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Kronsteen

James Bond Club Deutschland - SPECTRE Nr. 005

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  • »Kronsteen« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 4 317

Registrierungsdatum: 17. Mai 2013

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1

Freitag, 7. Juni 2013, 13:15

DER DREHBUCHAUTOR: Tom Mankiewicz

Hier bitte alles rein, was den Drehbuchautoren der ersten 70er Hälfte betrifft.

[img]http://chapman-blogs.objects.dreamhost.com/happenings/files/2010/08/mankewiecz-cropped.jpg[/img]
"Wer ist schon Bond im Vergleich zu Kronsteen?!"

Scarpine

Verschlagener Korse

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Beiträge: 693

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2

Dienstag, 25. Februar 2014, 19:19

Tom Mankiewicz war ein eindeutig der Lieblingsautor von Guy Hamilton und meines Erachtens der zweitwichtigste Autor der Serie. Bei seinen Arbeiten ist der Humor am deftigsten, agiert Bond mit am zynischsten bzw. brutalsten und verhält sich gegenüber Frauen am chauvinistischsten. Das Bizarre und die Skurrilitäten, die sich auch schon bei Fleming finden, werden bei ihm auf die Spitze getrieben.

Gleichzeitig beginnt mit Mankiewicz die ironische Brechung der Bond-Figur und somit eine erste tiefergreifende Entwicklung des Franchises, dass sich nach dem Ende der Sechziger und dem Weggang von Connery in einer Umbruchsphase befand. Eine weitere Konstante bei Mankiewicz sind die sehr obskuren und einprägsamen Handlanger (Mr. Wint und Mr. Kidd, Tee-Hee, Schnickschnack), die ihren Boss jeweils überleben und am Ende nochmals zu einem finalen Streich gegen Bond ausholen dürfen.

Bei "Diamonds Are Forever" schrieb Mankiewicz Maibaums letzten Entwurf drehfertig und fungierte somit als Co-Autor. Das der Film kein großer Bondfilm wurde, lag vor allem daran, dass die Produzenten eine Laufzeitbegrenzung ausgegeben hatten, weswegen wichtige Szenen geschnitten oder erst gar nicht gedreht wurden. Aber auch Guy Hamilton zeigte hier wenig Elan aus Spannungsszenen oder Action-Momenten das Optimum herauszuholen.

"Live And Let Die" durfte Tom Mankiewicz dann komplett eigenständig schreiben und lieferte ein sehr gutes Drehbuch ab, aus dem Hamilton dann einen hervorragenden Bondfilm machte. Auch aus heutiger Sicht gehört Roger Moores Einstand in Bezug auf Stil und Stimmung noch immer zu den außergewöhnlichsten Beiträgen der Serie. Mankiewicz war es außergewöhnlich gut gelungen die Story zu aktualisieren und temporeicher zu gestalten.

Deswegen erhielt Mankiewicz auch den Auftrag den Nachfolger zu schreiben. Leider gelang ihm hier die Übertragung und Optimierung von Flemings Vorlage zu einem Filmskript nicht mit der gleichen Durchschlagskraft wie bei "Live And Let Die". Daran konnten auch die diversen Überarbeitungen durch Richard Maibaum und Mankiewicz selbst nicht mehr viel ändern. Abschließend ist es interessant aber vermutlich auch zufällig, dass Mankiewicz – abgesehen von "Casino Royale" – bei der Adaption der drei wohl sperrigsten Fleming-Romane mit eingesetzt wurde.

Auch wenn Mankiewicz bei "The Spy Who Loved Me" und "Moonraker" noch mitarbeitete, wird er nicht in den Kredits genannt und seine Ideen hatten auch keinen großen Einfluss auf diese Filme. Das lag wohl vor allem auch an Lewis Gilbert, der eine ganz andere Bond-Interpretation als Guy Hamilton vertrat, und mit Christopher Wood den Autor, der seinen Vorstellungen entsprach, gleich mitbrachte.
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"

3

Dienstag, 25. Februar 2014, 20:26

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Dezidierter Querverweis zu Tom Mankiewicz’ Beteiligung am Drehbuch von “The spy who loved me”


Auszug aus der Biographie “My life as a Mankiewicz”:

... A few years later, after I’d done the first three pictures, Cubby asked me to rewirte “The spy who loved me”. He said, “Now here is the deal. This has got to be done away from the Writers Guild because I need a big rewrite. Under the Eady Plan, we already have our three non-British subjects on this picture” – the Eady Plan stipulated that to receive governmental tax credits and financial help on a film produced in the United Kingdom, only three non-Brits could be involved in any capacity – “there’s me, someone else, and Barbara Bach. So you can’ get credit because we’ll lose our Eady Plan eligibility. And if it goes through the Writers Guild, you’re probably going to get a credit because I’m asking for a big rewrite, but you can’t have a credit, so I’m going to get into trouble with the Writers Guild. So nobody can know that you‘re on this picture. I’m going to pay you cash.”

We made the deal. Nobody knew that I was rewriting that picture. The first thirty pages went off to England, and Roger Moore called Cubby and asked, “When did Mankiewicz get on this picture?”
Cubby said, “He’s not on the picture, Roger”
He said, “of course he is. He’s on every fucking page. Tell him he’s doing a good job.”



Tom Mankiewicz wurde nach seinen drei Bond-Aufträgen von Hollywood sehr gerne als Script-Doctor gebucht, d. h. man engagierte ihn als Art „Geheimwaffe“, die reguläre Skripts checken sollte und dem ganzen einen zusätzlichen letzten Feinschliff verpassen sollte. Wie gut er darin war, beweist allein dass „Columbo“-Beispiel. Serien-Hauptdarsteller Peter Michael Falk bestand persönlich darauf, dass Tom Mankiewicz die damaligen aktuellen Drehbücher lesen sollte und nur sein Einverständnis geben musste ob ihm diese zusagten, bevor Falk sie dann freigab. In der Filmindustrie erarbeitete Mankiewicz sich dann gegen Ende der Siebziger einen Sonderstatus als „Creative Consultant“ der weit über das Schreiben, bzw. Überarbeiten eines Drehbuchs hinausging, wobei sein Marktwert besonders bei „Superman – the movie“ und bei der Entwicklung der Fernseherfolgsserie „Hart by Hart“ („Hart aber herzlich“) in ungeahnte Höhen stieg.


Da hierzu auch Christopher Wood mit der Veröffentlichung von „James Bond, The Spy I loved“ seine eigene Interpretation hinsichtlich der Entwicklung der beiden Bondfilm-Drehbücher akribisch offenlegte, ist der geneigte Fan an Hand des filmischen Endresultats in der Lage, ausfindig zu machen, dass Mankiewicz Korrekturen an Woods Arbeitsfassung zu "The spy who loved me" sich verstärkt in den Dialogen bemerkbar machten.


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Scarpine

Verschlagener Korse

  • »Scarpine« ist männlich

Beiträge: 693

Registrierungsdatum: 25. Mai 2013

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4

Dienstag, 25. Februar 2014, 21:59

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We made the deal. Nobody knew that I was rewriting that picture. The first thirty pages went off to England, and Roger Moore called Cubby and asked, “When did Mankiewicz get on this picture?”
Cubby said, “He’s not on the picture, Roger”
He said, “of course he is. He’s on every fucking page. Tell him he’s doing a good job.”.


Köstlich! :D Vielen Dank für den Info-Nachschlag. Demnach war Mankiewicz bei "The Spy Who Loved Me" doch stärker involviert als sonst immer kolportiert wird, was meinen Aussagen im "Christopher Wood"-Thread, dass man die Skriptentwicklung (Maibaum, Wood, Mankiewicz, diverse andere) doch am ehsten mit "Gruppenarbeit" umschreiben kann, entgegenkommt.

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“there’s me, someone else, and Barbara Bach. So you can’ get credit because we’ll lose our Eady Plan eligibility..


"someone else" war dann vermutlich Curd Jürgens?
"Enjoying our little party, Monsieur... Saint John Smythe?"