus der wahnsinnig schlecht geschriebenen Figur vielleicht doch ein bißchen was zu machen.
Für mich tatsächlich auch der schwächste Bösewicht der Reihe und in einer Riege mit Gustav Graves, Walter Whitaker und ... sonst fällt mir keiner mehr ein, der auch nur annähernd diesem Niveau nahekommt.
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Sonntag, 9. Januar 2022, 13:15

Ich würde mich zwar gern - besonders mit dem Ziel, weiter Leben im Forum zu halten - beteiligen, aber ich habe (dankenswerterweise, in diesem Fall) mittlerweile solche Gedächtnislücken, was NTTD angeht, dass ich nichts Neues mehr beitragen kann.
Eine Zweitsichtung schließe ich aus, weil ich statistisch nur noch ca. 25 Jahre auf diesem Planeten habe, und generell meine Zeit nicht mehr als 3 bis 4 Filme pro Woche zulässt. Ich muss da folglich wählerisch sein.
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Dr. moVe

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Sonntag, 9. Januar 2022, 18:21

Ich bin den Thread noch einmal durchgegangen, und um der Legendenbildung entgegenzuwirken: Die Diskussion war von Anfang an bemerkenswert sachlich – abgesehen von den früh einsetzenden Versuchen, Kritik an NTTD generell zu diskreditieren.
Der letzte Teil Deiner Aussage stößt mich etwas vor den Kopf. Aufgrund welcher User-Statements ziehst Du dieses Fazit ? Ich bin den Thread nun auch nochmal durchgegangen und kann so eine 'generelle Diskreditierung' von kritischen Äußerungen zum Film in keinem einzigen Beitrag erkennen.

Django

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Montag, 10. Januar 2022, 08:05

Und: M.E. kommt Malek aus der Safin-Nummer auch nicht ganz ungeschoren raus. Zumindest erkenne ich bei ihm kein besonderes Bemühen, aus der wahnsinnig schlecht geschriebenen Figur vielleicht doch ein bißchen was zu machen.
Für mich tatsächlich auch der schwächste Bösewicht der Reihe und in einer Riege mit Gustav Graves, Walter Whitaker und ... sonst fällt mir keiner mehr ein, der auch nur annähernd diesem Niveau nahekommt.

Man kann NTTD ja vieles vorwerfen - die Kritik an Safin verstehe ich aber nicht so recht. Für mich ein "klassischer" Bösewicht. Und vor allem: EIner, der - zumindest zu Beginn - "nichts gegen Bond hat". Dies im Gegensatz zum "Das war alles ich"-Stiefbruder Blofeld oder zu Silva, dessen Motivation und "Plan" sich mir bis heute nicht wirklich erschliesst :wacko:

Spree

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Montag, 10. Januar 2022, 10:12

Naja, es bleibt bei Safin halt stets unklar, was er überhaupt will: Will er Madeline? Dann müsste er sie mit Mathilde erpressen! Stattdessen lässt er diese einfach laufen und sperrt Madeline nur weg.
Was will er mit den nanobots? Ganze Volksstämme auslöschen? Wozu? Bleibt unklar! Will er sie verkaufen? An wen? Bleibt unklar!
Und dann dieses übertriebene Gehabe von Malek mit den dramatischen Pausen vor jedem 3. Wort, seiner gestelzten Ausdrucksweise und seiner zittrigen, ausdrucksschwachen Stimme. Furcht-bar! Absoluter Blindgänger und ich gehe hiermit auch soweit, ihn den schlechtesten aller Bond-Villains zu nennen ... und zwar deutlich! Noch vor Waltz-Blofeld (den hab ich in meiner letzten Aufzählung ganz vergessen, ich Esel)!
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ollistone

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Montag, 10. Januar 2022, 10:46

Der letzte Teil Deiner Aussage stößt mich etwas vor den Kopf. Aufgrund welcher User-Statements ziehst Du dieses Fazit ? Ich bin den Thread nun auch nochmal durchgegangen und kann so eine 'generelle Diskreditierung' von kritischen Äußerungen zum Film in keinem einzigen Beitrag erkennen.


Ja, das würde mich auch mal interessieren.


Naja, es bleibt bei Safin halt stets unklar, was er überhaupt will: Will er Madeline? Dann müsste er sie mit Mathilde erpressen! Stattdessen lässt er diese einfach laufen und sperrt Madeline nur weg.


Er ist in Madeleine verliebt, das sagt er doch sogar wörtlich. Oder nenn es besessen, weil er ihr Leben "gerettet" hat, auch das sagt er ausdrücklich. An Mathilde hat er einfach kein Interesse, die steht ihm nur im Weg.


Was will er mit den nanobots? Ganze Volksstämme auslöschen? Wozu? Bleibt unklar! Will er sie verkaufen? An wen? Bleibt unklar!


Das ist alles andere als unklar. Safin verkauft maßgeschneiderte Massenvernichtungswaffen, die Käufer sind doch bereits im Anmarsch. Safin ist ein Villain in allerbester Bond-Tradition, aufgrund seiner Vorgeschichte auch mit einem richtig starken Motiv. Verstehe die Kritik an ihm nicht.


Und dann dieses übertriebene Gehabe von Malek mit den dramatischen Pausen vor jedem 3. Wort, seiner gestelzten Ausdrucksweise und seiner zittrigen, ausdrucksschwachen Stimme.


Ich schaue mir NTTD demnächst mal in der OV an, da soll Safin ja deutlich gewinnen. Dürfte also eher ein Synchro-Problem sein.
"You may be a lover but you ain't no dancer."

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »ollistone« (10. Januar 2022, 12:13)


329

Montag, 10. Januar 2022, 12:07

.

Es dürfte die Flatterhaftigkeit des geschriebenen Charakters von Safins sein, mit der mancher Zuschauer nicht d’accord gehen mag. Ob dies darin liegt, dass der Film hinsichtlich des Drehbuchs weitaus komplexer ausgearbeitet gewesen ist, wissen wir zum derzeitigen Zeitpunkt alle nicht.

Das Endresultat, welches in NO TIME TO DIE nun vorliegt, präsentiert viele Handlungsmomente Safins, die sich oft einfach als unausgegoren präsentieren – als wenn die Dioxinvergiftung zwanzig Jahre zuvor seinen Verstand so dermassen angegriffen hat als dass er unter den Nachwirkungen fortwährend zu leiden hat. Seine Sozialveranlagung, menschliche ethischen Werte und Moralanschauungen als auch viele seiner Handlungen scheinen keine Bedeutung von Dauer zu haben, sondern für einen Moment erscheint ein spezieller Aspekt gerade wichtig zu sein, der im nächsten Augenblick schon wieder passé ist weil gerade etwas anderes Überhand nimmt.

Ein Beispiel:
Safin benutzt Bonds Tochter Mathilde als Schutzschild gegenüber dem Geheimagenten beim Gespräch in seinem Geheimversteck. Als Bond eine versteckte Waffe zieht und um sich schiesst, verschwindet Safin mit der Tochter durch eine Geheimluke. Bei der Flucht beisst ihn das Kind, weil es seinen geliebten „Teddy“-Ersatz verloren hat. Er lässt das Kind runter / ziehen, weil er es wohl anscheinend nicht mehr braucht und macht sich auf den Weg um (nun) seine potentielle Käufer zu treffen. Bond und Nomi können derweil weiterhin ihrer zerstörischen Mission nachgehen. Obwohl Safin dies wissen sollte, trifft er keinerlei Vorkehrungen oder stellt Personal ab und gibt den Befehl an jemanden, dass die beiden Eindringlinge zu erledigen sind. Es spielt für ihn in diesem Augenblick keine Rolle und es existiert somit von seiner Seite keine Befehlskette. Seine Leute sind quasi sich selbst überlassen wodurch kein koordinierter Aktionismus stattfindet.

„Lassen Sie meinen Giftgarten und meine Fabrikanlagen in Ruhe und ich zerstöre dann auch nicht Ihre Familie!“ So tickt wohl ein/dieser größenwahnsinnige(r) Geisteskranke(r,) dem der ethische Kompass schon lange abhanden gekommen sein.

– Es dürften solche Momente sein, die große Teile des Publikums (ver)stören, weil sie diese widersprüchlichen Reaktionen nicht nachvollziehen mögen und wollen.


.

Spree

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Montag, 10. Januar 2022, 12:38

@photographer: Eine interessante Erklärung für die vielen Logiklöcher, danke! Würdest du meinen, das war der von den Autoren beabsichtigte Effekt oder doch eher Produkt von "lazy writing"?

@ollistone: Was er sagt, was er will und was er letztendlich dafür tut sind eben meist verschiedener Natur. Alles bleibt halbgar und unvollständig, bei der Länge des Films und den vielen Autoren eigentlich nicht nachvollziehbar.
Von den ganzen Käufern war ja bis auf die letzte Sequenz nie eine Rede, da ging es um die Dezimierung von Völkergruppen, warum auch immer. So eindeutig klar, wie du das behauptest ist es im Film auf keinen Fall, da widerspreche ich dir.
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Django

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Montag, 10. Januar 2022, 13:22

Safin ist ein Villain in allerbester Bond-Tradition, aufgrund seiner Vorgeschichte auch mit einem richtig starken Motiv. Verstehe die Kritik an ihm nicht.

Das sehe ich auch so. Da gab's doch in der Bond-Film-Geschichte weit grössere (logische) "Unstimmigkeiten" bei der Charakterisierung der Schurken. Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass hier teilweise nicht ganz objektiv beurteilt wird (wobei ich niemandem das Recht auf seine Meinung absprechen will). Denn eben: Safin hat zumindest eine "Vorgeschichte". Währenddessen haben wir keine Ahnung, was etwa einen Stromberg wirklich antreibt - weshalb und wie er seinen Dachschaden gekriegt hat. Dieses "Nicht-Kennen" stört mich zwar auch nicht, aber dennoch ist es doch das grössere Defizit, als eine möglicherweise nicht in allen Punkten stimmige Vorgeschichte.

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Montag, 10. Januar 2022, 13:50

Safin ist ein Villain in allerbester Bond-Tradition, aufgrund seiner Vorgeschichte auch mit einem richtig starken Motiv. Verstehe die Kritik an ihm nicht.

Das sehe ich auch so. Da gab's doch in der Bond-Film-Geschichte weit grössere (logische) "Unstimmigkeiten" bei der Charakterisierung der Schurken. Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass hier teilweise nicht ganz objektiv beurteilt wird (wobei ich niemandem das Recht auf seine Meinung absprechen will). Denn eben: Safin hat zumindest eine "Vorgeschichte". Währenddessen haben wir keine Ahnung, was etwa einen Stromberg wirklich antreibt - weshalb und wie er seinen Dachschaden gekriegt hat. Dieses "Nicht-Kennen" stört mich zwar auch nicht, aber dennoch ist es doch das grössere Defizit, als eine möglicherweise nicht in allen Punkten stimmige Vorgeschichte.
Er hätte ein "Villain in allerbester Bond-Tradition" sein können, wenn man nicht so verkrampft bemüht gewesen wäre, eine Vorgeschichte zu konstruieren.
Das Böse ist keine Eigen-Kraft; es ergibt sich aus der Abwesenheit des Guten! Daher braucht es keine Motivation, sondern lediglich Willkür! "Er kann es, hält es für angemessen, also tut er es!"
Für das Gute bedarf es eines Motivs; das Böse kommt ohne zurecht ... wenn es anfängt, über Gründe nachzudenken, eine Rechtfertigung sucht, dann ist immer schon das Bewusstsein da, dass der letzte Grund des Bösen nur ein VORletzter Grund war. Sobald aber dem letzten Grund nachgegangen wird, kippt die Logik des Bösen.

Ich weiß, das ist jetzt sehr theologisch ... aber man denke an das Verhältnis von Hitze und Kälte. Kälte ist kein eigener Wert: Kälte ist nur die Abwesenheit von Wärme!
Deshalb scheint mir die Konstruktion einer "Vorgeschichte" eines Villains immer als nicht zu Ende gedacht! Und selbst, WENN eine Rechtfertigung gesucht/ konstruiert wird: Sobald der Wunsch nach Verständnis einer solchen Figur aufkommt, und nichts anderes kann eine Vorgeschichte sein ... so ist auch schon die Verantwortung gegenüber einem "Höheren Wert" auf dem Tisch!
Und damit wird ein Villain weniger ein Fall für einen Agenten Ihrer Majestät als vielmehr für einen Priester oder einen Psychiater!

Gerade fällt mir ein: So ähnlich äußert sich Bond am Ende von Casino Royale. "Über seine Seele hätten Sie mit einem Priester verhandeln sollen!"
(...denn dafür ist Bond einfach weder kompetent noch zuständig! Was hat das also in einem 007-Film zu suchen?!)
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Montag, 10. Januar 2022, 13:56

Dieses "Nicht-Kennen" stört mich zwar auch nicht, aber dennoch ist es doch das grössere Defizit, als eine möglicherweise nicht in allen Punkten stimmige Vorgeschichte.


Mir geht es genau anders: Mich stört eine nicht-stringente Geschichte deutlich mehr als das Nicht-Wissen jeglicher Ursachen.
Alles in allem geht es mir aber weniger um die Motivation, sondern darum, dass zumindest zu erkennen ist, was der Schurke will. Und das tue ich bei Safin nicht, und das hat nichts mit einer kritischen Haltung ggü. NTTD zu tun. Umgekehrt ist es eher so, dass der Villain den Film insgesamt arg runterzieht.
Bei einem Drax interessiert mich bspw. auch gar nicht, warum er die Menschheit auslöschen will. Aber das, was er tut, ist für sein Ziel nachvollziehbar. Dies ist bei Safin nicht so.

Und als Nachtrag: M.E. gewinnt Safin auch im englischen Original nicht besonders hinzu.
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Feirefiz

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Montag, 10. Januar 2022, 15:29

Ich bin den Thread noch einmal durchgegangen, und um der Legendenbildung entgegenzuwirken: Die Diskussion war von Anfang an bemerkenswert sachlich – abgesehen von den früh einsetzenden Versuchen, Kritik an NTTD generell zu diskreditieren.
Der letzte Teil Deiner Aussage stößt mich etwas vor den Kopf. Aufgrund welcher User-Statements ziehst Du dieses Fazit ? Ich bin den Thread nun auch nochmal durchgegangen und kann so eine 'generelle Diskreditierung' von kritischen Äußerungen zum Film in keinem einzigen Beitrag erkennen.


Ach, lassen wir das Fass lieber zu. Mein Fehler, hätte vor dem Gedankenstrich den Punkt setzen und dann zu NTTD übergehen sollen. Nichts für ungut!


Und: M.E. kommt Malek aus der Safin-Nummer auch nicht ganz ungeschoren raus. Zumindest erkenne ich bei ihm kein besonderes Bemühen, aus der wahnsinnig schlecht geschriebenen Figur vielleicht doch ein bißchen was zu machen.

Ich bin nun kein Oscar-Preisträger, doch selbst der beste Schauspieler kann nur mit dem arbeiten, was ihm Drehbuch und Regie an Möglichkeiten einräumen. Und da steht Malek nun einmal - wie schon Waltz - auf völlig verlorenem Posten. Ich habe keine Ahnung, wie man diesen Safin effektiver oder gar mit Bravour hätte spielen sollen. Jonathan Pryce versuchte ein ähnliches Dilemma mit Overacting und Klamauk zu lösen - Malek scheint sich in seiner Not in mimisches Understatement (bei Manierismen in der Sprachmelodie) zu flüchten, um seiner Figur etwas Mysteriöses zu verleihen, bleibt aber eine Sphinx ohne Geheimnis.Sein Minimalismus mag erst einmal an Jürgens und Lonsdale erinnern - die beiden hatten aber wesentlich bessere Dialoge und einen ganz anderen filmsichen Kontext zur Hand, in dem Villains einfach irre und böse sein durften. Und nutzen gekonnt die Spielräume, die ihnen gewährt wurden.
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Montag, 10. Januar 2022, 21:39

Ich bin nun kein Oscar-Preisträger, doch selbst der beste Schauspieler kann nur mit dem arbeiten, was ihm Drehbuch und Regie an Möglichkeiten einräumen.

Jein! Ich erinnere hier nur einmal an ein - zugegeben etwas plakatives, aber allseits bekanntes - Gegenbeispiel: Jack Sparrow, den Depp von einer 08/15-Piraten zum geistig verwirrten, und doch genial-charmantem Suffkopp entwickelt hat, laut übereinstimmenden Aussagen eben über das eher blaße Drehbuch hinaus. Beispiele dieser Art gibt es unzähige, andererseits ist auch klar, dass man aus Ochsenp*sse keinen Champagner machen kann. Malek bringt aber eben auch nichts in die Rolle mit ein, was man nicht vorher - weit besser möchte ich hinzufügen - schon in vielen anderen Bondfilmen gesehen hat. Zumindest hier war der schon angesprochene Carver von Jonathan Pryce aber definitiv zumindest mutiger und innovativer für die Bondserie, ganz egal ob man das Endergebnis für gelungen ansehen möchte.
JAMES BOND WILL RETURN!

336

Dienstag, 11. Januar 2022, 08:30

Ich denke auch Malek war keine gute Besetzung - wobei ich damit nichts über seine schauspielerischen Qualitäten aussagen will.
Die Gründe eines Villains zu kennen mag zwar wünschenswert sein, ein Actor muß m. E. die Rolle aber tragen.
Die Story hat zudem auch ihre Lücken, z. B. finde ich den Altersunterschied zwischen Swan und Safin als Erwachsene im Vergleich zur Kindheit unschlüssig.
Lasst es mich mal positiv formuliert so sagen: Es gibt gute Bond-Filme und bessere ... jeder darf für sich die Zuordnung jedes einzelnen Films machen :)
Viele Grüße
Benno-Imn

=> Benno-Imn: Meine James Bond 007 Collection

Feirefiz

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Freitag, 14. Januar 2022, 15:36

Ich bin nun kein Oscar-Preisträger, doch selbst der beste Schauspieler kann nur mit dem arbeiten, was ihm Drehbuch und Regie an Möglichkeiten einräumen.

Jein! Ich erinnere hier nur einmal an ein - zugegeben etwas plakatives, aber allseits bekanntes - Gegenbeispiel: Jack Sparrow, den Depp von einer 08/15-Piraten zum geistig verwirrten, und doch genial-charmantem Suffkopp entwickelt hat, laut übereinstimmenden Aussagen eben über das eher blaße Drehbuch hinaus. Beispiele dieser Art gibt es unzähige, andererseits ist auch klar, dass man aus Ochsenp*sse keinen Champagner machen kann. Malek bringt aber eben auch nichts in die Rolle mit ein, was man nicht vorher - weit besser möchte ich hinzufügen - schon in vielen anderen Bondfilmen gesehen hat. Zumindest hier war der schon angesprochene Carver von Jonathan Pryce aber definitiv zumindest mutiger und innovativer für die Bondserie, ganz egal ob man das Endergebnis für gelungen ansehen möchte.

Jein. ;) Denn ich habe meine Zweifel, dass man Malek gelassen hätte, wenn er den Film durch zu viel Originalität an sich zu reißen versucht hätte (ob er eine interessante Idee hatte und ob das alles dann auch gelungen wäre: „Das sind müßige Spekulationen“, wie schon unser Auric wusste). Ganz egal: Solchen Ansinnen hätte bei NTTD schon ein egomanisch-allmächtiger Hauptdarsteller entgegengestanden, der sich von einem entfesselten Wasserträger sicher nicht seine griechische Tragödie hätte kaputtmachen lassen – das besorgte er dann lieber selbst.

Bei den Piraten hat Orlando Bloom dem Vernehmen nach durchaus gespürt, dass der eigentliche Sidekick ihm gerade die Show stahl, hatte aber weder die Macht, es zu verhindern, noch das Talent, dem etwas entgegenzusetzen. Infolgedessen stieg jemand anders als der nominelle Hauptdarsteller zum Superstar des Jahrzehnts auf. Und deshalb in dubio pro Malek und contra Regie/Drehbuch. In dem Kontext würde mich übrigens interessieren, ob Javier Bardems manierierter Auftritt in SF vorgegeben war oder Mendes ihn eingedenk des Ledger-Jokers einfach machen ließ. Weiß da jemand was? Denn auf Grundlage des Drehbuchs hätte man Silva durchaus effektiv, bedrohlicher und trotzdem witzig „geradlinig“ spielen können. Jedenfalls sind Malek und Waltz zwei Beweise in Folge, dass Oscars und große Namen allein keinen brauchbaren Bond-Schurken ausmachen.

Nein, Oscar-Preisträger werten schlechte Drehbücher und willfährige Regie nicht auf. Passen aber die Umstände, investiert man (nebenbei, liebe Produzenten: mit deutlich kleineren Schecks) besser in Talente abseits von Hollywood (Fröbe etc.) oder amerikanische Darsteller aus der 2.-4. Reihe, die ein Bond-Engagement nicht als potenziell rufschädigend und/oder leicht verdientes Geld, sondern von vornherein als Karrierehöhepunkt verstehen und diesem Anspruch dann auch gerecht werden, wie etwa Robert Davi.

Freilich hatte der – ja was? – ein gutes Drehbuch.
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