Posts by Martin

    David Warner ist kurz vor seinem 81. Geburtstag verstorben. Ein Schauspieler, den ich wirklich sehr mochte. Seine Gesichtszüge konnten brutal wirken, aber auch sehr sympathisch. Am bekanntesten ist wohl seine Rolle in 'Titanic'. In 'SOS Titanic' (1979) und 'Time Bandits' war er sogar schon mal auf dem Schiff. Auch in Star Trek wirkte er dreimal mit, als Mensch, Klingone (mein Lieblingsauftritt in 'Das unentdeckte Land') und als Cardassianer in TNG. In Kultfilmen wie 'Tron' Und 'Das Omen' hatte er Nebenrollen, in 'Flucht in die Zukunft' spielte er einen zeitreisenden Jack the Ripper. Und als leider einzige direkte Verbindung zu Bond: In dem sehr freien Fleming-Biopic ‚Spymaker‘ mit Jason Connery war er Admiral Godfrey, Flemings Inspiration für M.


    Die ganze große Titelrolle blieb ihm leider verwehrt. Ich hätte ihn mir beispielsweise sehr gut als Richard Nixon vorstellen können. (Optisch auf jeden Fall ca. eine Million mal mehr als Anthony Hopkins...)

    Monty Norman, der Komponist des Bondthemes, ist mit 94 Jahren verstorben. Er kam als Komponist des ersten Bondfilms Dr. No zum Einsatz und basierte dessen Titelmelodie auf einem Musical-Song, das aber nie aufgeführt wurde. Ursprünglich klang es aufgrund der Location des Musicals indisch, und erhielt erst durch das Arrangement von John Barry den typischen Schliff. Ironischerweise erklang das Thema als Im-Film-Musik in Octopussy ausgerechnet in Indien. Ein kleiner Seitenhieb Barrys in Richtung Norman?

    Elvis (2022)

    Irgendwie hatte ich gar keine richtige Lust auf den Film, obwohl ich Baz Luhrmanns Filme bisher sehr mochte. Aber der Trailer hat mich nicht überzeugt, weil Austin Butler vom Typ her für mich so gar nichts mit Elvis gemein hat. Da fand ich Kurt Russell in John Carpenters TV-Film seinerzeit besser besetzt. Aber interessanterweise funktioniert der Film trotzdem sehr gut. Am Ende hat man Butler voll akzeptiert, und die letzten Minuten, in denen er mit Make-up agiert, sind wirklich grandios und berührend. Vor allem seine Bühnenpräsenz und seine unverwechselbaren Bewegungen trifft er sehr gut.


    Mit dem Verhältnis zwischen Elvis und seinem Entdecker und Manager "Colonel" Tom Parker (Tom Hanks), das erst später aufgearbeitet wurde, zeigt er auch eine bisher noch nicht so wirklich ausgeleuchtete Facette. In diesem Punkt hat mich der Film ein bisschen an "Amadeus" erinnert. Tom Hanks ist wie immer souverän, allerdings hatte seine Darstellung durch die Maske und den Bauch, die wohl an Sidney Greenstreet erinnern sollte, einen ganz leichten Hang zur Karikatur.


    Die Musikauswahl mit einigen modernen Rapeinlagen kann man sicher kritisch sehen, sind aber wohl Luhrmanns Stil geschuldet. Auch in "Der große Gatsby" hatte er ja schon moderne Musik eingesetzt. Insgesamt ist sein berühmt(-berüchtigter) buchstäblich theatralischer 'Red-Curtain'-Stil mit Durchbrechen der vierten Wand, etc., hier schon sehr zurückgenommen. Da Elvis' vor allem spätere Las-Vegas-Auftritte ja selbst vor Theatralik sprühten, passt das schon sehr gut. Insgesamt eine ganz klare Empfehlung.


    Nightmare Alley (2021)

    Von der Atmosphäre her gar nicht mal so weit weg von Elvis, der am Anfang auch das Schaustellermilieu beleuchtete. Und auch hier geht es um den typischen amerikanischen Traum vom Tellerwäscher zum Millionär, und den Preis dafür. Für mich der überzeugendste Guillermo Del Toro seit Mimic. Die Ausstattung ist herausragend, sowohl was die Jahrmarkt-Atmosphäre als auch das Art-Deco-Großstadt betrifft. Auch die Darstellerriege ist imposant. Am Anfang war wohl mal Leonardo Di Cabrio für die Hauptrolle im Gespräch, aber ich finde Bradley Cooper hier passender. Vor allem da man ihn so noch nicht gesehen hat. Auch Blanchett, Dafoe, Mara und Colette sind alle sehr gut. Schön auch, mal wieder Mary Steinburg zu sehen. Von der Atmosphäre her hat der Film was von "The Prestige". Auch wenn die Story nicht völlig unvorhersehbar ist, ist es doch ein sehenswerter Film.

    Mal wieder AVTAK. Die John Glens und die beiden Gilberts aus den 70ern sind für mich irgendwie die ultimativen Sommer-Bonds. Inklusive LTK, auch wenn da etwas die sommerliche Leichtigkeit fehlt. Schon krass, wenn man bedenkt, dass wir seit 33 Jahren nur noch Winter-Bonds hatten. Da kommt einen Draxens Zitat in den Sinn: Was Sie angeht, wird es für immer Winter sein!


    Klar, der Film ist schon irgendwie sehr cringe, aber im Gegensatz zu vielen moderneren Beiträgen gefällt mir hier der gesamte dritte Akt nach der Feuerwehrjagd sehr gut. Dem Film werden immer handwerkliche Schlampigkeiten angezählt, aber die Bergwerks- und Brücken-Action sind klassisches Filmhandwerkskunst der Spitzenklasse.


    Lustig ist, dass Bond hier meint, dass es von ihm erwartet werde, sich auf einer Mission im Notfall zu opfern. Und hätte ihm das Drehbuch nicht eine umgedrehte May Day geschenkt, hätte er hier eigentlich schon den Craig machen müssen. Lustig auch, dass M in der Annahme, dass Bond wirklich dabei draufgegangen ist, noch herzlich über Gogols Witz lachen kann.


    1. OHMSS 298

    2. CR 283

    3. TLD 273

    4. TSWLM 261

    5. DAD 256

    6. FYEO 249

    7. LTK 245

    8. YOLT 240

    8. QOS 240

    10. FRWL 234

    10. DAF 234

    12. GF 231

    13. LALD 230

    14. MR 227

    15. AVTAK 225

    16. TB 222
    17. OP 221

    18. SF 210

    19. GE 205

    20. TWINE 199

    21. DN 196

    22. TND 194

    23. TMWTGG 186

    24. NSNA 143

    25. SP 82

    26. CR `67 43

    27. NTTD 21

    Frohe Kunde fürs große Jubiläumsjahr:


    "Die langjährige James-Bond-Produzentin Barbara Broccoli hat erneut klargestellt, dass die Filmreihe um den berühmten Geheimagenten fortgesetzt wird. Allerdings werde es noch mindestens zwei Jahre dauern, bis die Dreharbeiten zum nächsten 007-Abenteuer beginnen könnten, sagte Broccoli dem Online-Magazin „Deadline“.


    Nach dem dramatischen Ende des bisher letzten Films „Keine Zeit zu sterben“ gehe es nun darum, James Bond neu zu erschaffen. „Wir erfinden neu, wer er ist“, sagte die 62-Jährige. „Und das braucht Zeit.“


    Die Suche nach einem neuen Hauptdarsteller habe deshalb noch nicht begonnen. „Niemand ist im Rennen“, betonte Broccoli mit Blick auf ständig neu aufkommende Gerüchte über einen Nachfolger von Daniel Craig. „Wir müssen uns überlegen, welche Richtung wir mit ihm einschlagen, darüber sprechen wir. Es gibt kein Drehbuch, und wir können uns auch keins ausdenken, bevor wir entschieden haben, wie wir den nächsten Film angehen wollen. Denn es ist wirklich eine Neuerfindung von Bond.“"


    Ehrlich gesagt habe ich schon damit gerechnet, dass Bond für die nächsten Jahre von der Bildfläche verschwinden wird. Würde auch wetten, dass man den Rekord von 6 Jahren Pause diesmal brechen wird. Wenn überhaupt noch mal was kommt. Die letzten drei Jahre haben gezeigt, wie schnell selbst eine fixe Produktion in der Versenkung verschwinden kann. Mit einer äußerst fragilen Weltwirtschaft habe ich da irgendwie wenig Hoffnugen. Und ich werde das Gefühl nicht los, dass das Broccoli auch so recht wäre. Diese ganze Gequatsche von wegen "zwei Jahre lang nachdenken" klingt für mich eher nach jemanden, der Zeit schinden will, weil er eigentlich keinen Plan und auch keinen Bock hat. Denn einen Plan hatten sie doch nie ansatzweise. Selbst nach dem überraschend gut geglückten CR, für den sie einen der besten Fleming-Romane zur Verfügung hatten, kam ein völlig blindes Trial-and-error. Sie wird die zwei Jahre mit dem verbringen, was sie auch schon die vergangenen zwei Jahre nach der fertigen Produktion gemacht hat: Hier ein Theaterstück, dort eine kleine Filmproduktion. Das einzige, was da mit Bond zu tun haben wird, wird ein Beobachten der Filmbranche sein, wie andere ihre verunglückten Franchises retten. Und das wird man dann wieder kopieren.


    Ich bin ehrlich gesagt froh, dass diese zwei Jahre mit erwartungsgemäß guten Mission-Impossible-Filmen gefüllt sein werden. In der Zeit, die Broccoli mit nachdenken zubringt, kriegen Leute mit Leidenschaft mehrere Spitzenfilme zustande.

    Egal was Craig jetzt so verlautbart – dass Bonds Tod schon 2005/06 auf der Agenda stand, halte ich für ähnlich nachträgliche Schaumschlägerei wie Oberhausers Einlassungen in SP. Hier imitiert das Leben die (nun ja) „Kunst“, wenn der Daniel nun sagt:. „Das war alles ich.“ Mit welchem Recht sollte er so etwas denn damals gefordert haben als mäßig erfolgreicher Schauspieler, der zudem von den Fans nicht mit offenen Armen empfangen wurde?


    Bezüglich dieser Äußerung Craigs muss ich mich leicht korrigieren. Es war nicht die Bedingung, die Rolle zu übernehmen, sondern wohl eher ein mündlicher Deal zwischen ihm und Broccoli für weitere Filme, der nach dem Erfolg von CR geschlossen wurde:

    I’m going to tell a story here, whether or not anybody remembers it or agrees with it,” said Craig. “But it was 2006. Barbara and I were sitting in the back of a car driving away from the Berlin premiere of Casino Royale. Everything was going well. People liked the movie. And it looked like I was gonna get a chance to make at least another movie. I said to Barbara, ‘How many of these movies do I have to make?’ Because I don’t really look at contracts or any of those things. And she said, ‘Four,’ and I went, ‘Oh, okay. Can I kill him off in the last one?’ And she didn’t pause. She said, ‘Yes.’ So, I struck a deal with her back then and said, ‘That’s the way I’d like it to go.’ It’s the only way I could see for myself to end it all and to make it like that was my tenure, someone else could come and take over. She stuck to her guns.” (Quelle )

    Klar, kann man anzweifeln. Dann frage ich mich allerdings schon, warum er so etwas behauptet. Falls es nicht stimmen würde, würde er sich sowohl bei Fans als auch bei Broccoli unnötig unbeliebt machen. Die Behauptung fände ich dann auch nicht so viel weniger unsympathisch, als wenn es wirklich so passiert wäre. Und ehrlich gesagt, traue ich es beiden zu. Craig mag sich gedacht haben: Wenn ich schon zig Jahre meines Lebens für ein Franchise opfere, dann will ich am Ende wenigstens als Schauspieler etwas machen, was noch niemand durfte. Und Broccoli wird heilfroh gewesen sein, mit CR endlich etwas Kritikerlob bekommen und eine ungefähre Richtung für die nächsten Jahre zu haben. Außerdem ist ja durch ihre Äußerungen mittlerweile bekannt, dass ihre Bewunderung für Craig ganz leicht über das übliche Produzenten-Schauspieler-Verhältnis hinaus geht. Letztens hat sie ihn als besten Schauspieler aller Zeiten bezeichnet, und sie produziert auch lieber Shakespearestücke für ihn, als überhaupt über die Zukunft der Reihe nachzudenken. Das alles hat schon irgendwie das Zeug für eine Komödie im Stil der Coen-Brüder: Eine Produzentin, die ein extrem erfolgreiches Action-Franchise erbt, sich dann in ihren Hauptdarsteller verguckt und ihm alle möglichen Freiheiten einräumt, und der dann um sich schauspielerisch zu profilieren das Ganze in Rosamunde-Pilcher-Melodramen verwandelt.

    Zur Zeit ist es einfach so, dass ich auf Craig allgemein keinen Bock habe. Kann man kindisch finden, ist aber so. Vielleicht ändert es sich auch mal wieder. Seltsamerweise hat auch die Brosnan-Ära wieder gewonnen. Ich hab mir nach NTTD als erstes GE angesehen und wusste schon vorher, dass ich den Film besser finden würde als sonst, weil mir klarer geworden ist, was man sich bei der Neu-Interpretation Bonds für die 90er gedacht hatte.

    Quote

    Aktuell frage ich mich, ob man die gesamte Handlung nach dem Main title als eine Art Nahtoderfahrung oder Wachkoma Bonds interpretieren kann. Besonders die auf mich immer surreal anmutenden Schottland-Szenen sprächen aus meiner Sicht für diese These. Theoretisch ließe sich das sogar auf die Nachfolgerfilme ausdehnen und würde eine Erklärung für deren eklatanteste Schwächen ("Das war alles ich" und Bonds Tod) liefern. Im Augenblick des Todes folgt im Traum ja oft das Erwachen. Hier könnte dann der neue Bondfilm anknüpfen.


    Das wäre dann die Dallas-Methode. :D Bei DAD gibt es ja da auch Theorien, dass Bond den Folterknast nie verlassen hat. Und Fukushima hat in einem Interview auch mal erzählt, dass er mit dem Gedanken gespielt hat, alles ab der Folterszene in SP als Haluzination zu erklären.

    Sanft ausgedrückt halte ich es für unmöglich, zumindest in höchstem Maße für unwahrscheinlich, dass ab 2006 allen folgenden Filmen ein "Master-Plan" zur Vernichtung des Bond-Kosmos zugrunde lag! Wer den frühen Enthusiasmus der Craig-Bonds bis SF nicht mehr wahrnehmen kann, weil der Destruktivismus der letzten beiden ihm die komplette Laune verhagelt hat, der sollte sich mal ganz nüchtern fragen, wie ein "Goldfinger" noch bestehen soll, nachdem sieben Jahre später der gleiche Regisseur mit "Diamantenfieber" etwas diametral entgegengesetztes geschaffen hatte! GF steht für sich ... mit oder ohne DAF! Genauso stehen CR06, QoS und SF für sich ... mit oder ohne SP und NTTD!


    Nun ja, Craig hat mittlerweile mehrfach zugegeben, dass er die Rolle nur unter der Bedingung angenommen hat, sie in einem zukünftigen Film auch sterben zu lassen. Für mich ist das schon eine Art Masterplan. Und ja, ich würde lügen, wenn ich sage, dass sich dadurch nicht ein gewisser Schatten auch über die früheren Craigfilme legt. Wenn ein James Cameron beispielsweise heute zugeben würde, dass er schon immer geplant hatte, John Connor in einem zukünftigen Film über den Haufen zu ballern und ihn als Retter der Menschheit durch irgendjemand anders zu ersetzen, würde das in meiner Wahrnehmung die ersten beiden Terminatorfilme auch beschädigen. (Schon schlimm genug, dass er den Müll produziert.) Ich finde es legitim, Vergangenes im Licht neuer Erkenntnisse anders zu bewerten. Die Geschichtswissenschaft macht nichts anderes. Zumal es vor allem einfach subjektive Wahrnehmungen sind, und insofern eigentlich nicht 'debil'. Ich bin mir sicher, dass sowohl Broccoli als auch Craig sehr genau bewusst war, dass dieses Ansinnen sehr viele Fans vor den Kopf stoßen wird und auch von Cubby Broccoli niemals angedacht, geschweige denn abgesegnet worden wäre. So etwas sagt doch schon einiges über das Verständndis der Rolle und des Franchise' aus. Für mich ist das etwas krass ausgedrückt ähnlich, wie wenn man ein Tier nur deshalb füttert und pflegt, weil man es irgendwann schlachten will.

    Eine Rolle, für die Tausende anderer Schauspieler alles geben würden, nur anzunehmen, wenn man sie sterben lassen kann, ist für mich einfach ein Zeugnis enormen Narzissmus'. Und das fällt man mal auch ins Gewicht, wenn ich einen Bonddarsteller bewerte. Ich sehe im Darsteller immer auch den Menschen dahinter, vor allem weil man die Rolle nicht im klassischen Sinne 'spielen' kann, sondern sie irgendwo auch mit seinem Charakter ausfüllen muss. Deshalb ist Roger Moore auch mein Lieblingsdarsteller. Ich glaube, wenn allen anderen Darsteller die Macht gegeben worden wäre, die Craig in Produktionsfragen hatte, hätte das Franchise bei Moore den wenigsten Schaden genommen. Connery traue ich absolut zu, dass er Bond ebenfalls hätte sterben lassen, wenn auch mehr aus Überdruss. Dalton hat sich auch schon während seines Engagements sehr kritisch über frühere Filme geäußert, was Moore nie gemacht hat.Bei Brosnan hätten wir einen Tarantino-Bond und wahrscheinlich noch viel gewagteres zu sehen bekommen. Bei Moore kann ich mir nur vorstellen, dass er zum einen gewisse Klamauk-Elemente wie die Gorilla- und Clowns-Verkleidung in OP geändert hätte, zum anderen härtere Szenen wie in AVTAK. Aber er hatte die größte Professionalität und den meisten Respekt vor anderen kreativen Mitwirkenden.

    Die Diskontinuitäten zwischen GF und DAF, und überhaupt zwischen den Filmen vor 2006, sind in meiner Wahrnehmung auch wesentlich geringer. Wobei ich auch hier sagen muss, dass die späteren Connery-Filme die Gesamtbewertung seines Bonds etwas beeinträchtigen. Die Kontinuität war früher immer augenzwinkernd, und ab CR dann von einer ganz anderen, ernstgemeinten Qualität.

    Quote

    Gerade Skyfall zeigt uns in genialer Weise, dass James Bond sich eben NICHT unterkriegen lässt! Besonders in diesem großartigen Streifen, wo 007 wirklich zum allerersten Mal fast eine Bruchlandung hinlegt, die beinahe das Ende seiner Person und seiner Karriere hätte bedeuten können, ... kommt er ohne fremde Hilfsmittel und ohne alberne "Super-Kräfte" wieder heraus! Nur durch die Kraft seines eisernen Willens, durch seinen Patriotismus, durch seine Nibelungentreue! Diese "Auferstehung" (so sagt er es ja selbst!) ist wirklich etwas bond-typisches ... und eine Herausforderung, vor der der Roman-Bond zwar schon, aber kein Film-Bond vorher je gestanden hat! Besser und plausibler geht es nicht!


    Ich mochte SF auch schon immer mehr als viele andere Fans, allerdings würde ich hier auch nicht uneingeschränkt zustimmen. Man muss beachten, dass DAD ein komplettes Jahrzehnt vor SF entstand, zu einem Zeitpunkt, als niemand einen gefolterten, vom eigenen Geheimdienst verratenen und aufgegeben Bond erwartet hat. Im Lichte der Craig-Ära wird das gern vergessen. Nach dem Erfolg der Bourne-Reihe war es ja fast schon en vogue, Agenten als gebrochen und physisch und psychisch leidend darzustellen. In DAD war das ein mutiges und frisches Element, dass vielleicht sogar ein bisschen den Weg für die Craig-Filme gebahnt hat. Dadurch, dass DAD so viele andere Aufreger hatte, hat man das gern übersehen, und es wurde als Innovation nicht wirklich thematisiert. Desweiteren geht es ja in DAD um seine Rehabilitation als Patriot und Agent, was eine andere Situation ist als in SF, wo er einfach aufgrund einer Entscheidung von M abgeschossen wird.

    In SF überlebt er wie gesagt Schüsse mit Uran-Munition und einen Sturz, den Zorin getötet hat. Das ist für mich eigentlich nicht weniger realistisch oder phantastisch wie Bonds Herz-Anhalten und nach Hong Kong schwimmen in DAD. Im Roman hat Bond auch den ganz normalen und mühsamen Weg durch die Instanzen gewählt, als er nach seinem vermeintlichen Tod zum MI6 zurückkehrt. In SF bricht er in Ms Wohnung ein, und das sogar zum zweiten Mal und nachdem sie ihn dafür verwarnt hatte. Darin zeigt sich eine grundlegende Respektlosigkeit von Craigs Bond gegenüber Autoritäten, die für mich absolut nichts mit dem Fleming-Bond zu tun hat, und die für mich auch NTTD wieder ungenießbar macht.

    DAD ist bei mir auch noch vor SP und weit vor NTTD. In seinen guten Szenen, und die hat er ohne Zweifel, versprüht er sogar mehr Bondfeeling als so mancher spätere Film.

    Bei war mal wieder Octopussy im Player. Kaum einen Bondfilm verbinde ich mehr mit dieser Jahreszeit zwischen Frühlings- und Sommer-Anfang, und gar nicht mal wegen der Eier-Oster-Assoziation. Um mal neue Aspekte zu entlocken, diesmal mit Kommentar von John Glen. Offenbar hatte er bei den Dreharbeiten wirklich enormen Spaß. Ich glaube, der Film hat lässt keinen Gag und Trick aus der Filmgeschichte aus, aber wenn man sich drauf einlassen kann, ist es ein Mordsspaß. Diesmal konnte ich es. Interessant fand ich auch, wie sehr man sich damals noch um die jüngeren Zuschauer bemühte. Das Säge-Jojo wurde zB extra eingebaut, damit Kinder etwas mit Bezug dazu haben. Am Ende auch bei der Zirkusvorstellung. Diese Zielgruppe völlig aufzugeben wird sich längerfristig vielleicht mal als der größte Fehler der Craigzeit herausstellen...

    1. OHMSS 298
    2. CR 283
    3. TLD 273
    4. TSWLM 261
    5. DAD 256
    6. FYEO 249
    7. LTK 245
    8. YOLT 240
    8. QOS 240
    10. FRWL 234
    10. DAF 234
    12. GF 231
    13. LALD 230
    14. MR 227
    15. AVTAK 225
    16. TB 222
    17. OP 221
    18. SF 210
    19. GE 205
    20. TWINE 199
    21. DN 196
    22. TND 194
    23. TMWTGG 186
    24. NSNA 143
    25. SP 82
    26. CR `67 43
    27. NTTD 21

    Für mich wäre SP auch noch ein besserer Abschluss gewesen als NTTD. Er hat zwar die vielleicht zweitdebilste Idee der Bondgeschichte, aber selbst diese wirklich schwer zu unterbietende Idee, das Konzept der Bondparodie Goldständer als todernstes Drama aufzuziehen, ist für mich irgendwie immer noch in diesem Bereich der popkulturellen Stilblüten, die durch ihre unglaublichen Dummheit doch wenigstens ordentlich Diskussionsstoff bieten. Die debile Idee von NTTD dagegen, Bond von einem ewig jugendlichen Peter Pan, der vergnügt all die Spielzeuge, die ein kopfschüttelnder Q ihm aushändigt, zerstört, zu einer zickigen Diva mutieren zu lassen und nicht nur extrem altern und erwachsen werden, sondern auch mit einem ekelhaft klebrigen, selbstverliebten Pathos, der selbst ein 'Pearl Harbour' wie einen Kubrick-Film wirken lässt, abkratzen zu lassen, ist dagegen für mich tatsächlich das worst case scenario der debilen Ideen. Das ist nicht nur nicht dieselbe Liga, um es mit Jules Winfield zu sagen, das ist noch nicht mal derselbe Sport. Man könnte sich darüber streiten, ob es überhaupt noch Sport ist. Das ist wie mit dem Alzheimer-Opa, der mit seinen Aktionen Chaos auslöst, der Familie aber letztlich doch ein kopfschüttelndes Schmunzeln abringt, aber dann ein Auto klaut und einen Menschen überfährt.

    Die gesamte Craig-Ära lässt sich vergleichen mit einem Soziopathen, der den Zauber des Verliebtseins erlebt, aber statt mit dieser ersten Liebe eine Beziehung aufzubauen, immer wieder aufs Neue mit anderen Frauen den Zauber des Verliebtseins sucht, daher immer größere Kicks braucht und letztlich allein dasteht. Die Katalyse des Bondwerdung brauchte das Drama, aber das Drama an sich wurde dann wichtiger als die vermeintlich angestrebte Bondwerdung. All die debilen Ideen der Craig-Ära - Bond als mit Uran-Munition angeschossenes, hunderte Meter tief gefallenes und halb tot gesoffenes Wrack, Blofeld als übermächtig schicksals-orakelnder Stiefbruder, Bond als beziehungsunfähiger Unsympath, der letztlich der Welt den größten Gefallen tut, indem er sich heulend wegbomben lässt - sind dramaturgische Äquivalente der Dauerballerei und hilflos überbordenden Science-Fiction-Elemente der Brosnan-Ära. Sie wirken wie immer absurdere Kicks, ausgelöst durch eine Unfähigkeit, Dinge auf normale Weise wahrzunehmen und zu fühlen. Es gibt ja immer wieder mal die Diskussion, ob Bond ein sozio- oder gar psychopathischer Charakter ist, aber ironischerweise ist es die für ihn geschaffene Welt, die ihn immer soziopathischer agieren lässt.

    Aus heutiger Sicht auch sehr interessant: Glaubt ihr an eine Stiländerung in Bond 21? vom Januar 2003.

    Interessant insofern, dass die Fangemeinde - zumindest die in diesem Forum - hier an einem ähnlich ernüchtert-pessimistischen Punkt angelangt war wie jetzt nach NTTD. Die entscheidende Frage - Wird Eon den eingefahrenen Stil grundsätzlich ändern, nachdem man damit enormen Erfolg hatte? - wurde fast asschließlich negativ beantwortet.

    Auszüge: "(seufz) ne Stiländerung wäre fast schon ein Wunder. Dazu ist der tolle neue Stil zu erfolgreich." - "Ich fürchte auch dass Bond 21 ähnlich sein wird wie DAD! Ich glaube nur ein Box-office-Desaster oder ein mutiger und guter Regisseur könnten da was ändern!!" - "Ich glaube die Produzenten haben wohl keinen Mut für eine Stiländerung!" - "Wieso sollten die Produzenten für eine Stiländerung sein? DAD hatte an den Kinokassen einen riesigen Erfolg. Also werden sie versuchen DAD noch zu toppen. Also noch mehr Action und Computereffekte. Ich habe dabei als Bondfan ein ganz mieses Gefühl." - "Ich vermute mal der Film wird sich nicht großartig von DAD unterscheiden da er sich so ja ganz gut verkaufen lässt. Ich finds echt ätzend das sich die Bondfilme so entwickeln."

    Gab aber auch Ausnahmen: "Wir sollten die Produzenten der Bond-Filme nicht als Ignoranten hinstellen, die keinen Sinn für die Traditionen Bonds haben. Ich finde, Ihnen ist die Balance zwischen Tradition und modernen Actionfilm in den 90ern mit den Brosnan-Bonds gut gelungen ist. Das trifft besonders auf TWINE zu. Zugegeben, in DAD ist relativ viel Geballer und Action und relativ wenig gute Story, wobei der Film bis Kube wirklich großartig ist. Da kann er sich meiner Meinung nach gut mit Filmen wie GF, OHMSS, TSWLM, FYEO oder TLD messen. Nur ist er eben danach abgeflacht.

    Also, ich kann mir gut vorstellen, dass sich die Produzenten und Drehbuchautoren für Bond 21 was gutes einfallen lassen. Sie können schließlich nicht noch einen Jubiläumsfilm drehen, dem man die ganzen Anspielungen zu vorherigen Filmen noch verzeiht. Im nächsten Film muss wirklich mal wieder was neues her. Ich denke im Moment sind die Filme an einer Stelle, wie es nur 1979 nach MR war. Noch höher, schneller und weiter geht nicht."


    Bekanntermaßen kam Eon dann mit einer Stiländerung um die Ecke, die wohl selbst die vorsichtigsten Optimisten umgehauen hat. Vielleicht ein Grund für vorsichtige Hoffnung. Grundsätzlich gilt hier wohl die alte Connery-Weisheit "Sag niemals nie". Der Unterschied zu damals ist allerdings, dass man a) die Entwicklung wohl bei Eon selbst kritisch sah, und b) die Produzenten noch wesentlich jünger waren.

    In der Nachbetrachtung zu NTTD hatte ich nach alten Forenbeiträgen gesucht, in denen die Möglichkeit von Bonds Tod diskutiert wurde, lange bevor dieses Thema in den Filmen überhaupt denkbar wurde. Ich kann mich an einen Post erinnern, den ich selbst eröffnet hatte und in dem ich ein bisschen provokativ in den Raum geworfen hatte, dass Bond ja eigentlich auch mal sterben könnte, weil er ja eh immer wieder mehr oder weniger soft rebootet wird. Ich kann mich an keine einzige auch nur annähernd positive Reaktion auf diesen Gedanken erinnern, aber wie das immer so ist, finde ich genau diesen Beitrag beim besten Willen nicht mehr. Aber es gab im guten alten Razyboard-Forum ähnliche Threads. Und beim Suchen ist mir aufgefallen, wie unglaublich zahlreich und vielschichtig die Themen seinerzeit waren. Warum also nicht mal das wöchentliche Ausgraben eines interessanten Threads aus dieser interessanten Zeit?

    In diesem Sinne: Was glaubt ihr wie WÜRDE Bond mal sterben???

    Interessant fand ich vor allem folgenden Beitrag: „ Ich gehe davon aus, rein filmisch werden wir Bonds Tod tatsächlich nie zu Gesicht bekommen, obwohl Brosnan mal meinte, er fände es interessant zu spielen (kurz drauf durfte er wirklich für TOP eine Sterbeszene hinlegen, aber es gefiel dem Testpublikum nicht, und so flog es wieder raus). Irgendwann halt wird die Serie ihr Ende finden - es wird einfach kein neuer Film mehr gedreht.

    Abgesehen davon, habe ich einen Aspekt aus dem "Abgang" Thread im Kopf: Bond sollte so sterben, wie er gelebt hat. Er sollte selbst entscheiden - das ist ein Luxus, den nur die Wenigsten haben werden. In TND zum Beispiel ist er geblieben, obwohl Admiral Roebuck bereits die Missile zum Abschuß freigegeben hatte, um die MIG mit dem atomaren Sprengkopf zu evakuieren. In freundlichem Feuer als Kollateralschaden zu enden ist zwar an sich ne blöde Art, aber es wäre seine eigene Wahl gewesen.“


    Stimmt, das ist schon etwas seltsam. Das Verhältnis der Allgemeinheit zu Bond ist eh etwas merkwürdiges. Die Filme sind ja schon relativ beliebt bei den meisten, aber den wenigsten liegen sie offenbar so am Herzen, dass sie bestimmte Wünsche oder Erwartungen daran knüpfen. Hauptsache man langweilt sich nicht und hat das Gefühl, dass es mal was anderes ist. Und wenigstens das bieten die Craigfilme ja.

    Auch von meiner Seite ein überdeutliches L ob, der Text resümiert meine Empfindungen der letzten Jahre prächtig, die ersten beiden Craigs kann man mögen oder auch nicht, aber sie waren in ihrem Wegpfad konsequent und kein "Quatsch". Die Entscheidungen in den Craig-Darbietungen 4 und 5 hingegen haben mit dem eigentlichen "Neubeginn" der späten 2000er Jahre nichts mehr zu tun und machen diesen im Nachhinein völlig überflüssig. Positiv aber immerhin: Brosnans Ära steigt in meiner Gunst seit Spectre (2015) wieder sehr deutlich an.


    Sehe ich ähnlich. Viele argumentieren ja, dass mit CR schon klar war, dass dies ein anderer Bond ist, ein anderes, eigenes und abgeschlossenes Universum. Aber so klar war das für mich nie. Es hätte zum einen auch einfach ein Erzählen des Anfangs des einen James Bond sein können, nur eben transportiert in die Gegenwart. Ähnlich wie The Batman nun die frühen Jahre von Batman erzählt, auch nur aktualisiert für die Gegenwart. Oder wie der Sherlock Holmes in 'Sherlock' auch der Sherlock Holmes ist, und nicht irgendein Pareleluniversums-Klon mit anderen Eigenschaften. Man muss nicht gezwungenermaßen davon ausgeben, dass das jeweils völlig verschiedene Figuren in unterschiedlichen Universen sind. Warum hätten Connerys oder Daltons Bond nicht genauso wie der Romanbond zu Beginn ihrer Karriere mal Vesper im Casino Royale treffen können? Abgesehen von einigen Details wie Moneypenny und Q halte ich das überhaupt nicht für abwegig.

    Und selbst wenn man sich an dem Gegenwarts-Setting stört, hätte es auch einfach ein zweiter 'Dr. No' sein können, der Beginn einer neuen Reihe von Bondfilmen, auf den sich alle weiteren beziehen. Für mich war es bis SF alles andere als abzusehen, dass man Craigs Ära unbedingt irgendwie "abschließen" muss. Weshalb ich die Filme bis dahin auch mochte. Aber es musste ja unbedingt das ganz große Shakespeare-Drama für den GröBaZ sein, damit er ja für alle Zeiten allein steht.

    Das Gute daran ist vielleicht, dass sich die beiden debilen Ideen von SP und NTTD gegenseitig aufheben. Wenn Craigs Bond nicht der Bond der vorherigen Filme ist, sondern eine 'Blase in der Blase' oder was auch immer, dann kann man diesen Blofeld-Schwachsinn in Zukunft auch einfach im Mülleimer der Filmgeschichte belassen. Hätte Craig nach SP aufgehört, wäre dieser Bullshit wohl irgendwie 'kanon' geblieben.

    @Mr. Bond: Ich beziehe mich da vor allem auf die größten englischsprachigen Facebook-Gruppen. Die Serie und Adam West sind da absolut nicht auf dem Niveau von CR'67, sondern völlig etabliert. Natürlich gibt es auch zahlreiche Fans, die damit nix anfangen können, aber sie ist definitiv ein akzeptierter Teil des Fandoms. Für Fans ist das eigentlich auch gar nicht so abwegig, entwickelten sich die Comics nach dem Comic Code in den 50ern doch stark in dieselbe Richtung, mit Raumflügen, Fantasy-Gegnern, Kobolden etc. pp. Dieser campy Batman hat sich über Jahrzehnte gehalten und Jugendliche geprägt.

    So wegweisend Batman 1989 war, ist er gemessen an den Comics nicht wirklich vorlagentreu. Joker hieß dort nie Jack Napier. Der Mörder der Waynes ist Joe Chill und war eher ein kleines Licht, der von seinen eigenen Bandenmitgliedern gemeuchelt wurde, nachdem sie erfahren hatten, dass er für die Entstehung von Batman verantwortlich ist. Bei Batman Returns sind die Abweichungen zum Teil noch größer. Auch die Nolan-Filme nehmen sich sehr viele Freiheiten. Two-Face entstand beispielsweise tatsächlich bei einem Säureanschlag in einem Gerichtssaal, wie Batman Forever es zeigt, und nicht bei einem Brand. Auch wurde der junge Bruce Wayne nicht von der Liga der Schatten ausgebildet und vieles weitere.

    Die Filme von Zack Snyder sind dagegen sehr nahe an entsprechenden Comicvorlagen, mal ganz abgesehen von anderen filmischen Qualitäten, weshalb die Hardcore-Comicfans ihn als beste Interpretation sehen. Und hey, er hat fast Superman besiegt, also muss er nach deren Logik der größte sein. Ähnlich wie viele Bondfans Craig am nächsten an den Romanen sehen. (Für mich ist das allerdings eindeutig viel mehr Dalton.) In Umfragen in diesen Gruppen liegt Affleck immer ziemlich weit oben. Das ist eben das, was Nerds ausmacht. Vorlagentreue zählt mehr als filmische Qualitäten. Ich denke, wir sind uns einig, dass Nolans Batman der bisher beste ist, und auch Burton sehr gut war, aber für einen Großteil der Fans zählen eben andere Dinge. Für gemäßigte Zuschauer zählt einfach die erzählerische Qualität, auch, weil sich ein Franchise auch nie wirklich weiter entwickelt, wenn man sich immer nur sklavisch an frühere Geschichten hält. Für mich ist Afflecks Batman eigentlich weder gut noch schlecht, er interessiert mich einfach nicht. Ich hab da diese Distanz, die ich bei den Craigfilmen gerne hätte.

    EDIT: Hab gesehen, dass du in deiner Liste 'Batman Returns' vergessen hast, Mr. Bond.

    Ja, die Serie... Das ist so ein Phänomen. Ich hab damals nur mal sporadisch reingezappt und fand sie irgendwie... seltsam. Verglichen mit Bond rangiert sie für mich eher im Bereich Casino Royale '67. Umso erstaunter bin ich immer wieder, wie selbstverständlich sie für Fans Teil des Gesamtkosmos ist. Batman-Fans würden nie auf die Idee kommen, die in den Bereich des "Inoffiziellen" zu verbannen, nur weil sie im Grunde eine Parodie ist, und noch nicht mal eine sonderlich respektvolle. Im Gegenteil, Adam West, Cesar Romero und Co. sind immer mit dabei. Nimmt man bei Bond Barry Nelson oder David Niven und ihre Filme mit in eine Liste auf, gibt es jedesmal großes Naserümpfen und Grundsatzdiskussionen. Sogar Animationsfilme und Lego-Batman sind für Batman-Fans völlig normaler Bestandteil.

    Und auch das Nationalitäten-Problem scheint für Batman-Fans im Gegensatz zu Bondfans keine Rolle zu spielen. Dass Robert Pattinson Brite ist, ist denen völlig schnuppe. Umgedreht bei Bond wäre das ein halber Weltuntergang. (Und ja, ich gebe zu, ich hätte damit auch ein Problem.) Verglichen mit diesem Eon-Loyalitätskult finde ich das richtig erfrischend. (Mal abgesehen davon, dass dort Ben Affleck einen ähnlich unantastbaren Status hat wie Daniel Craig. Perfekt ist es halt nirgends...)

    Gestern zum Birthday von Jack Nicholson mal wieder:

    Batman (1989)
    Der Film war für mich immer ein bisschen der GoldenEye unter den Batmanfilmen. Ein extrem wichtiger Film für die Figur, der Hype um den Film hat großen Spaß gemacht und ich hab mich riesig drauf gefreut. Aber der Film an sich ist den Erwartungen dann nicht gerecht geworden, sondern wirkte seltsam steif und gewollt. Damals gefiel mir auch Nicholson als Joker nicht so sehr. Zum einen, weil ich mir den Joker immer völlig anders vorgestellt habe, eher jünger und dünn. Zum anderen wurde die Figur auch zu sehr erklärt. Ich finde es wesentlich reizvoller, wenn sie mysteriös bleibt, wie in The Dark Knight.

    Aber auch ähnlich wie bei GE sehe ich den Film mittlerweile wesentlich positiver. Er ist von der Burton/Schumacher-Reihe den Original-Comics am nächsten und baut zahlreiche Details aus ihnen ein. Dass Napier für den Tod der Waynes verantwortlich ist, ist künstlerische Freiheit, funktioniert dramaturgisch aber sehr gut. Und er hat das mit Abstand beste Produktionsdesign bisher. Anton Furst war quasi der Ken Adam der Batmanfilme. Bei ihm gefallen mir sowohl Gotham als auch der Anzug und das Batmobil am besten.
    Die Darsteller sind auch alle sehr gut. Schade finde ich nur, dass sowohl Alfred als auch Comissioner Gordon wesentlich weniger menschlich und nahbar wirken als später bei Nolan. Wer sich mit der Materie nicht auskennt merkt wahrscheinlich gar nicht, dass Batman und Gordon eine besondere persönliche Beziehung haben.

    Apropos GoldenEye: In beiden Filmen fällt der Satz "Die Feder ist mächtiger als das Schwert", und die Szene, in der Batman das Gewicht von Kim Basinger abschätzt, bevor er sich mit ihr am Seil in die Luft schwingt, erinnert mich immer stark an die entsprechende Szene mit Bonds Spezialgürtel.

    (Der Thread sollte übrigens eigentlich in den Filmbereich. Also falls hier mal ein Admin vorbeischauen sollte, bitte verschieben.)