Posts by Scarpine

    Was mir aber aufgefallen ist (und nicht das erste Mal): LALD verfügt eigentlich über keinen "richtigen" Score oder zumindest über keinen Score, der nennenswert im Film vorkommt. Der Titelsong gehört zwar für mich mit zu den Besten, aber sonst ist da nicht viel.

    Prinzipiell mag ich George Martins Arbeit, aber ich verstehe, was du meinst. Ich besitze das ausführliche Soundtrack-Album. Und da muss man sagen: Der Score hat schöne Momente, aber er wirkt sehr im Hintergrund (und fast nicht ohne den Film). Da ist ein Track wie "Baron Samedi's Dance of Death" schon ein atmosphärischer Ausreißer. Der Sound ist häufig a-typisch, wie überhaupt der ganze Film. Gegenüber den anderen Alben der Serie fällt der Score, was die Wiederhörbarkeit angeht, schon ziemlich ab. Da finde ich komischerweise andere Gastspiele wie die von Marvin Hamlisch, Bill Conti oder Michael Kamen insgesamt stärker. Von John Barry oder David Arnold ganz zu schweigen. Letztendlich kam Martin wohl durch Paul McCartney an Bord. Andererseits schätze ich sehr, dass man mit Roger Moore als neuem Bond viel Neues wagte: Kein Barry, Bassey, Adam oder Maibaum und obendrein keine Casino-Szene und kein Aston Martin. Vielleicht sollte Denis Villeneuve bei Bond 26 mal ähnlich wagemutig sein und sich von der letzten 007-Ära deutlich abgrenzen.

    GF oder selbst TSWLM sind für die heutige Generation so was wie für die meisten von uns (auch für Dich, der Du 10 Jahre jünger als viele hier, aber auf sympathischste Weise nicht repräsentativ für Deine Altersgenossen bist – und selbst wenn, wäre das Phänomen nur um 10 Jahre verschoben) wie ein Clark-Gable-Abenteuerfilm aus den 30ern: hat seine Fans, lockt aber keine Heerscharen mehr vor den Bildschirm oder gar ins Kino. [...] Die von uns Verbliebenen heißgeliebte Phase bis 1989 ist kein Massenphänomen mehr und wird es nie mehr werden.

    So weit liegen wir gar nicht auseinander. Dass ich in meiner Generation (geb. 1980-1995) eher die Ausnahme bin, sehe ich übrigens genauso. Auch wenn ich weitere nicht-repräsentative Personen kenne. Aber das ist fraglos die vernachlässigbare Minderheit. Was ich eigentlich betonen wollte, war: Wenn ich Fan von etwas werde, ist es egal, wo ich einsteige und wie lange die Historie zurückreicht. Dann möchte ich mir alles ansehen. Doctor No genauso wie die Original Star Trek-Serie. Das ist der Inbegriff des Fan-Seins; nicht dass man alles gleichermaßen wertschätzt, aber dass man zumindest alles kennt. Craig mag die Referenz sein, aber man ist doch auch neugierig auf das, was davor war. Worum es ja eigentlich ging: Wieso generiert Bond kaum noch Fans? Und das kann ja nicht daran liegen, dass die Serie schon so alt ist. Das betrifft andere Marken ja auch.


    007 hat meines Erachtens zwei Achillesfersen: Die eine ist der Wandel des multimedialen Konsums an sich. Bond ist und war klassische Unterhaltung in 120 Minuten im Medium des Films. Das ist sein Korsett. Funktioniert er anders? Man weiß es nicht. Man hat es nie probiert. Vermutlich nicht. Andere Franchise sind oder können flexibler sein (Star Trek, Star Wars, Marvel etc.). Heute haben wir den Siegeszug der Serien-Formate hinter uns, die den klassischen Film eigentlich an die Wand drängt. Man schaut Folge für Folge. Wann man will. Wo man will. In Endlosschleife. Weil es ja so komplex ist und man so viel zu erzählen hat. Man steigt ein, wo man möchte. Schaut, bricht ab, fängt wieder an. Wie ein TikTok-Stakkato. Viele bringen gar nicht die Aufmerksamkeit für 120 Minuten am Stück auf, weil es nicht mehr den heutigen Sehgewohnheiten entspricht. Aber das ist Bond. Er ist gefangen in den Rahmenbedingungen von vorgestern. Und: Durch die diversen Serien-, Action-, und sonstigen Blockbuster-Formate in einer immer multipolareren Medienwelt wird eine einzelne Marke, auch wenn sie mal groß war, immer redundanter und bedeutungsloser. Früher war Bond ein prachtvoller Fisch im überschaubaren Teich, heute ist er nur noch ein großer Fisch im weiten Meer.


    Das zweite Problem für 007 ist sein ureigener Wirkungsraum: Das Kino. Das Kino ist in der heutigen Medienwelt ein einziger Anachronismus. Weil man öffentlich konsumiert. Mit alter Technik. Mit anderen. Nicht privat. Ohne digitales Endgerät (so man kann...). Man lässt sich zwei Stunden oder mehr den Medienkonsum diktieren und bestimmt ihn nicht mehr selbst. Wenn man realistisch ist, wird das keine Zukunft haben. Die heutigen Generationen werden anders geprägt. Das Kino verhält sich zur heutigen Medienwelt wie vielleicht zuvor sonst nur die Malerei zur Fotografie. Sie ist bestenfalls noch ein luxuriöses Kunstmedium, aber keines mehr, das für Unterhaltung oder zur Abbildung der Welt benötigt wird. Das Kino war aber seit jeher der Missionsort für Bond. Hier lud die ikonische Pistolenlaufsequenz zu Superlativen im 120 Minuten-Format ein. Aber - wie Feirefiz es schon sagte - die Glanztaten unseres Helden liegen lange zurück. Es waren die 1960er- und 1970er-Jahre als 007 noch Maßstäbe setzte und die Zuschauer elektrisierte. Von diesem Mythos zehrt die Reihe - wenn man ehrlich ist - bis heute und die Wirkmacht lässt spürbar nach. Schon ab den 1980er-Jahren setzte Bond keine Standards mehr, sondern schwamm nur noch - wenn auch meist auf souveränem Niveau - mit dem Strom.


    Insofern hast du durchaus einen Punkt, Feirefiz. In den 1990er-Jahren konnte eine mythische Figur mit ihrem 1960er- und 1970er-Glanz noch punkten. Heute - 30 Jahre später - verblasst ein Held zusehends, den man nur noch im Muff des modrigen Kinosessels alle Jubeljahre mal erleben kann...

    Warum sollte es irgendeinen Produzenten interessieren, früher, jetzt oder in Zukunft was nicht einmal 0,1% der Zielgruppe für eine Meinung hat?

    Sollte es auch nicht. Und das hat es und wird es auch nie. Es ging nur um die Bond-Müdigkeit, die weite Teile des Fandoms erfasst hat. Und es ist wohl ein Generationen-Konflikt, wie Feirefiz es andeutete. Aber das betrifft auch mich und ich würde mich noch zu der jüngeren Garde zählen (Unter 40). Die breite Masse ist da ohnehin anders. Die freut sich offenbar und giert nach einem neuen Bondfilm. Kurios ist nur, dass seit Casino Royale und damit seit 20 Jahren (!) quasi keine neuen Fans mehr in die Fan-Blase gespült wurden. Und das war früher anders und hat auch immer wieder Leben in die Fankultur gebracht sowie Diskussionen angestoßen.

    Feirefiz meinte auch, dass Jüngere keinen Bezug zum älteren Bond entwickeln würden, weil ein Film wie Goldfinger über 60 Jahre alt sei. Aber stimmt das? Ich verstehe das Argument, auch mit den zeitlichen Abständen (Metropolis). Seinerzeit bin ich mit Brosnan eingestiegen. Da hätte ich die Connery- und Moore-Streifen auch für altmodischen Plunder halten müssen. Wenn jemand heute Star Wars für sich entdeckt, sagt die Person doch auch nicht: Diese prähistorischen Filme von 1977-1983 schaue ich mir erst gar nicht mehr an. Es muss folglich andere Gründe haben, weshalb 007 sein 'Mojo' bei der Jugend verloren hat.

    Was Jeff Bezos' Marketing-Team in naher Zukunft erschaffen wird? Um mit Rhett Butler zu sprechen: "Frankly my dear, I don't give a damn!"

    Wie im anderen Thema angekündigt, hier ein paar Zeilen dazu.


    Mir geht es da ähnlich. Und in Fankreisen ist nach meinem Empfinden kaum mehr was los. Das verläuft sich zusehends. Und 007 ist auch bei mir nicht mehr sonderlich präsent. Zumindest filmisch. Aktuell höre ich wieder die Scores und habe große Freude daran. Aber ansonsten widme ich mich vermehrt anderen Themen (siehe "Hermann"), die mich begeistern (Romane, Comics etc.).


    Wie es mit Bond weitergeht? Es ist mir ehrlich gesagt ziemlich gleichgültig. Der Schnitt von der Eon- zur Amazon-Ära ist ein harter und irgendwie hat man mit der Serie in der Form, in der sie jetzt besteht, abgeschlossen. Auch hier kann ich den Jubilar vom 21. März für Bonds momentane Situation nochmals zitieren: "Er ist an einem toten Punkt angelangt."


    Kurioserweise ist mir in letzter Zeit einmal mehr aufgegangen, wie unwichtig wir Fans eigentlich für die Serie und ihren Erfolg waren und sind. Als "Bond-Experte" werde ich von meinem Umfeld erstaunlich regelmäßig gefragt: "Wer wird denn der neue Bond?", "Wann wird es verkündet?", "Wie geht es weiter?" und "Gibt es schon News zum nächsten Film?"


    Tatsächlich sind viele Fans ebenso 'bondmüde' wie ich. Aber die große Masse giert nach einem neuen Bondfilm. Nach einem neuen Darsteller. Das Interesse der allgemeinen Kinogänger und Konsumenten an 007 ist immer noch sehr groß. Zumindest sie sollten Amazon und Denis Villeneuve nicht enttäuschen...

    Schuldig im Sinne der Anklage...


    Das Fandom verläuft sich zusehends. Das ist der Lauf der Welt. Dazu im anderen Thread mehr.


    Alles Gute nachträglich an den guten Timothy! Er war ja lange Zeit mein absoluter Lieblings-Bond. Trotz seiner 80 Jahre wirkt er noch fit und ist gut im Geschäft. Und man wünscht ihm, dass es für ihn bei guter Gesundheit so weitergeht.


    Vielleicht wäre das mal Anlass für einen kleinen Dalton-Marathon. Bei zwei Bondfilmen vom Aufwand her auch keine große Sache. Ich hätte wieder Lust auf die beiden Beiträge '87 und '89...

    Anläßlich des Todes des belgischen Comic-Künstlers Hermann Huppen (1938-2026) am 22. März ein kleiner Essay von mir, dem wohl eine unregelmäßige Werkschau folgen wird. Daran wollte ich mich eigentlich schon lange einmal wagen...

    Der akribische Arbeiter aus den Ardennen

    Le sanglier est mort. Vergangenen Sonntag ist der belgische Comic-Zeichner Hermann Huppen im Alter von 87 Jahren verstorben. Für einen Spätgeborenen war Hermann – wie der Künstler sich verkürzt nannte – immer da und es schien in Anbetracht seiner unermüdlichen Schaffenskraft, jemand wie er könne ewig leben. Mit diesem Talent, dieser Produktivität, diesem Streben. Und er bleibt lebendig. In all den Lesern, in all den Schülern, die sein mehrere tausend Seiten umfassendes Oeuvre aus sieben Jahrzehnten fesselt und anspornt. François Truffaut brachte es einmal so treffend auf den Punkt: Der Mann ist tot, aber der Autor lebt.


    Als studierter Möbeldesigner und Innenarchitekt veröffentlichte Hermann Huppen 1965 erstmals eine Comic-Geschichte in der Zeitschrift "Spirou". Michel Régnier alias Greg (1931–1999), der damalige Redakteur des "Tintin"-Magazins und einer der führenden Persönlichkeiten der franko-belgischen Comicszene, war von den Fähigkeiten des Neulings überzeugt und kreierte mit ihm ab 1966 die Abenteuer-Serie "Andy Morgan" (im Original: "Bernard Prince"). 1969 folgte mit "Comanche" eine Western-Reihe, die nach "Lucky Luke" und "Leutnant Blueberry" zu einem der berühmtesten Genre-Vertreter avancierte. Beide Serien begründeten Hermanns Ruhm. In den 1970er-Jahren wurde die späteren Alben als Fortsetzungsgeschichten hierzulande im legendären "ZACK"-Heft abgedruckt. Eine Tradition, die mit der Wiederbelebung des Jugend-Magazins ab 1999 fortgeführt wurde.


    Die zeichnerische Entwicklung des Belgiers vollzog sich rasant. Als erster Höhepunkt seines graphischen Stils gelten die beiden "Comanche"-Bände "Die Wölfe von Wyoming" (1974) und "Roter Himmel über Laramie" (1975) mit ihrer für den franko-belgischen Markt dieser Zeit ungewöhnlich klaustrophobischen Stimmung. Vorboten des stetig experimentierenden und sich zunehmend emanzipierenden Künstlers Hermann. Ab 1979 zeichnete er "Jeremiah"– eine Science-Fiction-Dystopie nach eigenem Szenario. Letztlich ein neuer "Wilder Westen" in einem Amerika nach einem Bürgerkrieg. Es wurde seine langlebigste Serie, in der mit all ihrer Archaik und Anarchie am meisten von ihm steckte. Hierhin kehrte er immer wieder zurück, um die Absurditäten der menschlichen Zivilisation und unserer Gegenwart zu verarbeiten.


    Hermann, der im heimischen Brüsseler Atelier und seinem Sommerhaus in Saint-Bonnet-de-Bellac beinahe manisch vor sich hin zeichnete. Siebzig Stunden pro Woche, zwei Alben pro Jahr, sechzig Jahre lang. War er ein Getriebener? Vielleicht – doch zumindest ein unermüdlicher Arbeiter im Dienste der neunten Kunst. Die Attitüden eines Künstlers waren Hermann, der sich selbst oft schelmisch als das "Wildschwein aus den Ardennen" bezeichnete, fremd. Seine Passion galt der Zeichnung, seine Mission dem Erzählen von Geschichten. Vom ersten bis zum letzten Panel. Ein Provokateur war der Belgier eigentlich nur auf dem Papier. Auf Comicmessen und bei Signierstunden erschien er nahbar, uneitel und umgänglich. Privat frönte Hermann dem Fahrradfahren. Sein Rennrad war sein steter Begleiter. Die schweißtreibenden Stunden im Sattel waren ein willkommener Ausgleich zur Akribie am Zeichentisch.


    Ging es um seine Arbeit wurde er hingegen zum "Eber". Er hielt sich selbst für "politisch nicht korrekt" und meinte schon vor 25 Jahren: "Ich habe den Glauben aufgeben, dass die Menschheit sich jemals bessern wird." Zumindest für franko-belgische Comicverhältnisse sorgte Hermann für Skandale: In "Comanche" richtet der Protagonist Red Dust in beklemmenden Bildern einen wehrlosen Mörder. Und Kurdy Malloy, der Sidekick des Titelhelden "Jeremiah", erschießt kurzerhand einen vorgeblich resozialisierten Täter, der kaum wieder in Freiheit ungerührt weitermachte, und seinen Therapeuten gleich mit. In diesen Momenten wird der kompromisslose und streitbare Künstler Hermann sichtbar.


    Aus seinem Werk spricht mit einem existenzialistischen Blick bisweilen ein gewisser Nihilismus und Zynismus. Vom Mittelalter über den Wilden Westen bis in die dystopische Zukunft herrschen Rauheit und Gewalt. Ein Potpourri menschlicher Schwächen und Abgründe entfaltet sich beim Blättern durch seine rund 120 Alben. Und doch war der Belgier tief in seinem Innern am Ende wohl kein völliger Pessimist. Auf seinen Comicseiten entstanden ganz neue Welten, in denen man sich ob der klaren Linien und harmonischen Töne verlieren kann. Hart war Hermann vor allem gegen seine Figuren, die im kantigen Strich die Allgegenwart menschlicher Agonie auszudrücken scheinen; geradezu schwelgerisch sachte dagegen bei der Umwelt, der Flora und Fauna in all ihren Formen und Farben.


    Überhaupt war die Natur das kennzeichnende Element in seinem Werk. Auf sie stürzte sich Hermann mit besonderem Eifer, sie schuf er auf Aquarellpapier beständig und besonders feinfühlig neu. Und die Natur wurde häufig zum heimlichen Hauptakteur seiner Geschichten, die mit all ihrer Schönheit und Schrecklichkeit die Protagonisten nicht selten vor größere Herausforderungen stellte als jeder menschliche Antagonist. Über die Jahre hat der Belgier seinen Stil immer wieder angepasst und perfektioniert. Von der Feder, über den Radiographen bis zur Direktkolorierung, bei der getuschte Linien ganz dem filigranen Strich des Pinsels wichen.


    Eine Leistung, die auch Nichtkenner des Werks des Könners aus Bévercé (Malmedy) anerkannten. Als 1998 in Gießen im sechzigsten Lebensjahr eine Ausstellung unter dem Titel "Diesseits der Horizonte" sein bisheriges Schaffen ausgiebig würdigte, staunte das Publikum angesichts der graphischen Qualität des Wahl-Brüsselers teils nicht schlecht: "Diese Comics zeichnet ja ein richtiger Künstler." Im Laufe seiner langen Karriere erhielt Hermann viele Preise und Ehrungen wie den Grand Prix Saint-Michel, den Grand Prix de la Ville d’Angoulême und den Ordre des Arts et des Lettres.


    Auch als Autor ging er stets neue Wege. Ende der 1970er-Jahre löste sich Hermann von Greg als Szenarist und gab seine Erfolgsserien "Andy Morgan" (1979) und "Comanche" (1982) nacheinander ab. Mit der Endzeit-Reihe "Jeremiah" und der Mittelalter-Saga "Die Türme von Bois-Maury" etablierte er seine eigenen Marken. Zwischendurch kreierte der Zeichner abgeschlossene Alben von denen einige, insbesondere jene aus der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre wie etwa "Sarajevo Tango", "Caatinga" und "Der Tod von Wild Bill" qualitativ zu den formvollendetsten seines Oeuvres gehören. In der Spätphase seiner Karriere arbeitete Hermann vorwiegend mit seinem Sohn Yves Huppen alias Yves H. zusammen. Mit ihm als Ideengeber schuf er eine amerikanische Trilogie, diverse Einzelbände und seine letzte große Serie "Duke", einen weiteren Western. "Cartagena" – das letzte gemeinsame Opus des Vater-Sohn-Gespanns wird im April erscheinen.


    In den letzten zwei Jahren seines Lebens war der Maestro, wie Freunde ihn häufig nannten, schwer an Krebs erkrankt und zeichnete dennoch beharrlich weiter. Das jeden Tag aufs Neue stundenlange Vertiefen in die jeweilige Seite des aktuellen Werkes war ihm weniger Beruf als Berufung. An Ruhestand dachte Hermann nie. Das Ende seiner Arbeit hätte für ihn den Tod bedeutet. So konnte ihn dieser nur zwischendurch ereilen. Mitten in der Entstehung eines neuen "Jeremiah"-Albums, dessen erste Seite der belgische Comic-Pionier in der für ihn typischen Beharrlichkeit noch vollenden konnte. Darin liegt die Stärke von Hermann Huppens Werk. Er hat nicht nur die Kunst, er hat das Leben veredelt.

    Nun auch zur klassischen Ära: Maurice Binder und zweimal Robert Brownjohn...


    1. Goldfinger - Unvergessen: Gert Fröbe in der gespreizten Hand, Connery mit Martini im Goldprofil, ein Dekolleté als Golfloch und 007 wechselndes Nummernschild, welches dem Goldmädchen sinnbildlich den Mund versiegelt - das Golden Girl als Projektionsfläche mit dem kalten Finger des Midas Touch (Robert Brownjohn)

    2. Thunderball - Meeresblau, Körper, Tauchflossen, Harpunen, Wasserblasen: Atomare Angst in der Tiefsee - Ikonischer Titel, der kaum Wünsche offenlässt und folglich vom Meister auch oft selbst kopiert werden sollte

    3. Moonraker - Wunderschöne Übergänge vom Fallnetz bis zum fernen Trabanten. Augenmotive, Discokugeln, Erdglobus und Sternenhimmel stilvoll in kühl-blaues Mondlicht und Nebelschwaden getaucht. Besondere Bonmots: Scherenschnitt-Sirenen, die mit 1970er-Jahre-Mustern überblendet werden sowie ausgestreckte lineare Frauenkörper als durch die Atmosphäre schießende Shuttles

    4. A View To A Kill - Fraglos Binders bestes Spätwerk: Leuchtende Neon-Schminke, lumineszierende Effekte, wahlweise raureifige und glimmende Pistolen, die die Kredits ins Bild schießen, Laserlicht, Fadenkreuze, Stop Motion-Choreografien, ikonische Flammenfrauen mit wehenden Schals, Ski-Ladys mit flatternden Bändern, Frostfrauen, Eisköpfe sowie sich unter Feuereifer spiegelnde und ineinanderfließende Tänzerinnen – einfach ganz generell der Kontrast zwischen warmen und kalten Farbtönen. Highlight: Der Effekt, wenn Toni White im Intro ihre Schneejacke öffnet und sich organisch das 007-Logo 'entblättert'

    5. You Only Live Twice - Fernöstliches Feuer durchfließt einen Reigen aus asiatischen Schönheiten und Traditionen: Verwunschene Vulkane ergießen sich in Lavaströmen – ein rundum gelungener fantastischer Fiebertraum

    6. From Russia With Love - Ein Klassiker: Bond und Bodys vereinen ekstatischen Tanz und orientalische Rhythmen des Balkans – verspielt-flirrender waren die Kredit-Schriften nie auf der Leinwand zu sehen (Robert Brownjohn)

    7. On Her Majesty's Secret Service - Sanduhren, Ziffernblätter, Zeitraffer: Bonds Bilanz der Sixties mit Heroinen und Heraldik – superb serviert und mit neuen Einfällen garniert, in Farben und Stil phasenweise bereits Thunderball zitierend

    8. Live And Let Die - Fackeln, Frauen, Totenköpfe: Zwischen grelle Farbfächer, glühende Schädel und aufgerissene Augen mischen sich bekannte Elemente wie die Scherenschnitt-Frauen und die sich eindrehend materialisierenden Kredits

    9. Diamonds Are Forever - Zu einer enorm einladenden Juvelier-Auslage gruppieren sich Diamanten, Colliers, Edelsteinsilhouetten, Perserkatzen, funkelnde Finger und Figuren sowie die aparte Melita Clarke – sehr schön arrangiert, aber in der zweiten Hälfte erkennbar deutlicher zwischen Selbstzitaten und Redundanzen mäandernd

    10. For Your Eyes Only - Es dominieren aufsteigende, blubbernde Blasen und erstmals die Sängerin mit ihrer Leinwandpräsenz, hüllenlos mit verführerisch rotem Mund inbrünstig und atemlos in die Wellen gleitend – wiederkehrende Motive: Roger Moore im Bild, Bond- und Pistolen-Silhouetten und die altbekannten Scherenschnitt-Damen; besonders bemerkenswert: Sheena Eastons Gesicht spiegelt sich wie bei einem Bullaugen-Ausblick ala Dr. No oder Stromberg in der Unterwasserfauna

    11. Doctor No - Flimmernde Leuchtreklamen und Neon-Girls begründen den Mix aus Detektivfilm und Science-Fiction der Swinging Sixties: Simpel und schlicht, aber dennoch pionierhaft wegweisend

    12. The Spy Who Loved Me - Union Jack, Walther PPKs, Gymnastik-Girls, fahle Standbilder, Nebelscheinwerfer und Ladykiller Moore, der einen Trupp Sowjet-Soldatinnen mit seinem Charme umwirft – ganz gut, aber am Ende nur Mittelmaß; hier wurde die Tradition der Einbindung des Darstellers in die Titel begründet (insbesondere: Moore & Craig), die mir nie so sonderlich gefiel (außer in Die Another Day, da machte es für die Erzählung auch Sinn)

    13. Octopussy - Binders sich gefühlt ewig faltende Frauenhände eröffnen den Blick auf allerlei Altbekanntes: Bond-Silhouette, Octopussy und 007-Logo als glutrotes Leuchtmotiv auf kühlen Frauenkörpern, umher schwirrende Scherenschnitt-Figuren, Farbspiralen und orientalische Schönheiten – erweckt in der zweiten Hälfte mit Rotlicht werfenden Pistolen und einer frontalen, barbusigen Bondine in Großaufnahme leider einen leichten Softporno-Eindruck; sehr schöne Idee: Roger Moore, der im Stil einer indischen Gottheit nacheinander von bewaffneten Frauenarmen umschlungen wird

    14. Licence To Kill - Frauenhände, 007-Logo, Standbilder, Walter PPKs, Pistolenläufe, Blauer Dunst, wabernde weibliche Silhouetten, Scherenschnitt-Damen, Fadenkreuze – alles schon oft gesehen und entsprechend abgegriffen, zudem in der zweiten Hälfte leider zunehmend belanglos werdend; positiv dagegen: Roulette- und Casinotische, Spielchips, die Fotostrecken, die beweglichen Leuchtdias und die flatternden Farbspringerinnen. Kleiner Lichtblick: Dynamischer Ein- und Ausstieg durch die Foto-Linse

    15. The Living Daylights – Auf der Habenseite stehen der dynamisch-schöne Auftakt mit den Schüssen, der gut zum professionellen Dalton-Bond passt, sowie Catrina Skepper als kühle Schönheit, wahlweise im Sektglas oder mit stylischer Sonnenbrille – nach dem wundervollen Übergang mit Skeppers leuchtenden Silhouetten-Gläsern wird es leider etwas sehr beliebig: Auto-Scheinwerfer, Scherenschnitt- und Neon-Girls und zitternde Wasserkörper; Tiefpunkte: der altbacken ballernde Revolver und die leider auch ein wenig in der Art eines Softpornos umschäumte 'Nymphe'. Ob man die schlüpfrige, wohl 'zu schlürfende' B(l)ondine aus dem prickelnden Glas heute auch noch ohne einen medialen Sturm der Entrüstung bringen könnte…?

    16. The Man With The Golden Gun - Asiatische Schönheiten und Goldener Colt in bebenden Wasserkreisen, sprühenden Funken und wabernden Farben leider etwas uninspiriert und halbgar geraten; die Schriften überdies abermals etwas eintönig und einfallslos in der derselben Art wie in Thunderball und Live And Let Die gestaltet

    Aber ich glaube nicht, dass Schauspielerleistung durch reine Computerleistung ersetzt wird - dazu wollen die Leute auch doch zu sehr Stars, die sie anhimmeln können.

    Andererseits tendieren die Schauspielleistungen von massiv mit Botox behandelten Akteuren wie etwa Nicole Kidman ja irgendwann auch gegen Null. Da bewegt sich im Gesicht auch nicht mehr allzu viel. KI-Stars bleiben immer jung, können ewig angehimmelt werden, sind nicht widerspenstig, produzieren keine Skandale und sind noch einmal auf eine besondere Art 'unerreichbar'. Sie wären in einer besonderen Art Traumbilder, wie es reale Stars nie sein könnten. Und jedes Studio hätte seine eigenen Stars wie in Hollywoods Goldener Ära. Und es gibt ja auch bereits KI-Influencer. Ach, wenn man sich all diese Entwicklungen ansieht, kann ich der Annahme, dass eine Super-KI uns bald entwachsen und auslöschen könnte, auch einen gewissen Reiz abgewinnen. Die Menschen sind schon eine wunderbare Spezies. Wir sind so intelligent, dass wir uns sogar freiwillig selbst überflüssig machen.

    Kleinman in Topform ist für mich große Kunst, einige seiner Titel sind mir aber auch zu überladen.

    Das kann ich gut nachvollziehen. Aber darin liegt ja auch die Faszination der Abfolge der optischen Attraktionen. Bei Tomorrow Never Dies ist alles dem medialen Dauerfeuer untergeordnet. Und da kann ich Kleinman eine Überfrachtung eher nachsehen. Bei Skyfall dagegen weniger. Ich sprach es bereits an. In seiner ersten Phase war der Designer absolut dem Hauptthema des Films verpflichtet, später verliert er sich dann mehr und mehr in Einzelelementen. Die Sequenzen zerfasern gewissermaßen. Und mir gefallen die Animationen bei den jüngeren Sequenzen auch längst nicht mehr so gut. Spectre ganz generell vom Stil her (wie schon erwähnt, teils wirklich skurril), aber auch diese flirrende Übergangssequenz nach dem Drachen in Skyfall oder auch dieser ganz merkwürdige Porzellan-Bond am Ende von No Time to Die. Als hätten die sechs Jahre Pause zwischen Casino Royale und Skyfall Kleinman nicht gut getan. Die Stilsicherheit ließ nach. Irgendwie war er danach nicht mehr derselbe...

    Und ich muss gestehen: Ich habe eine ausgeprägte Schwäche für die Quantum-Titel von MK12 [...] Ich habe diese Titel in meine Liste integriert, weil sie zur selben Ära gehören. Den allgemeinen Hass auf diese Titel kann ich nur dem schlechten Standing des Films und des Songs sowie der Fantreue zu Kleinman zuordnen, sonst ist das für mich nicht erklärbar. Wo würdet ihr die einsortieren?

    Kann ich gut nachvollziehen. Robert Brownjohn würde man ja auch zur Ära von Maurice Binder zählen. Quantum of Solace von MK12 habe ich mit den Jahren immer mehr zu schätzen gelernt. Und ja, ich denke, deine Punkte beschreiben die Gründe für die Ablehnung treffend. Mir gefallen auch viele Elemente sehr, die du ja schon exzellent beschrieben hast. Gerade der Schluss ist genial. Ich denke, die Sequenz würde bei mir wohl in der Mitte landen. Zwischen den Plätzen 4 und 5.

    2. Die Another Day: Schwer zu beschreiben warum, aber in sich einfach total rund und stimmig.

    4. Skyfall: überfrachtet mit Totenkopf-Emblematik, misslungen finde ich den Teil nach den Drachen (zuckender Bondkopf mit geöffnetem Mund, danach endlose schwarz-weiß-Kaleidoskope die auf die Kamera zusteuern und sich dann auflösen, die Hirsche darin mag ich und dann den Totenkopf der zum Friedhof wird).

    5. GoldenEye: Eigentlich gut, aber zuviele Momente finde ich ästhetisch nicht ansprechend, wie den Pistolenlauf aus dem Mund der Zigarre-rauchenden Janus-Frau oder die Statuen-zerhämmernden Frauen.

    8. The World is not Enough: für mich DKs uninspirierteste, langweiligste und am wenigsten einprägsamste Arbeit, obwohl ich weiß, dass sie viele Fans hat. Die Ölpumpen waren eine merkwürdige Wahl, um sie in die Titel zu integrieren.

    Was ich an GoldenEye und Die Another Day enorm schätze: Sie sind nicht nur grandios und ideenreich animiert, sondern harmonieren auch am besten mit den Titelsongs. Auf den Punkt. Darin ist keine andere Kleinman-Sequenz so virtuos.


    Die Ölpumpen in The World is not Enough passen doch super zur Thematik des Films und zu den Ölfeldern in Aserbaidschan durch die Bond mit seinem Wagen fährt. Außerdem habe ich diesen Teil optisch immer als Anknüpfung an das Sowjet-Erbe des ehemaligen Ostblocks und somit den GoldenEye-Titel verstanden. Diese beiden Beiträge haben ja auch sonst viele Gemeinsamkeiten.


    Das war genau die Stelle in den Skyfall-Titeln, die ich auch meinte. Diese geisterhaft-schnelle Abfolge soll wohl eine Nahtod-Erfahrung darstellen. Prinzipiell eine nette Idee, aber ich mag sie trotzdem nicht. Die Animationen sind mir zu schlicht und es wirkt alles irgendwie unrund. Die anderen Elemente habe ich immer anders gedeutet. Der zuckende Kopf und der Totenschädel mit den Gräbern spielen meines Erachtens beide auf Silvas Folterung und sein Gebiss an (neben der allgemeinen Totenkopf/Friedhof-Thematik). Und ja, man mag ich mich penibel nennen. Aber dieses Augen-Motiv von Craig nervt mich echt, nachdem es in GoldenEye bereits so exzessiv vorkam und dann nochmal von MK12 im Vorgänger genutzt wurde.

    Geht dir das auch IN den Filmen so? Also bei Rückverweise auf andere Filme wie z.B. in DAD die 20. Uhr oder sowas? Irgendwie ist es ja auch ein Teil von Bond, das er sich selbstreferentiell immer wieder auf eigene Filme bezieht. Aber es ist natürlich die Frage, wie sehr das ausgedehnt wird.

    Interessanterweise nicht. Jedenfalls stört es mich nicht sonderlich in den jeweiligen Filmen, wobei ich zugeben muss, dass weder Die Another Day noch Skyfall zu meinen Favoriten zählen. Aber das hat mehrheitlich andere Gründe. In den Titelsequenzen stören mich solche Wiederholungen schon erheblich mehr, weil ich diese als kleine Kunsterwerke im Film selbst begreife. Und in nur 4 Minuten kann man sich doch wohl kreativ voll austoben, so dass nicht ständig Elemente aus der Mottenkiste auftauchen, oder? Ich meine klar: Frauensilhouetten, Walther PPKs, ein laufender, ski-fahrender, schießender Bond, so etwas taucht verständlicherweise immer wieder auf. Das ist nicht der Punkt.


    Mich stören eher so Referenzen wie das Augen-Iris-Motiv, das seit GoldenEye in gefühlt jeder zweiten Sequenz auftaucht, oder diese dynamischen Herz-Asse, die es seit Casino Royale gibt. Diese Elemente passten perfekt zu den jeweiligen Filmen, danach wurden sie zu einem ermüdenden Selbstläufer. Bei No Time To Die sehen wir die Herz-Asse mal wieder als Herz-Zeiger. Mich nerven aber eher die Disco-Farbkreise aus Doctor No, die Ziffernblätter und Sanduhren aus On Her Majesty's Secret Service und die gefallenen Statuen aus GoldenEye. In der Summe einfach 'too much'. Aber im Nachhinein wirkt die Sequenz gewissermaßen auch wie eine Götterdämmerung für die Eon-Ära an sich. Wie der eigentlich gesamte Streifen. Und es wird vermutlich ja auch Kleinmans letzte Sequenz gewesen sein.

    Das ist bei mir eine klassische Bond-Bildungslücke. Und - wenn ich ehrlich bin - nach deiner Rezension wird es auch weiterhin eine solche bleiben. Ich habe immer gedacht, das Pearson-Buch sei so eine Art "Die Akte James Bond" und ein wenig wie ein Dossier über 007 aufgebraut. Aber das klingt doch eher mau.

    Of course, Madame Amasova. :D Zwischen diesen beiden Sequenzen habe ich bei der Platzierung auch am meisten geschwankt. Skyfall ist mir auch phasenweise zu unruhig mit der sehr hohen Frequenz, mit der die Animationen ineinander übergehen. Das wirkt oft überladen und auch nicht immer stilsicher den Hauptmotiven des Films verpflichtet. Bei Daniel Kleinman haben die direkten Einzelbezüge zum jeweiligen Film, zuungunsten der Darstellung der großen übergeordneten Themen, immer mehr zugenommen. Trotzdem ist die Innovationskraft Kleinmans hier noch stärker vorhanden als bei den Nachfolgern. Bei No Time To Die ist dafür die Vergänglichkeit (Götterdämmerung, Killerviren, DNA-Stränge) sehr schön umgesetzt, beispielsweise mit den sich zersetzenden Statuen und der Doppelhelix aus schießenden Walther PPKs. Dafür stören mich die ständigen Bezüge auf vorherige Filme wie Doctor No, On Her Majesty's Secret Service und GoldenEye in den Elementen wieder mehr. Dahingehend gerieten Kleinmans Sequenzen seit Skyfall zunehmend zum Recyclinghof, aber das war bei Maurice Binder in der Spätphase ja auch nicht anders. Man kann eben nicht dauerhaft innovativ sein und immerzu neue Impulse setzen.

    Dann wäre es möglich, einen Film so zu schreiben, wie man einen Roman schreibt. Ich kann Hitchcock verstehen: Es ermöglicht die volle Kontrolle über ein künstlerisches Produkt und das finde ich aus Produzentenseite extrem attraktiv.

    Ob man das aber auch als Zuschauer sehen möchte, naja...

    Ganz genau. Gewissermaßen das Paradies für die Umsetzung der eigenen Phantasie. Keine Etat-Limitierungen, keine Drehort-Beschränkungen, keine Wetter-Probleme, keine terminlich nicht verfügbaren Darsteller... Aber auch der endgültige Tod alles Handwerklichen, vom Teamgeist, von menschlicher Interaktion, Haptik, Zelluloid als Trägermedium und aller realer Hindernisse sowie Kompromisse, die Filme in ihrer Umsetzung manchmal erst groß werden ließen. Die Idee vom Filmen als gemeinschaftlichen Kraftakt auch gegen Widrigkeiten und dem Regisseur als 'guten Soldaten des Kinos', wie es ein Werner Herzog besonders nachdrücklich beschrieb und stets exzessiv vorlebte, wäre damit eigentlich am Ende. Vielleicht wird es aber auch beides nebeneinander geben. Aber im Big Budget-Bereich werden KI-Filme sicher einfach kostengünstiger und kalkulierbarer für die Produzenten sein. Hier wird es massenhaftes Job-Sterben geben und manche Sparten mit ihrer Expertise wohlmöglich aussterben.


    Mal schauen, wann Denis Villeneuve loslegen möchte. Irgendwie denke ich aber auch, dass die Serie irgendwann bedeutungslos wird, je mehr Zeit ins Land geht. Im kommenden Oktober ist es 21 Jahre her, dass zuletzt ein neuer Bonddarsteller vorgestellt wurde (Oktober 2005). Geht man dieselbe Zeitspanne von 2005 zurück, landet man im Jahr 1984! Seitdem übernahmen drei neue Amtsinhaber die Rolle (Dalton: 1986, Brosnan: 1994, Craig: 2005). Time passes...

    Mein Daniel Kleinman-Ranking:


    1. GoldenEye - kraftvoll, suggestiv, atemberaubend, visionär

    2. Casino Royale - ungeheuer stilvoll und atmosphärisch dicht dem Titelthema verhaftet

    3. Die Another Day - Kälte & Hitze, Schmerz & Lust - ein Funken und Eiskristalle sprühender, unwirklicher Fiebertraum

    4. Tomorrow Never Dies - Moderne Medien getragen von optischem Overkill - auch nach fast 30 Jahren noch von bestechender Aktualität

    5. The World Is Not Enough - Erotik, Erdgas, Blut & Benzin - in Öl-Farben und Frauenfiguren über weite Strecken enorm einnehmend arrangiert

    6. Skyfall - zum Jubiläum teutonisch überfrachtet, ein Feuerwerk von ungeordneten Einfällen - trotzdem mit schönen, rauschaften Ideen zu Tod und Auferstehung

    7. No Time To Die - viele frühere Elemente nutzend, entspannt sich phasenweise eine eindringliche Parabel auf viralen Vergang und spätrömische Dekadenz

    8. Spectre - meist blutleer alte Ideen variierend und neue Aspekte aufgreifend - mit einem Datenkraken als Haupthema leider etwas verschenkt

    Durch diese Scores muss ich mich noch arbeiten (bis aktuell grad dabei, mir die Playlists zusammenzustellen), aber was die Titelsongs der beiden letzten Filme betrifft, so muss ich Dir absolut Recht geben...

    Bei den Scores sind, soweit sie veröffentlicht vorliegen, die ausführlicheren Versionen von La-La Land Records zu empfehlen. Davon profitiert natürlich John Barry (GF, TB, OHMSS, TMWTGG, MR, OP), aber vor allem David Arnold (TND, TWINE, DAD) und George Martin (LALD). Gerade Barrys The Man with the Golden Gun-Album ist brilliant und schlägt für mich alle folgenden Barry-Scores der 1970er- und 1980er-Jahre. Ein verkanntes Meisterwerk. Nur zwei, drei Sixties-Soundtracks und Diamonds Are Forever sind da noch grandioser.


    Bei den Titelsongs (übrigens auch bei den Titelsequenzen) sehe ich Craig im Schnitt mittlerweile auch deutlich hinter Brosnan.

    Ein echter, spannender, gut inszinierter Thriller wie FRWL wäre mein Traum. Wird nicht passieren, will außer mir wahrscheinlich keiner im Kino sehen. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen :)

    Im angebrochenen KI-Zeitalter, wird man in nicht allzu ferner Zukunft komplette Filme aus dem Nichts entstehen lassen können. Ohne Schauspieler, Crewes, Kameras, und Budgets. Von daher würde ich nicht ausschließen, dass man so etwas nicht noch (eventuell von Fan-Seite) einmal zu sehen bekommt. Schon um 1960 träumte Alfred Hitchcock von einer IBM-Maschine, in der er auf der einen Seite das fertige Drehbuch eingibt und auf der anderen Seite der fertige Film herauskommt. Das wird kommen, nur dass die KI das Drehbuch noch in einem mit übernimmt. Ob es in 20 Jahren eine Filmindustrie in der bisher bekannten Form überhaupt noch geben wird?

    Das mit dem Tanzen stimmt. An sich erstaunlich, dass man Bond in all den EON-Filmen außer im Stehblues quasi nie tanzen sieht. Dabei sollte dies zu seiner Kultiviertheit an sich passen.

    Das finde ich generell eine Schwäche der Bondfilme seit den 1990er-Jahren. Man nimmt sich viel zu selten Zeit für sinnliche, meditative Momente und einen gewissen Stil. Das gab es früher viel mehr. Bei den Locations, Sets und auch der Interaktion der Figuren. Früher war Bond phasenweise auch mal richtig romantisch und es gab eine, sich durch das Abenteuer entwickelnde Verbindung zur Heroine, wie in For Your Eyes Only oder The Living Daylights.


    Man muss Legrands Score ja nicht großartig finden, aber - bei aller Fairness- was Newman und Zimmer bei den letzten 3 Bondfilmen fabriziert haben, ist ja nun auch wahrlich nicht das Goldene vom Eye und rangiert bei mir deutlich weiter unten. Da gibt es kein "Une Chanson D'amour" oder "Tango to the Death" und von der 'Qualität' der letzten Titelsongs will ich erst gar nicht anfangen...

    Habe mir kürzlich den NSNA-Soundtrack zugelegt und finde ihn überraschenderweise ganz gut. Das Jazzige passt irgendwie ganz gut zusammen.
    Kein Highlight des Franchise - keineswegs - aber auch nicht so abgeschlagen das Schlusslicht wie ich immer dachte.

    Ich habe mir den Soundtrack von Never Say Never Again kürzlich auch zugelegt und empfinde das ähnlich. Der Score ist natürlich keinesfalls perfekt, aber es passt schon alles recht gut zusammen. Einige Tracks sind wirklich wundervoll. Nicht nur der Titelsong von Lani Hall ist große Klasse, sondern auch etwa "Une Chanson D'amour" und "Tango to the Death".


    Überhaupt mag ich den stärkeren musikalischen Gestus dahingehend sehr, der bei den Eon-Filmen nicht so prägnant herauskommt. Einen stilvoll und ausgelassen tanzenden Bond. Das kam in der Serie sonst höchstens in ein paar statischen Einstellungen ohne besonders wirkungsvolle Sondtrack-Untermalungen vor. Und es passt so gut zu 007. Nicht nur der Aspekt des Verführers, sonst das grazile und minutiöse Element des Tänzers, welches auch sinnbildlich die professionelle Präzision der Geheimdienstwelt spiegelt.


    Gleichsam sind etwa die Hai-Attacke, die Unterwassersequenzen und der Kampf um die Bombe treffend untermalt. Dazwischen gibt es sicherlich ein paar schwächere und belanglosere Stücke. Aber die komplette Ablehnung von Mchel Legrands Score kann ich auch nicht wirklich nachvollziehen und scheint mir doch häufig mit einer allgemeinen Aversion gegen das Konkurrenzprodukt an sich einherzugehen.


    Der Soundtrack ist freilich keine meisterliche John Barry-Partitur. Aber genau darin liegt für mich sein besonderer Reiz. Barrys Kompositionen bilden stets eine harmonisch geschlossene, ganz wunderbare Einheit, sind aber damit auch irgendwie 'erwartbar' und gewissermaßen 'langweilig'. Es gibt keine Brüche. Legrands Arrangements sind vielseitiger und verspielter. Das ist nicht immer stilsicher bondig oder hochklassig, aber doch durchweg aufregend anders. Wie der ganze Film.

    Projekt für 2026: Mehr Bondfilme schauen und eine neue Liste machen!

    Yes. Das habe ich mir auch vorgenommen. Eventuell sogar ein neuer Marathon.🧐

    Hatte gar nicht mehr in Erinnerung, dass TB bei Dir so hoch stand.

    Doch, das war bei eigentlich schon immer so. Connery ist hier einfach der King of Cool.😎 Und er zeigt auch in keinem anderen Film soviel physischen Einsatz - übrigens genauso wie sein Kontrahent. Und dann gibt es so viele klassische Szenen, auf die man sich einfach von der ersten Minute an freut. "Mein lieber Colonel Bouvar..." - "Setzen Sie sich Nummer Zwei..." - "Da wir nun vollzählig sind..." Und dann gibt es etwas, was eigentlich in keinem anderen Bondfilm in den Dialogen so gut umgesetzt wurde: Das Katz- und Maus-Spiel zwischen Bond und den Frauen sowie Feinden. Largo bringt es zwischendrin so treffend auf den Punkt: "Ah, wie interessant." Und da ich das Duo Terence Young & Ted Moore schon immer für das Gespann der Reihe hielt, welches das On-Location-Feeling am atmosphärischsten einfangen konnte, hat der Streifen noch den einen oder anderen Stein zusätzlich bei mir im Brett. Am Ende ist Thunderball nicht perfekt - aber auf sehr vielen Ebenen unfassbar souverän.

    Das sind wirklich sehr traurige Nachrichten...


    Dr. moVe hat es schon so treffend auf den Punkt gebracht: Ein hochgebildeter 007-Experte mit einem immensen Fachwissen und leidenschaftlicher Expertise auf so vielen Gebieten.


    Von Photographer habe ich im Fandom in all den Jahren sicherlich am meisten lernen dürfen. Seine Beiträge in beiden Foren gehörten in ihrer Ausführlichkeit und Detailliertheit unbestritten zur Crème de la Crème in allen Themen, in die er sich mit Eifer einbrachte. Ein erlesener Fundus für alle, die mehr über ihre Leidenschaft 007 erfahren und sich erlesen wollten. Umso tragischer empfand ich es, dass ihn seine Krankheit später so sehr einschränkte, dass es Photographer auch kaum mehr möglich war, längere Texte auf jenen Gebieten zu verfassen, die ihn stets interessierten und bewegten.


    Auch habe ich seine Offenheit und Diskussionsbereitschaft immer sehr geschätzt. Die Art, wie er verschiedene Standpunkte gleichermaßen gelten lassen konnte und auch mit Geduld und Rücksicht stets auf jüngere, heißblütige Fans wie seinerzeit mich einging, die oftmals ihre Meinung für das 'non plus ultra' hielten. Umso bedauerlicher erscheint es, dass viele seiner älteren Beiträge mit dem untergegangenen Razyboard-James Bond-Forum unwiederbringlich im Nirvana des World Wide Web verschwunden sind. Beeindruckend fand ich vor allem seine Hintergrundkenntnisse zu Never Say Never Again, dem Kevin McClory-Rechtestreit, den Bond-Soundtracks, der Filmplakatkunst, dem Bond-Interregnum 1989-1995 und den Kino-Wiederaufführungen der 1980er-Jahre.


    Eine besondere Leidenschaft - leider auch wesentlich im alten Forum präsent - waren seine ausgiebigen, akribischen Fotoreisen, die dem geneigten Mitforisten Locations wie das Château de Chantilly oder die Insel Korfu auf unnachahmlich eindringliche Weise näherbrachten und die jeweils zugehörigen Filme wie A View To A Kill oder For Your Eyes Only oftmals in einem ganzen neuen Licht erscheinen ließen.


    Ruhe in Frieden, Photographer!