Posts by Baron Samedi

    Schöner Song, der mich mit seiner melancholischen Melodie, der mit kratziger Stimme nach ihrem (untreuen?) Liebhaber schmachtenden Sängerin und seinen Wechseln zwischen ruhigen und kraftvollen Passagen ein wenig an Sheryl Crow's Tomorrow Never Dies erinnert - ein Song, den ich ebenfalls sehr schätze. Ich hoffe nur, dass die Lyrics nicht programmatisch sind für den gesamten Film und nicht - schon wieder - vor lauter künstlichem Melodrama aus Verrat und Intrige keine packende Geschichte mehr erzählt wird.

    Goldfinger
    (Roman; A: Ian Fleming; VÖ: 1959)

    In Goldfinger frönt Fleming wieder einmal ausgiebig seiner Lust am Spiel, zunächst bei der Beschreibung einer Partie Canasta - bei der es Bond gelingt, Goldfinger als Falschspieler zu entlarven - und dann bei einer noch ausgiebigeren Beschreibung einer Partie Golf zwischen den beiden Widersachern. Bei letzterer wird Bond selbst zum Falschsspieler, was er damit rationalisiert, dass Goldfinger anders nicht beizukommen sei. An dieser Stelle war mir Bond weniger sympathisch - ich bevorzuge den Bond, der die Dinge ins Rollen bringt, statt selbst zu verschlagenen Tricks zu greifen.


    Auch an anderen Stellen im Roman arbeitet mit Tricks und Täuschungen. So schildert Fleming im mittleren Teil des Buches eine etwas bizarre Sequenz, in der Goldfinger Bond vorübergehend allein in seinem - Goldfinger's - Anwesen zurücklässt und Bond zunächst herümschnüffelt und anschließend seine Spuren mit einer fadenscheinigen Geschichte zu vertuschen versucht. Offenbar lässt sich Bond in diesem Roman ein wenig zu sehr von den Methoden seines Gegners beeinflussen.


    Warum Goldfinger Bond am Leben lässt, nachdem er ihn einmal in seiner Gewalt hat und gerade in Begriff steht, ihn mit einer Kreissäge zu halbieren, vermag Fleming nicht überzeugend darzustellen. Die fortgesetzten Begründungen Goldfinger's zu diesem Punkt im dritten und letzten Teil des Romans machen den Leser lediglich auf diesen Umstand aufmerksam und stören das unbeschwerte Eintauchen in die Geschichte. Auch Pussy Galore's plötzliche Hingabe an Bond wird nicht so recht deutlich und liest sich etwas zu sehr als Schlafzimmerfantasie. Vielleicht ist mir Pussy Galore auch einfach nur weniger sympathisch als etwa Honey Rider.


    Highlights sind - wieder einmal - die Beschreibung des Bösewichts und der in Fleming-Romanen häufiger zu findende Expertenvortrag, diesmal natürlich zum Thema Gold. Hier zeigt sich Fleming's aufrichtige und sympathische Begeisterung für Themen die einfach spannend sind. Insgesamt haben mir From Russia With Love und vor allem Dr. No aber besser gefallen.
    Weiter geht's mit den gesammelten Fleming-Kurzgeschichten.

    lass' dich von Dank umschlingen für diesen deinen Thread


    Danke für die Blumen :thumbup: Es freut mich, wenn damit die Gelegenheit geschaffen ist, sich über das (ebenfalls) reichhaltige Bonduniversum außerhalb der Kinofilme auszutauschen.



    Dr. No
    (Roman; A: Ian Fleming; VÖ: 1958 )
    Gleich vorweg: Ich war von Dr. No begeistert. Ein spannender Pulp-Roman mit dezenten Science-Fiction-Elementen, in dem Fleming - wie schon in From Russia With Love - u. a. sein Talent zur Zeichnung denkwürdiger Bösewichter unter Beweis stellt. Dr. Julius No, wohnhaft auf Crab Key und umgeben von fleischfressenden Krabben, ist selbst eine bösartige Krabbe mit Metallscheren statt Händen. Sein Test von Bond's Willens- und WIderstandskraft in einem Todesparcour und Bond's minutiös-wissenschaftliche Beobachtung während seiner Tortur im Röhrenlabyrinth ist eine der besten Passagen des Buches.


    Ebenso gelungen sind auch andere Passagen, die Dr. No seine myteriös-märchenhafte Atmosphäre verleihen. Dazu gehören etwa Bond's Belehrung durch Honey über die Geheimnisse des Tierreichs oder die finale Zusammenkunft der beiden an einem Ort, dessen Ungewöhnlichkeit selbst einen weitgereisten Mann wie Bond tief beeindruckt zurückgelassen haben dürfte. In solchen Passagen zeigt sich, das Fleming einfach auch sehr gut zu schreiben verstand.


    Weiter geht's mit Goldfinger.

    Der Song, der von Honey Rider im Roman Dr. No am Strand gesungen und von Bond aufgenommen wird. Dort ist es nicht Underneath the Mango Tree, sondern Marion (auch: Mary Ann) von Roaring Lion.


    From Russia With Love
    (Roman; A: Ian Fleming; VÖ: 1957)


    Ein ungewöhnlicher Bondroman insofern, als dass Bond im ersten Drittel des Romans überhaupt nicht vorkommt. Diesen Teil verwendet Fleming nahezu ausschließlich auf die Einführung und Charakterisierung der drei SMERSH-Schurken Donovan Grant, Rosa Klebb und Kronsteen. Das hat den Nachteil, dass die eigentliche Geschichte etwas kurz und schnell abgehandelt wirkt. Andererseits zahlt sich die auf die Einführung des Schurkengespanns verwendete Sorgfalt und Ausgiebigkeit insofern aus, als dass Fleming hier die Schöpfung von wirklich eindrücklichen Charakteren gelungen ist, die dem Leser noch lange in Erinnerung bleiben dürften. Gleiches gilt auf Seite der Guten für Darko Kerim, dessen autobiographischer Abriss beim ersten Treffen mit Bond eines der Highlights des Romans ist.


    Das Ende (das den meisten Bond-Fans bekannt sein dürfte; ich hülle mich an dieser Stelle jedenfalls in Schweigen) lässt den Leser etwa baff zurück. Jetzt bin ich gespannt auf Fleming's nächsten Roman, Doctor No.

    Was für eine liebevoll begründete Bestenliste! Zu jedem erstmal die Pluspunkte!

    Danke! Ich kann jeder der bisherigen Bondinterpretationen positive Aspekte abgewinnen und möchte keinen der bisherigen Darsteller missen. Allenfalls schade finde ich, dass es der ein oder andere nicht geworden ist, den ich gerne als Bond gesehen hätte. Z. B. war damals, als es Craig wurde, Dougray Scott einer meiner großen Favoriten (bekannt als Schurke in Mission: Impossible 2).

    1. Sean Connery.
    Seine kraftvolle Alpha-Maskulinität bleibt unerreicht. Auch wenn im Grunde anders als der Fleming-Bond: Connery ist für mich nach wie vor der Beste.


    2. Daniel Craig.
    Ähnlich maskulin wie Connery, auch wenn er an letzteren nicht ganz heranreicht. Kann auch auflockernden Humor glaubwürdig vermitteln, wirkt mir andererseits in der ein oder anderen Szene zu verstockt. Ich freue mich jedenfalls auf seinen letzten Film - der hoffentlich besser wird als SPECTRE (nachdem ich die erste Staffel von True Detective gesehen habe, bin ich bzgl. des Regisseurs aber zuversichtlicher als bei Mendes und Boyle).


    3. Timothy Dalton.
    Großartige Originalstimme, kaltblütige professionelle Präsenz - Dalton ist ein toller Bond, der jedoch den Womanizer und Lebemann nicht so zu vermitteln versteht wie Connery und Craig.


    4. Pierce Brosnan.
    Im Grunde bringt Pierce Brosnan alles mit, was einen hervorragenden Bond-Darsteller auszeichnet - Athletik, Härte, Humor, Womanizerqualitäten. Irgendwie ist sein Potential in den Filmen aber ungenutzt geblieben. Seine beste Bond-Performance: The November Man. Und dann TND.


    5. Roger Moore.
    Ich mag Moore, liebe einige seiner Filme (OP, LALD, TMWTGG) und sehe ihn nach wie vor als den großen "klassischen" Bond neben Connery. Dennoch ist er mir ein wenig zu ironisch. Auch die Härte und die Killerqualitäten, die Bond m.E. auszeichnen sollten, konnte er selten glaubwürdig vermitteln.


    6. George Lazenby.
    Bei Kämpfen wirkt er sehr überzeugend (wer dauernd behauptet, Bond habe ab CR Jason Bourne kopiert, sollte sich die Faustkämpfe in OHMSS ansehen) - im Übrigen leider eher hölzern und ausdrucksarm.

    In mir ist der Gedanke gereift, die karge (Frei-)Zeit, die ich für fiktive Unterhaltung erübrigen kann, ganz James Bond zu widmen. So will ich insbesondere im Laufe der Zeit alle Romane aller Fleming-Nachfolgeautoren und die diversen James Bond-Comics lesen. Das Bond-Universum ist so vielfältig, dass es schade wäre, sich nur auf die Kinofilme zu konzentrieren.


    Da es für die Kinofilme bereits einen Resümee-Thread gibt, eröffne ich hiermit den Resümee-Thread für alles außer den Kinofilmen. Dazu gehören (nicht abschließend):


    - Romane und Kurzgeschichten (Fleming und nachfolgende Autoren sowie unauthorisierte Bondromane)
    - Comics
    - Sachbücher
    - Fernsehen (z.B. TV-Verfilmungen mit Bond-/Fleming-Bezug, die James Bond junior-Serie, etc.)
    - PC- und Konsolenspiele, Rollenspiele
    - Hörspiele
    - Musik aus dem Bonduniversum oder mit Bondbezug, die über die Filmsoundtracks hinausgeht
    ...

    Durch die freien Tage am Jahresende hab ich es mal hinbekommen, einen Beitrag zu zehn Jahre Quantum of Solace fertig zu machen, der schon ein paar Wochen als Entwurf herumgegammelt hat, und eigentlich ein bisschen eher erscheinen sollte. Würde mich über den einen oder anderen Leser freuen. :)


    Mir als Film Noir-Fan ist nach diesem Beitrag klarer geworden, warum QOS so hoch in meiner Gunst steht - es ist der Film Noir unter den Bondfilmen :thumbup:

    Ich habe hier gestern Abend mit Genuss einige TND-Renzensionen im Thread gelesen. Mit Genuss nicht deswegen, weil ich mit ihnen übereinstimmen würde - ich bin einer der wohl wenigen Fürsprecher des Films - sondern weil viele von ihnen so gut geschrieben sind und mir einige ganz neue Sichtweisen auf den Film eröffnet haben.Da will ich gar nicht mithalten wollen. Lediglich zur Ehrenrettung des Films seien ein paar kurze Punkte angeführt, die m. E. für ihn sprechen:


    - Brosnan hat seinen stärksten Auftritt als Bond. Wenn man sich "The November Man" anschaut, sieht man, was man aus Brosnan als Bond noch alles hätte rausholen können. In TND kommt er zumindest am dichtesten dran (v. a. in der Dr. Kaufmann-Szene).
    - David Arnold liefert seinen stärksten Soundtrack ab. Es stimmt, dass er das Bond-Thema hier sehr oft spielt. Dafür enthält der Soundtrack aber auch viele starke und bleibende Eigenkompositionen.
    - A propos Musik: Ich mag den melancholisch-rauchigen Titelsong, das fulminante "Surrender" sowieso.
    - Actionmäßig einer der besten Bondfilme und m. E. in dieser Hinsicht der beste Brosnan-Bond. Die häufige Kritik insbesondere an der Motorradverfolgungsjagd kann ich persönlich nicht nachvollziehen, sie gehört zu meinen liebsten Actionsequenzen bei Bond, ist einfalls- und abwechslungsreich. Und ja, ich begeistere mich auch für den Sprung über den Helikopter.
    - TND ist der bisher letzte Bondfilm, der ganz ohne den angestrengten "Tiefsinn" späterer Werke auskommt. In seinem Strickmuster ist er in positivem Sinne simpel, oder wohlklingender ausgedrückt: klassisch. Die Verwicklungen mit Paris beschränken sich auf das in Bond-Filmen übliche Opfer einer Nebenfigur auf der guten Seite. Ansonsten: Briefing von M - Erledigung des Auftrags - allein mit dem Mädchen - Ende (James Bond will return).
    TND ist bei mir stabil in der oberen Hälfte. Schade nur um den verschenkten Titel "Tomorrow Never Lies"... das wäre eine echte Bereicherung für den Bond-Titelkanon gewesen.

    Inspiriert von Dr. moVe's Liste und gerade in der Stimmung, in Erinnerungen an alte Bond-Tage zu schwelgen, eine Bestenliste nach Kategorien:


    Bondfilm: The Living Daylights
    Bonddarsteller: Sean Connery
    Bösewicht: Franz Sanchez (Robert Davi)
    Bondgirl: Kara Milovy (Maryam d‘Abo)
    Bondcar: Aston Martin V8 Vantage (The Living Daylights)
    Titelsong: You Know My Name (Chris Cornell)
    Soundtrack: The Living Daylights (John Barry)
    Henchperson: Necros (Andreas Wisniewski)
    Pre-Title-Sequence: The Living Daylights
    Title-Sequence: Casino Royale (Daniel Kleinman)
    Location: Udaipur (Octopussy)
    Fight-Sequence: Bond vs. Necros (The Living Daylights)
    Action-Sequence: Truck Chase (Licence To Kill)
    Game-Sequence: No Limit Texas Hold’em Poker (Casino Royale)



    Macht schlappe sieben von 14 Kategorien für den Über-Bond TLD...

    Tomb Raider (R: Roar Uthaug; 2018 )


    Ähnlich wie die Batman- und James-Bond-Filmreihen wurde auch die Tomb-Raider-Videospielreihe mit einem Beitrag neu gebootet, der durch einen neuen und ernsthafteren Stil (härterer Gangart) gekennzeichnet war und die Anfänge der Hauptfigur erzählte. Dies geschah im Jahr 2013 mit dem schlicht "Tomb Raider" genannten Titel, an den der Nachfolger "Rise of the Tomb Raider" im Jahr 2015 anknüpfte.


    Während die beiden Verfilmungen mit Angelina Jolie Anfang der 2000er Jahre lange vor dieser stilistischen Neuerfindung der Videospielreihe entstanden und das für Videospielverfilmungen häufige mittelmäßige Niveau aufweisen, basiert der aktuelle Film mit der neuen Hauptdarstellerin Alicia Vikander wesentlich auf dem Videospiel-Reboot von 2013. Entsprechend ernsthafter ist bei dieser filmischen Umsetzung auch das Bemühen, eine spannende Story mit guter und glaubhafter Action zu erzählen.


    Und genau das gelingt dem Film! Ich war richtig begeistert, dass das Ende - ohne zuviel zu verraten - auf eine filmische Fortsetzung oder sogar eine Filmreihe deutet. Uneingeschränkte Empfehlung für alle, die Abenteuerfilme mit der Jagd nach mystischen Artefakten mögen... und definitiv besser als Indiana Jones 4.


    Blade Runner - Final Cut (R: Ridley Scott; 1982)


    Ich habe eine große Schwäche für Cybernoir und Blade Runner dürfte dieses Genre in filmischer Hinsicht - gemeinsam mit dem anderen großen Cybernoir-Klassiker der ersten Hälfte der 80er Jahre, Terminator - definiert haben. Insgesamt natürlich ein guter Film, weswegen ich auch mit seinen Schwächen beginnen will, um mit den Stärken schließen zu können.


    Zunächst einmal: Harrison Ford ist eigentlich kein übermäßig begabter Schauspieler und hier sieht man es ziemlich deutlich. Sein Gesichtsausdruck wechselt die meiste Zeit zwischen einem verknautschten Grinsen und ungläubig-kindlichem Blick, ohne dass etwas davon sonderlich überzeugend wirken würde. Nicht einmal ein Gähnen im Aufzug gelingt im glaubhaft. Auch von den übrigen Schauspielern liefert allenfalls Rutger Hauer eine wirklich beeindruckende Performance ab.


    Der ganze erzählerische Komplex um J. F. Sebastian hat mich persönlich immer gelangweilt, wohl weil ich diesen Techniker mit seinem selbst erschaffenen Puppenkabinett auf eine unangenehme Weise als merkwürdig empfinde. Hier geht mir auch die Szenerie zu sehr ins Disney- und zuckerkuchenhafte, was einen unpassenden Kontrast zu der im übrigen vorherrschenden Noir-Atmosphäre des Films darstellt.


    Letztere - die (Cyber-)Noir-Atmosphäre - ist die große Stärke des Films. Das Setdesign ist eine Augenweide, eine faszinierende Mischung aus futuristischen Elementen und - so zumindest mein rein subjektiver und von keinem Fachwissen gestützter Eindruck - der Architektur altertümlicher Tempelanlagen und Totenstätten. Besonders beeindruckend finde ich Decker's Apartment, das mich an eine Pyramidenkammer erinnert, zugleich aber so gestaltet ist, wie man es in einer dystopischen Zukunft wohl von einem städtischen Apartment erwarten würde. Diffus im Hintergrund auf- und abblendende Licher sorgen in vielen Momenten für eine perfekt zur Filmstimmung passende Ausleuchtung der Szenerie.


    Überhaupt braucht sich ein Noir-Fan nicht zu beklagen: Die Elemente - ein heruntergekommener Detektiv, eine Femme Fatale, rätselhafte Dialoge - sind alle da, perfekt ausgeführt und passen stimmig zusammen. Apropos rätselhafte Dialoge: Ob sich Skyfall vom Voight-Kampff-Test hat inspirieren lassen?


    Jetzt bin ich wirklich gespannt auf Blade Runner 2049, den ich noch nicht gesehen und mir bestellt habe.

    Taken 3 (R: Olivier Megaton; 2014)


    Mit der Taken-Reihe ist es ein bisschen wie mit der Matrix-Trilogie: Während der erste Teil großartig ist, fallen Teil 2 und 3 so stark ab, dass man kaum glauben kann, dass die Filme zum selben Franchise gehören. Teil 3 hat mir aber immer noch besser gefallen als der wirklich grottige zweite. Dougray Scott, den ich mir seinerzeit sehr gut als Bond hätte vorstellen können, hat einen Auftritt als Unsympath. Liam Neeson ist souverän wie immer, kann aber an dem schwachen Skript und der schwachen Action trotz seines "very particular set of skills" auch nichts ändern. Eigentliches Highlight des Films ist Forest Whitaker als der ermittlungsleitende Polizist, ein ebenso individueller wie brillanter Charakter.