Posts by Erik Lehnsherr GP

    Eine ausführliche Bestenliste des Jahrzehnts wird schwer. Vor allem weil viele Nachzügler aus 2019 hier noch nicht erschienen sind. Eine Top 10 ist schon einfacher. Ach was, 15.


    1 Scott Pilgrim vs. The World (Wright)
    2 Nocturnal Animals (Ford)
    3 The Tree of Life (Malick)
    4 Birdman (Iñárritu)
    5 Only God Forgives (Winding Refn)
    6 La La Land (Chazelle)
    7 Teströl és lélekröl (Enyedi)
    8 Call Me By Your Name (Guadagnino)
    9 X-Men First Class (Vaughn)
    10 Manchester by the Sea (Lonergan)
    11 De Rouille et d'Os (Audiard)
    12 Sicario (Villeneuve)
    13 Twin Peaks - The Return (Lynch)
    14 Portrait de la jeune Fille en Feu (Sciamma)
    15 The World's End (Wright)

    On Her Majesty's Secret Service (1969, Peter R. Hunt)


    "We have all the time in the world."
    - Louis Armstrong


    Der mittlerweile sechste James-Bond-Film von EON Productions wird gemeinhin als einer der stärksten Ausreisser in der Reihe wahrgenommen, und das auch völlig zurecht. Nicht nur unterbricht der Film bewusst die kontinuierliche Entwicklung der 60er-Bonds hin zu immer grösserem Spektakel, auch der Protagonist ist plötzlich ein anderer und wartet anstelle des Überbonds Sean Connery mit einem einmaligen Schauspiel-Intermezzo des australischen Models George Lazenby auf. Beide Komponenten, sowohl die präzise Adaption des ungewohnt emotionalen Romans von Ian Fleming in direkter Nachfolge zum überbordenden YOLT zwei Jahre zuvor, als auch die Entscheidung, den mit der Rolle zunehmend unzufriedenen Connery durch einen gleichermassen unbekannten wie unerfahrenen Neuling zu ersetzen, sind im historischen Kontext der Reihe mutige, wenn nicht sogar leichtsinnige Entscheidungen seitens der Produzenten. Das schlägt sich auch in der Resonanz des Films nieder, der seinerseits beim Publikum auf verhaltene und irritierte Reaktionen stiess. Zumindest langfristig aber hat sich das Experiment gelohnt, und so konnte sich OHMSS im Lauf der Zeit immer stärker die Achtung der Fans erarbeiten und gehört heute gerade aufgrund seiner Aussenseiterrolle zu den am meisten geschätzten Bondfilmen.


    Gerade die ambitionierten Abweichungen zum etablierten Muster der Bondfilme verleihen OHMSS eine erfrischende Eigenständigkeit, die ihn innerhalb des Kanons hervorhebt. Der springende Punkt ist sicherlich die Liebesgeschichte zwischen Bond und Tracy di Vincenzo, die eine ganz neue Facette des notorischen Frauenverschleissers Bond zeigt. Dass es zwanzig Jahre dauern sollte, bevor der romantische Aspekt wieder mit einer vergleichbaren Ernsthaftigkeit aufgegriffen wurde, und sogar über 35, bevor sich die Macher zu einer erneuten Beziehungsgeschichte getrauten, unterstreicht die Ausnahmeposition umso mehr. Aber auch vom romantischen Element und dem unausweichlichen tragischen Ende abgesehen macht OHMSS einige Dinge anders als seine Serienkollegen. Bemerkenswert ist, dass sich der Film eine gute halbe Stunde Zeit nimmt, die Begegnung Bonds mit Tracy und Marc-Ange Draco zu schildern und erst dann daraus die Geschichte um Bonds Mission auf Piz Gloria abzuleiten. Das Drehbuch erlaubt sich somit eine gekonnte Variation des gewohnten Aufhängers, bei dem Bond üblicherweise deutlich schneller und direkter in seinen Auftrag hineingeworfen wird, während es sich in OHMSS fast schon zufällig aus einer eigenständigen Lebensepisode heraus entwickelt. Dass der Film im mittleren Akt eigentlich eine Kehrtwende vollführt, von der sich anbahnenden Romanze mit Tracy im freizeitlichen Portugal zu einer Undercover-Mission in der Alpenbastion des grössenwahnsinnigen Blofeld, fällt durch die elegante Narration kaum auf. Es ist sogar der Clou des Drehbuchs, diese beiden Teile des Films zunächst in separaten Bahnen zu lenken, und erst im letzten Drittel auf wundersame Weise zusammenzuführen und den Kreis zu schliessen. Strukturell ist OHMSS somit eine intelligente Variation des vertrauten Ermittlungsschemas und genau die richtige Grundlage für die wesentlich persönlichere Geschichte.


    Der Film profitiert stark von dieser erfrischenden Dynamik der Handlung. So erhält Bonds Ermittlung als Ahnenforscher Sir Hilary Bray in der Höhle des Löwen durch den Umstand, dass sie im Kontrast zu den vorangegangenen Szenen mit Tracy und Draco steht und diese im Mittelteil nicht mehr auftreten, umso mehr Gewicht. Durch die direkte Gegenüberstellung mit der gefahrenlosen Episode (sieht man von einigen kleinen Missverständnissen mit Dracos Sicherheitsleuten, die zu diesem Zeitpunkt aber längst aufgeklärt sind, ab) zuvor wirkt die Mission deutlich gefährlicher und Bond stärker von seinem Leben ausserhalb des Geheimdienstes isoliert, etwas, was man in dieser Form in der Serie ansonsten kaum beobachten kann. Auch die eigentliche Ermittlung in der Alpenklinik ist nahezu einzigartig in der Reihe. In Realität erstreckt sich der Zeitraum, in dem Bond unerkannt als Sir Hilary Bray unterwegs ist, nur auf knappe zwei Handlungstage, verglichen mit vielen anderen Serienvertretern, in denen Bond in der Regel praktisch von Anfang an seiner Tarnidentität beraubt wird, ist es aber aussergewöhnlich, ihn so lange in feindlichem Territorium zu begleiten, und das auch noch in einer vom echten Bond abweichenden vorgespielten Rolle.


    OHMSS wird manchmal ausdrücklich für seine Liebesgeschichte gelobt oder für die Diskrepanz zwischen der Tracy- und der Blofeld-Handlung kritisiert. Beides ist in meinen Augen nicht ganz zutreffend, da wie bereits beschrieben die elegante Verknüpfung beider zunächst weitgehend voneinander losgelösten Teile dem Film seine eigenständige dramaturgische Dynamik einimpft und beide gleichermassen unentbehrlich sind. So gesehen ist OHMSS im Grossen und Ganzen vielmehr eine Geschichte über Bond und sein Leben als eine Geschichte über Bond und Tracy, respektive Bond und Blofeld, in denen das andere Element nur als Begleiterscheinung oder Störfaktor auftritt. Der Augenblick, in dem Bond nach seiner nervenaufreibenden Flucht vom Piz Gloria an der Mürrener Eisbahn auf Tracy trifft ist somit auch die Schlüsselszene des gesamten Films, in der die zuvor noch losen Enden zusammengeführt werden. Auch die emotionale Komponente ist in dieser Szene am stärksten, da sie den eigentlichen Beginn einer ernsthaften Beziehung zwischen Bond und Tracy darstellt und folgerichtig sowohl anrührender als auch tragischer, in Hinblick auf Tracys Ermordung, Natur ist. Umso mehr Gewicht erhält die Szene auch durch den vorherigen Moment, in dem Bond für eine kurze Zeit völlig am Ende seiner Kräfte scheint, nachdem er Blofelds und Bunts Schergen trotz einer langen und schweren Verfolgungsjagd immer noch nicht abschütteln konnte und sich am Rand der Eisbahn niederlässt, um, so scheint es fast, sein Schicksal zu akzeptieren, bevor Tracy in einer der schönsten Einstellungen des Films einem rettenden Engel auf Schlittschuhen gleich erscheint. Was danach folgt ist der ungewöhnliche Wendepunkt, in dem das Schicksal, bzw. das dramatische Finale des Films, seinen Lauf nimmt. Dieser Teil macht umso klarer, dass Bonds Romanze mit Tracy im ersten Akt des Films zwar wichtige dramaturgische und emotionale Vorarbeit geleistet hat, dieser Teil aber noch keineswegs über dieselbe romantische Gewichtung verfügte wie der Schlussakt, und auch Bonds und Dracos kurzes Gespräch über eine mögliche Zukunft mit Tracy noch sehr vage war und eher formeller Natur, um an Informationen zu gelangen. Stattdessen ist es dieses Aufeinandertreffen in einer ausweglosen Situation und die Verbindung durch gemeinsames Überleben, welche die Beziehung Bond-Tracy auf eine neue, nie zuvor dagewesene Ebene bringt.


    Auch der Aspekt der Zusammenführung von der Liebes- und der Agentengeschichte erfährt somit eine noch weitaus grössere Bedeutung. OHMSS zeigt nicht nur eine Welt, in welcher eine rasante Verkettung von Flucht, Entführung und Befreiung den Bund fürs Leben besiegelt, es ist auch generell eine Welt in der sich persönlich-intim gezeichnete Geschichten über ausufernde Actionszenen und spektakuläre Szenarien definieren. Somit passt es wie die Faust aufs Auge (und Bond teilt deren reichlich aus), dass OHMSS mit die beeindruckendsten Actionsequenzen der gesamten Reihe präsentiert. Nur schon die Faustkämpfe sind schlicht spektakulär, nicht nur durch Lazenbys energische physische Präsenz, die jedem Schlag echt und knallhart wirken lässt, sondern auch durch Peter Hunts virtuose Actioninszenierung. Der durch seine langjährige Arbeit als Editor und Second-Unit-Director der Bondfilme geschulte Hunt setzt in seinem Regiedebüt erstmals bei Bond Montage und Schnitt als übergeordnetes Gestaltungsmittel ein. Seine Kampfszenen sind schnell, wild und rasant, wobei Hunt die Perspektive immer wieder wechselt und sogar einige Jump Cuts einbaut. Die PTS mit ihrer Prügelei am Strand, den Hunt als graublaues Zwielicht in majestätischer Weite inszeniert, ist eine der allerbesten der gesamten Bondreihe. Noch grösser und stilprägender sind lediglich die späteren Ski- und Wintersportszenen, allen voran natürlich Bonds spätabendliche Flucht vom Piz Gloria. Was Hunt und Kameramann/Koordinator Willy Bogner hier auf die Leinwand bringen ist nicht mehr von dieser Welt: In schier rasender Geschwindigkeit geht es die winterlichen, mythisch-blau angehauchten Steilhänge des Schilthorns hinab, wobei die Szene durchgängig gleichermassen atemlos-rasant wie auch kunstvoll-pittoresk bleibt. Bonds und Dracos Sturm auf Piz Gloria zeigt der grossen Endschlacht aus dem Vorgänger YOLT, wo es langgeht, da sie bei ähnlich spektakulären Ausmassen und praktisch identischer Ausgangslage um einiges knackiger und gezielter in Szene gesetzt wird und auch die inhaltliche Relevanz besser unterstreicht. Bonds abschliessende Schlittenverfolgung gegen Blofeld setzt im Prinzip die Skiszene fort und teilt deren Attribute der schier übermenschlichen Rasanz und Virtuosität, wobei lediglich einige kleine Zwischenschnitte mit offensichtlichen Rockprojektionen stören, im dynamischen Gesamtkontext der Szene aber auch nicht allzu schlimm sind.


    Es ist aber nicht nur Hunts elegante Bebilderung und Inszenierung, auch ausserhalb der Actionszenen, die das clevere und eigenständig strukturierte Handlungskonstrukt zum Leben erweckt, sondern auch die Musik. John Barry liefert mit OHMSS eine seiner allerbesten Arbeiten und unterstreicht gekonnt Wirkung und Intention der verschiedenen Szenen. Einmalig in der Bondserie ist auch der Einsatz eines Instrumentalstücks als Titellied, und dennoch oder gerade deswegen ist das OHMSS-Theme in seinem schwungvollen Arrangement einer der allerbesten Vertreter dieser Sparte und findet später auch in den Actionszenen wunderbar Verwendung. Ähnlich stark mit dem Titellied als unverkennbares und identifizierendes Leitmotiv spielte später höchstens noch TMWTGG. Die vom gesundheitlich schwer angeschlagenen Louis Armstrong eingesungene Liebesballade We have all the time in the world ist ein weiterer anrührender Höhepunkt des Films und wenn Bond den Titel in der allerletzten Szene zitiert gibt dies dem Ende eine unglaubliche emotionale Gewichtung.


    So sehr OHMSS heutzutage in Fankreisen als herausragender Serienvertreter gefeiert wird, so selten kommt es vor dass der Hauptdarsteller George Lazenby als bester Bonddarsteller Erwähnung findet, und das ist angesichts der Umstände auch sonnenklar. Im Vergleich mit der charismatischen Kinolegende Sean Connery, dem elegant-verschmitzten Sympathieträger Roger Moore, Vollblutschauspieler Timothy Dalton, Publikumsliebling Pierce Brosnan und der zeitgemässen Neuentdeckung Daniel Craig könnte sich keiner behaupten, schon gar nicht der Kerl, der von seinem Bond-Einstand abgesehen höchstens als Werbegesicht für Big-Fry-Schokolade bekannt geworden war. Lazenbys Verpflichtung als neuer 007 fusste in erster Linie wohl auf seiner optischen und typmässigen Ähnlichkeit zu Sean Connery, seiner überdurchschnittlichen physischen Präsenz in den Actionszenen und seiner von den Produzenten erwartete leichten Handhabung verglichen zum zunehmend eigensinnigen Star Connery. Zumindest die ersten beiden Aspekte erfüllte Lazenby im fertigen Film dann auch zu grosser Zufriedenheit, darüber hinweggesehen ist es aber wenig überraschend, dass er schauspielerisch nicht wirklich grosse Akzente setzt. Zwar ist er angesichts seines Anfängerstatus als gleichermassen sensibler wie mit allen Wassern gewaschener Geheimagent meist erstaunlich gut, einige Unsicherheiten in Bezug auf seine Rollenauslegung sind aber bemerkbar. Dass dies nicht negativ ins Gewicht fällt ist auch der Tatsache geschuldet dass OHMSS im Serienkontext stilistisch wie auch inhaltlich eine Ausnahmeposition einnimmt. Insgesamt ist es auch mehr der Film als Ganzes, und weniger der Darsteller Lazenby, der der Bondrolle hier einen neuen Stempel aufdrückt.


    Zum Ausgleich sind es aber die Nebenrollen, die hervorragend besetzt sind und Lazenbys Bond ergänzen und ihn wie auch den Film bereichern. Avengers-Star Diana Rigg als Tracy di Vincenzo ist wohl eines der schauspielerisch besten Bond-Girls und meistert ihre verletzlich-toughe Figur mit Bravour. Ilse Stepatt als kratzbürstiger Wachhund Irma Bunt und Gabriele Ferzetti als verschmitzter korsischer Ganove Marc-Ange Draco stehen deutlich in der Tradition von Rosa Klebb und Ali Kerim Bey aus FRWL, bringen aber auch eigenständige Impulse in ihre Rollen mit ein. Der grösste Glücksgriff der Besetzung ist die Verpflichtung von Telly Savalas und damit einhergehend die Neuauslegung der Blofeld-Rolle. Savalas‘ Rolleninterpretation bricht zwar mit dem in den vorherigen Filmen etablierten Bild des Superschurken, passt aber perfekt in OHMSS und ist durch den sehr freien Umgang mit Kontinuitätsregeln auch gerechtfertigt. Der Savalas-Blofeld ist ein sehr physisch angelegter Schurke, der in Ski- und Actionszenen auch selbst Hand anlegt, im Gegensatz zum unsichtbaren Stubenhocker-Blofeld meistens stehend oder gehend angetroffen werden kann und dessen Katze nicht andauernd umhergeschleppt und manisch gestreichelt, sondern nur beiläufig in einer frühen Szene gezeigt wird. Auf sein Gefolge in Form penibel durchnummerierter SPECTRE-Agenten wird gleich ganz verzichtet. Bond wird mit Blofeld auch auf einer sehr physischen und aktiven Ebene konfrontiert, die direkte Gegenüberstellung der beiden ist im Endresultat dramaturgisch wichtiger als der grössenwahnsinnige Plan, den Blofeld nebenbei noch ausheckt und der mehr eine eher austauschbare Ergänzung darstellt als ein inhaltliches Kernelement. Auch die verbalen Auseinandersetzungen nehmen im Vergleich mit beispielsweise GF eine eher untergeordnete Rolle ein, wenn es sie aber gibt dann sprühen sie vor sprachlicher Eleganz und erfahren durch Savalas‘ Charisma eine weitere Belebung.


    Das Warten hat sich gelohnt. Bei seiner Veröffentlichung vom Publikum eher mit Missfallen begutachtet erfährt OHMSS wenigstens heute die Resonanzen, die er schon lange verdient gehabt hätte. Der für eine lange Zeit grösste Ausreisser aus den bewährten Bond-Mustern ist ein furioser Actionfilm, der sein spektakuläres Geheimagenten-und-Superschurken-Szenario als Katalysator für eine persönliche Geschichte benutzt, die mit ihrem tragischen und endgültigen Ende in dieser Form einzigartig ist. Peter Hunts virtuose und sehr visuelle Regie bringt das starke Skript in einem Guss auf die Leinwand und variiert gekonnt festgefahrene erzählerische Merkmale der Bondserie, ohne den Charakter zu verleugnen. Dass Lazenby kein geborener Schauspieler ist und sowohl seinen Bond-Kollegen als auch seinen OHMSS-Co-Stars hinterherhinkt ist kein Geheimnis, so schlecht wie sie manchmal gemacht wird ist seine Interpretation aber bei weitem nicht und sie erfüllt ihren Zweck im Kontext des einen Films bei Weitem und passt auf eine sonderbare Art sogar richtig gut. Und so ist der damalige Tiefpunkt des goldenen Bondjahrzehnts, der 1960er, auf einmal dessen Höhepunkt.


    Wertung: 10 / 10

    You Only Live Twice (1967, Lewis Gilbert)


    "You only live twice, or so it seems. One life for yourself, and one for your dreams"
    - Nancy Sinatra


    Nachdem der vierte James-Bond-Beitrag TB in Sachen zügelloses Spektakel bereits eine Schippe draufgelegt hatte durfte der 1967 entstandene YOLT endgültig in die Vollen greifen und eine Weltzerstörungsgeschichte noch bombastischerer Ausmasse präsentieren, in der SPECTRE systematisch Raumkapseln der USA und der UdSSR entert um einen Krieg zwischen den beiden Supermächten zu provozieren. Sean Connerys - fürs Nächste - letzter Auftritt steht damit stellvertretend für all die absurden Bedrohungsszenarien die gemeinhin mit der Reihe assoziiert werden. In Wahrheit leistet YOLT im filmhistorischen Kontext der Bondreihe auf diesem Gebiet Pionierarbeit - zumindest in diesen Ausmassen. Leider wirkt das Endergebnis trotzdem nicht wie etwas Neues und Aufregendes, sondern mehr wie ein müder Nachhall der Vorgänger.


    Zuallererst fällt auf, dass beim Drehbuch offenbar gar keinen Wert mehr auf schlüssige Struktur und Dramaturgie gelegt wurde. Zwar glänzten schon die Vorläufer nicht unbedingt mit ausgefeilten Plots, aber zumindest den ersten beiden Serienbeiträgen gelang es dennoch, die verschiedenen Szenen in einer stimmigen Abfolge zu verknüpfen. In YOLT fehlen sinnige Verknüpfungen gleich zuhauf oder sind bemerkenswert uninspiriert umgesetzt, das Meiste wirkt sprunghaft und lieblos aneinandergereiht. Die Geschichte entwickelt sich über unzählige konstruierte Zufälle und Formelhaftigkeiten und ist gespickt mit schauerlich banalen und stumpfen Erklärdialogen, die teils geradezu abenteuerlich einfallslos sind und bei der legendären Textpassage "Do you live here alone?" -- "Yes. My parents are dead. Have a seat." in ihren Höhepunkt gipfeln. Es mutet wie ein Scherz an, dass das alles auf dem Mist von Roald Dahl gewachsen sein soll, der neben seiner Arbeit als zweitklassiger Bond-Drehbuchautor vor allem mit seinen scharfsinnigen, makabren, intelligenten und schwarzhumorigen Kurzgeschichten Bekanntheit erlangte. Dahls Buch und Gilberts Regie bringen es auch nicht fertig, den Schauplatz Japan richtig auszunutzen. Immerhin spielt der Film fast ausnahmslos im Land der aufgehenden Sonne, welches im Kontext der Entstehungszeit ein dem Westen noch ziemlich fremdartiger Kosmos war. Das Erkunden der japanischen Kultur und Facetten durch den in dieser Welt noch fremden Bond wird zwar immer wieder angedeutet und kleinere Einblicke in die Volkstümlichkeit gewährt, richtig vertieft wird das Ganze allerdings kaum.


    Lewis Gilbert gibt mit YOLT sein Bond-Debüt, noch ohne nennenswerte Akzente zu setzen. Seine Inszenierung schafft den paradoxen Spagat zwischen dröge-gemächlich und ruhelos-gehetzt und klappert die unterschiedlichen Stationen des Drehbuchs bieder ab, ohne Gespür für Timing und Rhythmus. Vor allem im Mittelteil bleiben Film und Handlung fast durchgehend in Bewegung, was aber keinem konkreten Konzept geschuldet ist sondern vielmehr der Tatsache, dass Gilbert die Szenen ohne Pausen oder Variationen im Tempo raushaut. Auch die Actionszenen bewegen sich durchgehend auf diesem Level. In der ersten Hälfte bekommt man lediglich eine Handvoll steifer Prügeleien und eine unfassbar lahm inszenierte Flugzeug-Bruchlandung geboten, erst später folgen mit der Little-Nellie-Szene und dem Krater-Showdown zwei gross angelegte Actionextravaganzen. Die Szene mit Little Nellie hat dabei für den Fortlauf des Films keinerlei Nutzen und präsentiert sich als belangloses Schaulaufen der just zuvor von Q erklärten Gadgets. Die grosse Schlussballerei setzt innerhalb der Reihe zwar neue Massstäbe in Sachen Aufwand, Spektakel und Pyrotechnik, überzeugt in ihrer Dramaturgie aber nicht so richtig. Es fehlt an Variationen und Spannungsbögen, abgesehen von Bonds finalem Vordringen in den Kommandoraum schaut man überwiegend zwei Privatarmeen dabei zu, wie sie sich mit allen verfügbaren Mitteln und Explosionseffekten gegenseitig ins Jenseits befördern möchten.


    Recht unsinnig für die Geschichte und YOLT als Ganzes ist auch Bonds Tarnung in Form einer traditionellen japanischen Hochzeit. In einem Film, der ansonsten kaum eine Sekunde spart um auf irgendeine Weise voranzukommen wirkt diese sehr ausführliche Passage merkwürdig deplatziert. Aber es ist auch der einzige Moment, in dem der Film zur Ruhe kommen und atmen kann und Gilbert sich Zeit und Musse nimmt für die japanische Folklore. Auf einmal schwelgt seine Kamera in pittoresken Inselpanoramen und John Barry akzentuiert sie mit geheimnisvollen Saitenklängen. Mehr solcher Momente hätten YOLT als Kontrast zur eigentlichen Actiongeschichte gutgetan.


    Sean Connery ist einer der charismatischsten Köpfe die je den Sprung auf die grosse Leinwand geschafft haben, aber YOLT bietet dem schottischen Urtier nur wenig um zu glänzen, gewiefte und scharfsinnige Dialogpassagen wie in GF oder Momente roher und zynischer Coolness wie in DN sucht man weitgehend vergebens. Ob Connery, wie oft behauptet, 1967 längst Lust und Freude an seiner Paraderolle verloren hatte sei also mal dahingestellt, da der Mangel an wirklichen Höhepunkten und Möglichkeiten in dieser Hinsicht sowieso schwerer wiegt. Es ist zumindest immer gut, den Schotten vor der Kamera beobachten zu dürfen, aber im Grossen und Ganzen ist sein Bond in YOLT leider doch nur "Connery-light". Am Ende wird dann auch seine Nemesis, SPECTRE-Mastermind Ernst Stavro Blofeld, in Gestalt von Charakterdarsteller Donald Pleasance enthüllt. Auch dieser Kniff geht leider nach hinten los, denn die Figur wirkt zu keiner Sekunde furchteinflössend sondern vielmehr wie ein generischer Bösewicht bzw. böser Wicht, der sich nicht entscheiden kann ob er Bond jetzt töten will oder nicht. Pleasance so verschenkt zu sehen ist schade, sein Blofeld so strikt auf böse getrimmt wie es nur geht, inklusive hin geschminkter Gesichtsnarbe und selbst Pleasances berühmter hypnotischer Blick ist kaum mehr als ein manisches Glotzen.


    Die beiden japanischen Bondgirls, Akiko Wakabayashi als Aki und Mie Hama als Kissy Suzuki, sind nett anzusehen und bilden eine gelungene Abwechslung zu den kaukasischen Schönheiten in den vorherigen vier Filmen, jedoch bleiben beide Rollen völlig profil- und konturlos. Den dankbarsten Part hat noch Tetsurō Tamba als japanischer Geheimdienstler Tiger Tanaka, in dem Bond ohne Umschweife einen Seelenverwandten findet. Diese freundschaftliche Beziehung zwischen den beiden wird jedoch vom Film oft nur behauptet, aber im Gegensatz zu den früheren Bond-Kumpeln Quarrel und Kerim nie richtig entwickelt. Einen guten Ansatz bildet die Szene mit Bond und Tiger im Badehaus aber hier wäre mehr Aufwand seitens des Drehbuchs und der Inszenierung von Nöten gewesen, um wirklich eine Dynamik zwischen den beiden aufzubauen. Die Bondfilme haben in der Regel immer davon profitiert, wenn Bond glaubwürdig auf einen Gleichgesinnten trifft, daher ist es schade dass es mit dem Tiger nicht so ganz klappen will.


    Gibt es an YOLT denn gar nichts, was man ohne Gemecker und Gemäkel so stehen lassen kann? Karin Dor ist wie immer eine Augenweide und ihre Szene mit Bond an Bord der Ning-Po sofern man alles andere ausblenden kann, der keck-erotische Höhepunkt des Films. Die Weltraumszenen haben dem Zahn der Zeit getrotzt und sehen abgesehen vom Wiedereintritt in den Orbit immer noch sehr gut aus, zumindest in Sachen Spezialeffekte. Natürlich ist Ken Adams berühmtes Krater-Set, das am Ende pulverisiert werden darf, absolut spektakulär und setzt Massstäbe im Szenenbild. Auch das von Frankie-Töchterchen Nancy Sinatra gesungene wehmütige Titellied ist betörend schön und wird von John Barry sparsam und nur an den passenden Stellen gekonnt zitiert. YOLT ist auch ein Film, der nie langweilig wird, da er zumindest immer irgendetwas zu bieten hat und mit wenigen Ausnahmen kaum stehen bleibt. Aber es ist ein Film, bei dem man einiges hätte besser machen können und der in vielen Belangen zumindest etwas enttäuscht.


    Wertung: 5 / 10

    Das Film- und Kinojahr 2016 war mal wieder geprägt von Hochs und Tiefs, von Independent-Werken und Blockbuster-Bomben, von Faszination, Unterhaltung, Mittelmass, Langweile und Schrott und nicht zuletzt von der Erkenntnis, dass ich meine Faszination für Superheldenmythen am besten befriedige indem ich auf die Comics umsteige. Dieses Jahr war ich wohl häufiger im Kino als zuvor in meinem gesamten Leben. „Wieso?“, höre ich manche fragen. „Wieso nicht?“, sage ich.



    Nocturnal Animals (Tom Ford) – 10 / 10
    Zynisch, verstörend, doppeldeutig, hintersinnig, komplex, brutal, ästhetisch, elegant, aggressiv, zärtlich, böse und für mich schlicht der eindeutig beste Film des Jahres.



    The Revenant (Alejandro González Iñárritu) – 9,5 / 10
    Vielschichtiges Meisterstück, dessen präziser und kunstvoller Bildersog einen regelrecht in diese längst vergangene Epoche hineinreisst. Iñárritu erschafft aus der simplen Menschenhatz in den nordamerikanischen Wäldern kurzerhand eine ganz eigene Welt, und die filmischen Mittel mit denen er dies vollbringt faszinieren bis zuletzt.



    Arrival (Denis Villeneuve) – 9 / 10
    Villeneuve kann also auch Science-Fiction und bestätigt sich damit als einer der interessantesten Regisseure derzeit. Psychedelisches, spannendes und geistreiches Kino, das sich erfrischend anders mit der Materie auseinandersetzt als viele thematisch verwandte Filme.



    Un + Une (Claude Lelouch) – 9 / 10
    Zwei Landsleute auf einer geheimnisvollen Reise durch Indien. Feinfühlig inszeniert, bärenstark gespielt und mit viel Gespür für die Charaktere erzählt. Ganz grosses Dramakino.



    Our Kind of Traitor (Susanna White) – 9 / 10
    Die neue John le Carré Verfilmung steht der letzten in nichts nach. Spannend, fesselnd, einfühlsam und phänomenal gespielt von Skarsgård und McGregor.



    Hell or High Water (David Mackenzie) – 8,5 / 10
    Melancholisch aber humorvoll, ein fast schon meditatives Action-Roadmovie quer durchs ländliche Texas. Toll gespielt und toll inszeniert, von dieser Sorte braucht es mehr im Kino.



    Julieta (Pedro Almodóvar) – 8,5 / 10
    Wunderbare Lebens- und Charakterstudie, charmant inszeniert und mit viel Gefühl für die Schwächen der Protagonisten erzählt. Dazu tolle Musik.



    Café Society (Woody Allen) – 8 / 10
    Auf Woody ist Verlass, auch sein diesjähriger Output bietet wieder geistreiches Kino mit Witz und Charme in edlen Bildern. Weiter so, Woody.



    Eddie the Eagle (Dexter Fletcher) – 8 / 10
    Anrührendes Underdog-Sportdrama mit zwei ausgezeichnet miteinander harmonierenden Hauptdarstellern und genau der richtigen Prise gut gemachtem Kitsch.



    The Nice Guys (Shane Black) – 8 / 10
    Schwarzer Humor, clevere Sticheleien gegen das Buddy- und Thrillergenre, eine Prise Hommage und ein absolut dynamisches Duo. Der beste Black bisher.



    Captain America: Civil War (Russo Brothers) – 8 / 10
    Der mit Abstand stärkste Comicfilm des Jahres dank interessant koordinierten Figuren, dynamisch reduzierten Kampfszenen und der passenden Gleichgewichtung von Stil und Substanz.



    The Light Between Oceans (Derek Cianfrance) – 8 / 10
    Ein gefühlsvoll inszeniertes, kraftvolles Drama mit einer sensationellen Vikander und einer überzeugenden erzählerischen Strukturierung in zwei Akten.



    The Accountant (Gavin O’Connor) – 8 / 10
    Ein bisschen Behindertendrama, ein bisschen Wirtschaftskrimi, ein bisschen Hardcore-Action und fertig ist der Accountant. Die Mischung funktioniert trotz oder gerade wegen ihrer Widersprüche so gut.



    El Abrazo de la Serpiente (Ciro Guerra) – 8 / 10
    Spirituelle Ode an Apocalypse Now, ein fast schon meditativer Trip durch die Natur des Amazonas. Bescheidene Mittel, aber viel Erzählkunst.



    Hail, Caesar! (Coen Brothers) – 8 / 10
    Die Coens sind wieder auf dem Komödienkurs. Tolle Gags, geistreiche 50er-Jahre-Reminisenzen und ein phänomenales Starensemble, in Summe aber auch deutlich seichter als frühere Grosstaten der Brüder.



    Rogue One (Gareth Edwards) – 7,5 / 10
    Wuchtige und kraftvolle Neuinterpretation des originalen Star-Wars-Mythos, die mit charmanten Reminiszenzen und mitreissenden Schlachtenszenen zu fesseln weiss, auf dem Gebiet der Figuren jedoch zu oberflächlich bleibt.



    La Pazza Gioia (Paolo Virzì) – 7,5 / 10
    Zwei Bekloppte fliehen aus der Anstalt und erleben das Abenteuer ihres Lebens: Exzellente Figuren, Bilder und Emotionen, lediglich im Spagat zwischen Tragik und Komik ist dieser italienische Film teils etwas ungelenk.



    A Hologram for the King (Tom Tykwer) – 7,5 / 10
    Kleines aber feines Drama rund um Liebe, Leben und Neuanfang mitten in der Wüste, dazu kommt ein starker Tom Hanks in der Hauptrolle.



    Retour chez ma mère (Éric Lavaine) – 7,5 / 10
    Eine tolle kleine Komödie mit viel elegantem Wortwitz und lebendigen Charakteren. Das altbekannte Familienthema wird gleichermassen simpel wie charmant mit eingewoben.



    The Hateful Eight (Quentin Tarantino) – 7,5 / 10
    Tarantinos zweiter Westernversuch ist in Summe leider etwas zu lang geraten, trotzdem unterhält die derbe Mischung aus Krimipuzzle, Kammerspiel und Satire mit ihrem Wortwitz und den frechen Ideen. Lediglich von einem Teil des Ensembles hätte ich mir mehr erhofft.



    Sully (Clint Eastwood) – 7 / 10
    Charmanter, kleiner Geschichtsfilm, mal ganz ohne Pathos und aufs Wesentliche beschränkt. Ein auf seine Weise irgendwie sympathisches Spätwerk von Altmeister Clint.



    Eight Days a Week (Ron Howard) – 7 / 10
    Gut gemachte Doku über die Konzertjahre der Beatles; klug eingesetztes Archivmaterial, thematisch fokussierte Geschichtsaufarbeitung, für Fans sehenswert.



    The Big Short (Adam McKay) – 7 / 10
    Kurzweilige und vor allem stilistisch beachtlich eigensinnige Aufarbeitung der Finanzkrise. Nicht immer ganz ausgegoren, aber witzig und dennoch immer am Thema orientiert.



    Bastille Day (James Watkins) – 7 / 10
    Wendungsreiche Terroristenhatz durch die Strassen und über die Dächer von Paris. Eigentlich ein richtig guter Actionthriller, lediglich der mässige Figurenausbau fällt etwas negativ ins Gewicht.



    Spotlight (Tom McCarthy) – 7 / 10
    Solide und grösstenteils erfreulich nüchterne Themenaufarbeitung, starke Darsteller, spannende Dialoge. Guter Film, aber sicher nicht das vielzitierte Meisterwerk.



    The Girl on the Train (Tate Taylor) – 7 / 10
    Spannender Domestic-Noir-Thriller, der etwas Mühe hat, in die Gänge zu kommen, später dafür aber immer besser wird. Emily Blunt ist wie gewohnt alleine das Ticket wert.



    War Dogs (Todd Phillips) – 6,5 / 10
    Die grundlegenden Handlungsmuster dieses Waffenhändler-Dramas sind einem zur Genüge bekannt, spätestens seit Klassikern wie Goodfellas. Nichts Bahnbrechendes also, aber trotzdem launig umgesetzt und vor allem viel besser als befürchtet.



    Deadpool (Tim Miller) – 6,5 / 10
    Böse Superhelden Teil 1: Witzige und wüste Satire, die aber gerne noch eine ganze Ecke derber und verrückter hätte sein können und auch müssen.



    Jack Reacher: Never go Back (Edward Zwick) – 6,5 / 10
    Kompetente Adaption der Romane, bei der in erster Linie die rauen Actionszenen und der abgehalfterte Charme Spass machen. Auch hier gilt wieder: vor allem für Fans empfehlenswert.



    Nerve (Ariel Schulman & Henry Joost) – 6 / 10
    Spannende Grundidee, schwungvolle und unterhaltsame erste zwei Drittel, der Schlussakt geht aber eklatant in die Knie. Trotzdem irgendwie sympathisch und mal was anderes.



    Trumbo (Jay Roach) – 6 / 10
    Solides Biopic mit einem fantastischen Cranston und viel Zeitkolorit, aber der Handlungsfluss stolpert mitunter etwas vor sich hin.



    The Magnificent Seven (Antoine Fuqua) – 6 / 10
    Mässige Figuren, solide Inszenierung und ein fast schon erstaunlich starkes Finale. Das altbekannte 7er-Rezept macht halt immer wieder Spass, erreicht Kurosawas Original aber nicht im Ansatz.



    Snowden (Oliver Stone) – 6 / 10
    Stone ist zurück auf seinem polithistorischen Spezialgebiet und erzählt kurzweilig aber fragmentiert aus dem Nähkästchen der Geheimdienstkrise. Ein überzeugender Gordon-Levitt trägt die wechselhaften Episoden mühelos.



    Jungle Book (Jon Favreau) – 6 / 10
    Neuauflage des Disney-Klassikers, die vor allem mit ihren brillanten Effekten protzt. Weitgehend kurzweilig, aber auch nichts wirklich Neues.



    Mechanic: Resurrection (Dennis Gansel) – 5,5 / 10
    Jason Statham schlägt wieder zu. Neues wird einem in diesem Action-Best-of der letzten Jahre nicht geboten, in seinen inkohärenten Episoden ist es aber trotzdem einigermassen unterhaltsam.



    X-Men: Apocalypse (Bryan Singer) – 5,5 / 10
    Erschütternd inhaltsleerer und einfallsloser Nachklatsch der Reihe, der in erster Linie durch viel Nostalgie und eine Handvoll guter Szenen am Leben gehalten wird, dem ansonsten aber all die Besonderheiten abgehen, welche die Reihe einst ausgemacht haben.



    Triple 9 (John Hillcoat) – 5,5 / 10
    Schöne Atmosphäre und eine in den Ansätzen spannende Geschichte. Ansonsten aber ein durchschnittlicher Drogenkrimi mit verheiztem Starensemble.



    Batman v Superman: Dawn of Justice (Zack Synder) – 5 / 10
    Passable erste zwei Drittel und schwaches Schlussdrittel. Gute Grundidee, starker Affleck, pralle Action, aber in Summe einfach zu künstlich und zu überladen an Effektschlachten und Subplots, um wirklich zu zünden.



    Doctor Strange (Scott Derrickson) – 5 / 10
    Marvel-Kino nach der Strichliste. Selbst an den eigenen Massstäben gemessen erschreckend vorhersehbar und kaum originell, zum Einwegkonsum aber geeignet.



    Inferno (Ron Howard) – 5 / 10
    Auch die dritte Verfilmung von Dan Browns Spannungsromanen kann nicht ganz überzeugen, und das obwohl das erste Drittel noch richtig gut ist. Danach, spätestens aber in der zweiten Hälfte, fällt das dramaturgische Kartenhaus mehr und mehr in sich zusammen.



    Deepwater Horizon (Peter Berg) – 4,5 / 10
    Ein Katastrophenfilm der traumwandlerisch und mit bierernster Miene jedes Klischee bis zum Exzess ausschlachtet, dafür weiss die visuelle Umsetzung der Zerstörungsorgie zu beeindrucken.



    Ben-Hur (Timur Bekmambetow) – 4,5 / 10
    Guter Stoff, schlecht aufgekocht. Generisches Remake, das zum einmaligen Anschauen halbwegs taugt, darüber hinaus aber nichts Nennenswertes zu bieten hat.



    Suicide Squad (David Ayer) – 4,5 / 10
    Böse Superhelden Teil 2: Fängt stark an und lässt noch stärker nach. Ein angesichts des Stoffes erschütternd mutloser und handzahmer Action-Comedy-Quark mit ein paar guten Momenten.



    Money Monster (Jodie Foster) – 4 / 10
    Unentschlossener Mischmasch aus Thriller, Satire und Betroffenheitsdrama, funktioniert aber auf keinem dieser Gebiete so richtig. Clooney versucht zu retten, was es zu retten gibt.



    Now you see me 2 (Jon M. Chu) – 4 / 10
    Now you see me war vor drei Jahren ein überraschend flotter und spannender Mystery-Krimi, die Fortsetzung ist leider nichts davon. Vorhersehbare und platte Melange aus den verschiedensten Genre-Ingredienzen, dazu angesichts der gebotenen Handlung an Redundanz kaum mehr zu überbieten. Nur in Ansätzen leidlich unterhaltsam.



    American Pastoral (Ewan McGregor) – 3,5 / 10
    Sehr sperriges und bemühtes Drama, das völlig träge und theatralisch um seine geschichtlichen und familiären Motive herum aufgebaut ist und einem angesichts der guten Intentionen fast schon Leid tut. McGregor, bleib beim Schauspielern, denn das kannst du.



    Joy (David O. Russell) – 3 / 10
    Die nächste halbgar überdrehte Dramödie aus Russells Fliessbandschmiede. Unsinnig zusammengeschustertes Putzartikel-Werbefilmchen mit viel theatralischer Freakshow und zielloser Geschichte. Jennifer Lawrence ist schlicht lächerlich.





    Meine unbestreitbaren Highlights dieses Jahr waren aber ohne Zweifel die Entdeckung eines neuen, wunderbar ausgestatten Programmkinos in der Nähe und damit einhergehend der Genuss einiger schöner Klassiker im Rahmen von Programmreihen und Retrospektiven. Innert weniger Monate drei der für mich besten Filme aller Zeiten auf der Leinwand zu erleben kommt nicht gerade häufig vor. Leider habe ich in diesem Sektor auch vieles verpasst.



    C’era una Volta il West (1968, Sergio Leone) – 10 / 10
    Vermutlich der beste Film aller Zeiten, eine elegische Sinfonie aus Bildern und Musik, die durch Mark und Bein geht. Die Essenz filmischer und emotionaler Faszination in zweieinhalb Stunden komprimiert, eine Erfahrung, die nicht mehr von dieser Welt ist.



    Taxi Driver (1976, Martin Scorsese) – 10 / 10
    Immer noch die spannendste, schönste, brutalste und erschütterndste Charakterstudie aller Zeiten. De Niros Verkörperung seiner komplexen und zerrissenen Rolle ist übermenschlich, Herrmann beendet sein meisterhaftes Lebenswerk mit wehmütigen Saxofonklängen und Scorsese veredelt sein radikales Psychogramm der Vietnamgeneration mit Bildern und Szenen, die man so schnell nicht vergisst.



    Psycho (1960, Alfred Hitchcock) – 10 / 10
    Die nächste hervorragende Charakterstudie: Ein derber, verstörender und faszinierender Horrorschocker, dessen innere Spannung schier implodiert, und dem Herrmanns prägnanter Jahrhundert-Soundtrack die Krone aufsetzt. Hitchcocks bester, und das will was heissen.



    Lost Highway (1997, David Lynch) – 9,5 / 10
    Der Meister des surrealen Kinos in seinem Element: Ein irrwitziger audiovisueller Trip durch einen Thriller voll mit wechselnden Identitäten, unerklärlichen Horror-Einschüben und morbiden Albtraumsequenzen. Kommt im Kinosaal noch um Einiges beeindruckender rüber als zu Hause.



    Dead Man (1995, Jim Jarmusch) – 9,5 / 10
    Jarmuschs Meisterstück; eine psychedelische Odyssee durch die Wälder Nordamerikas, die einen völlig neuen Blick auf das Westerngenre wirft. Neil Youngs unkonventionelle musikalische Untermalung setzt dem Ganzen die Krone auf.



    Det Sjunde Inseglet (1957, Ingmar Bergman) – 9 / 10
    Max von Sydow spielt Schach mit dem Sensenmann: Noch eine psychedelische Odyssee, dieses Mal durch das pestverseuchte mittelalterliche Schweden. Sehr spannend und cineastisch innovativ.



    Only Lovers Left Alive (2013, Jim Jarmusch) – 8,5 / 10
    Der erfrischend andere Vampirfilm, geistreich, sinnlich, witzig und phänomenal gespielt. Die Verbindung aus Bildsprache und erneut sehr unkonventioneller Filmmusik ist das Tüpfelchen auf dem i.



    Night on Earth (1991, Jim Jarmusch) – 7,5 / 10
    Jarmusch zum Dritten: Sehr schöner Episodenfilm der sich aus verschiedenen Kurzfilmen zusammensetzt, die alle in einem Taxi spielen. Eine unterhaltsame Reise durch fünf völlig verschiedene Städte, aber wie das bei Episodenfilmen häufig der Fall ist, sind einige der Geschichten einfach deutlich besser als andere.



    Il Deserto Rosso (1964, Michelangelo Antonioni) – 6,5 / 10
    Filmisch interessanter Blick auf die Vereinsamung einer Seele, die ich aber emotional nicht völlig verstanden habe. Einzelne Szenen sind exzellent, andere bleiben mir zu distanziert.



    Shutter Island (2010, Martin Scorsese) – 6 / 10
    Scorseses schwächster Film, als Psychothriller und auch als Charakterstudie deutlich zu plump und gewöhnlich aufgebaut. Viele Ansätze und Szenen wissen aber zu gefallen, und die erste Hälfte ist noch sehr vielversprechend.




    Und zum Abschluss noch eine Auswahl sehr guter bis exzellenter Filme, die ich dieses Jahre zu Hause zum ersten Mal gesehen habe:


    Rashōmon (Akira Kurosawa 1950)
    Singin‘ in the Rain (Gene Kelly 1952)
    Ikiru (Akira Kurosawa 1952)
    Breakfast at Tiffany’s (Blake Edwards 1961)
    Repulsion (Roman Polanski 1965)
    Star Trek: The Undiscovered Country (Nicholas Meyer 1991)
    La Double Vie de Véronique (Krzysztof Kiéslowski 1991)
    Bleu (Krzysztof Kiéslowski 1993)
    Rouge (Krzysztof Kiéslowski 1994)
    Across the Universe (Julie Taymor 2007)
    Scott Pilgrim vs. The World (Edgar Wright 2010)

    Ich nehme mal an das ist der richtige Thread dafür.


    Enthält Spoiler!


    Spectre (2015, Sam Mendes)


    Es gab wohl kaum einen Film in der Geschichte der Bondreihe der mit einer ähnlichen Euphorie erwartet wurde wie Sam Mendes' zweiter Streich nach seinem Box-Office-Stürmer SF. Spectre ist das Ergebnis einer dreijährigen Wartezeit, während der bei mir grosse Neugier und Vorfreude irgendwie nie so richtig einzusetzen wusste, auf jeden Fall bis zum Vorabend des Kinobesuches. Bin ich überwältigt? Ja! Bin ich enttäuscht? Ja!


    Mendes führt mit Spectre denselben Ansatz fort, den er in SF gestartet hat. Das heisst er reduziert die Handlung auf eine simple und gradlinige Ebene und fokussiert sich in der Umsetzung auf einen ruhigen und ausführlichen Erzählfluss, der auf der einen Seite die Dramatisierung der vorangegangenen Bondfilme mit Daniel Craig beibehält, auf der anderen Seite aber auch diverse Neuinterpretationen der nicht ganz ernst zu nehmenden Over-the-Top-Elemente aus den Bondschen 1970er-Jahren wagt. Diese Kombination, die in SF noch nicht immer ganz ausgereift war, funktioniert nun ausgezeichnet und so ist gerade die erste Hälfte des Films mit unglaublich viel Dialogwitz, Humor, Eleganz, Gadgets, Referenzen und Anspielungen gespickt, die jederzeit gut in den Handlungsverlauf eingeflochten sind. Auf vielen Ebenen erinnert Spectre damit an stilprägende Bond-Klassiker wie TB oder TSWLM, nicht nur auf Stilelemente wie pittoreske Fotografie und Selbstironie bezogen, sondern auch auf den Unterhaltungswert. Mehr Lob geht eigentlich nicht.


    Der mittlerweile mehr als zur Genüge etablierte blonde Bond Daniel Craig liefert in Spectre vermutlich seine bisher beste 007-Performance, da ihm hier zum ersten Mal der Spagat zwischen dem vergleichsweise mehrdimensionalen Ansatz seiner Darstellung und einer gehörigen Portion Humor perfekt gelingt. Craig beweist Leinwandpräsenz, Charisma, Witz und Charme zugleich, und balanciert überzeugend zwischen rauem Killer und charmantem Witzbold, dass dem geneigten Bondfan das Herz aufgeht. Neben ihm agiert das im Vorgänger neu aufgelegte MI6-Team nach Jahren der Unentschlossenheit als neue personelle Konstante in der Serie. Ralph Fiennes orientiert sich bei der Gestaltung der M-Rolle an der klassischen Auslegung durch die Legende Bernard Lee, bringt aber weiterhin genügend eigene Impulse in seine Darstellung mit ein. Ben Whishaws Q ist der heimliche Star des Films und legt bei seiner Neuinterpretation bzw. Variation des Waffenmeisters eine solche Menge Spielfreude, Schalk und vor allem Chemie mit Daniel Craig an den Tag, dass sich die entsprechenden Passagen, die auch solide im Handlungsverlauf verankert sind, wahrlich nicht vor den besten Szenen zwischen den "alten" Bonddarstellern und Ur-Q Desmond Llewelyn zu verstecken brauchen.


    Etwas distanziert bleibt die meiste Zeit über das Bond-Girl, Madeleine Swann. Natürlich steht sie meilenweit über einigen der katastrophalen Blondchen, die Bond zu Zeiten von Old Rog manchmal anschmachteten (wie z.B. Mary Goodnight oder Stacey Sutton), ist aber zugleich auch weit davon entfernt, in den Kreis der allerbesten Bond-Girls aufgenommen zu werden. Dafür bleibt ihre Darstellung den ganzen Film über etwas zu kühl, und ihre Rolle etwas zu unrund. Insgesamt ist ihr Charakter sehr solide, ohne aber explizit hervorzuragen. Toll dagegen ist die Figur des Mr. Hinx, mit dem die Bondreihe zum ersten Mal seit einer langen Zeit einen gefährlichen und gerissenen Handlanger als Bonds Gegenspieler bereithält. Hinx erinnert in seiner physischen Präsenz und seiner Unnachgiebigkeit an Figuren wie Oddjob, Tee-Hee oder Jaws, ohne deren ikonographische Klasse zu erreichen. Er bleibt aber auf jeden Fall in der Erinnerung und ist mit Dave Bautista mehr als treffend besetzt.


    Mendes' Inszenierung bedient sich verständlicherweise ähnlicher Stilmittel wie diejenige des Vorgängers: Panoramaaufnahmen, Farbfilter und eine ruhige Schnittfrequenz. Spectre zelebriert die mondäne, edle und malerische Fotografie einiger früheren Bondfilme noch um einiges mehr als SF und schafft es, die Drehorte Mexiko, Marokko, Österreich und Rom spektakulär und zeitlos festzuhalten. Darüber hinaus aber hat sich Mendes zusätzlich weiterentwickelt und überrascht mit einigen einfallsreichen Inszenierungstricks. Als Beispiele seien hier die elegante und für einen Bondfilm ungewöhnliche Plansequenz ganz zu Beginn und das sehr atmosphärisch und kunstvoll fotografierte Spectre-Meeting in Rom genannt. Die drei grossen Actionsequenzen in Mexiko, Rom und Österreich zeigen sich als flüssig in die Dramaturgie eingegliederte Synthesen aus Stuntarbeit, Humor, Handlungsentwicklung und ruhiger, konzentrierter Filmmontage, die das Geschehen abrunden und dazu noch mit einigen schönen Einfällen gespickt sind.


    Der Soundtrack von Thomas Newman erfüllt seine Zwecke, ohne je wirklich aufzufallen. In einigen wenigen Szenen ist er zu aufdringlich eingesetzt, ansonsten aber läuft die Musik die meiste Zeit passiv zu den Bildern, ohne wirklich hervorzustechen, egal ob in positiver oder negativer Hinsicht. Smiths Titelsong ist mit etwas Gewöhnung gar nicht mal so schlecht, wenn auch sicher kein Highlight in diesem Fach. Absolut herausragend sind dafür einmal die eleganten und fantasievollen Bilder der Titelsequenz von Daniel Kleinman. Unglaublich, was dieser Mann zustande bringt.


    Was Spectre in den ersten beiden Dritteln der zweieinhalbstündigen Laufzeit so unterhaltsam und stark macht, ist wie all diese genannten Elemente zusammenfliessen, wie Mendes eine Symbiose aus klassischem und modernem Bond-Abenteuer erschafft, wie er beliebte Elemente und Trademarks aus fünfzig Jahren Bondgeschichte einsetzt oder variiert, wie er die Handlung, die Figuren, die mondänen Bilder, den Humor und die kontrollierten Actionszenen zu einem fliessenden Strom exzellenten Vergnügens fusioniert. Bis zu diesem Punkt hätte ich Spectre ohne mit der Wimper zu zucken 8,5 oder sogar mehr Punkte vergeben, er wäre zum wohl besten Film der Craig-Bond-Ära geworden, vielleicht sogar zu einem der besten der gesamten Reihe. Aber dann folgt die Enthüllung des Bösewichts und die Ankunft in dessen Schlupfwinkel in der marokkanischen Wüste.


    Es ist mir absolut schleierhaft, wie man einen so talentierten Darsteller wie Christoph Waltz und eine potentiell so interessante Figur wie den Oberhauser-Blofeld dermassen schamlos verbraten kann. Das Konzept, den Gegenspieler über eine längere Zeit im Dunkeln aufzubauen und mit einem relativ späten Auftritt sowie vergleichsweise begrenzter Leinwandzeit einzusetzen gibt es bei Bond nicht zum ersten Mal, so zum Beispiel extrem gut gelungen im Erstling DN. Umso erschreckender, wie bedeutungslos und schwach die Neuinterpretation der absoluten 007-Nemesis Ernst Stavro Blofeld hier ausgefallen ist. Weder wird der Figur die dramaturgische Bedeutung und Gewichtung zugestanden, die die vorangegangenen Teile des Films versprochen haben, noch ist Waltz die gewohnte Spielfreude anzumerken. Seine an sich spannende gemeinsame Vergangenheit mit Bond wird in der Umsetzung ebenso oberflächlich und mangelhaft verarbeitet wie die zuvor etablierte Macht und Kontrolle seiner Organisation. Die Verpflichtung eines grossartigen Darstellers und die ambitionierte Neueinführung eines potentiell so spannenden Bösewichts erweisen sich als heisse Luft. Ob es an Drehbuchänderungen in letzter Minute - die einem ungeplanten Leak der ersten Konzepte folgten - liegt sei mal dahingestellt, auf jeden Fall manövriert Mendes den Film pünktlich mit Bonds Eintreffen in Blofelds Wüstenversteck in eine dramaturgische Sackgasse und trampelt absolut skrupellos auf dem vorhandenen Potential herum. Was folgt ist ein uninspirierter und schlaffer Showdown in London und eine merkwürdig lieblose und auch belanglose Abhandlung des Subplots um den von Andrew Scott gespielten MI6-Verräter, und dann ist Spectre auf einmal zu Ende, an einem Punkt, der irgendwie nicht passen will.


    Was bleibt sind mindestens eineinhalb Stunden feuriger, vielseitiger und absolut bondiger Unterhaltung, die viele unterschiedliche Stärken der Serie miteinander kombinieren und mit neuen, eigenen Impulsen anreichern, denen aber ein merklich schwächelnder Schlussakt und ein über alle Massen verschwendeter Bösewicht folgt.


    Ich bin zwiegespalten.

    From Russia with Love (1963, Terence Young)


    "From Russia with love I fly to you. Much wiser since my goodbye to you. I've travelled the world to learn I must return from Russia with love"
    - Matt Monro


    Nachdem Sean Connerys Einstand als mittlerweile berühmtester und beliebtester Agent der Filmgeschichte in DN anno 1962 zum Mega-Hit avancierte liess die Fortsetzung aus dem Hause EON der Produzenten Harry Saltzman und Albert R. Broccoli nicht lange auf sich warten. Mit FRWL, der Verfilmung von einem der populärsten Teile aus Flemings Romanreihe, verlegte Regisseur Terence Young das Spektakel von den idyllischen Stränden der Karibik an den Eisernen Vorhang und damit an den (damaligen) Puls der Zeit.


    Bemerkenswert am zweiten Teil der langlebigen Filmreihe ist vor allem, dass Schauwerte und Spektakel im Vergleich zum fantasievollen Abenteuerreisser DN erheblich zurückgefahren und einer noch stringenteren und fokussierteren Inszenierung untergeordnet werden. Mit der exotischen Metropole Istanbul und einigen aufwändigen und charmanten Setbauten, darunter ein malerisches Zigeunerlager, muss sich FRWL zwar keineswegs vor den oftmals an "Sightseeing-Touren" erinnernden Serienkollegen verstecken, allerdings werden diese Schauplätze dennoch um Einiges nüchterner und dreckiger bebildert als noch die prachtvollen Landschaften Jamaikas im Vorgänger. Womit sich auch der Bogen zur Handlung schlagen lässt. Mit den fantastischen und bunten Abenteuerelementen von DN hat FRWL nur noch wenig gemein, die erfindungsreichen Over-the-top-Ingredienzen äussern sich lediglich im Detail. So zum Beispiel im ersten von Tüftler Q entwickelten Gadget der 007-Reihe, einem Aktenkoffer mit Tränengas-Sicherung und verstecktem Dolch. Über weite Strecken aber präsentiert Young seinen zweiten Beitrag zur Serie als straffen und geerdeten Agentenfilm. Hier bespitzeln sich Briten, Russen, Türken und Bulgaren während dem Höhepunkt des Kalten Krieges in den Strassen Istanbuls gegenseitig, hier werden ausgeklügelte Spionagepläne geschmiedet und jeder versucht, eine wertvolle Maschine zur Dechiffrierung von Geheimdienstcodes an sich zu reissen. Erstmals eingeführt wird als Dreh- und Angelpunkt der Handlung die geheimnisvolle Untergrundorganisation SPECTRE, die die verschiedenen Nachrichtendienste zu manipulieren versucht um ihre eigenen Ziele zu erreichen.


    Sean Connery fährt genau dort fort, wo er in DN aufgehört hat und prägt seinen Bond wie gewohnt mit weltmännischer Eleganz, physischer Präsenz und herber Männlichkeit. Es macht den Anschein, als wäre der Schotte geboren worden nur um James Bond zu spielen. Allerdings scheinen die Konturen seiner Darstellung in FRWL etwas weicher gezeichnet zu sein, und er setzt nicht mehr ganz so viele prägnante Akzente wie noch in DN. Co-Star Daniela Bianchi als Bond-Girl Tatiana Romanova leistet quasi Pionierarbeit als die klassische unschuldige Blondine, die leicht und schnell dem Charme Bonds verfällt, jedoch ist ihr Charakter wesentlich essentieller und greifbarer ins Geschehen mit eingebunden als bei späteren Gespielinnen des Helden. Und Bianchi ist auch einfach nur bezaubernd. Den wohl stärksten Part des gesamten Films hat aber Pedro Armendáriz als türkischer Kontaktmann Ali Kerim Bey abgekriegt, den er mit solch einer starken Mischung aus kultivierter Weisheit und jovialem, spitzbübischem Charme verkörpert, dass es eine wahre Freude ist. Ali Kerim Bey und Bond nimmt man den gegenseitigen Respekt und die rasch entstehende Freundschaft jederzeit ab. Besonders beeindruckend ist seine fröhliche Darstellung, wenn man die damaligen gesundheitlichen Zustände des Darsteller kennt: Armendáriz litt an Krebs und setzte seinem Leben kurz nach Beendigung der Dreharbeiten ein Ende.


    Kaum ein anderer Film der Serie hat eine derartig eigenständige Konstellation an Gegenspielern zu bieten. Bonds spätere Nemesis Ernst Stavro Blofeld tritt in FRWL zum ersten Mal in Erscheinung, hier noch als eiskalte, gesichtslose Graue Eminenz, die im Hintergrund alle Fäden in der Hand hält. Ausgeführt werden seine Befehle von der rüstigen Sowjetoffizierin Rosa Klebb, eine Rolle, die Darstellerin Lotte Lenya mit einer widerwärtigen Kratzbürstigkeit zum Besten gibt. Ganz vollständig will die Figur aber leider nie zünden, dafür wirkt sie trotz oder gerade wegen ihres rustikalen und groben Auftretens manchmal ein bisschen zu bieder. Bonds wahrer Erzfeind in diesem Film ist aber kein Geringerer als Red Grant, ein stoischer, blonder Muskelberg, der aber auch clever und gerissen vorgeht, und zunächst unerkannt im Schatten operiert, bevor er im richtigen Moment zuschlägt. Die Figur kann nicht nur als Vorreiter einer ganzen Armee von 007 nach dem Leben trachtenden Auftragskillern gewertet werden, sondern gehört in diesen Belangen auch problemlos zu den denkwürdigsten und besten Charakteren der Serie.


    Terence Young inszeniert seine Agentengeschichte stilsicher und mit einer simplen Eleganz. Bei der Filmmontage arbeitet er mit einer straffen Schnittfrequenz und geschmacksvollen Kamerawinkeln, welche die Handlungen der Akteure besonders im Zusammenspiel mit der eindringlichen Ton- und Musikgestaltung dezent aber effektvoll akzentuieren. Was spektakuläre Actionsequenzen anbelangt hält sich FRWL auffallend stark zurück und ist von den über zwanzig Filmen der Reihe wohl derjenige, der sie inhaltlich und dramaturgisch am allerwenigsten nötig hat. Young macht den Fehler, dieses angebliche Manko kompensieren zu wollen und lädt die Erzählung mit zwei weitgehend redundanten Actionszenen unnötig auf. Wobei die grosse Zigeunercamp-Schiesserei im Kontext der Handlung zwar noch nicht unbedingt redundant erscheint, es durch die unpassende und auch etwas uninspirierte Inszenierung aber wird. Vollständig wegfallen sollte hingegen die reichlich schale Bootsverfolgung kurz vor dem Ende, die sich an dieser Stelle rhythmisch mir der wesentlich stimmigeren und besser inszenierten Helikopterattacke beisst. Dafür entschädigt aber die wahnsinnig intensive Keilerei zwischen Bond und Red Grant im Zug, deren wuchtige Choreographie und stramme filmische Umsetzung heute noch Ihresgleichen sucht.


    FRWL ist nach DN eine weitere Perle der frühen Bondfilme. Obwohl er auch den ikonographischen Auftakt zur langlebigen Filmreihe inszeniert hat wagt Terence Young zumindest in Teilen einen völlig neuen Ansatz und treibt dieses Mal statt eines abenteuerlichen und bunten Detektivkrimis ein komprimiertes Katz-und-Maus-Spiel in den Ausläufen des Kalten Krieges, gespickt mit stringenten und wirkungsvollen Einzelszenen, die für die Bondreihe ungewöhnlich bodenständig und aufs Wesentliche fokussiert in Szene gesetzt werden. Der übergeordnete dramaturgische Rahmen der Geschichte hätte aber an manchen Stellen etwas mehr Feinschliff vertragen können und zögert das Ende im späteren Verlauf unnötig hinaus. Den damit verlorenen Boden macht FRWL mit den gut gespielten und denkwürdigen Charakteren und der gebündelten Atmosphäre zwar weitgehend wieder wett, zu einem Highlight der Reihe oder gar des Genres reicht es aber dennoch nicht ganz.


    Wertung: 7,5 / 10

    Everest (2015, Baltasar Kormàkur)


    Im Jahre 1996 kam es am Mount Everest, dem bekanntlich höchsten Berg der Welt, zu einer Reihe fürchterlicher Unfälle. Mehrere Bergsteigexpeditionen, einige davon in Begleitung von Kunden, die die Besteigung gebucht haben, versuchten innerhalb eines kurzen Zeitfensters bei gutem Wetter den Gipfel zu erklimmen. Der plötzliche Umschlag des Wetters, ein jäher Sturm sowie eine ganze Palette weiterer kleiner, aber folgenschwerer Zufälle warfen einen grossen Teil der Abenteurer in einen wahnsinnigen Überlebenskampf an den eisigen Felswänden des Berges. Der Isländer Baltasar Kormàkur, Regisseur des atmosphärischen Drogenkrimis Contraband, hat versucht, die Ereignisse des 10. und 11. Mai 1996 möglichst realitätsnah und authentisch in einem Spielfilm festzuhalten.


    Everest ist in erster Linie als ausgewogene Mischung aus Abenteuerfilm und Drama zu beschreiben, wobei der Film die beiden Genres durchgehend Hand in Hand gehen lässt und die Symbiose immer weiter vertieft. Obwohl, oder vielleicht auch gerade weil die risikofreudigen Bergsteiger fast durchgehend mit Skimasken, Mützen und Sonnenbrille vermummt agieren gelingt es Korkàkur hier, lebendige Charaktere zu erschaffen. Er arbeitet ihre Hintergründe und Motivationen soweit heraus, wie es für den dramaturgischen Rahmen nötig ist, und schafft eine gewisse Vertrautheit, die mehr als nur ausreicht um einen bei den Erfolgserlebnissen der Figuren mitjubeln und beim sich immer unausweichlicher anbahnenden Unglück schmerzlich mitfiebern zu lassen. Das breit gefächerte Darstellerensemble glänzt mit einigen überraschend prominenten Namen, wobei man sich nicht der Illusion hingeben sollte, von Kormàkur ein Starspektakel serviert zu bekommen. Jake Gyllenhaal beispielsweise zeigt sich mal wieder von seiner besten und zugleich von einer erfrischen neuen Seite, spielt im Gesamtkontext aber keine besonders grosse Rolle. Es gibt aber trotzdem zwei Darsteller, deren Figuren dramaturgisch deutlich stärker gewichtet werden als die übrigen, und zwar Josh Brolin und Jason Clarke. Beide agieren mehr als nur solide, ohne sich innerhalb des Ensembles unangenehm aufzudrängen oder aufgedrängt zu werden. Auch die vielen kleineren Namen können sich beinahe genauso sehr profilieren, ohne dabei gross eingeführt oder akzentuiert zu werden.


    Everest erzählt seine Geschichte und sein Szenario unverblümt in einer beachtlichen Bildgewalt und holt einen Grossteil seiner Spannung aus den Möglichkeiten des audiovisuellen Mediums, die teilweise bis zum Maximum ausgeschöpft werden. Die zweite Hälfte des Films wird von Kormàkur ohne Verschnaufpause als aufwühlender Höllentrip inszeniert, in dem manche der Expeditionsteilnehmer bis an ihre Grenzen, und der eine oder andere sogar weit darüber hinaus gehen muss. Kormàkur verleiht seinen Bildern zeitgleich kunstvollen und dokumentarischen Charakter und setzt unendlich scheinende Abgründe, tobenden Schneesturm und Platzmangel in schwindelerregenden Höhen beeindruckend, manchmal auch verstörend in Szene. Selten wurden in einem Film die unmittelbaren Gefahren und die urgewaltigen Kräfte von Wetter und Natur so direkt und packend vermittelt wie in Everest. Hier leisten sogar die 3D-Bilder ihren Anteil und akzentuieren die mörderischen Steilwände und peitschenden Sturmböen über die blosse Inszenierung hinaus. Ein riesiges Lob muss zudem einer technischen Kategorie gezollt werden, die dem Zuschauer ansonsten für gewöhnlich kaum auffällt, und zwar dem Ton. Die brachiale, und damit durchaus passende Soundkulisse im Schneesturm verleiht den Bildern das bestmöglichste zusätzliche Gewicht. Hier sollte dringend ein Oscar für die verantwortlichen Techniker her.


    Lebendige Charaktere und eine beeindruckende Umsetzung in Bild und Ton: Everest fokussiert sich schnörkellos auf die simple Essenz und schöpft diese nahezu ideal aus, um ein hochspannendes Abenteuerdrama über den Kampf zwischen Mensch und Natur zu präsentieren. Gibt es auch etwas, was Kormàkur anders oder besser hätte machen können? Ja, nur sehr wenige Filme sind perfekt und um zu dieser erlesenen Gruppe zu gehören fehlt Everest doch noch ein kleines Bisschen. Inmitten der überwältigenden Inszenierung schleicht sich hin und wieder der platte Hollywood-Kitsch ein, um seine primitiven Mechanismen walten zu lassen. Kormàkur gelingt es souverän, den Schaden in Grenzen zu halten, dennoch hätte man die eine oder andere Szene um die in Lebensgefahr schwebenden Bergsteiger deutlich anders in Szene setzen können. Was soll man sagen? Jeder macht mal Fehler. Lasst uns ein Auge zukneifen.


    Wertung: 8 / 10

    James Bond 007: Dr. No (1962, Terence Young)


    Mit Terence Youngs DN hielt vor über fünfzig Jahren eine der mittlerweile wohl bekanntesten Filmreihen aller Zeiten, basierend auf den Romanen des Ex-Spions und James Bonds geistigem Vater Ian Fleming, Einzug in die Kinosäle. Ausserhalb von leidenschaftlichen Fankreisen findet dieser Erstling in Bestenlisten häufig kaum Beachtung und wird nicht selten auf die Tatsache reduziert, dass es sich eben um den Auftakt der Reihe handelt. Schade, wie ich finde, denn der mit einem bescheidenen Budget von einer Million und ohne grossen Erwartungsdruck gedrehte DN ist auch nach mehr als zwanzig Fortsetzungen und diversen weiteren Highlights noch eine wahre Perle der filmischen Bondwelt und trotz seiner Einzigartigkeit bis heute prägend für die Missionen des berühmtesten Agenten ihrer Majestät.


    Verglichen mit späteren Adaptionen ist DN noch relativ tief in Flemings Romanvorlage verwurzelt und lässt sich am besten als Synthese aus spannender Detektivgeschichte und fantasievollem Abenteuerfilm bezeichnen. Die erste Hälfte widerspiegelt dabei den Detektivfilmteil, in dem Bond wie so oft als Aufhänger einem dubiosen Mordfall nachgeht, was sich in DN aber noch um Einiges ausführlicher und damit spannender abspielt, als in den folgenden Werken der Reihe. Die zweite Hälfte, in der das Erkunden der Insel durch den Protagonisten im erzählerischen Fokus steht, repräsentiert den actionreicheren und findigeren Abenteuerfilm. Young lässt aber in seiner Inszenierung die Elemente dieser beiden Seiten derselben Medaille immer wieder ineinandergreifen und sorgt besonders im Mittelteil für einen fliessenden Übergang. Wie bereits angetönt sind Bonds Ermittlungen in und um Kingston nicht bloss der übliche einfache Anfangspunkt, sondern integraler Bestandteil der Handlung und deren dramaturgischer Entwicklung. Selten in über fünfzig Jahren wurde die Arbeit von 007 so reduziert und schlicht erzählt wie in der ersten Dreiviertelstunde von DN, allerdings sorgt auch hier eine ganze Palette an unterschiedlichen Faktoren für exzellenten und spannungsvollen Unterhaltungswert.


    Kaum ein anderer Bondfilm hat eine so schöne und atmosphärische Kulisse aufzuweisen, wie der Erstling DN. Die faszinierende Symbiose aus dem exotischen und traumhaften Flair der karibischen Hafenstadt Kingston und dem alltäglichen Lebensstil der frühen 1960er-Jahre ist mehr als nur ein Hintergrund, sie ist ein Teil des Films. Der geografische und zeitliche Rahmen bedingen immer wieder, dass Bond auf eigene Faust vor Ort unterwegs ist, das Umfeld erkunden und seine Fantasie benutzen muss, um Informationen in Erfahrung zu bringen. Gleichzeitig werden Gefahrensituationen wie eingeschmuggelte Giftspinnen, lauernde Attentäter und verräterische Handlanger simpel und effektvoll in die Handlung mit eingebaut. Generell ist DN durchgehend straff, schnörkellos und zielgerichtet inszeniert, ohne sich mit Nebenhandlungen oder Ähnlichem aufzuhalten. Akzentuiert wird diese Stringenz durch den rasanten und auch heute noch sehr modern wirkenden Schnitt des späteren Bondregisseurs Peter Hunt, der Youngs traumhafte Bilder mit spielender Leichtigkeit arrangiert. Dazu kommen ein minutiöses und eindringliches Sounddesign sowie Musikgestaltung, die dafür sorgen dass die Spannung inmitten des visuellen Charmes nicht untergeht. Als musikalisches Leitmotiv dient nicht wie bei den anderen Serienbeiträgen ein Titelsong im Vorspann, sondern das launige und leichte Underneath the Mango Tree, das immer wieder eingespielt, variiert und sogar von den Charakteren gesungen wird, und das exotische Flair des Films perfekt unterstreicht.


    DN ist das Ventil, das Flemings Romanbond adaptiert und daraus die Filmfigur James Bond geschaffen hat. Und für die darstellerische Umsetzung hätte man keinen besseren Mann verpflichten können, als Sean Connery. Der Schotte brilliert als Agent mit der Lizenz zum Töten, und verleiht ihm maskulinen Charme, energisches Auftreten und eine gehörige Portion Zynismus, aber auch weltmännischen und kultivierten Charakter. Egal ob er bei Gegner zuschlägt, bei Frauen zuschnappt oder sich einen Drink kredenzen lässt, Connery trifft stets den optimalen Ton und die haargenau richtige Geste, um seinen Bond zu formen und zu definieren. Er trägt den Film von seiner ikonographischen Vorstellung im Casino bis hin zum Kampf auf Leben und Tod gegen Dr. No. Ob Connery als Bond jemals wieder so gut war wie in seinem Debüt lässt sich schwer sagen, sicher ist, dass er nie wieder so kantig und cool war wie in DN.


    Der von Joseph Wiseman verkörperte titelgebende Oberschurke ist für mich einer der drei besten Gegenspieler in der gesamten Bondreihe. Nicht obwohl, sondern gerade weil er erst kurz vor Schluss auftritt. Bis dahin wird Dr. No als geheimnisvoller und unsichtbarer Strippenzieher immer wirkungsvoller aufgebaut, sei es durch die merkwürdigen Gerüchte über seine Privatinsel und die darauf lauernden Gefahren, oder durch seinen indirekten ersten Auftritt als kalte Stimme, die Professor Dent in einem leeren Raum energische Anweisungen erteilt. Die Präsenz, die der Doktor den Film gewinnt, ohne dabei vor die Kamera zu treten, ist wahrlich bemerkenswert. Umso beeindruckender, dass Wiseman die Versprechungen dann auch einhalten kann. In seinen wenigen Minuten Screentime spielt er den hageren Chinesen mit dem maskenhaften Gesicht und den metallenen Händen mit einer solchen Kälte und Intensität, dass es einem kalt den Rücken runterläuft. Ein weiterer Höhepunkt sind hier auch die fantasievollen Dekors von Nos Appartement, entworfen vom legendären Setdesigner Ken Adam.


    In der Besetzung und Gestaltung der Nebenrollen wartet DN mit einer ganzen Palette farbiger Charaktere auf, die rund um Connerys Bond arrangiert sind. Absolut ikonographisch und dazu noch über alle Massen erotisch ist Ursula Andress‘ Honey, das erste Bondgirl der Filmgeschichte. Andress‘ erster Auftritt wird nicht zu Unrecht regelmässig als eine der Sternstunden der Bond-Historie bezeichnet. Wie sie singend aus dem Wasser steigt, als wäre sie eine Kreatur des Meeres, ist mindestens genau so stark wie ihr Zusammenspiel mit Connery. Jack Lord als kumpelhafter und lässiger CIA-Kollege Felix Leiter zählt von den vielen Darstellern, die die Rolle gespielt haben, mit Sicherheit zu den passendsten und eindrücklichsten. Unvergesslich ist natürlich auch John Kitzmiller in der Rolle des abergläubischen aber todesmutigen Fischers Quarrel, der für Bond sein Leben lassen muss. Mit Bonds „Casino-Bekanntschaft“ Sylvia Trench und der ebenso verräterischen wie naiven Miss Taro wird bereits vor Honeys erstem Auftritt für den richtigen Schuss Erotik und Eye-Candy gesorgt. Und Bernard Lee legt als autoritärer und strenger Geheimdienstchef M den Grundstein für seine Darstellung in den darauffolgenden Filmen. Die respekt- und vertrauensvolle Beziehung zwischen dem zuweilen etwas von Bond genervten M und 007 selbst wurde hierfür direkt aus Flemings Romanen übernommen und erfährt durch Connery und Lee eine fantastische Belebung.


    Es gibt für mich kaum etwas, das an DN auszusetzen ist. Natürlich könnte man sagen, dass der Film verglichen mit den späteren Bondabenteuern unspektakulär daherkomme, das wäre in meinen Augen aber der völlig falsche Denkansatz, da DN ein ausladendes Spektakel gar nicht nötig hat. Die ikonographische Location Jamaika, die Härte und Straffheit der Inszenierung, die richtige Portion trockener Witz und viel Charme, ein farbiges Figurenensemble, stimmungsvolle Filmmusik und nicht zuletzt eine Bombenleistung von Sean Connery als unverbrauchter Bond, wie er ihn cooler nie mehr zu spielen vermochte, all das macht Terence Youngs Auftakt der langlebigen Filmreihe zu einem schillernden Juwel, dem meiner Meinung nach nur noch ein kleiner Sprung zur Perfektion fehlt.


    Wertung: 9 / 10

    Pirates of the Caribbean: At World’s End (2007, Gore Verbinski)


    „Close your eyes and pretend it's all a bad dream. That's how I get by.“


    Leinen los und herzlich willkommen an der Bord der „Verwirrenden Gurke“! Im Namen des Kapitäns Jerry Bruckheimer und des Steuermannes Gore Verbinski begrüsse ich Sie zu dieser Kreuzfahrt in die Karibik, nach Singapur, in die Arktis, ans Ende der Welt und wieder zurück und durch einen Plot, dem wie ich Ihnen garantiere niemand wird folgen können!


    Mit dem exorbitanten Produktionsbudget von dreihundert Millionen Dollar der teuerste Film aller Zeiten, startete die Produktion dieses dreistündigen filmischen Mammutbaumes bereits während den Dreharbeiten zu Dead Man’s Chest, dem zweiten Teil der frischgebackenen Filmreihe. Dieses Mal werden all die Handlungsstränge aus eben jenem zweiten Teil direkt weitergesponnen um letzten Endes in einer alles entscheidenden Schlacht zu kulminieren. Mit dem unkomplizierten und knackigen Abenteuercharme des allerersten Teils hat der Film dabei nicht mehr wirklich viel gemein, vielmehr liefert Verbinski ein grosszügig aufgeblasenes Fantasy-Epos um Schuld und Sühne, Schicksal und Bestimmung und andere ausgelutschte Genre-Sujets.


    Wie es sich für einen Film dieser Grössenordnung – sowohl in Bezug auf die Produktionswerte als auch auf die inhaltlichen und thematischen Ambitionen – gehört, ist At World’s End trotz oder gerade wegen der Laufzeit von drei überaus plotlastigen Stunden heillos überfrachtet an Charakteren, deren Bedeutung und Zuordnung für die Handlung oftmals für keinen wirklich deutlich sind. Angeführt wird das Ensemble wie gewohnt von Johnny Depp der sich mittlerweile als Parodie seiner selbst durch den Film chargiert und an allen Ecken und Enden des labyrinthischen Plots als exzentrischer Pausenclown mitmischt. Depps Performance geht dabei zwar der frische Charme und Einfallsreichtum des ersten Films weitgehend ab (was auf so einige Aspekte des Films zutrifft), nichtsdestotrotz macht es meistens Spass, sein schräges Possenspiel zu betrachten. Das fängt schon bei der ersten Szene an, die an gekünstelter Absurdität kaum noch zu überbieten ist: Sparrow steckt mit seinem Schiff in einer Wüste fest, halluziniert, grimassiert und muss sich mit imaginären Doppelgängern, einer Ziege, einem Haufen Steine und einer halben Erdnuss (!) herumärgern. Das ist bizarrer Blödsinn in seiner reinsten Form, aber genau darin liegt der Spass. Und diese idiotischen „Traumsequenzen“ ziehen sich in hübscher Regelmässigkeit durch den gesamten Film. Dem entgegengesetzt werden leider einige Szenen, in denen der Film (ernsthaft) versucht einen ernsten, schlimmer noch: emotionalen Sparrow einzuführen und diesen seriös in die Geschichte zu integrieren. Besagte Szenen sind heillose Rohrkrepierer, denn Depps abgehalfterten Kaspar als seriösen Charakter zu verkaufen hätte vielleicht noch im ersten Teil funktioniert, mit Sicherheit aber nicht in diesem.


    Depps Blödeleien und der damit verbundene meist sehr oberflächliche Fanservice bietet einen grundsoliden Nährboden für die Rückkehr eines weiteren Hauptcharakters: Hector Barbossa, der von Geoffrey Rush verkörperte, schamlos charismatische Piratenteufel aus dem ersten Film. War die Figur im stilvollsten Abenteuer des Jahres 2003 noch ein verschlagener, sinisterer und dennoch irgendwie sympathischer Erzrivale Sparrows, so werden diese Beziehung und die Charakterzüge Barbossas hier masslos überzeichnet, und Depp und Rush zanken sich den gesamten Film über wie zwei alte Waschweiber, was sich in zahlreichen köstlich blöden Wortgefechten und Slapstick-Szenen niederschlägt (Klick mich!), bei denen dem „dynamischen Duo“ die Spielfreude aus sämtlichen Poren tropft. Diesen beiden „Helden“, bei vernünftiger Betrachtung sind sie vielmehr „Anti-“, wird mit Lord Beckett, seines Zeichens machtsüchtiger Kommandant der Handelsflotte, ein würdiger Oberschurke entgegengesetzt, der durch das Spiel des theatererfahrenen Tom Hollander so richtig schön schleimig, süffisant und theatralisch daherkommt. Schleimig ist auch der dämonische Meeresgeist Davy Jones wieder mal, wenn auch nur äusserlich. Die im Vorgänger zumindest noch ansatzweise bedrohliche Figur wird hier zum lispelnden Tintenfisch degradiert, der für Beckett die Drecksarbeit erledigt, und dabei für einen auf dem Papier so einfallsreichen Charakter erstaunlich blass und langweilig daherkommt. In einem der viel zu vielen Subplots wird nun auch die gesamte Hintergrundgeschichte des Davy Jones, seine vermeintlich tragische Beziehung zur Meeresgöttin (!) Calypso aufgerollt. Dabei versteht sich Verbinski mal wieder als Meister darin, spannende Ideen stark aufzubauen um sie nachher genüsslich wegzuwerfen: in einer der besten Szenen des Films treffen sich Jones und Calypso in einem von mysteriöser Atmosphäre erfüllten Szenario zu ihrer Gänsehaut erregenden Leitmelodie. Der Verdammte stellt seine Peinigerin zur Rede, Verbinski taucht genau wie in Dead Man’s Chest wieder ein in diese potentiell so traurig-schöne Schauergeschichte. Aber wenn Calypso letzten Endes den Grund für ihr Fernbleiben offenbart, wenn man erfährt das dieser gesamte Fluch, der Hass und die thematische Grundlage des zweiten und dritten Films nur darauf basieren, dass die Olle an einem bestimmten Tag keinen Bock hatte, ihren Liebhaber von der See zu holen, dann kann man nur mit dem Kopf schütteln. Calypso selbst hat in ihrer Inszenierung und der Darstellung durch die grandiose Naomie Harris nur noch wenig von der faszinierenden und geheimnisvollen Dschungelhexe aus dem Vorgänger und bleibt die meiste Zeit über belangloses Supporting-Personal.


    Neben den bereits genannten Figuren dürfen natürlich auch Orlando Bloom und Keira Knightley mal wieder mitmischen. Die Liebesgeschichte der beiden, die Anno 2003 noch genau den richtigen, simplen aber funktionierenden Rahmen gebildet hat, hat sich mittlerweile mehr als totgelaufen und die meiste Zeit der drei Stunden könnte und würde man gerne auf das prätentiöse und blass gespielte Beziehungsgeplänkel des Pärchens verzichten. Der schwächste Einfall ist aber in meinen Augen, dass nun auch der einst unschuldige, tapfere Heldentypus (Turner) und die schlagfertige Prinzessin in Nöten (Swann) völlig an der Prämisse vorbei in Piratenrollen gedrängt werden. Das mag in Turners Falle noch einigermassen Sinn ergeben, die Knightley als oberste Piratenkönigin – die meiste Zeit mit einer Art Trichter auf dem Kopf und pathetische „Wir ziehen in den Krieg!“-Reden schwingend – ist aber nur ermüdend und hat mit der Figur nur noch den Namen gemein. Die von Stellan Skarsgård gespielte Figur ist ein weiteres Beispiel für die totale Überfrachtung des Films, so unmotiviert und nebensächlich laufen der Charakter und der mit ihr verbundene Handlungsstrang neben dem ganzen Spektakel daher, um am Ende auch noch irgendwie aufgelöst zu werden. Und auch die beliebten Nebencharaktere des ersten Films, Jack Davenport und Jonathan Pryce, werden der Vollständigkeit halber in lieblosen Cameos verheizt. Neuzugänge gibt es auch wieder deren reichlich, neben den ganz netten Kurzauftritten des bunt zusammengewürfelten „Piratenrates“ darf John-Woo-Star Chow Yun-Fat einige witzige Auftritte als fernöstlicher Seeräuber absolvieren, wird dabei exotisch und für die Filmreihe auch neuartig in Szene gesetzt, bleibt letzten Endes aber auch nur eine weitgehend blasse Randfigur. Der einzige der hier wirklich den Vogel abschiesst und dessen Auftritt eine charmante und rundum gelungene Idee zugrunde liegt ist Keith Richards (!) als cooler, alter, gitarrenspielender (!!) Piratenrocker und Vater von Jack Sparrow (!!!). Depp nannte Richards ja als wichtigste Inspiration für seine Interpretation der Rolle, folglich ist es ein witziger Einfall, das Rolling-Stones-Urgestein hier mitspielen zu lassen und dazu noch so cool in Szene zu setzen.


    Inhaltlich und erzählerisch beschreitet At World’s End wie ich bereits mehrfach angedeutet habe keine besonders einfallsreichen oder lobenswerten Wege. Gerade wenn man bedenkt mit welch einfacher und doch charmanter Simplizität diese Filmreihe ihren Anfang genommen hat, wollen die in der ersten Fortsetzung bereits markant angedeuteten und in der zweiten auf die Spitze getriebenen Zaunpfahlwinke in Richtung grosses, düsteres Fantasy-Epos nicht so wirklich passen. Zu viele Handlungsstränge sind insgesamt zu planlos um zu viele Charaktere herum arrangiert, ausserdem wechseln die Figuren innerhalb des Filmplots andauernd ihre Seiten, schliessen neue Bündnisse, verraten diese wieder und gehen Pakte mit anderen Parteien ein. Letzten Endes weiss keiner mehr – wahrscheinlich nicht einmal die Schreiberlinge – welcher der Piraten was plant, klare „Gut“- und „Böse“-Parteien gibt es keine mehr und spannungsvolle Ambivalenz bei den Figuren ist auch Fehlanzeige, da der gesamte Film dafür zu plan- und lieblos entwickelt ist. Dazu kommt noch dass sich der bedeutungsschwangere und auf ganz viel „düster“ und „Schicksal“ ausgerichtete Anstrich des Films fürchterlich mit der die meisten Zeit abgehaltenen Schmierenkomödie beisst, sei es freiwillig, wenn Sparrow und Hector mal wieder einen Schwanzvergleich mit Ferngläsern austragen, Nighys Fischmutant überdeutlich pompös auf Deck rumtrampelt und Pintel und Ragetti reihenweise dümmliche Kalauer vom Stapel lassen, oder unfreiwillig, wenn die Knightley mit ihrem albernen Hut in der Takelage rumturnend etwas von Freiheit und Gerechtigkeit brüllt, oder gefühlte fünf der Charaktere und Parteien einander innert zehn Sekunden gegeneinander ausspielen, verraten und die Seiten wechseln. Mit dem eleganten und schwungvollen Mix aus Humor und Grusel des ersten Films hat das Ganze nur noch wenig gemein, dafür ist At World’s End insgesamt leider viel zu plakativ, überfrachtet und zu sehr mit dem Holzhammer umgesetzt.


    Wenn man es aber schafft, an all diesen Mängeln, Makeln und Ausrutschern, an all den Schwächen, überladenen Handlungssträngen und verschenkten Nebenfiguren vorbeizusehen, muss man doch konstatieren, dass das Ganze auf eine sehr besondere Art und Weise irgendwie Spass macht. Als epochales und ausladendes Fantasy-Spektakel höchstens in Ansätzen leidlich geglückt, funktioniert der dritte Pirates of the Caribbean dafür umso mehr als grossangelegter Fanservice voller mal mehr, mal weniger gut geglückter Anspielungen und Running Gags, kindischem Piratengezanke, absurden Dialogverschnitten aus den Vorgängern und Slapstick-Einlagen. Während die Atmosphäre und der Ideenreichtum zurückbleiben, werden Comedy und Eigenparodie ausser Rand und Band häufig gleich in der Breitseite geboten. Darüber hinaus muss ich noch anmerken, dass Dynamik und Schnitt für sich gesehen meistens ziemlich gut funktionieren, gerade auch in Zusammenspiel mit der Musik und dem überladenen Humor. So zum Beispiel in dem überlangen und völlig absurden Finale Grande oder der „Parlay“-Szene auf der Sandbank, in der sich Verbinski und Zimmer grosszügig bei Spiel mir das Lied vom Tod bedienen. Und wenn diese Schlacht erst einmal überstanden ist, kommt auch schon das Grossjuwel des Films, die phänomenale Schlussszene im Geist, Stil und Charme des wunderbaren Erstlings – mit einem Vorgeschmack darauf, dass die Reise noch längst nicht vorbei ist…


    Trommelwirbel, ich kann es selbst nicht fassen! 6 / 10


    Pirates of the Caribbean: On Stranger Tides (2011, Rob Marshall)


    „It's not the destination so much as the journey, they say.“


    Nachdem die Reise ans Ende der Welt die Piratenblase von Disney in künstlerischer Hinsicht trotz einer Menge lustigem Klamauk zum Platzen gebracht hat, entschloss man sich vier Jahre später dazu, mit der nächsten Fortsetzung der beliebten Abenteuerfilmreihe ganz neue Ansätze auszuprobieren. Anstelle des ausgedienten Gore Verbinski übernahm dieses Mal der unverbrauchte Rob Marshall das Regiezepter, und mit diesem Wechsel löste sich das Projekt von all dem im zweiten und dritten Teil der Saga aufgestauten verkorksten Fantasy-Ballast und der unvorteilhaft überfüllten Besetzungsliste. Das Ergebnis fühlt sich an wie ein Befreiungsschlag und setzte wie im Titel versprochen rundum frische Gezeiten in Gang.


    Auffallend ist zunächst einmal vor allem der dramaturgische Rahmen der Geschichte. On Stranger Tides fühlt sich in nahezu jeder Hinsicht mehrere Nummern „kleiner“ an als das gross aufgeblähte und überladene Vorgängerepos. Anstelle von schicksalsbelasteten Kriegen zwischen Meeresgöttern, Dämonenhorden und staatlich organisierten Piratenarmeen dreht sich in dieser vierten der nicht ganz realitätsnahen Karibikreisen alles um eine sehr simpel aufgerollte Schatzsuche mit mehreren rivalisierenden Parteien. Die verworrenen und bedeutungsschwangeren Elegien um Flüche, Schicksale und Teufelspakte aus den Vorgängern werden zu Gunsten der deutlich bodenständigeren Involvierung von spanischen und britischen Kolonialpionieren fallengelassen, statt frontalem Klamauk gibt es wieder mehr Witz und Charme. Zudem werden die Fantasy-Elemente generell deutlich zurückgeschraubt und ihre Fantasie hat endlich wieder grössere Priorität als die reine Menge. Die einstige Flut an Verweisen und Eigenzitaten muss einigen wenigen kleineren Anspielungen weichen, wie zum Beispiel der sympathisch kurzen Erwähnung des in den beiden Vorgängern viel zu sehr ausgeschlachteten „Parlay“, der Szene mit Josh Gibbs und seinem Schwein oder der Rückkehr der Herren Gillette und Groves. Auf einige längst zum Klischee gewordene Merkmale wie etwa die ehemals obligatorische grosse Seeschlacht wird in dieser Form komplett verzichtet. Die Summe all dieser Elemente und Details beweist, dass On Stranger Tides um Einiges stärker an den Auftakt der Piratenchronik angelehnt ist, als an die beiden zusammenhängenden Sequels, und trotzdem einige Dinge völlig neu macht.


    Der Dreh- und Ankerpunkt dieser mannigfaltigen Herangehensweise ist kein Geringerer als Rob Marshall. Die Erzählung ist zwar durchaus simpel und zielgerichtet, doch zum einen war Simplizität schon in Curse of the Black Pearl eine unverzichtbare Zutat des Erfolgsrezeptes und in den beiden Nachfolgern eine zu oft schmerzlich vernachlässigte Komponente, zum anderen manövriert Marshall sich die meiste Zeit gradlinig aber abwechslungsreich durch seine Schatzsuche. Alleine die unterschiedlichen Parteien, ihre Beziehungen untereinander und die wechselnden Allianzen wurden hier weitaus unkomplizierter und zugleich bzw. damit besser gelöst als noch in At World’s End. Die dramaturgische Simplifizierung schafft zugleich Raum für visuelle Schauwerte und Stimmungserzeugung. Zwei Dinge, auf die Marshall Grossen Wert legt, während er die filmischen Bauteile einfallsreich um die Haupthandlung herum arrangiert. Leuchtende Farben, pompöse Schlösser, exotische Urwälder und eine geradezu märchenhafte Reisedestination wecken einerseits Erinnerungen an den ersten Teil und schaffen sich andererseits in ihrer fantasievollen Aufbereitung und Umsetzung einen ganz eigenen Stil, ohne vom Kern der Geschichte abzulenken. On Stranger Tides ist ein zweckdienliches Fest für die Augen und die atmosphärischen Sternstunden nicht gerade rar gesät. Besonders herausragend ist in dieser Hinsicht die gesamte Sequenz mit der Treibjagd auf die neu eingeführten Meerjungfrauen. Wie Marshall das Szenario atmosphärisch langsam aufwickelt und schliesslich in eine so ungewöhnliche Actionszene überleiten lässt ist im wahrsten Sinne des Wortes: magisch.


    Nicht nur in den grundlegenden Ideen und in der visuellen Umsetzung, sondern auch in der Besetzung und den Figuren hat sich Disney getraut, viele der letzten Endes abgenutzten alten Zöpfe aus dem Original und den beiden Nachschlägen aufzugeben und frischen Wind auszuprobieren. Johnny Depp ist natürlich wieder Mal Jack Sparrow, und weder seine Darstellung noch der Charakter an sich haben sich gross verändert. Natürlich hat sich die damalige Einzigartigkeit des schrägen Piraten längst abgenutzt, Depp lässt es sich aber trotzdem nicht nehmen, eine souveräne und meistens auch wieder etwas zurückhaltendere Darbietung abzuliefern, die hier insgesamt auch besser reinpasst als in die Teile zwei und drei. Etwas andersartig und im ersten Moment auch befremdlich aufgezogen ist die Rolle des Seebären Hector Barbossa. Geoffrey Rush spielt aber erneut mit grossem Enthusiasmus und Charisma auf, und der Film zeigt anhand der Figur auch mehr als deutlich, wie Sparrow und Hector als verstrittene Buddys funktionieren können, ohne die diesbezüglichen Zirkuseskapaden des dritten Kinoabenteuers wieder aufzugleisen. Unter den Neuzugängen sticht besonders Pirat Blackbeard positiv hervor. Marshall und der Darsteller Ian McShane bauen die Figur des verkommenen Seeräubers wiederum sorgfältig und stimmungsvoll auf (angefangen in der sehr schönen Szene der sich verschwörenden Meuterer) und gönnen ihm im Anschluss einen köstlich finsteren und dramatischen Erstauftritt, der von der Inszenierung ebenfalls atmosphärisch akzentuiert wird. Überzeugend im Handlungsverlauf und der generellen Ideenflut verankert ist auch der nette und charmante Subplot um den Missionar und die Meerjungfrau, die hier die totgelaufenen Turteltauben Bloom und Knightley mehr als nur kompensieren. Àstrid Bergès-Frisbey wird mit ihrem faszinierenden Gesicht und dem herzzerreissend traurigen Blick so schillernd in Szene gesetzt, dass sie nicht nur den Priester verzaubert. Für die kleine Rolle des Neuzuganges Stephen Graham gilt dasselbe, was für das meiste am Film gilt: Frischer Wind und mal etwas Neues.


    Natürlich gibt es auch so einiges an Stranger Tides, was nicht ganz so gut funktioniert, glücklicherweise aber auch selten wirklich negativ ins Gewicht fällt. Nach der tollen Einführung der Blackbeard-Figur hätte ich mir gerne gewünscht, dass McShanes Rolle etwas mehr Gewicht und mehr Leinwandzeit erhält, da die Figur in der zweiten Hälfte doch nur so halb ausgeschöpft wird. Penélope Cruz, in nicht gerade wenigen Szenen auch ersetzt durch ihre noch besser aussehende Schwester Monica, sorgt mit ihrer heissblütigen Darbietung für Unterhaltung, ihre Rolle bleibt aber etwas blass, hier hätte ich mir einige zusätzliche Konturen und etwas mehr Handlungsrelevanz erhofft. Hin und wieder entgleist auch mal wieder der Humor des Films in Klamauk, und die erste halbe Stunde der Laufzeit ist generell ziemlich schwach, gerade im Vergleich zu dem, was in den folgenden drei Vierteln geboten wird. In diesem Teil des Abenteuers werden lächerlich überzogene Actionsequenzen und einfallslose Komik uninspiriert aneinandergereiht und mit den unlustigen Gastauftritten von Keith Richards und Judi Dench noch weiter verschandelt. Erst mit dem Auftritt von der Cruz und dem daraus folgenden Fechtkampf kommen Feuer und Inspiration in den Film – und bleiben dann aber auch ziemlich lange. Insgesamt können diese Mängel den Spass aber nur sehr bedingt trüben. Unterm Strich ist Stranger Tides eine fabelhafte Rückbesinnung und zugleich Neuinterpretation, voll mit frischem Wind, eigenen Ideen und einer oftmals richtig magischen visuellen Bildgestaltung. Eine viel zu oft verschmähte Fortsetzung, die den Spagat zwischen Abkehr und Adaption meistert.


    Wertung: 8 / 10

    Im anderen Forum haben wir vor Kurzem einen Pirates of the Caribbean Marathon durchgeführt. Hier sind meine Reviews:


    Pirates of the Caribbean: The Curse of the Black Pearl (2003, Gore Verbinski)


    „I'm sorry. It's just... it's such a pretty boat... ähm, ship!”


    Romane und Kurzgeschichten, Lyrik und Prosa, Theater und Comics, Mythen, Sagen und Legenden. Es gibt keine einzige erzählende Kunstform, die nicht für hunderte und tausende von Filmen als Inspirationsquelle oder Grundlage gedient hat, und wir leben in einem Zeitalter, in dem es gefühlt jeder Stoff schon mindestens einmal auf die grosse Leinwand geschafft hat. Aber wenn wir zwölf Jahre zurückdenken, dann fällt uns unweigerlich ein Fall ein, der auf den ersten Blick absurder erscheint, als jede filmische Adaption vorher oder nachher: Disneys Entschluss, eine ihrer Parkattraktionen, eine Themenfahrt aus dem Disneyland, zu einem riesigen Blockbuster zu verarbeiten. Sobald diese merkwürdige Ausgangssituation festgelegt war, durfte sich dann auch sogleich das ungleiche Paar aus dem Popcorn-Zaren Jerry Bruckheimer und Genre-Regisseur Gore Verbinski ordentlich am Projekt austoben. Und wie durch pure Disney-Magie entstand dabei ein Film, der in seinem Kielwasser sowohl eine gigantische Fangemeinde als auch ein Massenkult der besonderen Art mit sich führte.


    Verbinski gönnt in Curse of the Black Pearl in allererster Linie dem klassischen Piratenfilm nach jahrzehntelanger Abstinenz ein grossangelegtes Revival, und untermauert es mit diversen Elementen aus Mantel-und-Degen-Film, rassigem Actionabenteuer und stimmungsvollem Gruselfilm. Die Handlung ist dabei sehr einfach gestrickt, aber stimmig und solide und vor allem bietet sie in ihrer Simplizität stets genau die richtigen Aufhänger für Schauwerte und Spektakel. Verbinski erzählt das an dramaturgischen Archetypen wie Rache und Liebe ausgerichtete Piratenmärchen mit dermassen viel Charme und Esprit in einer rasanten Rotation aus Action, Grusel, Romantik und exotischem Abenteuer, und lässt dabei immer wieder eine grosse Portion Witz und Selbstironie mit einfliessen, dass es eine wahre Freude ist. Dabei ist es schlicht spektakulär, wie elegant und wendungsreich der Film es schafft die verschiedenen Genre-Elemente rundum zu bedienen und zu erfüllen, ohne dabei zur Gruselkomödie oder zum Actionklamauk zu verkommen. Vielmehr schafft er sich aus der Zusammenführung der unterschiedlichen Zutaten beinahe schon ein eigenes Genre, eine wahnsinnig launige Symbiose.


    Tricktechnisch und visuell macht Disneys Piratenfluch eine besonders gute Figur. Gerade die koordinierte Verwendung von praktischen Spezialeffekten wie den Schiffsmodellen, Setbauten und Verkleidungen und digitalen Tricks bei der Umsetzung der Piratenzombies ist eine Herangehensweise, die Curse of the Black Pearl effekttechnisch einen überzeugenden und authentischen Charakter verleiht, den ich mir bei modernen Blockbustern häufiger wünschen würde. Ganz gleich ob idyllische Hafenstadt auf Jamaika, wildes und lärmiges Piratennest auf Tortuga, traumhafte Inselstrände, vor Piratenschätzen überquellende Geisterhöhle oder die hohe See, sämtliche Schauplätze versprühen einen romantischen und abenteuerlichen Charakter und sind von Verbinski würdig in Szene gesetzt. Genau wie bei den praktischen Effekten zeigt sich auch hier wieder der enorme Vorteil, dass zum Beispiel mit dem Bau aufwändiger Hafenkulissen und Bühnenbildern auf St. Vincent quasi „vor Ort“ gedreht wurde, statt sich die Drehorte in Bluescreen und Computer generieren zu lassen. Die unglaubliche Handarbeit und der enorme Einfallsreichtum zeigen sich in den aberhunderten von liebevollen Details in den Kostümen, Maskeraden, Kulissen und Effekten und als Zuschauer sieht und merkt man vom Anfang bis zum Ende, dass es sich bei Curse of the Black Pearl um eine Produktion handelt, an der unzählige Arbeiter und Künstler aus allen Berufsgattungen mit Herz, Seele und Ideenreichtum mitgearbeitet haben.


    Das fertige Produkt dieser Arbeit manifestiert sich aber nicht bloss in den Schauplätzen und anderen Details, sondern erreicht in der Umsetzung der bombastischen Actionsequenzen seinen absoluten Höhepunkt. Feinsinnig choreographierte Degengefechte wechseln sich mit titanischen Seeschlachten ab, hin und wieder kommt auch mal beides zusammen, und allen gemein ist sowohl das starke Tempo und die Dynamik in der filmischen Gestaltung als auch die fantasievollen Einfälle im Ablauf, besonders in Bezug auf die gelungenen humoristischen Elemente, welche die Actionszenen immer wieder gekonnt auflockern. Untermalt wird das Gesamtpaket von einem unverschämt fetzigen und temporeichen Soundtrack aus der Feder des Komponisten Klaus Badelt, einem Soundtrack der mit seinem hohen Wiedererkennungswert die Dynamik und das Abenteuerfeeling der Bilder brillant akzentuiert. Badelts Arbeit passt perfekt zu diesem Film und zählt für mich nicht nur typmässig sondern auch qualitativ zur gleichen Liga wie die musikalischen Werke von John Williams.


    Wer an die Piratensaga von Disney denkt, denkt in erster Linie an Johnny Depp. Und das ganz und gar nicht zu unrecht. Depp, vollkommen gegen den Strich gebürstet, macht wohl alles anders als es jeder andere Schauspieler in der Rolle gemacht hätte. Mit jeder Facette seiner Darstellung formt und definiert er diesen exzentrischen und undurchschaubaren Antihelden Jack Sparrow, den er irgendwo zwischen Piratenkarikatur, Keith Richards und abgehalftertem Lebenskünstler ansiedelt. Allein sein allererster Auftritt im Film, wenn er zu Badelts Titelmelodie auf einem sinkenden Kanu majestätisch und würdevoll in den Hafen von Port Royal einfährt, ist ikonographisch und denkwürdig ohne Ende. Sparrow gegenüber steht Geoffrey Rush als sinisterer und durchtriebener Piratenkapitän Hector Barbossa, eine Rolle die der australische Charakterkopf mit so viel Charisma und unterschwelliger Selbstironie verkörpert, dass man ihn einfach lieben muss. Die Szenen zwischen Sparrow und Barbossa gehören zu den Sternstunden des Films, denn Depp und Rush verpassen der Beziehung dieser beiden Erzfeinde ein gewisses Etwas, das an ein streitendes altes Ehepaar erinnert, ohne dabei unpassend albern zu wirken. Man sollte eigentlich meinen, dass neben diesen Figuren jeder Nebendarsteller zum Scheitern verurteilt ist. Dem ist zum Glück nicht so, da auch die übrigen Rollen sich meist ausreichend zu profilieren wissen. Keira Knightley als „Disney-Prinzessin“ Elizabeth Swann überzeugt durch ihre starke, und für eine Schauspielerin ihres jungen Alters beachtlich reife Ausstrahlung und funktioniert als „Leading Lady“ des Piratenspektakels absolut goldig. Kevin McNally gibt den alten, Anekdoten erzählenden Seebären herrlich jovial und mit rustikalem Charme. Jonathan Pryce als feiger und doch irgendwie herzlicher Gouverneur ist einer der ganz geheimen Stars und interagiert auch sehr schön mit Jack Davenports blasiertem, kleinkarierten Flottenadmiral James Norrington. Einzig und allein Orlando Bloom, der den typischen Helden des Films darstellt, ist etwas zu brav und bieder für das ansonsten so herrlich schillernde Spektakel, macht seine Sache als todesmutiger Schwertschmied aber eigentlich auch ganz solide.


    The Curse of the Black Pearl sollte jedem Sommerblockbuster als Vorbild dienen. Mit nichts weiter als einer Parkattraktion aus dem Disneyland als Ideengrundlage schuf Gore Verbinski einen gleichermassen temporeichen und über alle Massen unterhaltsamen Abenteuerfilm, der das Exotische, das Actionreiche, das Gruslige sowie das Witzige und Selbstironische gekonnt und gelungen zu einer Symbiose verschmelzen lässt. Mit bestechender Ausstattung, Trickeffekten und Schauplätzen, dynamischen Kampfsequenzen, Charme und Stil ohne Ende, einem fantastischen Soundtrack, Charakteren für die Ewigkeit und zu guter Letzt einer gehörigen Portion Humor begeistert die Saga rund um Piraten, Schätze und Flüche von der allerersten bis zur allerletzten Minute, und wenn zu Badelts explosiver Abenteuermusik der Abspann über den Bildschirm donnert, erwacht in einem der Unweigerliche Wunsch nach einem Repeat-Button auf der Fernbedienung.


    Wertung: 10 / 10


    Pirates of the Caribbean: Dead Man’s Chest (2006, Gore Verbinski)


    „I love those moments. I like to wave at them as they pass by.”


    Nachdem Verbinskis Disney-Piratenabenteuer 2003 mit seiner einfallsreichen Frische und seinem unwiderstehlichen Charme die Kinogänger fast einhellig in Begeisterung versetzt hatte war es nur eine Frage der Zeit, bis das Sujet in Form einer Fortsetzung weiter ausgeschöpft wird. Das Ergebnis war eine fast sechs Stunden dauernde Fortsetzungsgeschichte in zwei Filme unterteilt, deren erster Abschnitt unter dem Titel Dead Man’s Chest im Jahre 2006 in den Kinos anlief. Mit der berechtigten Frage konfrontiert, auf welche Art und Weise man denn überhaupt an den ganz gut alleinstehenden und in sich abgeschlossenen Curse of the Black Pearl anknüpfen könnte, wagte sich das Team um Blockbuster-Produzent Jerry Bruckheimer, Drehbuchschreiberlinge Ted Elliot und Terry Rossio sowie Regisseur Gore Verbinski in thematisch düstere und narrativ verkomplizierte Gefilde vor, versuchte aber gleichzeitig, die typischen Stilelemente des ersten Films nicht zu vernachlässigen. Heraus kam eine Rechnung, die trotz dieser beiden tollen Summanden nicht wirklich aufging, und von der ich mir wünschte, dass Verbinski sie stattdessen multipliziert hätte.


    Die altbekannte Mannschaft blieb nicht nur hinter sondern auch vor der Kamera weitgehend unverändert. So schlüpft Johnny Depp hier ein zweites Mal in die skurrile Rolle der abgehalfterten Piratenlegende Jack Sparrow und erneut macht es meistens Spass, ihm bei den ganzen exzentrischen und fast schon befremdlichen Manierismen zuzuschauen. Köstlich sind vor allem die völlig schrägen Dialoge, beispielsweise über die „Zeichnung eines Schlüssels“, die Depp bzw. Sparrow mit einer solchen Selbstverständlichkeit vom Stapel lässt, dass man einfach nur schmunzeln muss. Andererseits verkommt Sparrow in manchen Teilen der zweiten Filmhälfte schon fast zu einem aufdringlich in die Handlung eingegliederten Nebencharakter, denn der narrative Fokus, der sich im Vorgänger immer auf eine passende Weise an der Sparrow-Figur zu orientieren schien, weiss hier oft nicht, wohin er denn genau will. Aber Verbinski weiss diese dramaturgischen Löcher zu stopfen, denn während Depps Figur in Dead Man’s Chest teilweise abbaut, wächst gleichzeitig Blooms Charakter. Blooms Darbietung des heroischen Abenteurers und zugleich auch dessen Verankerung im Drehbuch wirken um einiges feuriger und ambivalenter als noch im ersten Film. Keira Knightleys ehemalige „Disney-Prinzessin“ dagegen will als hemdsärmeliger Frauentyp irgendwie nicht so recht funktionieren, ihre Flucht aus dem Gefängnis und die selbstständige Reise schauen mir zu sehr danach aus, als hätte man der guten Elizabeth auf Biegen und Brechen noch mehr Screentime und Handlungsrelevanz zuschreiben „müssen“ bzw. wollen, die holde Maid in Nöten, die falls erforderlich auf tapfer sein konnte, gefiel mir da wesentlich besser als die Rollenauslegung im zweiten Teil. Der vierte im Bunde, Geoffrey Rushs diabolisch-ironischer Piratenkapitän, muss sich hier mit einem Cameo-Auftritt zufriedengeben, was anhand der Überfrachtung des Films mit alten und neuen Charakteren auch eine gute Entscheidung ist. Das altbekannte Supporting-Personal dagegen macht auch in Dead Man’s Chest wieder munter mit, wobei Jack Davenport von allen die meisten Akzente setzt, wenn er die süffisante Überheblichkeit seiner Figur mit der heruntergekommenen Wildheit eines Piraten verschmelzen lässt.


    Zu dieser Truppe aber gesellen sich noch insgesamt vier verschiedene Neuzugänge, welche für die filmübergreifende Handlung der Teile zwei und drei relevant sind. Der britische Akteur Tom Hollander legt seinen adligen Obermotz wunderbar arrogant, hochmütig und theatralisch an, ohne dabei zu übertreiben, dass es eine wahre Freude ist. Dann wäre da die grossartige Naomie Harris, die als geheimnisvolle und undurchsichtige Zauberin eines der kleinen Highlights des Films darstellt. Ihr erster Auftritt mit der vorangehenden Reise der Protagonisten durch ein exotisches, nächtliches Flussdelta hat etwas Rätselhaftes und Magisches an sich, und sticht in der visuellen Atmosphäre besonders positiv heraus.


    Mit den beiden anderen Neulingen im Cast verhält es sich allerdings ein wenig anders. An diesem Punkt machen Verbinski und Konsorten ein komplett neues Fass auf und führen Davy Jones, einen Dämon der Meere als neuen Antagonisten ein. Dargestellt wird Jones als bizarre Kreuzung zwischen Mann, Tintenfisch und Krake, der ein mit Meeresgetier überzogenes, von maritimen Kreaturen bevölkertes Geisterschiff kommandiert, und wird vom britischen Schauspielass Bill Nighy im Motion-Capture-Verfahren verkörpert. Auf dem Papier hört sich das alles schön und gut an, und die digitale Umsetzung der „Fischköpfe“ kann sich auch rundum sehen lassen. Leider aber lässt es sich Nighy nicht nehmen, die Möglichkeiten, welche ihm die Figur in Sachen Bewegung und Mimik gibt voll und ganz auszukosten und diesen Teufel der Meere stimmlich, mimisch und gestisch unverhältnismässig zu übertreiben, vermutlich, um mit dem bewusst von Anfang als Clown angelegten und als solcher auch weitaus besser funktionierenden Sparrow um die Wette zu chargieren. Auch seine Truppe aus korallenverkrusteten Schreckgespenstern ist viel zu häufig und zu sehr mit Herumgehüpfe und gackerndem Gelächter beschäftigt, um wirklich einen beängstigenden oder ernstzunehmenden Eindruck zu hinterlassen. Schade dabei ist vor allem, dass Verbinski viel zu oft auf das verschenkte Potential hinweist, welches in der Idee gesteckt hätte. Die sehr lange Aufbauphase des Davy Jones durch das Erzählen und Andeuten eines schaurigen und tragischen Mythos‘ – beispielsweise in der bereits erwähnten nächtlichen Dschungelszene mit Naomie Harris – und die schaurig-wehmütigen Musikstücke, mit denen Davy Jones‘ Schlaf an der Orgel und die Zerstörungswut seines Kraken urgewaltig akzentuiert werden, sowie die grundlegende Atmosphäre, die um Jones und seine Gefolgsleute – vor allem in deren ersten Auftritt – beschworen wird, lassen nämlich mehr als deutlich erahnen was hier möglich gewesen wäre: Ein sehr dunkles, geheimnisvolles und beeindruckendes Kapitel um einen Verdammten der Meere, eine wirklich gruslige und auch rätselhafte Sagengestalt. So bleiben aber nur die Ansätze davon übrig, die in meinen Augen eine wirklich konsequente und stimmige Verwertung zu oft vermissen lassen.


    Ähnlich verschenkt ist auch der vierte der Neuzugänge, der Schwede Stellan Skarsgård, als Turners Vater und Sklave des Davy Jones. Wenn man die Hintergrundgeschichte von Curse of the Black Pearl, welche im ersten Film immer wieder als eine Art Märchen erzählt wurde berücksichtigt, wäre es nicht unbedingt notwendig gewesen, deren Protagonist „Bootstrap-Bill“ noch persönlich einzuführen, und der Figur damit ihre Geheimnisse zu nehmen. Ausserdem legt Skarsgård den Charakter als vollkommen ausdruckslose Schlaftablette an. Das mag im Kontext der Filmhandlung passen, immerhin hat „Bootstrap“ hier sozusagen seine Seele dem Teufel verkauft, ändert für mich jedoch nichts an seiner blassen und langweiligen Darbietung, vor allem wenn man bedenkt, wie hysterisch und überdreht sich seine „Schiffskameraden“ aufführen.


    Dead Man’s Chest leidet generell unter dem Problem der Episodenhaftigkeit. Wo Curse of the Black Pearl über alle Massen stimmig, konsequent und in seiner Simplizität einfach goldrichtig war, hat die Fortsetzung des Öfteren Mühe, einen roten Faden zu spinnen und sich zwischen der Legende des Davy Jones, einem Nacheifern des Erstlings und der Vielzahl an Charakteren zu entscheiden. Entsprechend ist Dead Man’s Chest auch vielmehr als die Summe zahlreicher Einzelteile zu betrachten, während der Vorgänger seinen Spass in erster Linie aus seiner Funktion als Gesamtpaket zog. Und diese Einzelteile funktioniere mal mehr, mal weniger gut, verwehren aber die meiste Zeit die elegante Verzahnung und häufig auch den Charme und die Frische des Erstlings. In der ersten Hälfte seines zweieinhalbstündigen Epos‘ hält sich Verbinski gerne mit Nebensächlichkeiten auf, wie der bereits erwähnten Schiffsreise von Elizabeth und – noch viel schlimmer – der sehr langen Episode auf der Kannibaleninsel. Diese ist grundlegend eine nette Idee, als blosses Wiedersehen zwischen Sparrow und Turner aber viel zu umständlich und lang. Die Szene scheint im Gesamtkontext des Films von allen mit Abstand am wenigsten reinzupassen und ist dazu noch vollgestopft mit plakativem Klamauk und absurder Selbstparodie. Das Kunststück des ersten Films, alles mit Komik zu unterlegen und trotzdem immer ganz knapp nicht zu übertreiben, wird hier mit Füssen getreten. Auch die im ersten Teil von mir so hochgelobte Ausstattung und Detailverliebtheit, wird in Dead Man’s Chest nie wirklich erreicht, und das obwohl hier erneut eine Menge Arbeit in den Kulissen, Effekten und Schauplätzen zu stecken scheint. Der im Vorgänger noch unverschämt sprühende Charme derselben hält sich zumindest um Einiges mehr zurück.


    Was ich abgesehen von den bereits erwähnten Darstellungen und Umsetzungen einiger Charaktere am gelungensten an Dead Man’s Chest betrachte, ist die grandios geschnittene Anfangsszene mit der Ankunft der Briten im strömenden Regen, einige tolle visuelle Einfälle wie der Match Cut von Tia Dalmas Muscheln auf die identisch angeordnete Inselgruppe und vor allem das verfrühte Ende auf der Strandinsel, mit der Schatzsuche und dem Dreikampf zwischen Norrington, Turner und Sparrow. Dies ist im Prinzip der einzige Teil des Films, der voll und ganz den Geist und den Charme des Vorgängers atmet, wenn sich die drei Streithähne in der für mich tatsächlich schönsten Kulisse des gesamten Films, einem verwahrlosten Kirchturm ein fantasievolles und wendungsreiches Degengefecht liefern, ihren Kampf auf einem lose umherrollenden Mühlrad fortsetzen und alles mit der abenteuerlichen Musik und einer leisen, fast schon stummfilmartigen Slapstick-Komik unterlegt wird, wie z.B. den mit der Schatztruhe davonrennenden Pintel & Ragetti, Elizabeths vorgetäuschtem Ohnmachtsanfall um gegen die Streitsucht „ihrer“ drei Männer zu protestieren und dem Running Gag des verlegenen Grinsens, wenn einer der Kontrahenten mal wieder an seinen leeren Schwertgürtel greift.


    Unterm Strich hat die Lange Rede wie so oft einen sehr kurzen Sinn. Mit Dead Man’s Chest präsentiert Gore Verbinski im Auftrag seiner Disney-Geldgeber eine Fortsetzung, die angesichts des hervorragend für sich allein funktionierenden Überraschungshits im Jahre 2003 keiner so wirklich gebraucht hätte, die aber dennoch mit einigen interessanten Neuerungen, wie der sehr düster ausgelegten Davy-Jones-Geschichte, einem dichteren Handlungsgeflecht und diversen Neuinterpretationen der beliebten Elemente aus dem ersten Film aufwartet. Insgesamt geht die Formel des Erstlings dieses Mal aber nicht wirklich auf. Zu sehr fehlt der Charme, die originelle Frische und die spassige, unkomplizierte Simplizität, zu sehr wird versucht, ein inhaltlich komplexeres Epos darzubieten und sich dabei im Drehbuch verheddert und zu sehr zerfällt Dead Man’s Chest in eine Vielzahl mal mehr und mal weniger gut zusammenspielender Episoden. Nicht alle Ansätze werden konsequent genug gefolgt, dafür will Verbinski insgesamt leider viel zu viel erreichen. Dead Man’s Chest ist nicht wirklich schlecht, dafür machen der Dreikampf sowie diverse Einfälle, Szenen und Dialoge zwischendurch zu viel Spass. Er ist aber auch nicht wirklich gut, denn dafür lahmt die umständliche erste Hälfte eindeutig zu sehr und werden Ideen wie die Davy-Jones-Geschichte zu halbherzig umgesetzt.


    Wertung: 5,5 / 10

    Lizenz zum Töten (LTK)
    Der Spion, der mich liebte (TSWLM)
    James Bond - 007 jagt Dr. No (DN)
    Leben und sterben lassen (LALD)
    .
    Feuerball (TB)
    Ein Quantum Trost (QOS)
    Casino Royale (CR)
    GoldenEye (GE)
    Im Geheimdienst Ihrer Majestät (OHMSS)
    Die Welt ist nicht genug (TWINE)
    Der Hauch des Todes (TLD)

    Das gilt auch für Erik Lehnsherr, bezüglich "American Hustle" und "47 Ronin".


    Krass :wtf:


    Hast du die Filme gesehen? ;)


    American Hustle ist ein ganz nettes, aber auch unentschlossenes, vor sich hin dümpelndes Filmchen ohne roten Faden (ich habe keine Ahnung mehr, worum es da überhaupt ging). Die zweite Hälfte bestand soweit ich mich erinnere nur noch unterschiedlich gelungenen, beliebig zusammengewürfelten Einzelepisoden. Die Figuren bleibend weitgehend blass, Bale gibt sich mal wieder gelangweilt und schläft beim Spielen mal wieder fast ein, Lawrence liefert ein schräges Possenspiel, Cooper gibt seine seichte, unlustige Komödiennummer und Renner, der wohl talentierteste im Ensemble, kommt fast gar nicht zur Geltung.


    47 Ronin ist ein fast schon etwas altmodisch angehauchter, visuell und atmosphärisch enorm überzeugender Samuraifilm mit subtil eingewobenen Fantasy-Elementen und durchaus einer der besten Filme, die ich letztes Jahr im Kino gesehen habe.

    Lizenz zum Töten (LTK)
    In tödlicher Mission (FYEO)
    Der Spion, der mich liebte (TSWLM)
    James Bond - 007 jagt Dr. No (DN)
    Leben und sterben lassen (LALD)
    .
    .
    Goldfinger (GF)
    Casino Royale (CR)
    GoldenEye (GE)
    Im Geheimdienst Ihrer Majestät (OHMSS)
    Der Hauch des Todes (TLD)

    Wieder einmal hat sich ein Kinojahr dem Ende zugeneigt, wieder einmal habe ich bei weitem nicht alle Filme gesehen, die ich mir vorgenommen hatte und wieder einmal fasse ich den Vorsatz, es im nächsten Jahr besser zu machen. Das ein oder andere Mal habe ich es aber natürlich auch dieses Jahr ins Kino geschafft, und natürlich gibt es wieder eine kurze Einschätzung der Filme, die ich 2014 auf der grossen Leinwand gesehen habe.


    The Grand Budapest Hotel (Wes Anderson)
    Ein nahezu überbordendes Spektakel an wahnwitzigen Ideen und Einfällen. Ungemein originell, witzig, visionär und ultra-unterhaltsam.
    9 / 10


    A Most Wanted Man (Anton Corbijn)
    Ein erstklassiges Ensemble, eine clevere und spannende Erzählung, messerscharf gezeichnete Charaktere und eine dezente aber kraftvolle Inszenierung: einer der besten Agentenfilme der letzten Jahre, aufregende und feinsinnige Kost. Eine mehr als würdige Abschiedsvorstellung für Philip Seymour Hoffman.
    9 / 10


    Kaththi (A.R. Murugadoss)
    Anspruchsvoll wie auch unterhaltsam, eine Studie sozialer Missstände in der Dritten Welt und zugleich ein bombastisches, leichtfüssiges Actionspektakel - und alles stimmig zu einem grossen Ganzen verwebt.
    9 / 10


    47 Ronin (Carl Rinsch)
    Endlich mal wieder ein feinsinniger Abenteuerfilm mit dezent eingearbeiteten Fantasy-Elementen und mit viel Gespür für Optik und Atmosphäre inszeniert. Rinsch sollte man definitiv im Auge behalten.
    9 / 10


    X-Men: Days of Future Past (Bryan Singer)
    Erreicht zwar nicht schillernde Qualität des herausragenden Vorgängers, aber auch in der siebten Runde der tollen Superhelden-Chronik ist Singer wieder ein einfallsreicher, kurzweiliger Fantasy-Spass gelungen, der mit der wohl faszinierendsten Zeitlupensequenz der letzten Jahre aufwartet.
    8,5 / 10


    Gone Girl (David Fincher)
    Fincher ist eine Bank. Wieder einmal ist ihm ein eindringlicher Thriller geglückt, der darüber hinaus auch als Familiendrama, Charakterstudie und Medienkritik gleichermassen gut funktioniert. Nicht zuletzt durch Konzipierung und Darstellung der Figuren sehr spannend.
    8,5 / 10


    12 Years a Slave (Steve McQueen)
    Vielschichtig herausgearbeitete Adaption eines Einzelschicksals im vielleicht dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte. Nicht immer ganz unpathetisch und frei von Kitsch, dafür aber auch häufig nüchtern und narrativ eindrucksvoll.
    8 / 10


    The Wolf of Wall Street (Martin Scorsese)
    Lieblingsregisseur Nummer eins. Scorsese kehrt in die thematischen Gefilde seines Comeback-Klassikers Goodfellas zurück und inszeniert seine High-Society-Satire als masslos überzogenen, bizarren Drogentrip. Die tabulose Inszenierung garantiert ebenso viel Spass wie Hauptdarsteller Di Caprio, der spielt als gäbe es kein Morgen.
    8 / 10


    Interstellar (Christopher Nolan)
    Lieblingsregisseur Nummer zwei. Nolan kann die gekünstelte Tränendrüse nicht immer zurückhalten, ebenso wenig redundante Erklärungen und Dialoge, fasziniert in seiner Science-Fiction-Oper aber mit einer visuellen Pracht und philosophischer Substanz, wie man sie seit den Tagen von Kubrick nicht mehr häufig erlebt. Kein zweites 2001, aber definitiv ein visionärer und starker Film.
    8 / 10


    Sin City: A Dame to kill for (Robert Rodriguez)
    Die zweite filmische Adaption, die sämtliche Stärken und Schwächen des Erstlings teilt. Qualitativ schwankender Grossstadt-Episodenfilm, dessen untypische und innovative visuelle Gestaltung und Verfremdung aber durchgehend enorm beeindruckt.
    8 / 10


    Homefront (Gary Fleder)
    Stallone und Statham Nummer eins. Homefront ist ein erfreulich altmodischer aber nicht altbackener Kleinstadtthriller über einen sich in ungeahnte Dimensionen aufschaukelnden Nachbarschaftskonflikt. Dramaturgisch gut gemacht und mit Actionszenen der alten Schule verfeinert.
    8 / 10


    A Long Way Down (Pascal Chaumeil)
    Schönes Feel-Good-Movie über die Freundschaft vier Suizidgefährdeter. Pierce Brosnan sieht man doch immer gerne.
    7,5 / 10


    Grudge Match (Peter Segal)
    Erstaunlich launige und frische „Coming-of-Age“-Komödie der etwas anderen Art, Stallone und De Niro waren wohl schon lange nicht mehr so engagiert bei der Sache. Von Segal als spassige Boxerkomödie mit einigen gelungenen ernsteren Untertönen angelegt.
    7,5 / 10


    The Expendables 3 (Patrick Hughes)
    Stallone und Statham Nummer zwei. Es knallt und kracht auch in der dritten Nummernrevue der Genre-Ikonen gewaltig! Brachiale Actionszenen, legendäre Eigenzitate und vordergründige Gags kommen am laufenden Band. Ein Guilty-Pleasure der besonderen Art, und dazu noch viel stimmiger inszeniert als die beiden Vorgänger.
    7,5 / 10


    A Million Ways to Die in the West (Seth MacFarlane)
    MacFarlane mag man, oder man mag ihn nicht. Ich fühle mich von seinen Filmen eigentlich immer gut unterhalten, was in erster Linie an seinem tabulosen, sicherlich etwas plakativen Stil liegt. Hin und wieder entgleist der Humor, ansonsten ist sein Westernklamauk aber für viele Lacher gut.
    7 / 10


    Exodus (Ridley Scott)
    Bildgewaltiger und eindrucksvoll inszenierter Bibelfilm, der zwar in der Entwicklung von Handlung und Charakteren nicht immer gut ausgearbeitet ist, seine Mängel aber mehr und mehr ausbügelt. Optisch einer der Höhepunkte des Jahres.
    7 / 10


    American Hustle (David O. Russel)
    Der am meisten überschätzte Film des Jahres: Zwar grösstenteils kurzweiliger, aber auch belangloser und unausgegorener Genre-Mix ohne prägende oder nennenswerte Akzente mit einem bestenfalls mittelmässigen Darstellerensemble.
    5,5 / 10


    Magic in the Moonlight (Woody Allen)
    Anfänglich eine enorm launige und charmante Urlaubskomödie, die aber mehr und mehr ins Unentschlossene und Oberflächliche abdriftet und mit thematischen Ambitionen auffährt, die nicht erfüllt werden können. Von Altmeister Allen habe ich mir etwas mehr erhofft.
    5 / 10


    Monuments Men (George Clooney)
    Spannender und launiger Abenteuerfilm vor historischer Kulisse, schön inszeniert und mit sichtlicher Freude gespielt von den alten Haudegen. Nein, Moment, das waren die Erwartungen an den Film. Liefern kann Clooney jedoch nur ein weitgehend inspirations- und höhepunktslos vor sich hin dümpelndes, belangloses Filmchen. Mittelmass in Reinkultur.
    4,5 / 10


    Sabotage (David Ayer)
    Reissbrettartiger und durchschnittlicher Drogenkrimi- Arnolds Karriere hat durchaus bessere Tage gesehen.
    4 / 10


    I, Frankenstein (Stuart Beattie)
    Kolossale Gurke, richtig erbärmliches, uninspiriertes, redundantes und einfallsloses Fantasy-Kino nach 08/15-Schablone.
    2 / 10


    Ausserdem hatte ich noch die Gelegenheit, einen meiner absoluten All-Time-Favoriten im Kino zu seh… zu erleben. Da es kein Film von 2014 ist und er sowieso allen Filmen dieses Jahr turmhoch überlegen ist, läuft er ausser Konkurrenz. Aber weil es in diesem Beitrag um Kinobesuche geht, muss er natürlich trotzdem aufgezählt werden.


    2001: A Space Odyssey (1968, Stanley Kubrick)
    Nicht nur eine Reise über die Grenzen von Zeit und Raum, sondern auch eine Reise ins Unergründliche und weit über die Grenzen der Vorstellungskraft hinaus. Kubricks grösstes Vermächtnis und eine der sowohl visuell wie auch emotional schönsten und ehrlichsten Erfahrungen die das Medium Film zu bieten hat.
    10 / 10 (eher 12 / 10)


    Langfristig setze ich in 2015 sehr viel auf Star Wars und James Bond. Ausserdem bin ich auf die Filme von Ritchie und Vaughn gespannt, hoffentlich zwei weitere Bestätigungen dafür dass es sich bei den beiden um die grössten und besten britischen Regisseure der letzten zwanzig Jahre handelt.

    Lizenz zum Töten (LTK)
    Feuerball (TB)
    .
    Octopussy (OP)
    In tödlicher Mission (FYEO)
    Der Spion, der mich liebte (TSWLM)
    James Bond - 007 jagt Dr. No (DN)
    Leben und sterben lassen (LALD)
    .
    Liebesgrüße aus Moskau (FRWL)
    Im Geheimdienst Ihrer Majestät (OHMSS)
    GoldenEye (GE)


    Ist zwar off topic, aber was an QOS ist denn unüberschaubar?


    Ich glaube ehrlich gesagt nicht dass abgesehen von den fleissig darüber diskutierenden QoS-Fans viele Leute (gerade des "gemeinen" Kinovolkes) die Zusammenhänge und Bedeutungen der Vesper-, Mathis-, M-, Yusuf-, usw-Sachen in QoS richtig verstanden haben. Ich selber auch nicht wirklich. ;)