Posts by Dr. moVe

    Wenn man nach einem richtig nervigen Arbeitstag nachhause kommt, legt man dann wirklich Metropolis oder Apocalypse Now in den Player? Oder wenn Kumpels mit einem Sixpack Bier vorbeikommen, guckt man dann Schindlers Liste?

    Die Rewatchability-Faktor ist sicher ein Aspekt der bei keiner Bewertung außer Acht gelassen werden sollte. Allerdings ist ein reiner Fokus darauf sicher auch nicht der Film-Weisheits letzter Schluß, sonst würden unsere Bondranglisten sicher auch allesamt recht anders aussehen. ;) Ich schätze meist ist es eher eine Mischung aus Rewatchability-Faktor, persönlicher Bedeutung, sowie filmischer und inhaltlicher Qualität, die in ihrer Summe Filme in die Favoriten-Hemisphäre heben. Ich habe z.B. schon oft Unverständnis dafür geerntet, das ein Film wie Schindler's Liste zu meinen Lieblingsfilmen zählt. Jedoch gerade der, im Verhältnis zur quasi Unerträglichkeit der schmerzlichen Thematik, erstaunlich überdurchschnittlich hohe Rewatchabilty-Faktor des Films (der Inhalt schreit eigentlich nach einer "Einmal und nie wieder"-Begutachtung, dennoch habe ich Spielberg's Streifen in den vergangen 28 Jahren sicher über ein Dutzend mal gesehen und es niemals bereut im Gegenteil! Und ja, 12 mal ist in Filmfankreisen für einen Lieblingsfilm sicher äußerst wenig - bei meiner ewigen Nr. 1 Back to the Future habe ich z.B. bei 180 aufgehört zu zählen, aber wie gesagt: Man muß es hier im Verhältnis zum abgrundtief düsteren Thema werten) ist die entscheidende Eigenart dieses Werks, die dann in Verbindung mit den anderen genannten (inzenatorische und erzählerische Brillianz, Bedeutung und emotionale Intensität) den Film in eine persönliche Top-5 zementieren darf. Aber auch wenn ich den Film öfter sehen kann als andere Geschichts- und Zivilisationsdramen, ist das wesentliche natürlich jedoch, das mich dieses Werk bis heute wie kein anderes bewegt und dieser Umstand stuft die Bedeutung des Rewatchabilty-Faktors dann doch auf ein Maß herunter, das ihn recht unwesentlich macht. So ähnlich verhält es sich übrigens - wenn auch auf oberflächlichere Art - mit Dances with Wolves, den ich inspiriert durch unsere Thread-Diskussion vor 2 Tagen noch mal in der von mir bevorzugten Langfassung gebeamert habe, um festzustellen das der Film nichts von seiner Anziehungskraft für mich eingebüßt hat. Im Gegenteil: Er wirkte mich auch aktueller und (nicht zuletzt durch seinen heutzutage mehr als damals hervorstechenden enormen Handmade-Charme) erfrischender denn je - was angesichts den Vorwürfen den einige 'hippe' Plattformen in den USA und UK (z.B. kürzlich ein Redakteur des 'Far Out Magazine') dem Film in letzter Zeit machen (er sei äußerst schlecht gealtert und geradezu peinlich aus heutiger Sicht) auf mich nicht nur grotesk wirkt, sondern bei mir ernsthaft die Frage weckt, ob die heutige vorherrschende Wahrnehmung für das Medium Film nicht ziemlich dekadent und gleichzeitig beschränkt geworden ist.


    Dennoch bin ich natürlich immer wieder überrascht, welche Filme besonders oft in meinem Player landen, da es eher selten Filme sind, die ich als 'besten' ihres Jahrgangs oder gar als 'Lieblingsfilm' bezeichnen würde. Ich habe mich daher nun mal an einer betont ehrlichen Rewatchabilty-Jahrgangsliste versucht, die ich allerdings erst Ende der 50er beginnen muß, da es in den Jahren davor zu wenig Filme gibt bei denen ich zu Wiederholungstätern werde (einzige Ausnahme: Casablanca).


    1958 Vertigo - Regie: Sir Alfred Hitchcock

    1959 Some Like It Hot- Regie: Billy Wilder

    1960 The Time Machine - Regie: George Pal

    1961 One, Two, Three - Regie: Billy Wilder

    1962 Dr. No - Regie: Terence Young

    1963 From Russia with Love - Regie: Terence Young

    1964 Goldfinger - Regie: Guy Hamilton

    1965 Thunderball - Regie: Terence Young

    1966 Il buono, il brutto, il cattivo - Regie: Sergio Leone

    1967 You Only Live Twice - Regie: Lewis Gilbert

    1968 The Thomas Crown Affair - Regie: Norman Jewison

    1969 On Her Majestys Secret Service - Regie: Peter Hunt

    1970 The Private Life of Sherlock Holmes - Regie: Billy Wilder

    1971 Diamonds Are Forever

    1972 The Godfather

    1973 Live and let Die - Regie: Guy Hamilton

    1974 The Man with the Golden Gun - Regie: Guy Hamilton

    1975 The Rocky Horror Picture Show - Regie: Jim Sharman

    1976 The Pink Panther Strikes Again - Regie: Blake Edwards

    1977 The Spy Who Loved Me - Regie: Lewis Gilbert

    1978 Superman - Regie: Richard Donner

    1979 Moonraker - Regie: Lewis Gilbert

    1980 The Empire Strikes Back - Regie: Irvin Kershner

    1981 For Your Eyes Only - Regie: John Glen

    1982 Blade Runner - Regie: Ridley Scott

    1983 Never Say Never Again - Regie: Irvin Kershner

    1984 Dune - Regie: David Lynch

    1985 Back to the Future - Regie: Robert Zemeckis

    1986 Aliens - Regie: James Cameron

    1987 The Living Daylights - Regie: John Glen

    1988 アキラ (Akira) - Regie: Katsuhiro Otomo

    1989 Licence to Kill - Regie: John Glen

    1990 Goodfellas - Regie: Martin Scorsese

    1991 Terminator 2: Judgment Day - Regie: James Cameron

    1992 Batman Returns - Regie: Tim Burton

    1993 True Romance - Regie: Tony Scott

    1994 Star Trek: Generations - Regie: David Carson

    1995 GoldenEye - Regie: Martin Campbell

    1996 Star Trek: First Contact - Regie: Jonathan Frakes

    1997 Tomorrow Never Dies - Regie: Roger Spottiswood

    1998 Star Trek: Insurrection - Regie: Jonathan Frakes

    1999 The World Is Not Enough - Regie: Michael Apted

    2000 Mission: Impossible II - Regie: John Woo

    2001 千と千尋の神隠し (Chihiros Reise ins Zauberland) - Regie: Hayao Miyazaki

    2002 Star Trek: Nemesis - Regie: Stuart Baird

    2003 Matrix Reloaded - Regie: Wachowski Brothers

    2004 Harry Potter and the Prisoner of Azkaban - Regie: Alfonso Cuarón

    2005 War of the Worlds - Regie: Steven Spielberg

    2006 Casino Royale - Regie: Martin Campbell

    2007 Darjeeling Limited - Regie: Wes Anderson

    2008 Quantum of Solace - Regie: Marc Forster

    2009 Star Trek - Regie: J. J. Abrams

    2010 Inception - Regie: Christopher Nolan

    2011 X-Men: First Class - Regie: Matthew Vaughn

    2012 Skyfall - Regie: Sam Mendes

    2013 Star Trek Into Darkness - Regie: J. J. Abrams

    2014 Interstellar - Regie: Christopher Nolan

    2015 Spectre - Regie: Sam Mendes

    2016 Batman v Superman: Dawn of Justice - Regie: Zack Snyder

    2017 Valerian and the City of a Thousand Planets - Regie: Luc Besson

    2018 Mission: Impossible - Fallout - Regie: Christopher McQuarrie

    2019 Once Upon a Time in Hollywood - Regie: Quentin Tarantino

    2020 Tenet - Regie: Christopher Nolan

    2021 Licorice Pizza - Regie: Paul Thomas Anderson


    Am auffälligsten ist natürlich, welchen Sprung in der Schüssel ich sowohl beim Bond- und Star Trek-Franchise habe, was man vorallem bei der Brosnan- und Star Trek: The Next Generation-Film-Ära bemerkt, wenn man weiß wie extrem schwach ich diese Epochen ihres jeweiligen Franchise insgesamt werte. Besonders schräg kommt das 1996 und 1997 zum Ausdruck, da man in unserer Forengeschichte sicher genug Beiträge von mir finden kann in denen ich sowohl über First Contact als auch TND kräftig ablästere. Noch dazu zählt zum 97er Jahrgang sowohl Boogie Nights, der einer meiner Lieblingsfilme ist, als auch The Fifth Element, der mein Favorit im Genre Space Opera darstellt und der imho Kinogigant Titanic, den ich damals im Kino viermal so oft besuchte wie TND. Alle diese Filme landeten über die Jahre oft in meinen Playern, aber ich muß einfach zugeben, das der von mir ziemlich ungeliebte TND ganz sicher die Nase vorn hat. Tja, Sigmund Freud analyse this, ach nein, sorry, falscher Film. ;) Batman v Superman: Dawn of Justice ist z.B. auch etwas, was ich nie und nimmer als 'gelungenen' oder 'guten' Film bezeichnen würde. Dennoch konnte man mich in den letzten Jahren oft beim Konsum dieses Schunds erwischen.


    Aufjedenfall veranschaulicht meine Liste wohl ganz gut, das Rewatchabilty ein zweischneidiges Schwert sein kann.


    Das Licorice Pizza es bei mir 2021 vor NTTD geschafft hat, ist zum einen recht simpel für mein Faible für Regisseur Paul Thomas Anderson und eine kindlich geprägte 70er-Jahre-Nostalgie zu erklären, aber auch das mich im Gegensatz zu vielen anderen Fans NTTD emotional packt (ohne mich über den Film zu ärgern) und ich mir daher diese spezielle Reise für besondere Abende aufhebe, wohin gegen Anderson's Film, trotz einem gewissen Arthaus-Hauch, einen höheren Vielguckfaktor in den letzten 10 Monaten für mich besaß. Erwartet hatte ich das im Vorfeld eher von Dune: Part One, da ich einen Narren an der Vorlage gefressen habe und ich auch hier den Regisseur sehr schätze, aber auch dieser Film ist vermutlich im Gesamtbild etwas zu anstrengend, als das man ihn sehr oft wiederholen könnte - und zudem nicht abgeschlossen und daher bisher inhaltlich unfertig.



    Ein Wort noch zu Godfather Part I und II und Goodfellas: Das Argument mit den sozial- und verhaltensgestörten Familien-Clans ist sicher ein schwerwiegendes gegen die Sympahtie für diese Filme. Und tatsächlich verhindert genau dieser Punkt, das ich diese Werke in meine Top-10 aufnehmen würde - wenn da noch Platz wäre. Dennoch haut es mich jedesmal geradezu um, wenn ich beim zappen im TV in einem dieser Filme lande, und mit hundert-prozentiger Wahrscheinlichkeit drin hängen bleibe bzw. meine Hand reflexartig Richtung Blu-Ray-Regal greift um die entsprechende Disc einzulegen. Ich kann Euch dieses Phänomen in beiden Fällen selbst nicht genau erklären, und rede mir das in meiner Begründung in der Regel mit dem Argument der cineastischen Qualität schön, aber wahrscheinlich bin ich einfach nur ein bißchen pervers. Aber das trifft ja auf die meisten Zuschauer zu, wenn sie ehrlich wären: Warum wäre sonst sowas wie James Bond ein pop-kulturelles Phänomen geworden. :)

    Sehr interessante und abwechslungsreiche Liste, Martin! Höchst symphatisch sind mir vorallem jene Deiner Favoriten, die Du entgegen den üblichen Klassikern, die die Mehrheit gebetsmühlenartig in dem jeweiligen Jahr benennen würde, in Deiner Liste adelst.


    So z.B. 20.000 Leagues Under The Sea statt Rear Window oder Cesta do pravěku statt The Night of the Hunter oder The Poseidon Adventure statt The Godfather.


    Auch wenn ich in den besagten Beispielen die jeweils genannten Klischee-Klassiker favorisieren würde, so kann ich Deine Platzierung doch äußerst gut verstehen, denn alle diese 3 Filme die Du stattdessen oben stehen hast, mag ich sehr, zumal sie eigentlich alle 3 auf die ein oder andere Art heutzutage unterschätzt werden. Am ehsten wohl Cesta do pravěku, weil er wohl der unbekannteste der 3 ist, und durch Jurassic Park & Co für heutige Augen vermutlich stark verstaubt wirkt, aber auch Richard Fleischer's 54er Jules Verne-Reise, ist gemessen am Stellenwert den er schon allein in technischer Hinsicht für seine Zeit darstellt, viel zu sehr in Vergessenheit geraten. Aber selbst Poseidon Adventure bekommt imho nicht mehr die Anerkennung, die er früher mal genoß, wofür aber wahrscheinlich das recht aushöhlende, unnötige Remake des seeligen Herrn Petersen verantwortlich ist. Also kurz gesagt, empfinde ich es immer als sehr coolen move, wenn persönliche Favoriten die typischen Lieblinge der Allgemeinheit überstrahlen. Besser könntest Du auch nicht unter Beweis stellen, das auf Dich Lieblingslisten befremdlich wirken, die aussehen "wie die irgendeines Filminstitutes." - wie Du es in einem Beitrag weiter oben so herrlich ironisch kommentiert hast.

    Ich glaube jeder von uns kann auch Filmklassiker benennen, die einen nie persönlich so faszinierten oder nahe standen, wie man es aufgrund des popkulturellen oder kommerziellen Echo das ihnen wiederfuhr vermuten würde. So kann das gefühlt 'ewige' Glorrifizieren der Allgemeinheit von den entsprechenden Werken dann auch einen recht nervigen Beigeschmack bekommen, da die persönliche Antwort ja lautet: Not really my cup of tea.


    Einer solcher Filme ist für mich z.B. Lawrence of Arabia, vor dem ich mich zwar technisch, logistisch und filmhistorisch natürlich verbeugen muß (erst kürzlich war ich diesbezüglich erneut beeindruckt vom Film), aber den ich bis heute als äußerst merkwürdigen Klassiker empfinde, der mir emotional nie wirklich näher gekommen ist. Umso mehr hat es mich gefreut, das in dem entsprechenden Jahr in Deiner Liste das Erstlingswerk unseres geliebten Franchise die Oberhand über diesen, von der breiten Cineasten-Gilde astronomisch hoch geschätzten Superknaller gewonnen hat.


    Dennoch hast Du einige typische Film-Kritiker-Lieblinge oder Klassiker die sich allgemeiner Dauerwertschätzung erfreuen in Deine Liste, die somit eine schöne Mischung ist. Ich habe mich auch mal an der genannten Aufgabenstellung versucht, aber gemerkt das wir beide in den ersten 50 Jahren zuviele Übereinstimmungen haben, als das ich hier nochmal mit einer copy and paste-artigen Liste langweilen will. Vielmehr beschränke ich mich auf die Jahre und Filme, bei denen es bei mir die leidenschaftlichsten Abweichungen bezüglich Deiner Liste gibt - weil mir die jeweiligen Filme mehr am Herzen liegen als alle anderen - teilweise bedeutenderen Filme - in jenen Jahren:


    1928 - The Circus

    1940 - The Sea Hawk

    1950 - Sunset Boulevard

    1951 - Captain Horatio Hornblower

    1960 - The Time Machine

    1967 - The Jungle Book

    1968 - 2001: A Space Odyssey

    1969 - Butch Cassidy and the Sundance Kid


    In späteren Jahren wird es dann deutlich komplizierter, da ich Deine Entscheidungen oft dermaßen gut nachvollziehen kann, das es geradezu schmerzt wie knapp ich davon abweiche.


    So erfuhren bei mir für das Jahr 1975 sowohl Jaws als auch Barry Lyndon in den vergangen Jahren einen ganz enormen Schub nach oben in Punkto Wertschätzung. Diese beiden Werke allerdings gegeneinander antreten zu lassen, erweist sich als höchst unfair, da sie 2 völlig unterschiedliche Arten des Mediums bedienen. Dennoch gilt es sich aber hier zu entscheiden, und leider wähle ich in diesem Fall Kubrick's Arbeit, obwohl mir Deine Entscheidung viel sypmpatischer ist, lieber Martin. ;)

    Ähnlich laufen auch andere Jahre ab: Taxi Driver vor Rocky oder Blade Runner vor E.T. So bitter diese trockenen Direktiven auch wirken, so klar stehe ich allerdings hinter diesen Wertungen. Ist das vielleicht der Moment, in dem ein Nerd wie ich erkennt, das er ein total langweiliger, alter Snob geworden ist ?! Vermutlich.


    Du hast ja schon einige Jahre genannt, die für Dich besonders schwierig waren. Bei mir ist das z.B. 1979. Hier kann ich mich nicht wirklich zwischen Apocalypse Now (final cut), Alien (Kinofassung) und Manhattan entscheiden. Allerdings klärt Deine Favorisierung von Star Trek - The Motion Picture die Sache als Trekkie für mich eigentlich auf willkommene Art. 8) Ist halt die Frage ob der Franchise-Kult ausreicht um die Konkurrenz verblassen zu lassen.


    So fällt es mir z.B. auch schwer mich 1987 zwischen The Living Daylights und Empire of the Sun zu entscheiden. Beide Filme bedeuten mir so viel, das ich hin- und hergerissen bin, welcher den nun für mich das größere persönliche Gewicht besitzt.


    Viel klarer dagegen verläuft das bei anderen Jahren. z.B. 1990: Deine Wahl Total Recall repräsentiert sicher die mit Abstand unterhaltsamten 2 Stunden dieses Filmjahres und ist somit mehr als nachvollziehbar. Aber auch der objektiv 'stärkste' und 'brillianteste' Film von 1990, der meiner Meinung nach Goodfellas ist, unterliegt bei mir hier knapp dem filmhistorisch unbedeutenderen Dances with Wolves, der sich nach wie vor in meiner Alltime-Top-10 befindet. Hier muß ich also die viel kritisierte damalige Academy aus Herzengründen verteidigen.

    Sicher kann man ihre schauspielerischen Fähigkeiten in Frage stellen, allerdings frage ich mich da schon, was genau sie hätte anders machen sollen, um klüger oder wissenschaftlicher zu wirken. Für ihr Tomb-Raider-Outfit kann sie ja nix, ebenso wenig für die Dialoge. Ich habe da eher das Gefühl, dass schönen und jungen Menschen grundsätzlich gern abgesprochen wird, als Wissenschaftler glaubwürdig zu sein. [..] Ich bin eigentlich der letzte, der überall Sexismus wittert, aber das hat tatsächlich was leicht sexistisches. Vor allem mit Formulierungen wie "ein Gesicht, an dem zwei Brüste befestigt sind".

    Du sprichst hier den wesentlichen Punkt an, den ich ebenfalls seit dem Film-Release von Seiten vieler Basher der Dr. Christmas Jones-Rollenbesetzung entlarvernd finde. Denn oft wartet man vergeblich darauf, das in einer jeweiligen Abwertung von einer schlechten oder unpassenden darstellerischen Performance die Rede ist (Ausnahmen bestätigen die Regel), sondern die entsprechenden Rezeptionisten (egal ob verbal oder schriftlich) erwecken vielmehr den Eindruck, das sie generell offensichtlich pauschaul dieser Frau abgesprechen, das sie es 'TROTZ' ihres plakativ-attraktiven Körpers und 'speziellen' Modegeschmacks im Alter von 28 Jahren nicht geschafft haben könne in Atomphysik promoviert zu haben. Daher achte ich bei jedem TWINE-Review stets genau darauf, WAS die Leute an diesem Part zu kritisieren haben. Allerdings kann man es den Filmemachern schon verwerfen, das sie die erwähnte Problematik entweder nicht erkannt oder ignoriert bzw. gebilligt haben. Statt dafür zu sorgen, das ein (aus Film-Boxoffice-Gründen) außergewöhnlich junger Mensch mit einem hochattraktiven Körper glaubwürdiger in der Rolle rüber kommt, zog man sich vermutlich auf die altbackene, ungeschriebene "Bondfilme müssen nicht glaubwürdig sein!"-Direktive zurück und gab sich mit den infantilen Dialogzeilen und der unseriösen Performance von Richards zufrieden, ohne wahrscheinlich auf dem Schirm zu haben, das sie damit der Weltgemeinde der Chauvinisten ein Objekt für - von der Allgemeinheit gebilligtes - jahrzehnte anhaltendes Dauergelächter geliefert, und somit allen jungen und gleichzeitig sexuell attraktiven wissenschaftlichen Promovendinnen einen unnötigen Bärendienst erwiesen haben.

    Wer wollte solch berufenem Munde widersprechen?

    Wenn Aussprüche und Ansichten eines Bond-Darstellers als Botschaften eines Berufenen zu werten sind, dann sollte man sich auch vor jenem denkwürdigen Satz ebenfalls untertänigst verneigen:


    "I have always hated that damned James Bond, I`d like to kill him." (Sir Thomas Sean Connery) 8)

    TWINE ist bekanntlich ja auch mein Favorit der Ära. Allerdings scheinen die Schwächen dieses Werks ja offenbar für die breite Publikumsmasse deutlich gravierender, als die von GE zu sein. Ich erkläre mir das (mal abgesehen von dem merkwürdig anmutenden Nostalgie-Bonus durch das gleichnamige Ballerspiel) in erster Linie durch die äshtetischen Hochglanz-Aufnahmen vom Team Phil Meheux/Martin Campbell, die beiden ikonischen Motive Staudammsprung und Panzerfahrt und den populäreren Titelsong. Dies alles fehlt TWINE mit seinen schlichten, geradezu spartanischen, konventionell ausgeleuchteten Bildern und weitesgehend beliebigen Bildmotiven und kostet ihn verständlicher Weise somit viel an Publikumswertschätzung. Dennoch wirkte TWINE auf mich - trotz der oft erwähnten und spürbaren Second Unit-Probleme - stets runder und deutlich interessanter, mit seinem zügigeren Erzählfluß, seinen psychologisch interessanter ausgearbeiteten Antagonisten und seinem 'angekommeneren' Titeldarsteller. Außerdem wirkt auf mich das 'Bronsan-Verse' - mit seinen zahlreichen 90er-MI6-Räumlichkeiten und in der Serie einmaligen Teams Robinson UND Tanner, Q UND R (sogar der seelige Bernard Lee darf von M's Wand runter blicken) - hier am lebendigsten. Mal ganz abgesehen von den inhaltlichen 'Erfrischungen' mit denen der TWINE-Plot die Reihe bereichert. Diesen Film als "sicherlich schlechtesten Brosnan-Bond" zu bezeichnen, spricht nicht gerade für die seriöse Professionalität der Artikelverfasser und zeugt eher von einer rein subjektiver Meinungsäußerung. Jedenfalls sind mir wenig Listen im Netz begegnet, in denen DAD über TWINE platziert war. Und fairer Weise sollte man dabei auch erwähnen, das TND auch nicht gerade der beliebeste Film der Allgemeinheit ist und eventuell genauso oft als Bodensatz dieser Ära wahrgenommen wird, wie TWINE. Zumal mir wohl keiner wiedersprechen wird, das DAD zusammen mit DAF, AVTAK und QoS (NTTD wegen seiner Aktualität mal bewußt ausgenommen) zu der kontroversen Gruppe von Bondfilmen zählt, die am ehsten ganz unten platziert werden.


    Und bezüglich Denis Richards: Dafür das sie als eine Fehlbesetzung gilt, scheint sie doch viel zur Bekanntheit des Films beizutragen. Oder kommt es Euch nicht auch so vor, das sie am ehesten der Grund ist, warum sich Leute über diesen 2 Dekaden zurückliegenden Bondfilm unterhalten. ;)

    Nach längerer Forumspause melde ich mich zurück mit einem Blick auf die 3 jungen Filme, die mich in den letzten Monaten am meisten begeisterten:


    Border (Originaltitel: Gräns), Schweden 2018 - Regie: Ali Abbasi


    Da dies einer dieser Filme ist, über die man am besten überhaupt nichts weiß bevor man sie sieht, vermeide ich es besser auf den Inhalt einzugehen. Aufjedenfall möchte ich diesen Geheimtip allen ans Herz legen, die aufgeschlossen sind, ein äußerst überraschenden, freizügigen, bizarr-düsteren, aber gleichzeitig abgefahrenen Film zu erleben, dessen inszenatorische Intensität und überzeugende Darstellungen nur das Fundament für ein denkwürdiges, kleines, bodenständiges Fantasy-Drama bilden. Weder von der Performance des Films in Cannes, noch von der Teilnahme beim Rennen um den Oscar für den besten internationalen Film habe ich glücklicher Weise etwas mitbekommen. So konnte mich der Film unvorbereitet überwältigen. Und umso intensiver war das Filmerlebnis.


    Pixar's Rot (Originaltitel: Turning Red), USA 2022 - Regie: Domee Shi


    Als ich im Vorfeld gewisse Eckdaten zum Film laß, über ein pubertierendes Mädchen, das mit seinen Freundinnen ganz wild auf eine Boyband ist, war ich natürlich äußerst skeptisch ob ich der passende Konsument für den Film bin. Doch trotz des plakativen Zielpublikum-Aspektes, wurde ich eines besseren belehrt. Das was einem da innerhalb der 100 Filmminuten geboten wird, ist dermaßen sympathisch präsentiert, stilsicher und einfallsreich umgesetzt, das ich mal locker 5, 6 Jahre zurückdenken muß, um einen Animationsfilm nennen zu können, der mich so verzückt hat wie dieser. Dabei kommt er zwar optisch nicht an so prachtvoll gestaltete und überbordende Hits wie Coco oder Ratatouille heran (Allein schon das Bildseitenverhältnis ist uncineastischer: Waren die letzt genannten Pixar-Beiträge 2.35:1-Filme, muß man sich hier mit 1.85:1 genügen). Aber allein die Ideen und das erzählerische Timing heben den Film auf ein Level der besten Pixar-Werke. Außerdem schafft es das beliebte Studio hier abermals eine Idee umzusetzen, von der man nicht gerechnet hätte sie mal in einem abendfüllenden Kinderfilm präsentiert zu bekommen. Nach einem Superagenten mit familiären Problemen, einer Gourmet-Ratte, einem Roboter, der die Menschheit an ihre Pflichten erinnert, Abenteuer in der Bewußtseinzentrale des Gehirns und Jenseitserfahrungen, wird uns hier nun ein Kinderfilm serviert, der von der weiblichen Geschlechtsreifung beseelt wird. Bin gespannt was ihnen als nächstes einfällt.


    Everything Everywhere All at Once, USA 2022 - Regie: Dan Kwan, Daniel Scheinert


    Dieser Beitrag zum aktuellen Multiversumstrend wurde diesen Kino-Sommer ja ziemlich gehypt. Vielleicht u.a. weil die Russo-Brüder, die im MCU inzwischen wohl einen Status haben wie John Glen und Martin Campbell im Bond-Franchise, hier auf der Produzentenbank saßen. Zum Glück erinnert hier, bis auf ein Paar Martial-Arts-Einlagen so gut wie nichts an die ermüdende Marvel-Kino-Kultur. Vielmehr haben wir es mit einem Film zu tun, dessen wilde Durchgeknalltheit man recht früh erkennt, aber der trotz seiner konzeptionellen Wildheit fokussiert genug erzählt wird, das der Zuschauer stets bei der Sache bleibt. Es ist einer jender Filme, denen man es gönnt, das ihnen von Kritikern und Publikum recht viel Aufmerksamkeit zu teil wurden - selbst wann man, wie im meinen Fall, jetzt nicht wie manch anderer völlig aus den Socken gehauen wurde oder das Gefühl hatte hier sei das Rad neu erfunden worden. 'Unser' Ex-Bondgirl Michelle Yeoh darf sich in ihrer Rolle dermaßen entfalten, das ich soweit gehen würde, das dies ihre bisher beeindruckenste Performance ist. Lustig ist natürlich auch mit Jonathan Ke Quan, den uns alt-vertrauten 'Shorty' Round aus Indiana Jones and the Temple of Doom, als Erwachsenen zu erleben. Auch er macht seine Sache ziemlich gut. sum·ma sum·ma·rum: sehr coole 139 Minuten, die sich kein begeisterungsfähiger Genre-Enthusiast entgehen lassen sollte.

    West Side Story (2021) - Regie: Steven Spielberg


    Da es sich bei Spielberg's neuem Werk um das Gegenteil eines 'coolen' Produktes, geschweige denn attraktiven 3-Stünder für Actionkinofans handelt, will ich hier zur Erläuterung etwas ausholen: Das Film-Genre Musical stellt wohl für recht viele Zuschauer eine ultimative Zumutung da. Vielleicht sogar die Nemesis aller Genres sozusagen. Aber da mich diese spezielle Form massentauglicher Bühnen-Performances als kindlich-jugendlicher Backoffice-Dauergast (mein Vater arbeitete im heimischen Staatstheater und so durfte ich oft das Treiben hinter der Bühne bei Opern, Operetten oder ähnlichen Lustspielen regelmäßig hautnah mitverfolgen) geprägt hat, habe ich trotz einem mich stets subversiv begleiteten Befremdlichkeitsgefühl dennoch einen gewissen, sagen wir mal 'touristischen' Konsum-Zugang zu dieser sehr speziellen Form von kitschigem Dauergesingsang. Zumal 'West Side Story' das erste Musical war, das ich Mitte der 80er im erwähnten Theater kennenlernte. Das wurde damals von einem Gastensemble präsentiert und die tänzerische und gesangliche Qualität der Darbietung überragte das gewohnte Provinztheater-Niveau der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt dermaßen eindeutig, das ich das Ausgangsmaterial sofort als legitime 'Romeo und Julia'-Version des amerikanischen Jahrhunderts verinnerlichte. Sogar soweit, das das vermittelte Bild der einst runtergekommenen Upper West Side von Manhattan sogar noch in meinem Kopf rumspukte, als ich dort das erste Mal in den 90ern herumspazierte. Der oscarüberhäufte Breitwand-Hollywoodschinken von 1961 hatte es - nicht zuletzt durch die Bilderbuch-Ästhetik von 'Star Trek: The Motion Picture'-Schöpfer Robert Wise, mit seinem Hang zu genadenlos ausladenden 'monumentalen' Bildkompositionen und der absolut bildschönen und bezaubernden Natalie Wood - in meinem Hirn recht leicht als Produkt seiner Zeit geachtet und respektiert zu werden, auch wenn ich mich in den überlang anmutenden Gesangs- und Rumgehops-Passagen hin und wieder ähnlich langweilte wie Verrächter dieses Formates. Musikalisch war ich jedenfalls stets beeindruckt von der Komposition die Leonard Bernstein, Stephen Sondheim und Arthur Laurents Mitte der 50er erschufen. Und ich kenne bis heute kein Musical mit einer solchen Fülle von erinnungswürdigen und ikonischen Melodien.


    Nun hat der Filmemacher, der in meinerJugend entscheidend dafür verantwortlich war, das ich trotz meiner besagten Theater-Prägung, das Kino als mein favorisiertes Medium erkannte, diesen ganzen Schub also nochmal filmisch aufbereitet und ich muß sagen: Ja, er hat seinen Job äußerst souverän erledigt. Filmkritiker David Ehrlich schrieb für den IndieWire: "auch wenn sich Steven Spielberg vor West Side Story nie an einem Musical versuchte, fühle es sich manchmal an, als ob dies die einzige Art von Film sei, die er je gemacht hat.." Das kann ich nur fett unterschreiben. So halte ich seine Interpretation nun tatsächlich für die bisher gelungenste Verfilmung des Stoffs und der Beweis das man Opa's hoffnungslos verstaubtes 50er Jahre-Kitsch-Kino mit entsprechender Leidenschaft heutzutage rein handwerklich immernoch wieder beleben kann - auch wenn es so gut wie kein Publikum mehr dafür gibt. 100 Millionen Dollar Produktionskosten stehen weltweit 72,5 Millonen Dollar Einnahmen gegebenüber. Da hat der alte E.T.- und Jurassic Park-Mogul also von seinem erhofften Publikum kommerziell einen regelrechten Faustschlag ins Gesicht bekommen. Aus der eingangs erwähnten genre-problematischen Perspektive recht verständlich - fragt sich nur warum sich Disney mit Formaten wie 'High School Musical' noch vor ein paar Jahren dumm und dämlich verdiente oder diese ganzen imho fürchterlichen Realfilmumsetzungen von klassischen Disneyanimationsmusicals weiterhin Milliarden-Umsätze generieren. Noch surrealer wird die ganze Nummer dadurch, das auf Spielberg's völlig aus der Zeit gefallenen Flop bereits zahlreiche Film-Preise nieder regneten (U.a. die Auszeichnung mit dem Golden Globe in der Kategorie Bester Film – Musical oder Komödie). So als wollten die entsprechenden Preis-Jurys der Zuschauer-Ignoranz mit einem Stinkefinger begegnen. Vielleicht sitzen dort aber auch einfach zu viele olle Opas. Erstaunt war ich auch über die Info, das in Deutschland der Film ernsthaft ab der 9. Klasse für die Unterrichtsfächer Englisch, Deutsch, Sozialkunde/Gemeinschaftskunde, Musik und Kunst empfohlen wird. (Quelle: Wikipedia). Aber da der Filmkonsum für mich ein ganz wunderbares und virtuoses Erlebnis war, will das Spielberg-Kid in mir das jetzt nicht besonders hinterfragen.


    Es mutet geradezu berauschend an, wie souverän es Spielberg gelingt diesen alten, bereits auf Oscar-Niveau verfilmten Stoff noch eindringlicher, noch mitreißender als seinerzeit Robert Wise zu präsentieren und gleichzeitig der alten Bildästhetik der Ende-50er/Anfang-60er Hollywood-Jahre treu zu bleiben. Der Beweis, das alte Stoffe altmodisch verfilmt immernoch genauso funktionieren könnten, wenn sie nur einem aufgeschlosseneren Publikum begegnen würden. Habe direkt Lust ihn heute nochmal zu genießen und heiße ihn direkt schonmal in meiner Liste der überdurchschnittlichen Werke im Gesamt-Ouvre des Meisters willkommen. Hinzufügen muß ich allerdings den Hinweis, das es sich bei dem Film um einen eindeutigen 'big-screen'-er handelt, bei dem ich froh bin ihn zumindest an der Beamerwand kennengelernt zu haben, da hier ähnlich wie bei dem Wise-Film die Devise gilt: Je größer die Projektion desto überwätligender die Wirkung. Von daher ist es schad,e das der FIlm nicht mehr Leute ins Kino locken konnte, während andere Kinosäle trotz Pandemie mit Spiderman-Publikum gefüllt waren. Da ich die Extras der Blu-Ray noch nicht erkundet habe, läd die finale Widmung im höchst stilvoll gestalteten Abspann 'for Dad' zu Spekulationen ein. Vermutlich verehrte Spielberg's Vater den Wise Film sehr und die bald 80-jährige Regielegende dachte sich: So Papa, ich beweise der Welt, das Dein Sohn es NOCH besser kann...


    EDIT: Was ich beim verfassen meines Textes nicht wußte: Spielberg's Vater Arnold Spielberg starb am † 25. August 2020 in Los Angeles im biblischen Alter von 103 Jahren, womit die Widmung einen viel plausibleren Grund hat, als ich vermutete.

    Das ist quasi ein Fass ohne Boden, Django. :D Könnte ein sehr langer Thread werden.


    Ich fange einfach halber mal mit denen an, die mir als erstes einfallen:


    DN: Der äußerst unglaubwürdige Fake-"Drachen" mit Reifenspuren und Motorgeräuschen
    GF: Der groteske Aufwand den Goldfinger in technischer, materieller, design-konzeptioneller und logistischer Weise betreibt um seinen 'Plan' zu präsentieren, nur um wenigen Minuten nach seiner 'Show' sein 'Publikum' zu vergasen.
    TB: Wer hat den Raketenrucksack griffbereit vor Jacques Bouvar's Anwesen gelegt ? Bond selbst ? Das Teil scheint also federleicht zu sein. Dieser Punkt macht für mich diesen Pre-Title zu einem der unglaubwürdigsten der ganzen Reihe.
    YOLT: Die vielen TV-Bild-Signale die von 'magischen' Kameras eingfangen werden. Das Bildsignal das Bond & Aki im Toyota empfangen und der den Hubschrauber bei der Entsorgung der Spectre-Verfolger-PKWs zeigt, könnte man sich ja noch durch einen zweiten Hubschrauber erklären, der extra zur Livedokumentation des Szenarios nebenher fliegt. Aber spätestens bei den TV-Aufnahmen live aus dem Erd-Orbit ist jegliche Grenze unserer Realität und Plausibilität gesprengt.
    DAF: Der Versuch von Wint und Kidd 007 per 'Pipeline-Baustelle' umzubringen. Von allen maßlos sinnfrei umständlichen Versuchen innerhalb der Reihe Bond zu töten, die imho unsicherste und hanebüchenste.
    TMWTGG: Der ganze anfängliche Handlungsteil um die Suche nach der goldenen Kugel die Bill Fairbanks aka 002 getötet hat, nachdem Bond bereits eine Kugel von Scaramanga beim Briefing mit M in der Hand gehalten hat.
    GE: Ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung von 'Apollo13' von Eon klar gemacht zu bekommen, das im Bonduniverse der Erdorbit 1995 immernoch so aussieht wie 1979.
    TND: Was hat Carver an Bord des Stealth Ship verloren ? Völlig out of character.
    TWINE: Die inszenatorische 'Auflösung' der Skiverfolgungsjagd mit den Motorparagleiten - imho ein franchise-unwürdiger Trashmoment der seines gleichen sucht, der aber merkwürdiger Weise so gut wie nie angeprangert wird.
    TWINE: Die lächerliche Explosionsgeschwindigkeit im Bergwerk in Kasachstan, die Bond ermöglicht vor ihr zu 'flüchten'.
    TWINE: Die offensichtich mit Warpgeschwindigkeit herbeigeilten oder herbeigebeamten Kreissägen-Helikopter, kurz nachdem "Mr. Bull“ den Anruf bei Elektra machte.
    DAD: Machen wir es kurz: Sämtliche Fehlentscheidungen bei der Produktion des Special Effects.
    SF: Die personellen-, infrastrukturellen und nahezu hellseher-artigen 'Fähigkeiten' von Silva bei der Verfolgungsjagd im Untergrund von London.
    SPECTRE: Bond's offensichtlich völlig schadloses Überstehen der Kopf-Folter durch Blofeld und die anschließende Baron Münchhausen-artige Flucht und Zerstörung der Spectre-Basis, bei der man sich direkt fragt, ob das ganze nur eine Phantasie ist, die sich im absterbenden Gehirn das auf dem Folterstuhl dahinscheidenden Bond abspielt. Allerdings frage ich mich bis heute, ob die Szene in einem Modus aus abwegiger Ironie oder Genre-Gehässigkeit der Filmemacher absichtlich so dermaßen unglaubwürdig wirken sollte.

    Ich bin den Thread noch einmal durchgegangen, und um der Legendenbildung entgegenzuwirken: Die Diskussion war von Anfang an bemerkenswert sachlich – abgesehen von den früh einsetzenden Versuchen, Kritik an NTTD generell zu diskreditieren.

    Der letzte Teil Deiner Aussage stößt mich etwas vor den Kopf. Aufgrund welcher User-Statements ziehst Du dieses Fazit ? Ich bin den Thread nun auch nochmal durchgegangen und kann so eine 'generelle Diskreditierung' von kritischen Äußerungen zum Film in keinem einzigen Beitrag erkennen.

    Erst einmal bin ich doch sehr erstaunt darüber, wie häufog sich man einen Film innerhalb von ein paar Monaten angucken kann, und dann noch im Kino.
    Das hätte ich sogar nicht für einem meiner drei Lieblingsfilme "Ist das Leben nicht schön?", "Zurück in die Zukunft" und "Zwei glorreiche Halunken" getan. Dreimal Kino wäre das Höchste, für Filme, die ich absolut top finde.


    Und ich bin erstaunt das Dich 4 Kinobesuche in Erstaunen versetzen. :)
    Nein, im ernst, ist das denn wirklich so aussergewöhnlich, wenn sich ein Fan vier mal in ein Lichtspieltheater für den neusten Beitrag seines geliebten Kino-Franchise begibt?
    Auf Gelegenheitskonsumenten und 'Otto-Normal'-Filmgucker wirkt sowas natürlich recht schräg, das ist klar.
    Aber wir sind ja hier schließlich unter 'uns'. :D Das dachte ich zumindest bisher.
    Vier Kinobesuche (zumal sogar in verschiedenen Fassungen) sind jedenfalls für mich im Hinblick auf die letzten 4 Bondfilme unterdurchschnittlich.
    Und ich frage mich ob es wirklich nur an meinem Respekt vor der Delta-Variante lag oder an meinem inzwischen etwas ähm 'reiferen' Alter oder gar am Film selbst, das ich es nach dem vierten Male hab' gut sein lassen.
    Zumal ich zeitweise mit Mitgliedern unserer Glaubensgemeinschaft im Saal saß, die bereits das achte Mal zum Wiederholungstäter wurden. Klar, das wirkt etwas krank - WENN man nicht Fan ist.
    Seit sich Star Wars-Fans in meinem Freundeskreis befinden, die mir ernsthaft beichteten 'Episode I' damals über 20 Mal während des entsprechenden Erst-Release-Zeitfenstes im Kino konsumiert zu haben (und das obwohl sie den Film eigentlich doof fanden) oder ein Dutzend mal 'Episode VII' gemeinschaftlich im nächstbesten Muliplex-Palast zelebrierten, dachte ich die Zeiten das man als Fan merkwürdig beäugt wird, wenn man für einen neuen Film ein paar ins Kino rennt gehören der Vergangenheit an.


    CR hält bei mir den Rekord mit 12 Kinobesuchen, gefolgt von QoS und SF mit jeweils 11 und SPECTRE mit 10 Kinobesuchen.
    Allerdings habe ich es nur im Falle von Craig so exzessiv 'getrieben'. GE habe ich seinerzeit auch 'nur' viermal auf der großen Leinwand genossen, und über diese Zahl bin ich bei den restlichen Franchisebeiträgen auch nicht hinausgekommen. Von daher befindet sich diesbezüglich NTTD in solider, harmloser Gesellschaft.


    Richtig verrückt - wie die erwähnte Star Wars-Community - war ich nur bei meinem absoluten Lieblingsfilm 'Back to the Future', der ja auch zu Deiner Top-3 gehört, Mister Bond: Den genoß ich tatsächlich ganze 25 mal auf der großen Leinwand. Das allerdings in einem Zeitraum von 30 Jahren, was die Sache 'ein bißchen' weniger 'krank' erscheinen lassen sollte. Bei seinem Erst-Release im Jahre 1985 habe ich es auch nur 2 mal reingeschafft - da war ich allerdings auch erst 11 Jahre alt. ;)


    Und um zum Thread-Thema zurückzukehren:


    DAF war bei mir mal wieder dran. Der Connery-Bond der für mich den extremsten Rewatchability-Faktor hat. Ähnlich wie MR bei Moore.
    Konsumdaten: Sony Bravia-TV, Blu-Ray, Deutsche Fassung. Untermalt von 2 Gläsern Bulleit Bourbon.


    1. OHMSS 297
    2. CR 283
    3. TLD 272
    4. TSWLM 260
    5. DAD 255
    6. FYEO 248
    7. LTK 244
    8. QOS 240
    9. YOLT 239
    10. FRWL 233
    11. DAF 232
    12. GF 230
    13. LALD 229
    14. MR 226
    15. AVTAK 224
    16. TB 221
    17. OP 219
    18. SF 210
    19. GE 204
    20. TWINE 198
    21. DN 195
    22. TND 193
    23. TMWTGG 185
    24. NSNA 143
    25. SP 82
    26. CR `67 43
    27. NTTD 20

    Drittbegutachtung von NTTD im Cinestar in Mainz - in Originalfassung
    Leinwandgröße: 20,30 x 9,30 m
    Saalgröße: 529 Sitzplätze
    Ton: Dolby® Atmos™


    Viertbegutachtung von NTTD im Arkaden-Kino in Wiesbaden - in real 3D
    Leinwandgröße: 21,40 x 8,75 m
    Saalgröße: 535 Sitzplätze
    Ton: DTS 6-Kanal-Digitalton


    Fünftbegutachtung von NTTD an der Heim-Beamerwand per Blu-ray (Orginalfassung)
    Projektionsgröße 120 Zoll
    Ton: Dolby Sourround (Kopfhörer)
    Drinks: Bruichladdich Islay Barley Single Malt und 2 Tassen Earl Grey


    Die 3D-Fassung wirkte weitesgehend (erwartungsgemäß) wie ein überflüssiger Gimick, bis auf wenige Ausnahmen: Daniel Kleinman's Vorspann flashte dreidimensional nochmal deutlich grandioser. Ich gehe mal davon aus, das seine Arbeit auch in real-3D produziert wurde. Das gilt natürlich auch für das Gunbarrel. Ansonsten bekam der ein oder andere kleine Filmmoment eine gewisse Intensivierung: Die der Szene in der Bond und Madeline im DB5 sitzen, während Spectre von außen munter auf die Scheiben ballert, wirkte perspektivisch so 'echt', als würde man gerade mit den beiden im Aston sitzen. Gestört hat die 3D-Nachkonvertierung über die gesamte Filmlänge auch nicht. Sie ist halt nur wie gesagt, bis auf die genannten Kick-Momente, ästhetisch ziemlich sinnlos. Bei meinem letzten Kinobesuch war der Altersdurchschnitt erstaunlich hoch: Einige Herren dürften sogar 70+ gewesen sein. Bond holt die Opa-Generation zurück ins Kino!
    :thumbup:


    1. OHMSS 297
    2. CR 283
    3. TLD 272
    4. TSWLM 260
    5. DAD 255
    6. FYEO 248
    7. LTK 244
    8. QOS 240
    9. YOLT 239
    10. FRWL 233
    11. DAF 231
    12. GF 230
    13. LALD 229
    14. MR 226
    15. AVTAK 224
    16. TB 221
    17. OP 219
    18. SF 210
    19. GE 204
    20. TWINE 198
    21. DN 195
    22. TND 193
    23. TMWTGG 185
    24. NSNA 143
    25. SP 82
    26. CR `67 43
    27. NTTD 18

    Meine Wahl: YOLT, TMWTGG, MR und GE.
    YOLT hat mich selbst als 10-Jährigen höchst erfolgreich ins Franchise gezogen. Von daher sehe ich ihn als einen der wichtigsten Filme in dieser Kategorie an.
    TMWTGG habe ich auch stets am ehesten als 'Kinderbond' wahrgenommen - nicht nur weil Bond nur einen einzigen Menschen in dem Werk killt.
    Und ich vermute mal, das MR Kids noch mehr Spaß machen dürfte, als der 'objektiv' funktionalere TSWLM, weil er noch einen Tick verspielter als der Vorgänger ist.
    Im Falle von GE vertraute ich einfach auf die Aussagen unzähliger 80er-Geburtsjahrgänge im Fandom, die mit Brosan's Debüt eingestiegen sind und ihn seitdem kollektiv in ihren Top-3 glorifizieren, wenn nicht sogar als 'besten Bondfilm aller Zeiten' werten, was ich zwar nicht im geringsten nachvollziehen kann aber akzeptieren muß.


    Obwohl ich hier bewußt keinen Craig-Film ausgewählt habe, weil ich seine Film tatsächlich auch nicht als gute, kindgerechte Einsteigerfilme werte, muß ich aber noch von einer Erfahrung ganz anderer Natur berichten, die den bisherigen Überlegungen konträr gegenübersteht:
    Die 11-jährige Tochter eines sehr guten Freundes von mir hat mit 'Skyfall' angefangen, der sie total begeisterte. Danach war sie ganz wild auf den Charakter James Bond und seine Welt. Ihr Vater machte allerdings den Fehler ihr danach chronologisch ALLE anderen Filme regelrecht aufzuzwingen. Dieses Unterfangen ging allerdings EXTREM nach hinten loß, denn sie war regelrecht schockiert von den Connery-Streifen und spätestens bei der Moore-Ära war die Dame nur noch gelangweilt. Seitdem ist James Bond ist für sie bis heute eigentlich nur Daniel Craig und CR und SF (und seit neustem auch NTTD) für sie die einzig 'guten' Filme unter diesem Label. Fazit: Neben der Aktualität darf man wohl auch die unterschiedliche Wahrnehmung von Mädchen und Jungs nicht unterschätzen.

    In diesem Thread findet tatsächlich eine Diskussion statt, da muß ich Dir und diversen Vorredenern beipflichten. Aber ich sprach ja im von Dir zitierten Satz auch nicht von DIESEM Thread oder DIESEM Forum, sondern vom Fandom genrell.


    Und mal ganz wertneutral formuliert:
    Wer einen Film mag, in dem Bond getötet wird, ist eine andere Sorte Bond-Fan als ich!!!


    :think: Sollte ich hier was völlig mißverstanden haben, entschuldige ich mich dafür.

    Ich sehe ein wesentliches Problem darin, das NTTD nicht der erste Franchise-Blockbuster (nicht Bondfilm) der letzten 12 Jahre ist, der in dessen Fandom-Gemeinde heftigst polarisiert.
    Diesbezüglich konnte jeder von uns über die Jahre Erfahrungswerte darüber sammeln, wie 2 fundamental zerstrittende Fan-Fraktionen sich "in der Mitte" treffen können... nämlich eigentlich gar nicht. Der erhoffte Konsens kam imho so gut wie NIE zustande. Ausnahmen bestätigen die Regel.
    Ich finde es anstrengend genug, sowas bei einem popkulturellen Phänomen zu beobachten, von dem man kein Fan ist. Ich gehöre z.B. nicht zum Star Wars-Fandom, aber die imho grotesk übersteigerten Emotionen, die sich wegen diesem Film entluden, fand ich in den ersten Wochen nach dem Last Jedi-Release zunehmend irrtierend und nach den vielen Monaten, in denen die Aufregung über dieses sogenannte "Machwerk" nicht mehr zu enden schien, nur noch nervig. Auch der Hate gegenüber neuen Star Trek-Produkten ist nach all den Jahren weder konstuktiv noch erbaulich oder interessant sondern einfach nur ermüdend und öde.


    Nun kommt also nach all den Jahren ein Werk in 'unserem' Franchise heraus, das etwas beinhaltet, das für viele Bond-Fans ein definitives 'no-go' darstellt, und ich hatte für kurze Zeit die naive Hoffnung, das die Bondgemeinde im Gegensatz zu den anderen Franchise-Glaubensgemeinschaften aufgrund ihres Alters die 'reife' besäße, locker damit umzugehen. Sich also diesem bisherigen 'no-go'-Szeanario zu öffnen. Aber leider läßt sich der Punkt, um den ein Teil des Fandom in all den Wochen seit dem Release kreist eigentlich tatsächlich auf einen simplen Satz herunterbrechen, der gebetsmühlenartig wiederkäut wird: 'James Bond darf nicht sterben', 'James Bond darft nicht sterben', 'James Bond darf nicht sterben', 'James Bond darf nicht sterben', 'James Bond darf nicht sterben', ' er darf es nicht. er darf es nicht, er darf es nicht, Punkt. Punkt, Punkt... Warum sollte man nach den Erfahrungen mit 'Skandal'-Werken anderer Franchises auch nur die geringste Hoffnung haben, das sich so eine offenbar von vornherein gededanklich zementierte Postition in naher Zukunft ändert ?


    In meinem Fall kommt da auch noch ein persönlicher Aspekt zum Tragen. Feirefiz und Don-Corleone, ihr beide habt jeweils einen Underdog erwähnt, den ihr seit vielen Jahren tapfer am verteidigen seit. Ihr kennt mich als jemand, bei dem ihr hier stets offene Türen eingetreten habt: Sowohl für DAF, TMWTGG, NSNA ,TWINE und QoS habe ich stets gerne die Wertschätzungsfackel mitangezündet. Aber das sind alles inzwischen 'alte' Filme, deren Schwächen bei weitem nicht so emotionalisieren, als bei einem brandneuen Werk, auf das die Gemeinde jahrelang hingefiebert hat. Das ist die Lehre, die ich aus der meiner Meinung nach SEHR nervigen QoS-Endlosdebatte, die dessen Release begleitete gezogen habe: Erstmal abwarten bis die Wogen sich langsam glätten. Spätestens bis zum nächsten Film. Und tatsächlich ebbte die Aufregung über die QoS-'Zumutungen' nach dem Release von SF ab. Und ich gönne es all denen die SP sehr schätzen, das auch dieser Film nun endlich vom neusten, tiefen Stachel in der Wunde vieler Fans abgelöst wurde.


    Ich käme nie auf die Idee, einem Fan der letzten beiden Filme zu zürnen, ihm Ignoranz oder was auch immer vorzuwerfen. Vielmehr wäre ich daran interessiert zu erfahren, a) wie die großen Brüche noch mit der etablierten Figur vereinbar sein sollen, b) warum das vielleicht auch für einen Fan - und das sind wir alle hier - gar nicht mehr wichtig ist, c) inwieweit die horizontale Erzählweise, die der Craig-Ära als Ganzes von vielen zugutegehalten wird, aufgeht und mehr ist als Behauptung (sowohl als Charakterdrama wie auch als überzeugend entwickelte Geschichte) etc. Diese grundsätzlichen Fragen fände ich im Moment tatsächlich besonders spannend zu diskutieren.


    zu a) Es es ziemlich einfach: Die erwähnten 'Brüche' sind bei mir bei weitem nicht so unverhältnismäßig, wie sie offenbar von anderen gewertet und gewichtet werden. Für mich ist das gesamte Franchise nämlich voll davon. Es gibt für mich daher auch kein in sich geschlossenes 'Bonduniverse' in dem man es mit unumstößlichen Relativitätsgesetzen zu tun hat. Es leuchtet mir natürlich ein, wenn man der Meinung ist, 50 Jahre lang exakt den selben Charakter präsentiert bekommen zu haben, das eine entsprechende Abweichung als brutaler 'Bruch' empfunden wird. Aber ich habe das eben niemals so wahrgenommen. Die 007-Darsteller waren dermaßen unterschiedlich; die jeweilige Ära so unterstreichend am jeweiligen Darsteller orientiert und auf ihn zugeschnitten, das ich es umgekehrt eher verwunderlich finde, aus diesem Spektrum ein in sich total schlüssiges Psychogramm zu erkennen. Der erste große Stolperstein ist für mich definitiv Lazenby. Ausgehend von den 5 Vorgängerabenteuern, wäre für mich dieser plötzliche ernsthafte Verliebtheit des Connery-Bonds, wie sie uns dann nun in der Gestalt von Lazenby serviert wird, weder ausreichend nachvollziehbar ausgearbeitet präsentiert noch plausibel gewesen. Und ich finde es daher auch konseqent, das man bei Connery's Rückkehr diesen Aspekt praktisch ignoriert - ganz einfach weil es zu Connery's bisheriger Charakterzeichnung nicht gepaßt hätte. Aber wo wir gedanklich gerade bei DAF sind: Schon im Pre-Title wird mir hier eine Sache serviert, die in keinster Weise zum seeligen Amstnachfolger gepaßt hätte: Mir Moore dabei vorzustellen wie er mit einem Bikini-Oberteil Marie 'ausquetscht' wirkt auf mich äußerst schräg und quasi ernsthaft 'out of character'. Und genau darum geht es hier ja. Nun stelle ich mir umgekehrt Dalton vor, der die Rose einer ihm 'gastfreundlichst' präsentierten 'Wüstenblume' entgegennimmt und verbal ankündigt in Ägypten's Geheimnisse 'einzudringen'. Wäre das nicht ein ultimativer Fremdschäm-Moment der Dalton-Ära gewesen ? Ich empfinde es jedenfalls so. Umgekehrt kann ich mir den Moore-Bond nicht dabei vorstellen wie er Sanchez auf Krest 'hetzt' und danach dessen Exekution beobachtet. Auch das hätte ich 'out of character' empfunden. Zeuge zu sein wie Lazenby oder Moore Elektra erschießt hätte ich auch als ziemlich schräg empfunden. Nun also zu Craig: Diese Ära macht mit dem Bruch mit der bisherigen Charakterzeichnung ja bereits schon von Anfang an keinen Hehl. Nein im Gegenteil - sie war sogar Teil der Vermarktungsstrategie. Und daher finden für mich persönlich die wesentlichen Brüche mit dem Rest der Reihe bereits im ersten Film statt - und nicht erst im letzten. CR rebootet Bond im wahrsten Sinne vollständig NEU. Und das eben nicht nur, weil der Mann noch am Anfang seiner Doppelnull-Karriere steht, sondern weil der Charakter anders gezeichnet wird als bei den Vorgängern. Er zeichnet sich auch durch ganz andere Attribute aus: Dem charmanten, (zeitweise hochgebildeten) Dressman weicht ein relativ grobschlächtiger 'Frauenflüsterer' mit einem hochsensiblen Gemüt. Und wie dieser Bond, dieser ganz spezielle Craig-Bond nun auf seine Tochter reagiert oder mit der Mutter seines Kindes umgeht ist für mich tatsächlich schlüssig und überhaupt nicht irritierend.


    Ja, und Bonds Ableben macht für mich im Rahmen dieses neuen Films definitiv SINN. Was hätte er denn sonst tun sollen ? Sich nach seiner 'Flucht vor dem Tod' zurück nach Jamaika begeben und darauf warten, das die Nanobots, die er zwangsläufig bei der Berührung einer x-beliebigen Person in die Welt freiläßt irgendwann ihr 'Ziel' erreichen und seine junge Familie auslöschen werden ? Oder auf eine menschenleere Insel zurückziehen um niemals wieder einen Menschen in seinem Leben berühren, aber letztendlich doch die Gefahr eingehen, das dieses Unterfangen schief gehen könnte ? Ich sag es ganz offen: Was besseres als die Entscheidung die der Craig-Bond hier getroffen hat, wäre mir an seiner Stelle auch nicht eingefallen. Nur bin ich nunmal kein James Bond und kann daher auch nicht garantieren das ich so aufrecht und würdevoll (ja, ganz bewußt wähle ich dieses Wort) wie der Craig-Bond abgetreten wäre. Und um nochmal auf den Ausgangsaspekt zurückzukommen: Eben dieser Abgang ist für mich der wichtigste Moment des Werks. Es ist der wesentliche KERN des Films auf den auch spürbar von Filmbeginn hingearbeitet wird. Der Craig-Bond S-T-I-R-B-T. Und sein Abgang ist für mich nachvollziehbar, emotional sehr bewegend, äußerst souverän gespielt und wunderbar musikalisch unterstrichen. Wenn man so eine Wahrnehmung hat wird es eben problematisch, sich mit Fans auseinanderzusetzten in denen hier nicht nur quasi 'gar nichts mehr zu stimmen' scheint, sondern für die der Tempel mit Schuhen betreten wurde.

    Ich als Befürworter habe meine Meinung schon kundgetan und ich werde im entsprechenden Thread auch nochmal schreiben. Aber tiefere, weitergehende Diskussionen gegen diese knallharte Wand des Verleugnens ist mir nicht direkt zu anstrengend, aber sie zieht mich mehr runter als es wert ist (die Laune, nicht mein Bild des Films) und ganz ehrlich fehlt mir für solche Fundamentalopposition gegen einen Film jegliches Verständnis. Ging mir bei den Aufschreien der Fans bei den neuen Star Trek Filmen und Serien sowie den Star Wars Sequels schon genauso. Manchmal habe ich den Eindruck, dass man sich den Spaß an Film- und Serienfranchises am effektivsten selbst kaputtmachen kann, wenn man Fan davon wird.


    Amen. Vollste Zustimmung von meiner Seite! Danke Havanna! :prost:
    Ich kann die Ausdauer von ollistone diesbezüglich nur bewundern.

    Ein erfrischender Impuls, ein Konkurrenz-Produkt in die Liste zu integrieren, Mr. Fogg. :pop:'The Rock' ist allerdings leider fast so heftig not my cup of tea, wie für Dich NTTD. Viele verachtende Umschreibungen, die Du in den letzten Wochen dem neuen Bondfilm hinterhergeworfen hast, kamen mir auch damals, nach der Kino-Sichtung von Michael Bay's 96er-Spektakel in den Sinn. Ist aber natürlich egal, denn über Geschmack läßt sich hinreichend bekannter Maßen nicht streiten. Das Du allerdings ausgerechnet diesen Film benennst um stellvertretend NTTD aus Deiner Liste zu verbannen, leuchtet mir schon ein. Denn die finalen Momente von NTTD erinneren mich tatsächlich an gewisse Bildmotive aus dem Finale von 'The Rock'. Liegt es vielleicht daran das beide Werke von US-Amerikanern inszeniert wurden ? Lustig finde ich nebenbei, das mit der Integrierung von 'The Rock' in die Bondbestenliste, neben TB, OHMSS und dem dafür heftigst kritisierten QoS, ein vierter Film in der Liste aufkreuzt, dessen zeitweiliger Action-Filmschnitt mindestens diskussionswürdig ist. Man blicke nur mal auf die Schnittfrequenz bei der Autoverfolgungsjagd mit Connery durch San Francisco und vergleiche sie mit der oft als 'Schandfleck' bezeichneten QoS-Pretitle. Viel Unterschied kann ich da bezüglich 'Übersichtlichkeit' für den Zuschauer nicht erkennen. Einziger Unterschied: Dem Publikum war es damals offenbar Schnurz, aber bei dem Bondfilm war es 12 Jahre später ein 'Skandal'. Vermutlich liegt es daran, das die besagte Szene von 'The Rock' sich mitten im Film befindet und man dagegen bei QoS die entsprechende Schnittfrequenz direkt als Film-Einstieg 'ertragen' muß. Und weil für Bondfilme offenbar völlig andere Bewertungskriterien gelten als für andere Filme - eben Bond-Kriterien. ;)


    Filme die im Genre-Revier der Bond-Reihe 'herumplündern' haben mich natürlich immer interessiert. Gerade während des Bond-Hypes der 'goldenen' 60er Jahre gab' es diesbezüglich ja einen gewaltigen Schub an (oft minderwertigen) Konkurrenz-Produkten. Inzwischen gibt es soviele Action- und Agentenfilme, die von der Bondreihe mehr oder minder beeinflußt wurden, das man schon konkreter werden muß, um wirklich definitiv bond-nahe Werke auszumachen. Für mich ist hier inzwischen stets maßgebend, das der Hauptprotagonist des Werks ein Geheimagent mit äußerst überdurchschnittlichen Fähigkeiten sein muß (Marke: 'Superagent'), der die Welt durch sein bestandes Abenteuer um ein paar ganz üble Schurken erleichtern konnte, wenn nicht sogar graviernde Szenarien abgewendet hat.


    Meine diesbezügliche persönliche Top-10 unter den bondigen Konkurrenzfilmen:


    1. Mission: Impossible – Ghost Protocol - Regie: Brad Bird
    2. True Lies - Regie: James Cameron
    3. Mission: Impossible – Fallout - Regie: Christopher McQuarrie
    4. Austin Powers: International Man of Mystery - Regie: Jay Roach
    5. Mission: Impossible – Rogue Nation - Regie: Christopher McQuarrie
    6. Tenet - Regie: Christopher Nolan
    7. Mission: Impossible II (ja, genau, DIESER Schundfilm... Einer meiner heftigsten Guilty-Pleasure-Favoriten) - Regie: John Woo
    8. Haywire - Regie: Steven Soderbergh
    9. Mission: Impossible - Regie: Brian DePalma
    10. The Bourne Identity - Regie: Doug Liman


    Plaktive Filme die in diesem Zusammenhang oft genannt werden, die bei mir aber leider so gar nicht punkten konnten sind die Johnny English- und die Kingsman-Reihe, sowie Codename U.N.C.L.E.


    Die Genre-Grenzen sind natürlich fließend. So könnte man sich darüber streiten ob Disney's 'The Incredibles' vielleicht mehr ein Superagenten-Ding ist als eine Superhelden-Nummer ala DC und Marvel. Oder ob Verhoeven's 'Total Recall' bondverwandt genug ist, um ihn auch in die Liste aufzunehmen. Bei der Frage bei welchen Filmen mit Sir Sean Connery bei mir außerhalb der Bondreihe am ehesten 'bondige' Gefühle aufkommen, muß ich 'Woman Of Straw' (wegen Connery's 64er-Optik) und die John le Carré-Verfilmung 'The Russia House' (wegen Klaus Maria Brandauer, James Fox und Michael Kitchen) benennen. Vorallem letztgenannter wächst mit jedem wiederholten Filmkonsum stetig mehr in meiner Gunst.


    Und wenn ich mich schon in diesem Thread blicken laße, hier das pflichtgemäße Update meiner Favoriten nachdem mit Craig's Schwangengesang der Stein des Anstoßes in das Fandom gefallen ist.


    Meine persönlichen Favoriten des James Bond-Franchise:


    1. No Time to Die
    2. On Her Majesty's Secret Service
    3. Skyfall
    4. The Living Daylights
    5. Casino Royale (2006)
    6. Never Say Never Again
    7. The Spy Who Loved Me
    8. Goldfinger
    9. Quantum of Solace
    10. From Russia with Love
    11. Live and Let Die
    12. Diamonds Are Forever
    13. For Your Eyes Only
    14. Licence to Kill
    15. Dr. No
    16. Moonraker
    17. You Only Live Twice
    18. Spectre
    19. The Man with the Golden Gun
    20. Thunderball
    21. The World Is Not Enough
    22. Octopussy
    23. GoldenEye
    24. A View to a Kill
    25. Tomorrow Never Dies
    26. Casino Royale (1967)
    27. Die Another Day
    28. Casino Royale (1954)


    Bond-Actor: Sir Thomas Sean Connery
    Bond-Woman: Vesper Lynd (Eva Gaëlle Green)
    Villain: Monsieur Maximilian Largo (Klaus Maria Brandauer)
    Henchperson: Fatima Blush (Barbara Carrera)
    Score: On Her Majestys Secret Service - John Barry
    Titelsong: A View to a Kill - Duran Duran / John Barry
    Secondary-Song: Une Chanson D'Amour - Sophie Della / Michel Legrand
    Official Film-Poster: The Spy Who Loved Me (US-Hauptplakat - Illustration von Bob Peak)
    Production Design: You Only Live Twice (Ken Adam)
    Director: Sir Samuel Alexander „Sam“ Mendes
    Adapted Screenplay: On Her Majesty's Secret Service (Richard Maibaum)
    Original Screenplay: Skyfall (John Logan, Neal Purvis, Robert Wade)
    Official Trailer: GoldenEye-Teaser
    Costume Design & Wardrobe: Quantum of Solace (Louise Frogley)
    Hairstyles: Moonraker (Pierre Vadé)
    Location: Schilthorn
    Car: Aston Martin V8 Vantage Volante
    Pre-Title-Sequence: No Time to Die
    Title-Sequence: Casino Royale (Daniel Kleinman)
    Fight-Sequence: Bond vs. Obanno (CR)
    Action-Sequence: Lago di Garda-car chase (QoS)
    Erotic-Scene: "What is it about bad men?" (CR)
    Q-Scene: "Grand old war ship. Being ignominiously haunted away to scrap. The inevitability of time." (SF)
    M-Scene: "Well I guess that is completely inconspicuous." (SF)
    Moneypenny-Scene: "Miss Moneypenny, as you're no doubt listening, perhaps you'd take this cable ?" (FRWL)
    Introduction ("My Name is..."): Connery in Doctor No
    End-Sequence: Torre Dei Crivi, Italy "I'm going to tell you a story about a man..." (NTTD)