Nun auch zur klassischen Ära: Maurice Binder und zweimal Robert Brownjohn...
1. Goldfinger - Unvergessen: Gert Fröbe in der gespreizten Hand,
Connery mit Martini im Goldprofil, ein Dekolleté als Golfloch und 007
wechselndes Nummernschild, welches dem Goldmädchen sinnbildlich den Mund
versiegelt - das Golden Girl als Projektionsfläche mit dem kalten
Finger des Midas Touch (Robert Brownjohn)
2. Thunderball - Meeresblau, Körper, Tauchflossen, Harpunen,
Wasserblasen: Atomare Angst in der Tiefsee - Ikonischer Titel, der
kaum Wünsche offenlässt und folglich vom Meister auch oft selbst kopiert werden
sollte
3. Moonraker - Wunderschöne Übergänge vom Fallnetz bis zum
fernen Trabanten. Augenmotive, Discokugeln, Erdglobus und
Sternenhimmel stilvoll in kühl-blaues Mondlicht und Nebelschwaden
getaucht. Besondere Bonmots: Scherenschnitt-Sirenen, die mit 1970er-Jahre-Mustern überblendet werden sowie ausgestreckte lineare
Frauenkörper als durch die Atmosphäre schießende Shuttles
4. A View To A Kill - Fraglos Binders bestes Spätwerk:
Leuchtende Neon-Schminke, lumineszierende Effekte, wahlweise
raureifige und glimmende Pistolen, die die Kredits ins Bild schießen,
Laserlicht, Fadenkreuze, Stop Motion-Choreografien, ikonische
Flammenfrauen mit wehenden Schals, Ski-Ladys mit flatternden Bändern,
Frostfrauen, Eisköpfe sowie sich unter Feuereifer spiegelnde und
ineinanderfließende Tänzerinnen – einfach ganz generell der
Kontrast zwischen warmen und kalten Farbtönen. Highlight: Der Effekt, wenn Toni White im Intro ihre Schneejacke öffnet und sich organisch das
007-Logo 'entblättert'
5. You Only Live Twice - Fernöstliches Feuer durchfließt einen
Reigen aus asiatischen Schönheiten und Traditionen: Verwunschene
Vulkane ergießen sich in Lavaströmen – ein rundum gelungener
fantastischer Fiebertraum
6. From Russia With Love - Ein Klassiker: Bond und Bodys vereinen
ekstatischen Tanz und orientalische Rhythmen des Balkans – verspielt-flirrender waren die Kredit-Schriften nie auf der Leinwand
zu sehen (Robert Brownjohn)
7. On
Her Majesty's Secret Service
- Sanduhren, Ziffernblätter, Zeitraffer: Bonds Bilanz
der Sixties mit Heroinen und Heraldik – superb serviert und mit
neuen Einfällen garniert, in Farben und Stil phasenweise bereits
Thunderball zitierend
8. Live And Let Die - Fackeln, Frauen, Totenköpfe: Zwischen
grelle Farbfächer, glühende Schädel und aufgerissene Augen mischen
sich bekannte Elemente wie die Scherenschnitt-Frauen und die sich eindrehend materialisierenden Kredits
9. Diamonds Are Forever - Zu einer enorm einladenden
Juvelier-Auslage gruppieren sich Diamanten, Colliers,
Edelsteinsilhouetten, Perserkatzen, funkelnde Finger und Figuren
sowie die aparte Melita Clarke – sehr schön arrangiert, aber in der
zweiten Hälfte erkennbar deutlicher zwischen Selbstzitaten und
Redundanzen mäandernd
10. For Your Eyes Only - Es dominieren aufsteigende, blubbernde
Blasen und erstmals die Sängerin mit ihrer Leinwandpräsenz, hüllenlos mit
verführerisch rotem Mund inbrünstig und atemlos in die Wellen gleitend – wiederkehrende
Motive: Roger Moore im Bild, Bond- und Pistolen-Silhouetten und die
altbekannten Scherenschnitt-Damen; besonders bemerkenswert: Sheena
Eastons Gesicht spiegelt sich wie bei einem Bullaugen-Ausblick ala Dr. No oder Stromberg in der
Unterwasserfauna
11. Doctor No - Flimmernde Leuchtreklamen und Neon-Girls begründen
den Mix aus Detektivfilm und Science-Fiction der Swinging Sixties:
Simpel und schlicht, aber dennoch pionierhaft wegweisend
12. The Spy Who Loved Me - Union Jack, Walther PPKs,
Gymnastik-Girls, fahle Standbilder, Nebelscheinwerfer und Ladykiller
Moore, der einen Trupp Sowjet-Soldatinnen mit seinem Charme umwirft –
ganz gut, aber am Ende nur Mittelmaß; hier wurde die Tradition der Einbindung des Darstellers in die Titel begründet (insbesondere: Moore & Craig),
die mir nie so sonderlich gefiel (außer in Die Another Day, da machte
es für die Erzählung auch Sinn)
13. Octopussy - Binders sich gefühlt ewig faltende Frauenhände
eröffnen den Blick auf allerlei Altbekanntes: Bond-Silhouette,
Octopussy und 007-Logo als glutrotes Leuchtmotiv auf kühlen
Frauenkörpern, umher schwirrende Scherenschnitt-Figuren, Farbspiralen
und orientalische Schönheiten – erweckt in der zweiten Hälfte mit
Rotlicht werfenden Pistolen und einer frontalen, barbusigen Bondine
in Großaufnahme leider einen leichten Softporno-Eindruck; sehr
schöne Idee: Roger Moore, der im Stil einer indischen Gottheit
nacheinander von bewaffneten Frauenarmen umschlungen wird
14. Licence To Kill - Frauenhände, 007-Logo, Standbilder, Walter
PPKs, Pistolenläufe, Blauer Dunst, wabernde weibliche Silhouetten,
Scherenschnitt-Damen, Fadenkreuze – alles schon oft gesehen und
entsprechend abgegriffen, zudem in der zweiten Hälfte leider zunehmend belanglos werdend; positiv dagegen: Roulette- und
Casinotische, Spielchips, die Fotostrecken, die beweglichen
Leuchtdias und die flatternden Farbspringerinnen. Kleiner Lichtblick:
Dynamischer Ein- und Ausstieg durch die Foto-Linse
15. The Living Daylights – Auf der Habenseite stehen der
dynamisch-schöne Auftakt mit den Schüssen, der gut zum
professionellen Dalton-Bond passt, sowie Catrina Skepper als kühle
Schönheit, wahlweise im Sektglas oder mit stylischer Sonnenbrille –
nach dem wundervollen Übergang mit Skeppers leuchtenden
Silhouetten-Gläsern wird es leider etwas sehr beliebig:
Auto-Scheinwerfer, Scherenschnitt- und Neon-Girls und zitternde
Wasserkörper; Tiefpunkte: der altbacken ballernde Revolver und die
leider auch ein wenig in der Art eines Softpornos umschäumte 'Nymphe'. Ob man die schlüpfrige, wohl 'zu schlürfende' B(l)ondine aus dem prickelnden Glas heute auch noch ohne einen medialen Sturm der Entrüstung bringen könnte…?
16. The Man With The Golden Gun - Asiatische Schönheiten und
Goldener Colt in bebenden Wasserkreisen, sprühenden Funken und
wabernden Farben leider etwas uninspiriert und halbgar geraten; die
Schriften überdies abermals etwas eintönig und einfallslos in der derselben
Art wie in Thunderball und Live And Let Die gestaltet