Die Ära Daniel Craig (Eine individuelle Retrospektive)

  • (...) Bond wird von Cubbies Erben, von denjenigen, die ihn schützen sollten, von innen heraus seines Wesens beraubt. Diejenigen, die sein Überleben sichern sollten, bringen ihn um. Buchstäblich. Ein Bond-Darsteller, der Bond tot sehen möchte, um seine The-Oscar-Goes-To-Szene zu haben, wäre von Cubby den Haien zum Fraß vorgeworfen worden. Barbara und Michael haben Bond M. Craig zum Fraß vorgeworfen. Mahlzeit! (...)

    Wahrlich: "Die Feder ist mächtiger als das Schwert!"
    Feirefiz, wie ich Dich einerseits um diese Waffe beneide und andererseits froh bin, dass wir auf derselben Seite stehen! :prost:

  • Das Kompöiment gebeich zurück, Feirefiz! Tolle Abrechnung mit der Ära, der ich ebenso weitestgehend folge.

  • Ja, da ist (leider) viel Wahres dran. Wobei für mich - ohne jetzt NTTD übermässig in Schutz nehmen zu wollen - die Probleme der Craig-Ära spätestens mit SF angefangen haben.


    Quote

    Wäre nicht – abgesehen davon, dass es schon in den 60ern Nachahmer und Parodisten en masse gab – hier und jetzt gerade das die Herausforderung? Ein Bond, der uns wieder zeigt, wie hoch es hinausgehen kann! Kein 1:1-Remake von MR, aber ein Bond, der uns auch im 21. Jahrhundert vor Augen führt, wie wundervoll und unfassbar weit die Welt ist, und den das Feuilleton völlig kalt lässt! Nicht aber schöne Frauen … Der lieber einen dummen Spruch zu viel raushaut als einen Brüller zu wenig! Ist das inzwischen wirklich undenkbar?


    Wohl leider undenkbar, da die Macher so was nie (mehr) erlauben würden. Aber definitiv nicht undenkbar im Sinne von dass es durchaus funktionieren könnte. In DAD gab es ja viele "Over the Top"-Ansätze. Dass der Film ein Reinfall war, lag aber nicht an diesen Ansätzen, sondern daran, dass er einfach schlecht gemacht war. Wobei auch hier die Macher in der Verantwortung standen. Sie wollten diesen Film so, wie er war und waren damals offenkundig sehr stolz auf ihr Werk. Nur, um kurz darauf zu erkennen, dass DAD doch Schrott war, Brosnan kurzerhand abzuservieren und ein Reboot zu starten. Rückblickend eine ziemliche Panikreaktion und leider in völligem Gegensatz zur Craig-Ära, in der eine starke Kurskorrektur im Sinne einer Rückbesinnung mehr als einmal angezeigt gewesen wäre.


    CGI auf Asylum-Niveau. OT, aber: Waren das nicht die, die das Meisterwerk "Bigfoot - die Legende lebt" gemacht haben :thumbup: ?

  • Eben, mit mehr praktischen Effekten wäre DAD wohl nicht so unter die Räder gekommen. Hauptaugenmerk der negativen Kritik lagen beim unsichtbaren wagen und den schwachen CGI Tricks.


    Und wie man heute auch noch einen guten, unterhaltsamen Bond hinkriegt, zeigt doch Tom Cruise seit Jahren. Mission: Impossible: Phantom Protokoll ist doch sogar Moore-Bondesque :D

  • Zu DAD: Naja, wir wollen mal Jinx und so ziemlich jeden einzelnen ihrer gesprochenen Sätze nicht als Kritikpunkte nicht unter den Tisch fallen lassen, oder? Die wogen bei mir schon seit jeger um Tonnen schwerer als jeder CGI-Fail.


    Freut mich, dass du hier Phantom Protocol nennst, neben Teil 1 und Rogue Nation mein Favorit der Reihe und m.E. klar vor dem overhypten Fallout.

  • Zu DAD: Naja, wir wollen mal Jinx und so ziemlich jeden einzelnen ihrer gesprochenen Sätze nicht als Kritikpunkte nicht unter den Tisch fallen lassen, oder? Die wogen bei mir schon seit jeger um Tonnen schwerer als jeder CGI-Fail.
    (...)

    Also, der Moment, in dem Bond Jinx wiederbelebt, sie in den heißen Pool bringt und so weiter ... erinnerte mich schon etwas an die vergeblichen Versuche Bonds an Vesper in CR06.
    Und ich muss sagen, wenn sich DARAUS schon keine längere Sache entwickelt hat, wie konnte es dann mit Madeleine passieren.
    Jinx war in meinen Augen vitaler, kompetenter, humorvoller und ebenbürtiger als Madeleine ... in jedem Augenblick ihrer Screen-Time!

  • Ich bin frohgemut, nunmehr der Erkenntnis beizuwohnen, dass das Forum in diesem Thread, wie auch jüngst in einigen anderen, allerallerbestens aufzublühen vermag - und las hier nun mit großem Interesse mit, denn auch meine Wenigkeit wartet nicht sechs (!) Jahre, um dergestalt alberne Zustände zu erleiden,


    es hat mich dazu inspiriert, in den nächsten Tagen (eventuell schon heute, gegenwärtig aber nahezu unmöglich) eine neue 007-Bestenliste anzufertigen,
    ähnlich wie Mr. Fogg mit The Rock werde ich ebenfalls einen etwas "anderen" Film einbinden: das kinematographische Brosnan-Interaktiv-Meisterwerk Alles oder Nichts ;) , meinen 2004er Diamanten, durch dessen Hilfe ich weiland durch das Tor des Zum-Fan-geworden-Seins trat, mehr BOND geht nicht!!!!


    NTTD werde ich zwar nicht in Gänze rausstreichen, dafür fand ich ihn mitnichten schlecht genug, doch ich neige inzwischen dazu, die Craig-Ära in ihrer Gesamtheit nicht zur Bondreihe zu zählen, für mich gibt es nur noch eine aus 20 Hauptfilmen und 40 Jahren bestehende BOND-Reihe sowie eben seit 2006 ein aus 5 (mit der 2010er Brücke Bloodstone 6) Filmen bestehendes "Paralleluniversum" mit ähnlicher Hauptfigur und doch völlig anders angelegtem Charakter.
    Auch den häufig verwandt worden seienden Vergleich Dalton/Craig nutze ich immer seltener, zumal: Daltons Werke fügen sich dennoch in die Ur-Reihe ein.

  • Izumal: Daltons Werke fügen sich dennoch in die Ur-Reihe ein.


    Richtig. Und es kotzt mich nahezu an, wenn erstaunlicherweise Craig-Enthusiasten Timothy Dalton richtig nieder machen. Oder Craig als Flemings Bond tituliert wird. Da fühle ich mich nun noch bestärkter, da ich dies nie so empfand!




    Das gar nicht mal ein schlechter Ansatz. Und ich sehe das mittlerweile auch ein bisschen so. Genauso wie man sich streiten kann ob und wie man NSNA zur im Rahmen der EON-Bondfilme berücksichtigen kann.


    Nur so könnte/kann man das finale Resultat verkraften. Aber auch da war ich einigen schon voraus, diese "Spaltung" schuf ich für mich schon zu Beginn der Craig Ära. Ich mag Craig auch gar nicht in einer Liste "beste Bonddarsteller" einreihen.
    Einer meiner besten Kumpels wollte, trotz meiner Ansichten, bis zum Schluss immer das Craig-Universum mit den früheren Bonds verbinden.
    Nach dem Motto: jetzt ist M wieder männlich, also kann man demnächst tatsächlich Dr. No und Goldfinger rausholen. Oder bis jetzt spielte alles immer noch vor Dr. No. Na ja, immerhin hatte Bonds Tod hierfür was Gutes, mein Kumpel hat es endlich begriffen :D

  • Aber auch da war ich einigen schon voraus, diese "Spaltung" schuf ich für mich schon zu Beginn der Craig Ära.


    Das warst Du (mir) wirklich voraus. Heute sehe ich diese Spaltung auch bereits ab dem Zeitpunkt CR. Damals war mir das noch irgendwie egal und ich hatte halt noch lange die Hoffnung auf einen "klassischen" Craig-Bondfilm. Der kam leider nie :(

  • Habet Dank.


    Alles spielend VOR Doctor No :D , das ist tatsächlich eine etwas ulkige Auslegung, da war Bond '21 für deinen Kumpel tatsächlich für was gut :) , Mister Bond.
    Ich werde mir zwar zum Jubiläum im Oktober 2022 bestimmt eine neue Komplettbox MIT no time to die zulegen (also nicht diese seltsame Variante "mit L eerplatz für den aktuellen Film", sondern sobald eine mit 25 Filmen und sechs abgeschlossenen Ären folgt), aber ich sehe Craigs Beiträge zunehmend als eigenständige Reihe,
    das sind keine schlechten Filme im eigentlichen Sinne, aber ein Abbild der Filmwelt des 21. Jahrhunderts und keine neue Akzente setzenden Trendsetter mehr, sondern Werke, die eher hinterherhinken und nachmachen, anstatt ein Vorbild für andere Filme der nächsten Jahre zu sein.
    Und besonders bei dem Dalton-Aspekt stimme ich sofort zu, denn diese ganzen L eute mit ihrer Argumentation, erst er (Craig) mache die Figur "human", das störet mich dann doch gewaltig, ironischerweise brachte man dieses Argument auch mal irgendwo im Bonusmaterial von DAD bezüglich Brosnan, ebenfalls als habe es Dalton nicht gegeben.
    Auch immer weniger Zustimmung schenke ich in einer Hinsicht aber sogar der Dalton-Fraktion, "seiner Zeit voraus".
    Im Kern bediente er sich der 50er und 60er Jahre (50er: Fleming, 60er: die beiden ersten Connery-Filme), zusätzlich brachte Dalton dann eben die Menschlichkeit eines OHMSS und das Ganze wurde dann in die 80er verfrachtet und war somit mehr ein Zurück-zu-den-Wurzeln-Werk als ein Vorläufer der 2000er, Vergleiche zwischen Dalton und Craig kann ich ausschließlich, teilweise, bezüglich CR und QoS nachvollziehen.
    Aber zu den Craig-Fans, die negativ über Dalton parlieren:
    Eins stimmt natürlich leider, ich meine das sagte hier auch mal Scarpine:
    Craig, Brosnan, Moore, Connery, sie alle eint der magische Draht zum Publikum, dieser Punkt gelang den "Insider"-Darstellern L azenby und Dalton nie so recht in breiter Vollständigkeit, sie sind wie personifizierte Unterseeboote, laufen irgendwie unterhalb vom öffentlichen Radar,
    damit bleibt Dalton für das romantechnisch geschulte Fanpublikum ein extrem spannender Mensch mit Sachkenntnis, aber für den Normalo, der einfach nur ein charmantes "geschüttelt, nicht gerührt" hören möchte ohne ernsthafteren seelischen Bezug, ist dieser Mann einfach nicht so sehr Bond.
    Craigs Ära brach zwar mit einigen Klischees, aber letztlich wurde daraus ja doch ein sehr obskurer Pseudo-Anspruch, ein Publikum das sich Gefühle und Amouröses aus dritter Hand sucht, im Kino weinen und poetisch drauf sein, beseelt und bekümmert, aber im echten L eben dürfte keiner so theatralisch reden wie Bond und Seydoux, manche Menschen FÜHLEN eben tatsächlich nur auf der L einwand, ich finde es erschreckend dass es derart pseudohaft mit Gefühlen umgehende 0815-Streifen braucht, um dem Menschen eine Träne zu entlocken. Das L eben da draußen ist viel echter und wahrhaftiger als die letzten Craig-Filme, trotzdem wird uns diese Kost als realistisch und lebensnah präsentiert, aber SO empfindet doch keiner, das ist künstliche Dramatisierung von A bis Z, so komisch melancholisch sind im echten L eben vielleicht Spinner wie meine Wenigkeit, L eute die ständig über L iebe philosophieren, aber dem normalen Zuschauer so einen seltsam theatralischen Quatsch als "die Wahrheit" zu verkaufen, da kann ich nur selbstironisch schmunzeln ;) , das ist eine merkwürdige Zeit, draußen alle einen auf heiteren Kuchenklatsch machen und auf die Wie-gehts-dir-Frage plump mit "Gut, außer Corona" antworten, aber im Kino soll es dann alles ernst und düster sein?


    Gibt es vielleicht wirklich ein Publikum, das so wenig FÜHLT, dass es SOLCHE Filme benötigt, um zu glauben, etwas Persönliches sei geschehen.
    Sie sollten Bond wieder lockerer nehmen - und das sage ICH als komplizierter Psychologie-Fan. Die Figur ist verkrampft geworden - oder wie ein werter Forenkollege sprach: Die jüngste Zeit hat die Brosnan-Filme tatsächlich rehabilitiert.

  • NTTD werde ich zwar nicht in Gänze rausstreichen, dafür fand ich ihn mitnichten schlecht genug, doch ich neige inzwischen dazu, die Craig-Ära in ihrer Gesamtheit nicht zur Bondreihe zu zählen


    Das kannst du gerne machen, ist aber objektiv falsch.



    werde ich ebenfalls einen etwas "anderen" Film einbinden: das kinematographische Brosnan-Interaktiv-Meisterwerk Alles oder Nichts ;)


    Auch das kannst du gerne machen, wolltest uns ja auch früher schon deine Videospiele als Bondfilme verkaufen, ist aber genauso objektiv falsch.


    (Soll ich meinen Hund auf die Bestenliste setzen? Der ist zwar streng genommen auch kein Bondfilm, aber ein ganz toller Kerl!)



    Genauso wie man sich streiten kann ob und wie man NSNA zur im Rahmen der EON-Bondfilme berücksichtigen kann.


    Muss man sich darüber streiten? NSNA ist kein offizieller EON-Bond - Punkt.

  • (...) doch ich neige inzwischen dazu, die Craig-Ära in ihrer Gesamtheit nicht zur Bondreihe zu zählen (...)

    Das möchte ich selber nicht! Dafür finde ich die ersten drei Craigs doch immer noch passend ... besonders CR06 und SF!
    SP kann ich noch akzeptieren, obwohl die Bruchlandung sich ankündigt.

  • Gut sind die frühen Craigs zweifelsohne, aber für mich fühlte es sich trotzdem nie zu 100% "bondig" an, einfach sehenswerte Filme, die zufällig einen 007-Schriftzug trugen ;--)

  • In meine Bestenliste kommen in meiner Welt alle Bondfilme - auch die wo ich nicht so gut finde :D NSNA ist kein EON Bond aber für mich genauso ein Bond wie alle anderen. Die Rechte gehören ja inzwischen auch EON.


    Gefühlt und das ist natürlich subjektiv, unterteile ich die Bondreihe in 2 "Phasen".


    Phase 1: 1962- 1989 , Phase 2: ab 1995


    Das liegt daran das wir bis 1989 mal mehr oder weniger immer die gleichen Personen bei den Filmen involviert waren. Sei es die Regisseure, Ken Adam, John Barry, Richard Maibaum und allen voran Cubby Broccoli.


    LTK war der letzte Film von Cubby, John Glen macht seinen letzten Bondfilm, Maibaum schreibt zum letztenmal an einem Script mit. John Barry hat schon 1987 seinen Abschied, Michael G. Wilson schreibt nach 1989 auch nicht mehr offiziell - so wie in den 80ern an den Scripts mit usw..


    Phase 1 könnte ich "gefühlt" auch mit 1985 mit dem Abgang von Roger Moore beenden, da vom Alter die Figur Bond von 1962- 1985 eine Person ist. Aber aus den o.g. Gründen gehören die Dalton Filme irgendwie noch dazu.


    Phase 2 beginnt für mich mit Barbara Broccoli als ausführende Produzentin, neue Regisseure die zuvor noch nicht im Bond Franchise tätig waren, Purvis & Wade usw..

    Schönes Gewehr, passt eigentlich mehr zu einer Frau. - Verstehen Sie etwas von Waffen Mr.Bond ? - Nein, aber etwas von Frauen.

  • Gut sind die frühen Craigs zweifelsohne, aber für mich fühlte es sich trotzdem nie zu 100% "bondig" an, einfach sehenswerte Filme, die zufällig einen 007-Schriftzug trugen ;--)


    Siehst du, und damit es nicht darauf ankommt, was die Menschen so alles für sich "fühlen", gibt es die Objektivität. ;)

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