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Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

  • »Kronsteen« ist männlich
  • »Kronsteen« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 4 317

Registrierungsdatum: 17. Mai 2013

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1

Mittwoch, 5. Juni 2013, 08:54

DIE SOUNDTRACKS: Michel Legrand

Er lieferte sicher einen der umstrittensten Scores der Bondgeschichte ab. In diesen Thread bitte alles rund um Michel Legrand, den Komponisten des NSNA-Soundtracks.

[img]http://www.james-bond007.de/MichelLegrand.gif[/img]

Hier der alte Thread aus dem archivierten razyboard.

Und hier die wichtigsten Beiträge von dort:

Zitat von »Carsten«

Eric Serras Score gehört zwar auch nicht zu meinen Lieblingen, aber immerhin passte seine Musik zu dem Film. Legrand gelang das Kunststück, Musik zu schreiben, die den Film stört. Hierbei ist insbesondere die Szene zu nennen, als Bond Pat verführt. Für mich der absolute Tiefpunkt. Klar durfte er das Bond Thema nicht benutzen. Aber das dürfte Arnold bei Casino Royale bis zur Schluss-Szene auch nicht und es hat trotzdem wunderbar funktioniert.

Die Musik versaut oft die Stimmung. Der Film ist da am besten, wenn die Musik nicht da ist. Gott sei Dank macht Brandauer in der Dialogszene mit Basinger im Balletsaal seine Musik am Klavier, sonst hätte Legrand diese brilliante Szene auch noch versaut.

Der Komponist hat viele schöne Scores geschrieben. NSNA gehört nicht dazu.


Zitat von »Photographer«

What happened to ... ?


Wenn man versucht sich in alten englischsprachigen Print-Unterlagen ausführlich über den Herstellungsprozess von »Never say never again« zu informieren, so taucht irgendwo in dem Produktions-Chaos, den der Film seiner Zeit mit sich brachte, auch der Hinweis auf, dass der Soundtrack zum Film in Teilen nicht tempgerecht verwendet worden ist, sondern das Stücke an falschen Stellen beginnen, bzw. zu früh oder zu spät einsetzen oder an ganz anderen Stellen eingefügt wurden.
Es fällt zusätzlich auf, dass Teile der Musik Michel Legrands wie eine wilde Mischung unerschiedlichster Stilrichtungen daherkommen, die als Zitatenanleihe älterer Scores Legrands zu interpretieren sind. Die S.P.E.C.T.R.E-mässigen Actions-Stücke "Plunder of a Nuclear
Missile" und "The underwater cave" erinnern beispielsweise fatal an »Eisstation Zebra«.
Im Gegensatz zu John Barrys Arbeit bei »Octopussy«, von der bekannt ist, dass die Zeitvorgaben für den Komponisten zu kurz waren, liegen diesbezüglich keine Informationen vor, unter welchen Bedingungen und temporären Vorgaben Michel Legrand »Never say never again« zu fertigen hatte.

Bekannt ist, dass »NSNA«-Produzent Jack Schwartzman nach John Barrys Absage eigentlich James Horner für die Musik verpflichten wollte, dieser jedoch abgelehnt hatte. Ob James
Horner gerade mit der Erstellung der Filmmusik zu Douglas Trumbulls »Brainstorm« zu genüge ausgelastet war, ist nicht bekannt, jedenfalls überschnitten sich die Filme hinsichtlich ihrer
Veröffentlichung in den USA deutlich. Auf eine Empfehlung Babra Streisands gegenüber Jack Schwartzman hin, die mit Michel Legrand in ihrem Film »Yentl" gerade hervoragende Ergebnisse erzielt hatte (Oscar als bester Score) wurde Michel Legrand unter Vertrag genommen.
Gerüchten zufolge wollte Jack Schwartzman mehrere Jahre später anlässlich einer neu anstehenden Video-Home-Edition einen neuen Score für »Never say never again« fertigen lassen. Dieser Gedanke wurde aber nie weiter verfolgt. Mit dem Tode des Produzenten im Sommer '94 hat(te) sich diese Idee schließlich endgültig erledigt.


Das Chaos regiert

Bekannt ist, dass Michel Legrands weitaus bessere Filmscore gemacht hat und es steht somit ein bißchen die Vermutung im Raum, dass der Komponist – ähnlich wie zahlreiche andere Produktionsmitarbeiter – in dieser Mega-Produktion von einer Chaos-Lawine überrollt wurde, in der scheinbar niemand und jeder das Sagen glaubte zu haben. Wer jedenfalls bestimmt hat, wo zu guter letzt welche Musik verwendet und eingesetzt wurde ist nicht bekannt.

Sean Connery hat jedenfalls Jahre später in Interviews immer wieder angemerkt, dass er und ein Produktionsassistent am Ende den Film produziert hätten. Dieses Chaos wäre mit ein Grund gewesen,warum der Schotte danach eine mehrjährige Schaffenspause eingelegt hätte in Sachen "Film".


Gerichtliche Vorgaben

In wie weit neben des Verbots der Verwendung des "James Bond"-Themas ansonsten noch andere Vorgaben hinsichtlich der Musik durch Gerichte und Anwälte vorgelegen haben ist nichts bekannt,aber man sollte als Bondfan sich darüber im klaren sein, dass der Verleih und die Macher deroffiziellen 007-Filmserie sich gerichtlich weit mehr in die Belange von »Never say never again«einmischen konnten, als man das als Filmkonsument auf den ersten Blick wahrnehmen mag.

So erfährt man beispielsweise in einem Interview mit Lois Maxwell (Miss Monneypenny von 1962 - 1985), dass sie Sean Connery auf einer Party in der Vorproduktion des Films gefragt hätte, ob sie die Chefsekretärin des MI-6 auch in "seinem" 007-Film geben könnte. Sie war sehr verägert über Albert R. Broccoli angesichts der Tatsache, dass man ihr in »Octopussy« eine jüngere Kollegin zugeschanzt hatte und sie den Eindruck hatte, für den nächsten offiziellen Bondfilm ausgebootet zu werden.Sean Connery erklärte Lois Maxwell, daß das Büroteam in "seinem" Bondfilm nicht vorkommen dürfte,da dies gerichtlich nicht geklärt sei.
Änderungen diesbezüglich wurden bekanntlich dann von Gerichten aufgearbeitet, so dass in langen Etappen im übertragenen Sinne täglich aufs Neue definiert wurde, was im Detail in der
Neuverfilmung als Remake-tauglich zu verstehen war und was zuweit abwich.


Hausgemachte Probleme

Wenn man sich jedenfalls mal in die Materie einliest, stellt man fest, dass die unabhängige
Produktion von »Never say never again« an allen Ecken und Enden bezüglich der Kompetenzen in vielerlei Hinsicht das reinste Chaos war – und man bestimmte "gewohnte" Leistungen zahlreicher Personen und beauftragter Firmen in einem anderen Licht sehen sollte.
Dies erschwert eine sachgerechte Bewertung in mancher Hinsicht, zeigt aber auch auf, wieviel
berufliche Erfahrung und Wissen vorliegen muss, damit kreative Filmschaffende sich als ein Team verstehen, die alle am gleichen Strang bei einer unabhängigen Produktion ziehen und nicht jeder macht, was er für richtig hält. Leider harmonierte schon die Zusammenarbeit der Hauptverantwortlichen Schwartzman, Kershner und Connery (auf Dauer)überhaupt nicht, da jeder eine andere Vorstellung von diesem Projekt hatte, was sich an vielen Ecken und Enden des fertigen Films widerspiegelt.

Dies hatte schon Charles K.Feldman das Genick bei seiner Version von »Casino Royale« (1967)gebrochen. In dieser Hinsicht erstaunt es um so mehr, dass der damalige Burt Bacharach-Soundtrack ein solches Meisterwerk geworden.


Fazit

Michel Legrands Score zu »Never say never again« ist sicherlich nicht der schlechste Soundtrack der Welt und für sich betrachtet in vielen Belangen auch absolut anhörbar. Nur ist diese Arbeit überhaupt keine Musik für einen (nun mal actionlastigen) "Bondfilm".
Lokalkolorit anklingende Stücke bezogen auf die Bahamas und Südfrankreich sind für sich betrachtet gelungen. Die ochestralen S.P.E.C.T.R.E-Themen funktionieren und"Largos Waltzer" ist hervoragend Dagegen ist die Lemmy Caution-artige Musik während der Motorradjagd ein Schlag ins Gesicht jedes Filmzuschauers.
Zahlreiche actionlastige Stücke, in denen Bond das Geschehen dominiert, wie bei der Verfolgungsjagd zu Pferde oder die Haiszenen haben für die Ohren eher etwas schwindelerregendes und unangenehm chaotisches und berauben dem Film einiges seiner Wirkung. Bei der Schlägerei mit Lippe fehlt dagegen beispielsweise eine sinnmachende Musikunterlegung im Sinne von "Necros attacks". Gelungene Actionmusik ist bei Bondfilmen das "Ah und Oh", wodurch der »Never say never again«-Score bei Fans im Endeffekt an letzter Stelle steht - gefolgt von »GoldenEye«, der in dieser Hinsicht auch viele Probleme mit sich bringt.


Im Aufgabenheft einer Schularbeit würde als Bewertung des Lehrers stehen: "(Action-)Themen verfehlt" – und das in mehrfacher Hinsicht!


Zitat von »Thunderball«

Ich kann Legrands Score nur schwer einordnen. Ein paar Themen finde ich richtig gut, wie z.B. "Tango To The Death", "Largo's Waltz" oder auch den Titelsong, aber andere Tracks sind fast schon grausam.
Wie Photographer völlig treffend schrieb, hört sich die Actionmusik teils einfach nur chaotisch an. Sehr negativ fällt mir das auch zum Beginn der Szene auf, in der Bond Fatima verfolgt (CD-Track 17 "The Death Of Nicole/Chase Her"). Beim Hören solcher Musik habe ich nicht das Gefühl, einen Bondfilm zu sehen, sondern eine x-beliebige 60er-Jahre-Billigproduktion.
Besonders enttäuscht bin ich von Legrands Actionmusik, wenn ich daran denke, dass er derselbe Komponist ist, der einen meiner Lieblingssoundtracks geschrieben hat: "The Three Musketeers".


Zitat von »Sanchez«

Musikalisch gesehen ist sein Score noch nicht mal wirklich "schlecht", aber er passt wirklich nicht zu den zugehörigen Szenen und macht den Film teilweise kaputt.
Das ganze wirkt, als ob Mr Legrand keine Ahnung gehabt habe, für welchen Film er eigentlich die Musik schreibe. Ganz ganz fürchterlich finde ich zum Beispiel die Szene, in der Largos Taucher die abgeworfenen Sprengköpfe aus dem Meer holen.


Zitat von »DoctorMoVe«

Sehr interessanter Beitrag, Lars!

Eigentlich ist es ein Wunder das bei den chaotischen Umständen hinter den Kulissen so ein wunderbarer Film herausgekommen ist.

So sehr Legrand's Score in den Action-Momenten auch schwächelt, so passend und harmonisch wirken im Gegenzug dessen leisere Momente. Wenn Bond mit einem Oldtimer im Sanatorium ankommt oder er im sanften Morgenlicht in dieser südfranzösischen Villa ankommt dann wirkt das von einem Klavier gespielte Title-Theme einfach absolut stilvoll und auf eine minimalistische Weise episch und breit.
Solche Momente gehören für mich zur Seele dieses Ausnahmebondwerks.
Der Urbond auf seiner jazzig-verspielt-melancholischen Reise in den Ruhestand. Der Abend-Glanz einer ganzen Kino-Epoche spiegelt sich in diesen Momenten.

Und am von Lani Hall gesungenen Titelsong, sowie an dem wundervollen Chanson D'Amour lasse ich überhaupt keine Kritik gelten.
Sie sind beide einfach absolut erstklassig und paßen hervorragend zur Grundstimmung des Films...

Zugeben muß ich allerdings das ich mir im Gegensatz zu den anderen Bond-Kompositionen, den NSNA-Score so gut wie nie ohne den Film anhöre...
Titelsong sowie Chanson sind dagegen ein ewiger Dauerbrenner auf meinem Disc-Player und Plattenspieler...


Zitat von »Carsten«

Die geschichtliche Aufarbeitung war sehr interessant und erklärt auch, warum der Film nicht die gewohnte Qualität hat. So sehr ich mich auch für den Bachgrund interessiere, so ist mir das Resultat wichtiger. Das das war nun mal leider nichts. Entschuldigung akzeptiert, aber dennoch rangiert er mit DAF bei mir ganz unten

Da wir hier nicht beim Film, sondern bei Score sind, möchte ich natürlich richtigstellen, dass ich die Musik von DAF excellent finde. Bei DAF hat der Score viel gerettet. Bei NSNA hat er zusätzlichen Schaden angerichtet.


Weitere Meinungen zu Legrands Score zu NSNA?
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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  • »Kronsteen« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 4 317

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2

Freitag, 17. Juli 2015, 08:34

Habe mir kürzlich den NSNA-Soundtrack zugelegt und finde ihn überraschenderweise ganz gut. Das Jazzige passt irgendwie ganz gut zusammen.
Kein Highlight des Franchise - keineswegs - aber auch nicht so abgeschlagen das Schlusslicht wie ich immer dachte.
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

AnatolGogol

Supernase

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3

Freitag, 17. Juli 2015, 14:01

Ich konnte die nahezu hundertprozentige Ablehnung des Legrand-Scores ehrlich gesagt noch nie so richtig verstehen. Für mich macht gerade die Andersartigkeit des NSNA-Soundtracks einen nicht unerheblichen Anteil des Reizes, den Legrands Arbeit auf mich hat, aus. Im Laufe der Jahre ist mir der NSNA-Score immer mehr ans Herz gewachsen und ich würde ihn mittlerweile ohne mit der Wimper zu zucken in der oberen Hälfte aller Bondsoundtracks ansiedeln. Da ist viel Lokalkolorit drin, viel Gefühl für die verwendeten Locations und die jeweiligen Situationen. Ich teile nicht die vom geschätzten photographer geäusserte Einschätzung, dass die musikalische Untermalung der Actionszenen ihren Zweck verfehlt. Die hibbelig-jazzige Begleitung der Motorradverfolgung passt wie ich finde gut zur Dynamik der Szene, vor allem aber die wunderbar abenteuerliche Untermalung der Palmyra-Flucht macht diese Szene für mich jedes mal wieder zu etwas Besonderem. Gerade hier liebe ich ganz besonders die typische "Legrand-Orchestrierung", die einen ganz eigenen Sound ergibt, der seinesgleichen im Bond-Kanon sucht. Legrands NSNA ist für mich einfach eine tolle Arbeit.
"Ihr bescheisst ja!?" - "Wir? Äh-Äh!" - "Na Na!"