Der beste "James Bond"

  • Die gerade im Thread zur Craig-Nachfolge stattfindende Diskussion hat mich zu einer spontanen Frage gebracht, die ich so bisher noch in keinem Forum diskutiert sah:



    Wer ist für euch der beste "James Bond"?



    Ich gebe zu, dass die Frage alles andere als neu wirkt, aber mir geht es hier nicht um den für euch besten Bonddarsteller oder den besten Bondfilm (auch wenn das in die eigentliche Frage mit reinspielen mag), sondern darum, in welchem Film die Interpretation der Figur des "James Bond" am ehesten dem nahe kommt, wie ihr die Figur selbst seht und interpretiert.


    Es ist ja eine Binsenweisheit, dass jeder Bonddarsteller der Figur eine eigene Charakterisierung und Interpretation verpasst (hat), aber auch innerhalb der Darsteller-Ären gibt es unterschiedliche Auslegungen, die aber natürlich nicht ganz so krass ausfallen wie zwischen den Darstellern. Connerys Bond in FRWL ist von der Grundlage her ein (leicht) anderer als der in TB oder gar DAF, Moore ist in LALD ein "anderer" Bond als in MR oder AVTAK, Craig interpretiert Bond in CR auch anders als in SP. Sogar Daltons Bonds unterscheiden sich, wenn man genauer darüber nachdenkt.


    Also: Welcher Film interpretiert die Rolle des "James Bond" am ehesten so wie ihr die Figur seht/interpretiert/empfindet? Ich hoffe, es wird einigermaßen klar, was ich meine. :D


    Bei Bedarf könnte man eine Umfrage anfügen, ich warte mal, wie das Thema angenommen wird. :)

  • Ein super Thema. Wegen gerade knapper Zeit hier ein Schnellschuss:


    Auch wenn nach dem favorisierten "James Bond"(-Typ) und nicht nach dem favorisierten James Bond(-Darsteller) gefragt ist, kann man m. E. diese Frage nicht völlig unabhängig vom Darsteller beantworten. Denn natürlich prägt der Darsteller den jeweiligen James-Bond-Typ, wenn auch gewiss in unterschiedlichen Filmen auf unterschiedliche Weise, und ist ein bestimmter Darsteller gerade deswegen der persönliche Favorit, weil einem der von ihm verkörperte Typ am meisten zusagt.


    So nimmt es denn nicht Wunder, dass mein favorisierter James-Bond-Typ von meinem favorisierten Darsteller Sean Connery verkörpert wird, nämlich in den ersten vier Filmen von DN bis TB. Kein anderer Bond-Typ legte diese selbstverständliche, gelassene und zugleich kraftvolle Maskulinität an den Tag, die für mich bis heute die Quintessenz der Filmfigur ausmacht.


    Von den anderen Darstellern gefällt mir jeweils am besten:


    Moore: Der TMWTGG-Bond. Weltmännisch und gefährlich.
    Dalton: Der TLD-Bond. Interessante Mischung zwischen warmer Emotionalität und kühler Entschlossenheit.
    Brosnan: Der TND-Bond. Professionell und in den heißesten Situationen einen kühlen Kopf bewahrend.
    Craig: Der CR-Bond. Im Grunde leidenschaftlich und idealistisch, aber im Kampf mit seinen eigenen Emotionen.


    Der OHMSS-Bond sagt mir eher weniger zu, wobei ich das auch nicht hundertprozentig von Lazenby's etwas hölzerner Darstellung trennen kann. Insgesamt erscheint es mir aber so, als habe dieser Bond seine Emotionen nicht richtig im Griff, was ich mir bei Craigs jungem Heißsporn gefallen lasse, hier aber weniger (mag man mir als ungerecht ankreiden).

  • als habe dieser Bond seine Emotionen nicht richtig im Griff

    Von Zorn und Hass abgesehen, sollten Emotionen auch nicht dazu berufen sein im Griff gehalten zu werden. Freigesetzte Emotionsentfaltung entspricht da eher dem Naturbild des Menschen, somit wirkt ein "ehrlicher" Bond noch roher und ursprünglicher :thumbup:



    Schönes Thema :)





    Auch wenn ich damit niemanden überraschen werde, muss ich insgesamt für Dalton in LTK stimmen. Nicht weil es mein Lieblingsfilm der Reihe ist (naja, nicht direkt, eigentlich ist es eher OHMSS, lediglich die Darsteller tauschen da das Ranking), sondern weil ich mir genau DAS unter Bond vorstelle:
    brutale Entschlossenheit, ein Killer mit Herz sozusagen. Sicher sei euch gestattet diese Sichtweise meinerseits zu kritisieren, wo sie nun wirklich nicht dem Allgemeinbild von Bond entspricht, aber es ist in meinen Augen nun einmal die stärkste, realistisch-glaubwürdigste und irgendwo auch authentischste Bondperformance. Damit ich hier aber nicht wieder den Dalton-Fanboy sprechen lasse, werte ich nun wie Baron Samedi noch die Ergebnisse aller Darsteller aus.


    Sean Connery


    Seine Interpretation steht meiner Vorstellung der Rolle nach am ehesten in DN und FRWL im Vordergrund: viel Biss, fast schon etwas wortkarg und dennoch schlagfertig bis zynisch, bitterer Blick und zugleich dennoch nicht gänzlich unsympathisch, da man zumindest seinen Standpunkt erfasst.


    Roger Moore


    Hier tendiere ich ganz klar zu FYEO und das mitnichten deswegen, weil der Film in meiner Top 5 zu finden ist. Meiner Ansicht bezüglich der Rolle nach, könnte man denken dass ich das Harte und Barsche als bondig empfinde. Wahrnehmen kann man das so, trotzdem schreibe ich hier FYEO und nicht TMWTGG, da ich in letzterem schlicht und ergreifend keinen Roger Moore sehe - und das ist bei einem Film mit Roger Moore durchaus eine Problematik.


    Pierce Brosnan


    TWINE


    Eigentlich entspricht Brosnan auch in DAD und vor allen Dingen TND ansatzweise dem, was ich mir wünsche für diesen Part. Bedauerlicherweise musste ich diese Auffassung aber schon vor Urzeiten revidieren, da DAD mehr CGI in sich trägt als ein Videospiel der Dreamcast-Ära und die Dialoge passen nicht zu dem, was ich mir unter Bond vorstelle. In TND kommen wir der Sache schon näher, doch die vielen High-tech-Spielereien lenken derart vom Kern der Sache ab, dass ich die Hauptfigur/en hier immer sehr schnell aus den Augen verliere - was mich wiederum bezüglich der Beurteilung selbiger disqualifiziert. Warum also TWINE? Bei TWINE kann ich es einfach besser einschätzen als in den anderen Werken, weil sich dieser Film Zeit für seine Charaktere nimmt. Damit bewerte ich zwar eher den Film als die Bondfigur, aber gerade das hängt für mich stark zusammen, weil ich mich nur in einem Film auf Bonds Charakter konzentrieren kann, in welchem selbigen auch ausreichend Bedeutung beigemessen wird. Auch kann ich Pierce hier erstmals ernster erscheinend als Agent wahrnehmen, zuvor (insbesondere in GE) war er eher - pardon - ein personifizierter Kleiderständer.


    Daniel Craig


    QoS ist mein Favorit, doch die Auslegung der Rolle gefällt mir in CR genauso gut, nicht zuletzt aufgrund der direkten Zusammenhänge beider Werke. Wichtig war für Craig offenbar, dass eine Art Mischung aus Dalton und Connery dargestellt wird, nicht jedoch ausschließlich das, sondern obendrein mit einer gehörigen PHYSISCHEN Prise Craigpräsenz. Endlich wieder ein verletzlicher Bond, der sich zumindest im Beisein seiner Liebsten nicht allzu sehr seiner Gefühle schämt.

  • In Ergänzung meines Beitrags oben hier noch meine persönlichen Lieblingsszenen, in denen mir die Nicht-Connerys am besten gefallen, mich am meisten als Bond überzeugen. Dabei handelt es sich bewusst nicht um Action-Szenen, sondern um solche, die allein von der Performance und Präsenz des jeweiligen Darstellers leben:


    Lazenby - Gumbold's Safe (wie konnte diese großartige Szene in früheren Versionen bloß fehlen?)


    Moore - Lazar ("Speak now or forever hold your piece.")


    Dalton - Saunder's Tod ("Did you hear?" - "Hear from Georgi? Yes. I got the message.")


    Brosnan - Dr. Kaufmann ("I'm just a professional doing a job." - "Me too.")


    Craig - Poker mit Dimitrios ("Oh, and the valet ticket.")

  • So simpel die Thread-Frage auch auf den ersten Blick anmutet, so überraschend schwierig ist sie wohl für alle leidenschaftlichen Fans, die das breite Spektrum des Franchise schätzen zu beantworten.
    Ich selbst mußte auch erstmal ein paar Tage lang in mich gehen um hier eine eindeutige Antwort zu geben - denn die ist ja hier gefordert worden.


    Und diese fällt in meinem Fall dann wiederum dann doch so plakativ wie nur möglich aus.
    Obwohl ich ein Vertreter der 'Generation Dalton' bin, und die beeindruckend ambitionierten Rolleninterpretationen des Walisers meine ersten Jahre als Fan sehr geprägt haben, sehe ich den "besten", also DEN ultimativen Bond, der Bond der mir intuitiv fast immer als aller erstes in den Sinn kommt, wenn ich die Augen schließe, unterm Strich tatsächlich im ikonischsten Jahrgang der Bondgeschichte, im popkulturell legendärsten Film, in Konfrontation mit dem berühmtesten Villian: GOLDFINGER.


    Meinen Lieblingsbonddarsteller Sir Sean empfinde ich zwar ich auch in jedem anderen seiner Einsätze souverän im Part - aber wie wir unseren geliebten Superagenten vom Autoren-Team Richard Maibaum & Paul Dehn, Regisseur Guy Hamilton und letztendlich Connery in GF präsentieren bekommen, hat geradezu etwas magisches. Bond strahlt hier auf mich eine so triumphale und attraktive Aura wie in keinem anderen Beitrag aus. Fast jede seiner Bewegung (wenn er mal nicht gerade bedroht wird), hat etwas glamouröses, etwas überirdisch cooles, gleichzeitig bei aller genießerischen Gelassenheit, aber auch stets etwas hochkonzentriertes und extrem professionelles. Seine ganze Körpersprache ist die eines Mannes, der sich jedes Vergnügen nehmen kann wenn er es nur will.


    Klar schillerte der Connery-Typus auch schon in DN und FRWL - aber die Schöpfer von GF fügten der Leindwandfigur zum Zeitpunkt als Connery imho das perfekteste Alter für den Part hatte, nochmal eine gehörige - meiner Meinung absolut herrliche - Portion Snobismus und an Unverschämtheit grenzendes Selbstverständnis hinzu. "I'd say it was a 30-year-old fine, indifferently blended, sir... with an overdose of bon-bois". M: "Colonel Smithers is giving the lecture, 007." :thumbup:


    Schon allein im Pre-Title wird uns eine regelrechte Manifestation dessen serviert was ich unter einer 100 %-tigen Bondpräsenz vestehe. Wie er da an der Bar lümmelnd auf seine Uhr schaut... Mehr auf den Punkt kann man es nicht bringen. Wie gesagt: Für Fandom-Augen fast schon zu plakativ, zu typisch... aber genau das ist es eben: Da steht halt 007 am Tresen... DER 007...


    Ich habe auch nie wirklich die Kritik verstanden, das die Präsenz des genialen Villians in diesem Werk unseren Geheimagenten in den Schatten stellen soll. Ich sehe da vielmehr ein aufregendes Duel auf Augenhöhe. Oft ist ja zu lesen das vorallem die Gefangenschaft Bonds als störend empfunden wird. Diese Szenen empfinde ich überhaupt nicht als Schwach. Gerade in der brenzlichen Konfrontation mit dem Gegner entfaltet sich in meinem Augen die wahre Souveränität dieser Bondinterpretation. 007 sitzt in der Kellerzelle, als lümmle er in einer Hotelsuite, befreit sich spielend, provoziert quasi in einer Dauerrevue seine Peiniger und erst dann wenn es mal wirklich aussichtslos für ihn zu werden scheint (Lasertisch, Odd-Job-Kampf, atomarer Vernichtungscountdown) verfällt auch der offensichtlich coolste Kerl unseres Planeten in schweißperlende Anspannung.


    Baron Samedi:


    Kann alles nachvollziehen was Du hier zu Protokoll gegeben hast. Wir haben da offensichtlich eine sehr ähnliche Wahrnehmung für die Bondtypen. :prost: Besonders die Erwähnung der TMWTGG-Moore-Perfomrance hat mich gefreut. Ich bin ebenfalls ein Verfechter der 'Lazar'-Szene. Und die Praterszenen mit Dalton in TLD sind sowieso jedesmal ein absolutes Fest.

  • Sehr, sehr gute Frage, und auch ich musste erst länger in mich gehen.
    Zur Einstimmung mal die Szenen, wo Bond für mich am elementarsten dargestelt wird.


    Connery:
    DN: bei Miss Taro & Dent
    FRWL: in Konfrontation mit Grant,
    GF: Pretitle und im Zusammenspiel mit Fröbe,
    TB: beim Tontaubenschießen


    Lazenby:
    Angst bei der Verfolgung bevor er Tracy an der Eisfläche wiedertrifft, Blick auf die säurezerfressene Tür im Endkampf, Tracys Tod


    Moore:
    LALD: Szenen mit Rosy, "Die Karten waren zu meinen Gunsten gemischt",
    TSWLM: Bargespräch mit XXX,
    FYEO: Loques Tod, Zusammenspiel mit Columbo,
    OP: "Double sixes"


    Dalton:
    TLD: Koskovs Flucht am Anfang,
    LTK: Szenen mit Sanchez


    Brosnan:
    GE: "No more foreplay",
    TND: Kaufmanns Tod,
    TWINE: Elektras Tod,
    DAD: Folter


    Craig:
    CR: Pretitle, Einparken des Geländewagens und Wegwerfen der Schlüssel, Zugdialog, Dusche mit Vesper, Folter, Vespers Tod, Schluß
    QOS: Tosca, Schluß
    SF: Psychiater, Flucht mit M im Aston
    SP: Beerdigung & Donna Lucias Rettung, Rattenszene & Whites Versteck, Verschonen Blofelds


    Für mich ist der Bond, wie wir ihn in CR und QOS erleben, der, der mir am sympathischsten ist und den ich auch am meisten mit dem Romanbond verknüfen kann: bei allem Schmerz, den der Kampf v.a. mit seinen eigenen Gefühlen verursacht, doch cool und souverän, mit feinem Humor, weltmännischem Auftreten und unter seiner harten Schale als Profi und Maschine des MI6 doch zutiefst menschlich, mitfühlend und an den Grenzerfahrungen leidend. Gefangen im ständigen Kampf Pflicht vs. Herz. Das ist genau der Bond, wie er mir in den Romanen begegnet und wie ich ihn mag und das schätze ich auch an den anderen aufgelisteten Szenen.


    Connery lässt für mich das Menschliche, das Craig, Dalton, Lazenby, Brosnan und tlw. auch Moore verkörpern können, komplett außer Acht. Als reiner cooler Womanizer ist mir die Figur zu flach, das sollte nur eine Facette von vielen sein, daher landet Connery in meinem Darstellerranking meist ziemlich hinten.
    Zum Vergleich vielleicht ein Ausflug zu den (anderen) Superhelden: während Bond für mich eher ein Batman sein sollte (menschlich, durchaus auch gebrochen), so gibt Connery eher den Superman. Ich finde, Daltons damaliger Vorwurf diesbezüglich trifft viel mehr noch auf die Connery-Ära zu, als auf Moore, der wenigstens hin und wieder seine menschliche Seite zeigt. Bei Connery fällt mir keine Szene ein, seine in jeder Szene zur Schau gestellte Coolness nimmt ihm komplett die Menschlichkeit.

  • Ich bin ebenfalls ein Verfechter der 'Lazar'-Szene.

    Fast ebenso sehr wie die Szene selbst liebe ich die Hinführung zu ihr. Wie Roger Moore sich so lässig und zielgerichtet durch Macau bewegt, umgeben von flackernden Neon-Lichtern - klasse. Eines der vielen Moment-Highlights in diesem Film, der so viel besser ist als sein Ruf.


    Und die Praterszenen mit Dalton in TLD sind sowieso jedesmal ein absolutes Fest.

    Ja, das einfache und aufrichtige "Saunders? ... Thanks." von Bond, Saunder's kurzes Kopfnicken (nachdem die beiden Typen zuvor gar nicht miteinander klar gekommen sind), die Schiebetür, die Luftballonszene, der kurze Dialog mit Kara mit Bond's wütend-gepresstem "Yes..." - eine tolle, intensive Sequenz.


    Was war das für ein Fest letzten Sommer in Wien, als ich alle Drehorte von TLD besuchen konnte!


    Wir haben da offensichtlich eine sehr ähnliche Wahrnehmung für die Bondtypen.

    Außer vielleicht dass ich leidenschaftlicher TND-Verfechter bin (auch und gerade in Bezug auf Brosnan's Performance), den Du glaube ich nicht so magst. :thumbup:


    Ansonsten wie immer ein Genuss, Deine Ausführungen zu lesen!

  • Quote

    Lazenby:
    [...] Blick auf die säurezerfressene Tür im Endkampf, [...]


    Diese Szene gefällt mir auch sehr gut. Dieser verblüfft-coole Gesichtausdruck von Lazenby ist einfach genial :thumbup:

  • Also: Welcher Film interpretiert die Rolle des "James Bond" am ehesten so wie ihr die Figur seht/interpretiert/empfindet?


    Am ehesten - und da schließe ich mich Dr. MoVe an - wäre das bei mir Goldfinger. Nicht nur wegen der ikonischen Coolness von Connery, vor allem auch wegen der Szenen, in denen Bond außerhalb seiner Komfortzone agieren muss. Wie die Lasertischszene und der Fort-Knox-Kampf. Überhaupt mag ich Connery vor allem dann, wenn er mal nicht über allen Dingen steht. Auch die Dialoge mit den Villains sehe ich bei ihm besonders gern. Da er sich in GF überdurchschnittlich lange in der Hand des Schurken befindet, glänzt er hier für mich besonders. Ein weiteres Beispiel ist der berühmte Orient-Express-Showdown in FRWL. Hier kommt beides zusammen: Tödliche Bedrohung und Dialog mit dem Schurken. Auch das Gespräch am Tisch mit Dr. No ist aus dem Grund eine meiner Lieblingsszenen von Connery-Bond.


    Lazenby hat eine Facette, die am Romanbond meines Erachtens oft übersehen wird: Bond als normaler, teils auch recht netter Mensch, der nicht nur ständig mit Killerblick und Messer unterm Jackett durch die Gegend läuft. Der es auch schätzt, Freundschaften zu schließen und sich in Frauen zu verlieben, und der auch teils mit einer Spur von Wehmut auf ein normales Leben blickt. Lazenby kommt deshalb - zugegebenermaßen wohl teils auch unbewusst - dem Fleming-Bond recht nahe. Vor allem mag ich hier die Szene, in der Bond auf dem Weihnachtsmarkt auf Tracy trifft. Auch wenn sich bei Connery-Puristen bei dieser Aussage wahrscheinlich die Zehnägel hochklappen, Laz bringt hier eine Stimmung rüber, die ich Connery nie abgenommen hätte.


    Allerdings muss ich gestehen, dass mir Lazenby erst in der zweiten Hälfte von OHMSS wirklich gefällt, da er in der ersten noch etwas zu sehr in Connerys Fußstapfen schwimmt. Das macht sich vor allem in der deutschen Synchro bemerkbar, wenn GG Hoffmann teils noch aus dem Off Oneliner zum Besten gibt.


    Bei Moore mag ich vor allem den ironischen Gentleman aus TSWLM und MR, bei dem eher selten, aber dafür effektiv, der skrupellose Kerl durchscheint. Das hat mit dem Fleming-Bond vielleicht am wenigsten zu tun, wirkt aber durch die Film-Sozialisation auf mich immer noch ur-bondig.


    Bei Dalton liebe ich TLD, hier wirkt die Mischung aus dem Buchbond und dem mit scheinbar unendlicher Erfahrung und Können gesegneten Filmbond fast perfekt. Dieses kurzes Funkeln in den Augen beispielsweise, als Saunders ihn wegen seines Zu-Spät-Kommens rügt - einfach hammer. Als Womanizer ist er weniger überzeugend, aber das machen für mich die anderen Momente mehr als wett. In LTK finde ich ihn allerdings eine Spur zu emotional.


    Pierce Brosnans überzeugendste Darstellung ist für mich TND, das sehe ich wie Baron Samedi. Brosnans größter Trumpf war seine Attraktivität, sein größter Feind die innere Anspannung. Bei TND war beides in perfekter Balance. In der Pretitle liebe ich einfach alles, Outfit, Auftreten, Aussehen. Wobei ich ihn szenenweise auch in GE als sehr cool empfinde.


    Bei Daniel Craig ist das Interessante, dass er eben nicht dem klassischen Bond-Image entspricht, das Brosnan zumindest äußerlich perfekt verkörperte. Deshalb fällt es mir bei seinen Filmen schwer, DEN James Bond zu sehen, was aber paradoxerweise nicht negativ ins Gewicht fällt. Hier sind es immer wieder mal einzelne Szenen in allen Filmen, weniger ein bestimmter Film. Das Pokerspiel und die Schlusszene in CR, die Autojagd und der Tosca-Aufritt in QOS, die PTS von Skyfall und Spectre. Obwohl ich einige Szenen in SP arg seltsam finde ("Sieh nicht hin!", und ähnliches), kommt Craig meinem klassischen Bondbild insgesamt hier doch am nächsten.


    Insgesamt würde ich folgende Liste aufstellen:


    - Goldfinger
    - Der Spion, der mich liebte
    - Der Hauch des Todes
    - Liebesgrüße aus Moskau
    - Moonraker
    - Der Morgen stirbt nie
    - Im Geheimdienst Ihrer Majestät


    Bis auf TND Filme, die auch in der allgemeinen Bestenliste weit oben stehen...

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