Posts by Feirefiz

    Nachdem im alten Forum zuletzt der Spaltpilz die Themen vorgab und wir uns nicht von ungefähr über die (vermeintlich) debilsten Szenen ausgetauscht haben, lasst uns das neue Forum mit einem Thread der Eingkeit verbinden! Lasst uns Momente sammeln, die uns zum Fan des Agenten James Bond werden ließen! Damit meine ich nicht unbedingt besondere Stunts etc. - also etwa die Goldplatten-Szene aus GF oder den Bungee-Sprung aus GE (aber wenn die Euch besonders angefixt haben, immer gerne) -, sondern insbesondere die Szenen, in denen Euch Bonds Coolness im Sturm erobert hat!


    Ich beginne mal mit jeweils einer Szene aus meinen drei Lieblings-Bonds:


    GF: "Allmählich gefallen Sie mir, Mr. Bond ..." Die ultimative Verführungsszene der an solchen Szenen nicht eben armen Reihe ...


    OHMSS: Bond bricht bei Gumbold ein: Maximum professionell, maximum lässig, hochspannend und entspannt: Lazenbys Gesellen- und Meisterstück.


    LTK: Bond trinkt Kaffee mit Sanchez. Jeder, der Dalton Coolness, Lässigkeit und Souveränität abspricht, möge sich nur diese kurze Szene ansehen. Allein sein beiläufiges "No", mit dem er ablehnt, einen Kaffee anders als schwarz zu trinken (dabei sehen wir nur Sanchez Gesicht), sollte jeden Skeptiker für diesen grandiosen Bond gewinnen.


    TBC

    Aktuell frage ich mich, ob man die gesamte Handlung nach dem Main title als eine Art Nahtoderfahrung oder Wachkoma Bonds interpretieren kann. Besonders die auf mich immer surreal anmutenden Schottland-Szenen sprächen aus meiner Sicht für diese These. Theoretisch ließe sich das sogar auf die Nachfolgerfilme ausdehnen und würde eine Erklärung für deren eklatanteste Schwächen ("Das war alles ich" und Bonds Tod) liefern. Im Augenblick des Todes folgt im Traum ja oft das Erwachen. Hier könnte dann der neue Bondfilm anknüpfen.


    Und dann tritt Bond, sich den Schlaf aus den Augen reibend, ins Bad, und Tracy steht unter der Dusche. Halt, das war was anderes - aber eben auch eine Mogelpackung. ;)



    ... aber ich hätte nix dagegen, wenn der nächste Bond (gefühlt) an die PTS aus SF anknüpfen würde, wie wenn dazwischen nie was gewesen wäre.

    Und ich hätte nichts dagegen, wenn sich der nächste Bond überhaupt nicht an der Craig-Ära abarbeiten würde und unbelastet zu Werke gehen könnte. Ich würde sogar das ganze M16-Team austauschen, allenfalls den armen Ralph Fiennes - eigentlich eine Topbesetzung, aber in den letzten zwei Filmen zum Dauer-Verbocker ohne jegliche Autorität herabgewürdigt - behalten, der nun aber endlich den M spielen dürfte, der in ihm steckt ...

    Egal was Craig jetzt so verlautbart – dass Bonds Tod schon 2005/06 auf der Agenda stand, halte ich für ähnlich nachträgliche Schaumschlägerei wie Oberhausers Einlassungen in SP. Hier imitiert das Leben die (nun ja) „Kunst“, wenn der Daniel nun sagt:. „Das war alles ich.“ Mit welchem Recht sollte er so etwas denn damals gefordert haben als mäßig erfolgreicher Schauspieler, der zudem von den Fans nicht mit offenen Armen empfangen wurde?


    Und was wäre, wenn CR gefloppt (nicht im Sinne von LTK, sondern richtig durchgefallen mit schweren Verlusten) und Craig daraufhin fallengelassen worden wäre? Oder besser: wenn er irgendwann in der Zwangspause nach QOS ausgestiegen wäre, um sein Ego an anderer Stelle walten zu lassen? Hätte „seinem“ Bond bis dahin irgendwas gefehlt? Nein, bis dahin war das Reboot eine runde Sache und in sich weitgehend schlüssig. Auch SF funktioniert als Solo-Film noch ziemlich gut. Seine partielle Endzeitstimmung, der Pause und dem Altern des Hauptdarstellers geschuldet, hätte nicht sein müssen, wird mit der Schlussszene aber in eine neue, vorwärtsgerichtete Zeitlosigkeit umgebogen, und zwar „with pleasure, M!“


    Erneut eine verpasste Chance zur Übergabe des Staffelstabs, wenn man denn selbst nicht will. Doch statt sich selbst die Pulsadern aufzuschlitzen, schnitt Craig lieber Bond die Kehle durch. Sofern einem dies den Anblick des Hauptdarstellers verleidet, sind damit seine ersten drei Streiche kontaminiert. Aber nicht aufgrund rückwirkender inhaltlicher Geiselhaft durch die letzten beiden Filme.


    Denn wie schon oft und oft gesagt: Mag Bonds Tod schon früh ein feuchter Traum Craigs gewesen sein, so deutet doch nichts darauf hin, dass es irgendeinen Masterplan gab. Akzeptiert man die Übergriffigkeiten von SP und NTTD und erzählt die „Geschichte“ des Craig-Quintetts vor diesem Hintergrund nach, ergibt sie weder handlungstechnisch noch in der Bondschen Charakterentwicklung irgendeinen Sinn. Das ist lauter Flickwerk und Behauptung. Ich habe das mal im NTTD-Thread breit ausgeführt, Mister Bonds obiger Beitrag ergänzt das noch aufs Treffendste.


    Dem MCU kann man in seiner ermüdenden (Mittel-)Mäßigkeit viel vorwerfen, und zwar mit Recht, aber wenn man mal den Kraftakt vollbringt und sich da durchwühlt, muss man wenigstens anerkennen: Es gab hier einen groben Gesamtentwurf, wenigstens für die jeweiligen Phasen. Bei Bond gab es ihn nach CR nicht, man hangelte sich von Film zu Film, wie man es immer gemacht hatte:


    CR: „Die Filme laufen zwar noch, aber die Richtung stimmt nicht mehr. Weg mit dem Ballast, fangen wir noch mal ganz von vorne an.“


    QOS: „Das fanden alle super, also weiter im Text.“


    SF: „Düster ist mehr denn je in, aber QOS kam ja nicht mehr ganz so gut an. Also weg mit Quantum. Außerdem geht Daniel inzwischen nicht mehr als junger Hüpfer durch, also brauchen wir einen neuen Ansatz, mit dem wir uns an Bond abarbeiten können.“


    SP: „Wir sind Milliardäre. Und wir sind Oscar-Preisträger. Wir sind genial! Was wir machen, ist richtig, weil wir es machen.“


    NTTD: „Daniel unser, dein Wille geschehe …“


    Das Ende ist bekannt.

    Whisper: Nun ja, für diesen Wechsel vom Jung-Bond zum alten Hasen konnte EON ja nichts – außer dass sie für CR eher einen Twenty- Something als einen Thirty_Something hätten besetzten müssen. M. E. hat EON aus der Zwangspause noch das Beste gemacht. Danach ist Barbara und Michael die SF-Mlliarde zu Kopf gestiegen, M. Daniel sowieso …


    Um die Schlussszene von SP als guten Abschluss akzeptieren zu können, müsste das Zeug davor für mich wenigstens rudimentär funktionieren. Tut es nicht. Deswegen ist SF mein derzeitiger Abschied.


    Bis zu diesem Film bringt es Deine Lieblingsband in einem ihrer besten sträflich unbekannten Songs auf den Punkt: Yes, it was a worthwhile experience!

    Die ersten zwei Craig-Bonds bereiteten den Boden für die Zukunft des Franchise, die letzten beiden hinterließen nur verbrannte Erde. Und während man SP noch zugutehalten kann, dass hier ein großer Wurf geplant war und einfach furchtbar scheiterte, war NTTD eine Hinrichtung des Mythos mit Ansage, ein Anbiederungsversuch gegenüber Feuilleton und Filmpreisjurys.


    Als Abschiedsfilme fürs Franchise taugen beide nichts, das ist für mich bis auf Weiteres SF. Dessen Finale ermöglicht einen Aufbruch in beide Richtungen: als Kreisbewegung back to the roots und direkt zu DN, aber auch als Startpunkt in eine unbeschwerte Zukunft – sollte Darsteller 007 seiner Nummer gerecht werden dürfen und uns als erfahrener Agent präsentiert werden, der das von ihm selbst gewählte Leben liebt und genießt und einfach Bock darauf hat, die Welt zu retten. Ich ahne, wohin mich SF zukünftig führen wird ...

    Martin: Okay, als kleines Welcome-back-Präsent - gut dass Du zurück bist -, hier ist er wieder:




    Interessanter Thread, aber die Fragestellung funktioniert für mich nur in einem Kontext: Wo klaffen Anspruch und Ausführung inakzeptabel auseinander? Wo kommt es zu einem unangemessenen Stilbruch? Insofern den meisten Moore-Filmen und anderen Filmen von DN bis DAD punktuellen wie generellen Quatsch vorzuwerfen, geht m. E. fehl. Bond muss nicht perfekt sein, sondern innerhalb des jeweiligen Films stimmig.


    Der Drache in DN? Kind seiner Zeit. Goldfinger erklärt seinen Plan Leuten, die er sowieso umbringen will? Auric ist ein Kleinkind, das immer glänzen und vor allem gewinnen möchte. Es geht ihm um Spaß, nicht um Geld. „Ich muss mein Gold trennen vom verstorbenen Mr. Solo.“ – Der Spruch zählt mehr als Logik. Nur deshalb hat Oddjob das Gold nicht vorher aus dem Kofferraum geholt. Woher Goldfinger wissen konnte, dass er das zu Bond im richtigen Moment würde sagen können? Die Sechziger, meine Damen und Herren! Gleiches gilt bzgl. aller „Wo steht die Kamera“-Bilder von abstürzenden Autos oder gekaperten Raketen in YOLT. Es tut mir leid, aber wer diesen Filmen mit solcher Logik kommen will, hat sie nicht verstanden. Bis zu einem gewissen Grad gilt das sogar für DAD.


    So ist auch Beißers Auftritt in der PTS von MR nicht kontraproduktiv – habe ich früher, jung und ignorant, selbst so gesehen –, sondern er gibt den Ton für das Folgende vor. Und wer nach TSWLM wirklich einen dramatischen Bond, noch dazu in Gestalt von Moore und insbesondere unter Gilberts Regie, erwartet hat: Gegen wen hätte Bond denn kämpfen müssen, dass sein Ableben in der PTS ernsthaft zu erwarten gewesen wäre?


    Logik wird erst dort ein Feind der Spaßes, wo Bond sich Ernsthaftigkeit entschieden auf die Fahne schreibt. Und erst dann muss er entsprechenden Ansprüchen genügen. Wie man also gerade TLD vorwerfen kann, dass das Bond-Girl keine Femme Fatale und kein Playboy-Bunny ist, dass sie einer früheren Liebe – so unverdient diese Gefühle sein mögen – nachhängt und Bond sie erst erobern muss, erschließt sich mir nicht. Bei DAF wäre ein solcher Einwand nachvollziehbar gewesen. In TLD wäre eine Kritik an der Moneypenny-Darstellung konsequenter – scheitert aber zumindest bei mir an der bei aller Klischeehaftigkeit süßen Miss Bliss.


    Sicherlich ist vieles gerade aus den klassischsten Bonds inzwischen aus der Zeit gefallen, aber das sind keine „Debilitäten“, sondern Abzüge in der B-Note. Wie Filme altern, zeigt sich eben erst im Nachhinein. „Debilität“ erweist sich jenseits massiver Progressivität (keine von Bonds Superkräften nach GF) eher daran, wie die Filme bei ihrem Erscheinen funktioniert haben - vulgo (s. o.): wie stark Anspruch und Umsetzung auseinanderfallen. Und da klafft die Lücke – sorry, wenn ich mich wiederhole – leider in den letzten 10 Jahren tiefer als das Big Hole von Kimberley.


    Dem Hauptdarsteller inhaltlichen Einfluss über Gebühr einzuräumen? Cubby tat gut daran, das Connery zu verweigern - erst recht, wenn man die McClory/Connery(?)-Entwürfe der 70er liest. Hätten sich Barbara und Michael mal ein Beispiel am Überpapa genommen …


    Insofern kann ich nur sagen: In der Geschichte des Franchise hat es manche unglückliche Einzelentscheidung gegeben. Aber debil war nur eine grundsätzliche Entscheidung: sich einem verdienten, aber von der eigenen Grandiosität in ungesundem Maße berauschten Hauptdarsteller ab seinem Film Nr. 4 völlig zu unterwerfen und die von ihm höchstselbst eigentlich für die Zukunft fit gemachte Popfigur systematisch zugrunde zu richten – Bond ab SP als Arthouse misszuverstehen und dann doch nur müde Klischees, dümmliche Dialoge und absurdeste Kolportage zu bieten. Allein in diesem Kontext ist das Ableben der James Bond genannten Figur am Ende der letztjährigen Travestie folgerichtig. Aber nicht im Sinne von Ian Fleming, von Cubby und Harry, von Sean, George, Roger, Timothy und Pierce. Ihrem
    Erbe den Mittelfinger entgegenzustrecken, das allein ist debil – um ein mildes Bild zu gebrauchen.

    NTTD, diesmal OV. Wenn ich nicht alles verstehe, verliere ich die Konzentration, und dann wird mir langweilig. Diesmal langer zäher Mittelteil (London bis Norwegen).


    Was mir noch auffiel:


    Und dennoch - ein schlechter Bond, eine völlig versemmelte Schlüsselszene für das gesamte Franchsie (der Erzfeind stirbt) - in Deinen Top Ten?


    Wie schwach müssen dann die meisten anderen Filme sein ...


    Jein! Ich erinnere hier nur einmal an ein - zugegeben etwas plakatives, aber allseits bekanntes - Gegenbeispiel: Jack Sparrow, den Depp von einer 08/15-Piraten zum geistig verwirrten, und doch genial-charmantem Suffkopp entwickelt hat, laut übereinstimmenden Aussagen eben über das eher blaße Drehbuch hinaus. Beispiele dieser Art gibt es unzähige, andererseits ist auch klar, dass man aus Ochsenp*sse keinen Champagner machen kann. Malek bringt aber eben auch nichts in die Rolle mit ein, was man nicht vorher - weit besser möchte ich hinzufügen - schon in vielen anderen Bondfilmen gesehen hat. Zumindest hier war der schon angesprochene Carver von Jonathan Pryce aber definitiv zumindest mutiger und innovativer für die Bondserie, ganz egal ob man das Endergebnis für gelungen ansehen möchte.


    Jein. ;) Denn ich habe meine Zweifel, dass man Malek gelassen hätte, wenn er den Film durch zu viel Originalität an sich zu reißen versucht hätte (ob er eine interessante Idee hatte und ob das alles dann auch gelungen wäre: „Das sind müßige Spekulationen“, wie schon unser Auric wusste). Ganz egal: Solchen Ansinnen hätte bei NTTD schon ein egomanisch-allmächtiger Hauptdarsteller entgegengestanden, der sich von einem entfesselten Wasserträger sicher nicht seine griechische Tragödie hätte kaputtmachen lassen – das besorgte er dann lieber selbst.


    Bei den Piraten hat Orlando Bloom dem Vernehmen nach durchaus gespürt, dass der eigentliche Sidekick ihm gerade die Show stahl, hatte aber weder die Macht, es zu verhindern, noch das Talent, dem etwas entgegenzusetzen. Infolgedessen stieg jemand anders als der nominelle Hauptdarsteller zum Superstar des Jahrzehnts auf. Und deshalb in dubio pro Malek und contra Regie/Drehbuch. In dem Kontext würde mich übrigens interessieren, ob Javier Bardems manierierter Auftritt in SF vorgegeben war oder Mendes ihn eingedenk des Ledger-Jokers einfach machen ließ. Weiß da jemand was? Denn auf Grundlage des Drehbuchs hätte man Silva durchaus effektiv, bedrohlicher und trotzdem witzig „geradlinig“ spielen können. Jedenfalls sind Malek und Waltz zwei Beweise in Folge, dass Oscars und große Namen allein keinen brauchbaren Bond-Schurken ausmachen.


    Nein, Oscar-Preisträger werten schlechte Drehbücher und willfährige Regie nicht auf. Passen aber die Umstände, investiert man (nebenbei, liebe Produzenten: mit deutlich kleineren Schecks) besser in Talente abseits von Hollywood (Fröbe etc.) oder amerikanische Darsteller aus der 2.-4. Reihe, die ein Bond-Engagement nicht als potenziell rufschädigend und/oder leicht verdientes Geld, sondern von vornherein als Karrierehöhepunkt verstehen und diesem Anspruch dann auch gerecht werden, wie etwa Robert Davi.


    Freilich hatte der – ja was? – ein gutes Drehbuch.

    Der letzte Teil Deiner Aussage stößt mich etwas vor den Kopf. Aufgrund welcher User-Statements ziehst Du dieses Fazit ? Ich bin den Thread nun auch nochmal durchgegangen und kann so eine 'generelle Diskreditierung' von kritischen Äußerungen zum Film in keinem einzigen Beitrag erkennen.


    Ach, lassen wir das Fass lieber zu. Mein Fehler, hätte vor dem Gedankenstrich den Punkt setzen und dann zu NTTD übergehen sollen. Nichts für ungut!



    Und: M.E. kommt Malek aus der Safin-Nummer auch nicht ganz ungeschoren raus. Zumindest erkenne ich bei ihm kein besonderes Bemühen, aus der wahnsinnig schlecht geschriebenen Figur vielleicht doch ein bißchen was zu machen.


    Ich bin nun kein Oscar-Preisträger, doch selbst der beste Schauspieler kann nur mit dem arbeiten, was ihm Drehbuch und Regie an Möglichkeiten einräumen. Und da steht Malek nun einmal - wie schon Waltz - auf völlig verlorenem Posten. Ich habe keine Ahnung, wie man diesen Safin effektiver oder gar mit Bravour hätte spielen sollen. Jonathan Pryce versuchte ein ähnliches Dilemma mit Overacting und Klamauk zu lösen - Malek scheint sich in seiner Not in mimisches Understatement (bei Manierismen in der Sprachmelodie) zu flüchten, um seiner Figur etwas Mysteriöses zu verleihen, bleibt aber eine Sphinx ohne Geheimnis.Sein Minimalismus mag erst einmal an Jürgens und Lonsdale erinnern - die beiden hatten aber wesentlich bessere Dialoge und einen ganz anderen filmsichen Kontext zur Hand, in dem Villains einfach irre und böse sein durften. Und nutzen gekonnt die Spielräume, die ihnen gewährt wurden.

    Auch ich freue mich im Übrigen, dass nun eine weniger emotionale, vernünftige Diskussion über den Film stattfinden kann, an der ich mich gerne beteiligen will.


    Ich bin den Thread noch einmal durchgegangen, und um der Legendenbildung entgegenzuwirken: Die Diskussion war von Anfang an bemerkenswert sachlich – abgesehen von den früh einsetzenden Versuchen, Kritik an NTTD generell zu diskreditieren.


    Dank der Leihgabe eines Freundes habe ich NTTD nun ein zweites Mal gesehen.


    Positiv hervorzuheben ist, dass der Film sehr gut aussieht. Das Titellied ist nicht besonders, doch besser als das Geschrei/Gewinsel von QOS und v. a. SP, allerdings weit weg von den Highlights Cornell und Adele. Hans Zimmer hat den Song zudem sehr schön in den Score integriert. Seine Musik ist der sicher größte Pluspunkt, funktioniert aber – wie mir eine weitere Leihgabe bestätigt hat – ohne Bilder und insbesondere Dialoge besser als mit diesen Filmverweisen. Wer nur die CD hört, wird an der Musik mehr Freude haben. Schlechtes Omen? Schlechtes Omen!


    Denn es nutzt nix. Der Film ist von der auffallend hüftsteifen Gunbarrel-Szene an missraten. Man kann Bond zum Familienmenschen machen, man kann ihn in Rente gehen lassen, man kann ihn töten. Aber wenn man das macht, sollte es sich logisch aus dem Charakter und der Handlung ergeben und vor allem den Preis auch wert sein. Nichts davon ist der Fall.


    Bei NTTD haben wir einen selbst für 007-Verhältnisse extrem schlichten "Plot" mit vielen nicht nachvollziehbaren Motivationen (was angesichts des Anspruchsdenkens der Craig-Ära einfach bitterer aufstößt als bei allen anderen Bonds, zumal die nicht Shakespeare sein wollen und dennoch weniger Logiklöcher aufweisen). Der Nicht-Plot wird auch nicht durch die versuchte, aber nicht überzeugende Menschwerdung des Protagonisten "gerettet". Erzählt mal jemandem die Handlung von NTTD und fragt ihn/sie, ob das eine gute Geschichte ist – oder überhaupt eine Geschichte.


    Nie war Bond - als "Charakter" wie als Zeremonienmeister einer Actionsause - unglaubwürdiger. Und nie weniger unterhaltsam. Leiters Tod? Dramaturgisch unnötig und wirkungslos. SPECTRE und Franz? Für die Handlung komplett überflüssig (Franzens Abgang in der Tat ein absoluter Tiefpunkt - liest denn vor der ersten Klappe niemand mehr das Drehbuch?). Bonds unsterbliche Liebe zu Maddie? Darstellerisch und vom Buch her maximal unglaubwürdig, erst recht angesichts des behaupteten Vesper-Fetischs – womit allein der Film schon fast in sich zusammenfällt. Nomi? Ein allzu deutlicher, weil dramaturgisch abermals völlig überflüssiger Tribut an den Zeitgeist – dafür schlägt sich die Darstellerin noch ziemlich gut. Safin? Der vielleicht schwächste Bösewicht überhaupt. Grottig geschrieben, ohne Bedrohlichkeit (liegt alles nicht am armen Malek), dummschwätzend bis zuletzt und durchgehend unfassbar dämlich: Die Bond-kriecht-Szene ist nicht wegen Bonds Manöver unerträglich, sondern wegen Safins absurder Leichtgläubigkeit. Seine anderen Entscheidungen lassen sich mit dem Schlagwort „Hybris“ ebenfalls nur mühsam etikettieren und kaum rechtfertigen. Dramaturgie? Gilt auch hier augenscheinlich als überflüssig.


    In den letzten Minuten spürt man besonders schmerzhaft, wie verzweifelt Regie und Darsteller dem offensichtlich diktierten Ende die Größe verleihen wollen, die diesem Finale nicht innewohnt. NTTD müht sich von Minute 1 an, ein „großer Bond-Film“ zu sein, doch weil man ihm seine Mühen jederzeit anmerkt - und ebenso seine "Taktik", sich mangels eigener Substanz auf Kosten der verdienten Vorgänger zu profilieren -, ist seine Mission tödlich: für ihn selbst.


    Wie schön hätte Maddies Schlusswort „Ich erzähle dir von einem Mann …“ vielleicht sein können – noch dazu ergänzt um das übersehene, dabei doch so naheliegende, auch Moore ehrende Zitat „von einem Spion, der mich liebte“! Wenn die ca. 160 Minuten davor einen einzigen Grund geliefert hätten, dem Verstorbenen auch nur eine Träne nachzuweinen …


    Am Ende des Abspanns heißt es: James Bond will return!


    Ich freu mich drauf! Er wird gebraucht.

    Ich suche noch für mein Kinder-, pardon: Arbeitszimmer das bitische Poster zu TLD im Querformat - das beste Bond-Plakat ever! Wenn jemand eine seriöse Bezugsquelle für einen brauchbaren Druck zu einem akzeptablen Preis kennt, spendiere ich einen Vodka Martini!

    TSWLM wäre meine Nr. 5 oder 6 gewesen (in Ringkampf mit DN), für MR braucht es keine Vorkenntnisse. FYEO ist von allen Rogers der erwachsenste (=trockenste, deswegen nur bedingt für Kinder). TMWTGG ist harmlos (Bond tötet nur Scaramanga), farbenfroh und albern, deswegen für Kinder eher geeignet als manch besserer Bond. Dass MR hier reüssiert, wundert mich nicht.

    In meiner Rang-Liste befindet sich DN auf Platz 5 (je nach Stimmung halte ich aber einen höheren Platz jederzeit für möglich).


    Im meiner Liste auch. :prost:



    Und genau hierbei handelt es sich vermutlich um den zentralen Aspekt, der nicht nur für mich ausschlaggebend war, James Bond zum "Schrittmacher" und zur "Blaupause" des eigenen Lebens zu machen.


    Das ist es eben. Hadern ist bei Bond nicht die Regel, sondern die Ausnahme. Natürlich kann man ihm Leid zufügen, doch er steht wieder auf. Er ist sterblich, keine Frage. Aber: Er stirbt nicht. Weil er leben will!


    Und: Vielen Dank für diese Besprechung, Feirefiz!
    Dr. No war vor ein paar Wochen einer der ersten Bonds, die ich nach Kinostart des letzten sah. Jetzt brenne ich darauf, dank dieser Deiner Anmerkungen, ihn in den nächsten Tagen ein weiteres Mal zu geniessen!


    Ich danke Dir, Phileas. Und freue mich auf Deine Eindrücke zu DN!