Posts by Baron Samedi

    Das erinnert mich an die Signatur, die ich zeitweilig im alten Forum in Anlehnung an die Tagline von TMWTGG hatte: "The world's greatest villains tried to kill James Bond. Now it's Barbara Broccoli's turn to try...".


    Jedenfalls fürchte ich, dass Martin recht hat. Irgendwie habe ich immer weniger Lust noch großes Herzblut in die Beschäftigung mit einer Filmserie zu investieren, die vordergründig gern ihre eigene Vergangenheit zitiert, sich dieser aber mittlerweile wegen ihrer "Simplizität" zu schämen scheint. Oder wie sonst ist es zu erklären, dass man trotz aller Versprechungen ("Are you ready to get back to work?" - "With pleasure, M. With pleasure.") nie zu der Figur zurückgekehrt ist, die einfach nur mit weltgewandter Gelassenheit ihren Job erledigt? Dass man angeblich schon wieder alles neu erfinden muss?


    So bleibt als Fazit der Aussage von Barbara Broccoli vor allem, dass es ja auch Wichtigeres im Leben gibt als die Beschäftigung mit einer fiktiven Schöpfung. Davon abgesehen verbleiben immer noch einige Romane von Fleming-Nachfolgeautoren, die ich bislang nicht gelesen habe und die mich mittlerweile mehr interessieren als die Weiterentwicklung der Bond-Filme. Und im cineastischen Bereich haben wir ja die großartige, von Martin bereits angesprochene Mission:Impossible-Reihe, die neben James Bond und Indiana Jones stets meine Lieblings-Filmfranchise war. Seit Beginn der 2010er-Jahre hat die M:I-Reihe die Bond-Reihe m.E. denn auch überholt, was Einfallsreichtum und Klasse anbelangt. Und nach SPECTRE und NTTD ist der Punkt erreicht, an dem ich mich mehr auf den neuen M:I als auf den neuen Bond freue.

    Kenneth Tsang ist im Alter von 86 Jahren verstorben. Er spielte den General Moon in Die Another Day. James Bond-Fans bleibt er damit als der Darsteller eines starken Charakteres in einem eher durchwachsenen Film in Erinnerung.

    Speziell über OP freue ich mich sehr.

    Ja, ein wunderbarer Film. Mir fiel danach noch ein, dass sich mal ein Freund von mir OP bei mir ausgeliehen und ihn seiner Mutter gezeigt hat, die - sofern ich mich recht entsinne - Bond noch nicht kannte. Ist wohl sehr gut angekommen.

    Mit seiner (...) grandiosen Schurkenriege (ebenbürtig sind für mich in dieser Hinsicht nur LALD, LTK und GE)

    Zu ergänzen wäre außerdem noch TB.
    FRWL, TB, LALD, LTK und GE sind die Schurken-Ensemblefilme unter den Bonds...

    FYEO
    OP
    TLD
    FRWL


    FYEO habe ich bereits bei zwei Gelegenheiten als Einsteigerfilm für Freunde und Bekannte ausgewählt. Bis heute von der Stunt-Arbeit her der beste Bond, macht der Film mit seinen temporeichen Verfolgungsjagden eigentlich jedem Spaß.
    Für OP habe ich gestimmt, weil ich ihn selbst als Kind so geliebt habe und er damit maßgeblich zu meiner Fanwerdung beigetragen hat (lange Zeit pflegte ich ihn als meinen "heimlichen Lieblings-Bond" zu bezeichnen). Gerade bei den Indien-Parts kann ich mir kaum vorstellen, wie sie den Erst-Zuschauer mit ihrem exotischen Abenteuerflair kalt lassen könnten.
    Mein wahrer Lieblingsbond ist jedoch TLD, für den ich seit meiner ersten Sichtung eine ins Sentimentale gehende Leidenschaft habe. Diese perfekte Mischung aus Agententhriller und Abenteuerfilm kann eigentlich nur für Bond begeistern. 2019 war ich mit einem Freund in Wien und sagte ihm, dass ich bei dieser Stadt immer an meinen liebsten Bond-Film denken müsse. "Ach, der mit Timothy Dalton" sagte er darauf hin - ungefähr 15 (!) Jahre, nachdem ich auf meine Anregung hin den Film zusammen mit ihm geschaut hatte, den er zuvor noch nie gesehen hatte. Ganz offensichtlich hatte der Film einen bleibenden Eindruck bei ihm hinterlassen.
    FRWL weil es sich vielleicht um den Bond-Klassiker schlechthin handelt, mehr noch als GF. Mit seiner Thrilleratmosphäre und seiner grandiosen Schurkenriege (ebenbürtig sind für mich in dieser Hinsicht nur LALD, LTK und GE) kann er nur für Bond gewinnen.

    Nachfolgend ein Beitrag für Baron Samedi


    Vielen Dank, photographer, habe den Beitrag mit Genuss gelesen :thumbup:


    Von seiner kulturhistorischen Bedeutsamkeit für die Bondreihe abgesehen halte ich GoldenEye auch schlicht und ergreifend für einen hervorragenden Bondfilm. Und das ist der wesentliche Grund, weshalb er so hoch bei mir angesiedelt ist.

    Ich liebe DAF und halte ihn für den komischsten aller Bondfilme - wobei ich "komisch" in erster Linie im grotesk-witzigen Sinne meine, es aber durchaus auch im Sinne von "exzentrisch" auf den Film zutrifft.


    In irgendeinem YouTube-Video, das ich kürzlich gesehen habe, hatte der Ersteller willkürlich Einspieler aus Filmen, Dokumentationen, TV-Serien, etc. eingearbeitet. So kam es, dass ich vollkommen unvorbereitet noch einmal die "Mond-Szene" aus DAF gesehen habe, deren Absurdität mir dabei umso mehr bewusst wurde: Warum in alles in der Welt greifen die Astronauten in ihren Raumanzügen Bond in Zeitlupe an, als wollten sie eine Schwerelosigkeitspantomime aufführen? In Verbindung mit der überlegenen Gelassenheit, die Connery in dem Film durchweg an den Tag legt, finde ich solche Szenen jedoch nicht fehlplatziert sondern... na ja, eben unglaublich komisch. Und letztlich ist der ganze Film voll davon.

    Sowohl für DAF, TMWTGG, NSNA ,TWINE und QoS habe ich stets gerne die Wertschätzungsfackel mitangezündet.

    Nicht zu vergessen GE und TND, bei denen ich in diesem Forum auf völlig verlorenem (GE) oder nahezu verlorenem (TND) Posten stehe. GE halte ich gar für einen der großen Klassiker der Reihe, TND für einen starken Bondfilm, der mindestens in die obere Hälfte der Bestenliste gehört. Einige Gründe dafür habe ich u.a. hier dargelegt:


    DER DARSTELLER: Pierce Brosnan
    DER FILM: Der Morgen stirbt nie


    Bei GE kann ich mich nicht erinnern, hier jemals von irgendjemandem sonst echte Wertschätzung für den Film gelesen zu haben, bei TND erinnere ich mich auch nur bei Daniel Dalton an eine positive Fürsprache. Ich kann mich auch nicht erinnern, dass jemals jemand eine Träne für Pierce vergossen hätte, weil ständig auf seine Filme eingedroschen wird. Trotzdem habe ich die negativen Kritiken oft mit Genuss gelesen, weil die meisten davon so gut geschrieben waren, dass man interessante Aspekte davon mitnimmt... auch wenn man selbst anderer Meinung ist.
    Immerhin in der englischsprachigen Fancommunity stehe ich nicht ganz so allein da. Dort wird GE häufig auf einer Ebene mit den ganz Großen des Franchise (GF, OHMSS, CR, ...) gehandelt. Und was TND anbelangt: Auf irgendeiner englischsprachigen Fanseite habe ich kürzlich eine Umfrage unter Leuten gesehen, die im Laufe der Zeit an einem oder mehreren Bondfilmen mitgewirkt haben - als Stuntkoordinator, Kostümbildner, Castingmitwirkender, oder was auch immer. Es ging darum, seine persönliche Top 5 der Bondfilme zu nennen. Und siehe da, Brosnan's Zweitling tauchte überdurchschnittlich oft auf. And I would have thought watching your TV shows was torture enough ...

    war so überwältigt von den wertvollen Inhalten, die hier bereits gefühlt alles thematisierten, dass ich über all die Jahre wieder nur noch zum Mitleser wurde, in der Befürchtung, ich könnte wenig neues beitragen.

    So geht es mir hier auch. Allerdings mache ich auch gerne Werbung dafür, dass das riesige James Bond-Universum noch weit mehr zu bieten hat als nur die immer wieder diskutierten Filme: Romane und Kurzgeschichten (von Fleming und einer ganzen Reihe von Nachfolgeautoren, sogar unauthorisierte Bondromane wie The Killing Zone gibt es), eine ganze Palette von Comics (von den 50ern bis heute), Sachbücher (auch zu Phänomenen außerhalb der Filme), Fernsehproduktionen, PC- und Konsolenspiele, Hörspiele und sogar Pen&Paper-Rollenspiele.


    Da ich ähnlich wie Martin nach den jüngsten "007-Autorenfilmen" - die sich vielleicht auch deswegen so nennen, weil sie sich dann nicht fragen lassen müssen, warum sie eigentlich keine spannende Handlung erzählen... - immer weniger Lust habe, mich weiter mit dem Schicksal des Film-Bonds zu beschäftigen, werde ich mich auch verstärkt wieder mit dem übrigen 007-Universum befassen. Z.B. kenne ich die neueren Comic-Reihen wie VARGR noch gar nicht. Leider ist meine John Gardner-Lesereihe wegen zeitraubender Verpflichtungen und Interessen außerhalb von Bond eingeschlafen... und der Tag hat nur 24 Stunden.


    Ein bisschen weh tut es natürlich schon, sich nicht mehr wirklich kindlich auf den neuen 007-Film freuen zu können. Meine Vorfreude war diesmal auch da, aber irgendwie auch schon nüchterner und weniger begeistert als im Vorfeld von SPECTRE.

    Nach der ersten Sichtung gestern muss ich sagen, dass ich die Ausführungen insbesondere von Martin und Feirefiz gut nachvollziehen kann, die trefflich auf den Punkt bringen, was mir an NTTD (und auch schon an SPECTRE und bis zu einem gewissen Grad SF) nicht gefallen hat. Insbesondere hatte ich auch hier v.a. in der ersten Filmhälfte den Eindruck, dass die Macher nicht mehr wirklich mit Liebe bei der Sache sind.


    Vieles wirkt so schrecklich gestanzt und hohl, dass mich der Film größtenteils einfach nicht packt. Ein Beispiel: Wenn Connery in FRWL von Red Grant mit der Pistole bedroht wird und dann die Erkenntnis in seine Augen tritt, wer hinter der ganzen Sache steckt ("but of course... SPECTRE") ist das ein Gänsehautmoment. Warum? Weil die Organisation mit dem unsichtbar bleibenden Blofeld und seinen siamesischen Kampffischen, der herrischen Klebb, dem Schlagringtest bei Grant, den erinnerungswürdigen Trainingscamps, Kronsteen's Schachpartie, etc. genial aufgebaut wird. Wenn Craig in NTTD gefühlt zwanzig mal "SPECTRE" in den ersten halben Filmstunde sagt als handele es sich um ein Bingospiel, beeindruckt das überhaupt nicht. Warum? Weil alles bloße Behauptung bleibt. Es wird mit Schlagwörtern um sich geworfen, die aus einer großen Bondvergangenheit schöpfen, aber nichts wird wirklich dahinter aufgebaut, alles bleibt irgendwie Pappmaché. Ich frage mich, ob für den normalen Kinogänger, der nicht wie wir zu den Fans des Franchises gehört, überhaupt deutlich wird, was SPECTRE ist. Mein Begleiter, der im Allgemeinen kein Bond-Fan ist, fragte mich während des Films irgendwann verwundert, ob Blofeld etwas anderes sei als SPECTRE.
    Und die dauernden Zeitgeistzugeständnisse... na ja.


    Insgesamt hat mir der Film jedoch deutlich besser gefallen als SPECTRE. Und das hat vor allem damit zu tun, dass endlich in größerem Umfang Elemente aus dem Fleming-Roman You Only Live Twice aufgegriffen werden, die ich mir schon lange in einem Bondfilm gewünscht habe.


    Für mich ist der ausgeprochen flemingesqe Safin der vielleicht beste Bondbösewicht seit Sanchez in LTK.

    Braveheart (1995)
    Braveheart hatte ich schon so lange nicht mehr gesehen, dass ich den Film so gut wie nicht mehr in Erinnerung hatte. Die Auffrischung hat sich gelohnt. Eigentlich wollte ich den Film in zwei Teilen gucken, da ich nicht allzu spät ins Bett wollte, aber letztlich ist es dann doch eine Schau am Stück und halb drei morgens geworden, weil die nahezu drei Stunden dank der guten Inszenierung schnell vorübergehen.
    Die Story dürfte ja den meisten bekannt sein. Sehr beeindruckt hat mich das Wechselspiel und die Kontrastierung der Charaktere von William Wallace und Robert the Bruce, die ich so gar nicht mehr in Erinnerung hatte. Wallace, der mutige und unbeugsame Idealist auf der einen Seite, Robert the Bruce, der unter der Fuchtel seines hinterhältigen, ränkeschmiedenden Vaters steht und sich von diesem allzu lange kontrollieren lässt, auf der anderen Seite. Wenn es Robert the Bruce dann letztlich doch gelingt, sich unabhängig zu machen und sich ein Herz für die große Sache zu nehmen, statt feigen und gierigen Plänen zu folgen, bestätigt das William Wallace in seiner früheren Einschätzung im Film, dass Kraft in diesem Mann schlummert, die nur auf ihre Freisetzung wartet.

    "Everything done by the book. Can't make a decision unless the computer gives you the go ahead. Now you're on this. I hope we're going to have some gratuitous sex and violence."


    (Algernon (Q) in NSNA)

    The Foreigner (2017)


    Dicht inszenierter Thriller von GE- und CR-Regisseur Martin Campbell, in dem Ex-007 Pierce Brosnan als irischer Politiker im englischen Original endlich tun darf, was ihm als Bond nie vergönnt war: (s)einen herrlichen irischen Dialekt auspacken. Zur Story: Eine IRA-Splittergruppe tötet bei einem Bombenanschlag in London die Tochter eines chinesischen Einwanderers (gespielt von Jackie Chan). Dieser macht sich daraufhin - als Ex-Elitesoldat mit den notwendigen Fähigkeiten dafür ausgestattet - auf eigene Faust auf die Suche nach den Tätern und nach Gerechtigkeit.


    Der Film hat mir ausnehmend gut gefallen. Zunächst einmal erledigt er zuverlässig seine Pflichtaufgaben, will heißen, er funktioniert gut als spannungsreicher Actionthriller. Im Allgemeinen habe ich bei Jackie Chan-Filmen ja immer ein bisschen die Befürchtung, dass sie zu clownig ausfallen. Das ist hier jedoch überhaupt nicht der Fall. Im Gegenteil verkörpert Chan sehr glaubwürdig die gebrochene Hauptfigur, die trotz aller Verzweiflung mit stiller Entschlossenheit und unnachgiebiger Beharrlichkeit ihr Ziel verfolgt. Dabei gelingt es dem Film, die Erzählung beständig auf der Kippe zu halten und den Zuschauer im Ungewissen darüber zu lassen, ob und wie es für die Hauptfigur weitergehen wird.


    Darüber hinaus bietet der Film eine Vielzahl facettenreicher Charaktere und bezieht sehr viel Spannung auch aus deren Interaktion und dem Widerstreit ihrer unterschiedlichen Motive. Insofern verlässt der Film sich im Unterschied zu anderen Vertretern seines Genres nicht lediglich auf seine Actionsequenzen.

    Honest Thief (2020) mit Liam Neeson


    Eigentlich bin ich ja großer Fan des Action-Spätwerks von Liam Neeson. Taken (2008 ) etwa gehört zu meinen Lieblingsfilmen und ist eine Perle des "Ex-Spezialeinheit-Angehöriger mischt Bösewichte auf"-Genres, Unknown Identity (2011) glänzt mit Spannung und einem wirklich überraschenden Plottwist, um nur einige wenige zu nennen.


    Umso freudiger meine Erwartung, einen Actionfilm mit Liam Neeson zu sehen, den ich bislang noch nicht gesehen hatte. Leider erfüllte Honest Thief die Erwartungen nicht. Zwar handelt es sich um einen passablen Film, der durchaus unterhaltsam ist und auch die ein oder andere gute Autoverfolgungsjagd zu bieten hat. Auch die Kameraeinstellungen sind teilweise schick gewählt, etwa wenn Liam Neeson in einem abgedunkelten Van an einer Kreuzungsampel steht und sich der Entdeckung durch einen an der gegenüberliegen Ampel stehenden Polizeiwagen zu entzioehen versucht.
    Leider bietet der Film schlicht zu wenig Story und zu wenige und zu eindimensionale Charaktere, um wirkliche atmosphärische Dichte zu kreieren. Vergleichbar einem zu dürftig ausfallenden Pizzateig, der auf Backblechgröße ausgerollt wird und daher an der ein oder anderen Stelle Löcher zeigt. So spult sich das Geschehen etwas vorhersehbar und mechanisch ab, ohne den Zuschauer wirklich in seinen Bann zu ziehen. Ohne zu spoilern: Es gibt auch die ein oder andere Handlung des Hauptcharakters im Film, die man als Zuschaier nicht nachvollziehen kann, weil sie ungeschickt bis unverständlich wirkt und ganz offensichtlich negative Konsequenzen hat, die der Hauptcharakter aber nicht zu sehen scheint. Das sollte in einem Film, in dem man gerne einem abgebrühten Profi bei der Arbeit zusehen will, nicht passieren.


    Insgesamt kein Totalausfall, aber es bleibt zu hoffen, dass der nächste Neeson-Actionstreifen wieder besser wird.

    Was mich an TMWTGG immer begeistert, ist wie natürlich und weltmännisch sich Bond an Orten wie Macao oder Bangkok bewegt und dass der Film sich zudem Zeit nimmt, die Locations und Bonds Interaktion mit ihnen ausreichend einzufangen. Irgendwie ist dieses Element des lässigen Flanierens von Bond in fernen Gefilden, das für mich immer ein wichtiger Bestandteil der Filme war, mit Brosnan und Craig verloren gegangen.