Ich habe grad Bruce Dickinsons Autobiografie "What does this button do?". Ich muss sagen, dass mich das Ganze etwas ratlos zurück lässt. Unterhaltsam und kurzweilig zu lesen ist es zwar. Meistens jedenfalls, denn einige Langatmigkeiten gibt es schon. Aber auch hier lässt er vieles offen. Insgesamt habe ich so nach der Lektüre das Gefühl, als hätte ich ein Buch gelesen, bei dem jeden zweite Kapitel fehlt. Als positiv bewerte ich zudem, dass er uns irgendwelche "Ich bin der Geilste"-Groupie-Exzess-Storys und dergleichen erspart. Aber sonst: Vieles - was mich jetzt noch interessiert hätte - ist sehr Bruchstückhaft und im Eiltempo geschildert. So ist es mir nach wie vor nicht klar, was wirklich(!) die Gründe für seinen Ausstieg bei Iron Maiden 1993 waren. Er macht zwar ein paar Andeutungen, aber hier hätte ich mir doch Konkreteres gewünscht. Und das zieht sich durch: Immer, wenn es interessant wird, kommt ein Schnitt und es geht zum nächsten - oft weniger interessanten - Thema. Andere Dinge wiederum wie die Fliegerei oder das Fechten werden doch seeeeeehr ausgiebig geschildert. Keine Einwände, dass Bruce über seine Hobbies und seine Leidenschaften schreibt. Grad das mit dem Fliegen hat ja durchaus spannende Aspekte. Aber bei einem Rockstar würde mich doch Anderes (noch) mehr interessieren. Apropos Leidenschaft: Vieles was mit der Musik zu tun hat, mit seinem Job als Sänger, mit Konzerten, Arbeiten im Studio beschreibt er - wenn überhaupt - geradezu emotionslos. Als wäre es irgendein Job als Buchhalter oder so: Nicht der Rede wert - man macht es halt, um Geld zu verdienen. Auch scheint sein Verhältnis zu seinen Band-Kollegen eher distanziert bis desinteressiert zu sein. Jedenfalls gibt's zu diesem Thema kaum mehr als ein paar Zeilen im ganzen Buch. Über "Familiäres" und Beziehungen schreibt er schon mal gar nichts (was im Nachwort als bewusster Entscheid festgehalten ist). Zumindest ein paar Worte dazu wären aber zur Einordnung trotzdem hilfreich gewesen, denn es ist ja schliesslich eine Autobiografie. Umso erstaunlicher, dass er dennoch recht ausführlich und ehrlich über das angespannte Verhältnis zu seinem Vater schreibt.
Auf der Habenseite steht dafür sein Bericht über ein Konzert (und den wahrlich lebensgefährlichen Weg dorthin), das er 1994 während der Belagerung in Sarajevo gegeben hat. Respekt! Und dann der Kampf gegen seinen Zungenkrebs. Selbst zum Lesen schmerzhaft, aber solch ehrliche Einblicke hätte ich mir öfters gewünscht. Auch Bruce' professionelle Einstellung zu seiner Tätigkeit als Sänger beeindruckt. Er weiss, dass er Talent hat, dass es aber auch harte Arbeit ist, Disziplin und viel "Training" bedeutet, seine Stimme immer auf allerhöchstem Niveau zu halten. Das hört man ja auch beider jeder seiner Aufnahmen, bei jeder seiner Live-Performances. Würde man hingegen nur seine Autobiografie kennen, würde man wohl nicht mal erahnen, welch grossartiger und professioneller Sänger er ist.